Tod und Trauer im Religionsunterricht

Kinder- und Jugendliteratur für den Religionsunterricht


Seminararbeit, 2007

17 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einstieg in das Thema „Tod und Trauer“ im Religionsunterricht
2.1. Allgemeine Vorbemerkungen zum Thema „Tod und Trauer“ im schulischen Kontext
2.2. Wie gehen Kinder und Jugendliche mit dem Thema Tod um?
2.2.1. Umgang von Kindern mit dem Thema „Tod“
2.3. Wie trauern Kinder und Jugendliche in welchem Alter? 5 Phase des Nicht-Wahr-Haben-Wollens

3. „Hechtsommer“
3.1. Inhaltsangabe
3.2. Eignung des Werkes für den Religionsunterricht

4. Unterrichtsentwurf für eine Stunde zum Thema „Tod und Trauer“ mit dem Buch „Hechtsommer“

5. Weitere mögliche Anregungen für die Arbeit mit „Hechtsommer“
5.1. Die Theodizeefrage und die Götze „Hechtgott“
5.2. Hoffnung
5.3. Veränderungen im Leben
5.4. Auferstehungsglaube

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Ausarbeitung wird exemplarisch die Verwendung eines Werkes der zeitgenössischen Kinder- und Jugendliteratur im schulischen Religionsunterricht zur Thematik „Tod und Trauer“ dargestellt. Dabei wird zuerst allgemein auf die Thematik und vorbereitende Überlegungen für den Religionsunterricht eingegangen. Im Anschluss wird das Buch „Hechtsommer“ von Julia Richter vorgestellt, anhand dessen dann der Unterrichtsentwurf für eine konkrete Unterrichtsstunde dargestellt wird und im Anschluss weitere Anregungen für die Verwendung des Werkes in einer Unterrichtsreihe gegeben werden.

2. Einstieg in das Thema „Tod und Trauer“ im Religionsunterricht

2.1. Allgemeine Vorbemerkungen zum Thema „Tod und Trauer“ im schulischen Kontext

Um im Religionsunterricht mit Kindern und Jugendlichen das Thema „Tod und Trauer“ besprechen und anhand eines Werkes aus der Kinder- und Jugendliteratur analysieren zu können, muss man sich zuerst Gedanken darüber machen, wie Kinder und Jugendliche mit dem Thema Tod im Allgemeinen umgehen. Außerdem muss man darauf vorbereitet sein, dass individuell unterschiedlich darauf reagiert wird, je nach persönlichem Hintergrund und eigener Lebensgeschichte.

Da gerade Jugendliche in der Phase der Pubertät sich in einer Zeit des Umbruchs befinden, muss hier ganz besonderes Augenmerk auf die Reaktionen des Einzelnen gelegt werden. Aber auch Kinder und Jugendliche, die sich vielleicht gerade in einer Trauerphase befinden, die einen nahen Angehörigen oder einen Freund/eine Freundin verloren haben oder die einen vom Tod bedrohten Kranken kennen und daher sehr sensibel in Bezug auf das Thema sind, verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Von daher ist es wichtig, sich im Vorfeld genau zu überlegen, wie in der jeweiligen Altersstufe mit der Thematik umgegangen wird und welche Reaktionen zu erwarten sind. Nur so kann man bei diesem sehr persönlichen Thema als Lehrkraft angemessen auf eventuell auftretende Problemsituationen reagieren.

2.2. Wie gehen Kinder und Jugendliche mit dem Thema Tod um?

2.2.1. Umgang von Kindern mit dem Thema „Tod“

Der Arzt Tobias Brocher hat sich in seinen Büchern mit diesem Thema befasst. Er erklärt, dass der Tod für Kinder keineswegs etwas neuartiges und unbekanntes darstellt, vielmehr gehen sie sehr selbstverständlich mit diesem Thema um. Deshalb rät Brocher auch dazu, dass Thema „Tod“ keinesfalls zu tabuisieren. Gerade auf Beerdigungen halten Eltern ihre Kinder oft fern, da sie der Ansicht sind, dass die Kinder für solch ein trauriges Ereignis noch zu jung sind. Doch dies soll man nach der Meinung von Brocher nicht, denn die Anwesenheit hilft auch den Kindern den Tod besser zu verstehen und auch verarbeiten zu können.

In einer Langzeitstudie, an der insgesamt 600 Kinder teilgenommen haben, befasst sich Brocher mit der Todesvorstellung der Kinder. Er kommt zu dem Ergebnis, dass der Tod von Kindern im Alter von 4 - 6 Jahren nicht als „endgültig“ angesehen wird. Diese Ansicht teilen viele Autoren, so auch Spölgen. Sie erklären, dass der Tod für Kinder eher einen Zustand wie „kaputt“ darstellt. „Aber ein kaputtes Spielzeug lässt sich [...] reparieren.“1 Zudem scheinen alle Merkmale des Todes nur „von außen verursacht zu sein.“2 Auch Elisabeth Kübler-Ross schließt sich dieser Meinung an. Sie erzählt in ihrem Buch davon, dass sie zusammen mit ihrer vierjährigen Tochter ihren verstorbenen Hund im Garten begräbt. Die Reaktion ihrer Tochter zitiert Kübler-Ross so: „Sie sah mich plötzlich an und sagte: „Das ist gar nicht so traurig. Im Frühling, wenn die Tulpen kommen, dann kommt er auch wieder heraus und spielt mit mir.““3

Im Alter von 7 - 9 Jahren wissen die Kinder, dass der Leichnam zerfällt. Es ist zu beobachten, dass sich in diesem Alterszeitraum der Glaube an eine Unsterblichkeit nach dem Tod herausbildet. Dies geschieht „unabhängig von der Religionszugehörigkeit“.4 Ab dem Alter von 9 - 10 Jahren besitzen Kinder eine realistische Einschätzung bezüglich des Todes. Sie erkennen, dass jeder Mensch, auch sie selbst, sterben muss und dass „die Ursache dafür letztlich nicht von außen kommt, sondern medizinisch-biologischer Art ist.“5 Aufgefallen an dieser Studie ist die Einschätzung von Kindern aus sozial schwächeren Milieus. Bei ihnen „herrscht die Vorstellung von Tod als Folge von Gewalt und Unfällen.“6

Auch Hubert Geuss führte eine Studie mit 60 Kindern durch. Diese hatten alle in den letzten zwei Jahren einen nahestehenden Angehörigen verloren.

„Zusätzlich ging Geuss von der Theorie aus, dass hoher Fernsehkonsum der Kinder eine Verdrängung des Todes begünstigen könnte.“7 Nach der Berechnung des durchschnittlichen Fernsehkonsums stellte sich heraus, dass Kinder mit hohem Fernsehkonsum häufig eine unrealistischere Vorstellung vom Tod haben, als Kinder mit weniger Fernsehkonsum. Außerdem verändert das Fernsehen generell das Denken der Kinder und schränkt auch ihre Phantasiemöglichkeiten ein.

Geuss folgert zudem aus den Ergebnissen seiner Studie, dass „nicht allein das Alter der Kinder, sondern deren Reifungsprozess und Lebenserfahrung [...] ihr Verständnis vom Tod“8 prägen. Auch eine emotionale Aufarbeitung des Todeserlebnisses ist unerlässlich, da sie „den Entwicklungsprozess der Kinder beschleunigen“9 können. Somit wird erneut darauf hingewiesen, dass man dieses Thema nicht tabuisieren darf, sondern dass es unerlässlich ist, besonders im Umgang mit Kindern, offen damit umzugehen.

2.3. Wie trauern Kinder und Jugendliche in welchem Alter?

Es gibt Trauerphasen, die sich voneinander unterscheiden lassen; „diese verlaufen nicht streng voneinander getrennt und wiederholen sich.“10

Die „Trauerreaktionen von Kindern können sehr unterschiedlich sein“11:

Der Trauerprozess hängt beispielsweise vom Alter ab (werde ich in den einzelnen Trauerphasen näher erläutern). Außerdem hängt er von den Merkmalen des betroffenen Kindes wie zum Beispiel seiner Persönlichkeit ab. Des Weiteren spielt die Bindung des betroffenen Kindes an die/den Verstorbene/n und die Hinterbliebenen in der Familie eine wichtige Rolle im Trauerprozess.12

Phase des Nicht-Wahr-Haben-Wollens Es ist „wie ein Schock“13. Das Kind kann nicht verstehen, dass jetzt alles zu Ende ist. Vor allem bei kleinen Kindern bis ungefähr fünf Jahren ist es verständlich, dass sie mit Verleugnung reagieren, da sie mit den Tod mit „zeitweisem Weggehen“14 verbinden und die Irreversibilität des Todes erst im Verlauf des Grundschulalters begreifen15. Es ist für das Kind ein Verlust, den es nicht wahrhaben will. Es „fragt immer wieder: `Wo ist…?` “16

Um die Realität zu begreifen, ist es oft hilfreich die/den Verstorbene/n im Sarg zu sehen.17

„Erst wenn dem Kind die Endgültigkeit des Todes bewusst wird, kann es wirklich trauen, eine emotionale Reaktion […] zeigen.“18

Phase der aufbrechenden Emotionen

Diese Phase ist gekennzeichnet von einer Mischung aus Schmerz über Verlust, Erfahrung von Existenzbedrohung, Zorn beziehungsweise Wut und Schuldgefühlen.

Die Erfahrung von Existenzbedrohung meint, dass ein Kind beispielsweise beim Tod eines Elternteils fürchtet, auch der zweite Elternteil könnte frühzeitig sterben.19 Kinder empfinden Wut auf die/den Verstorbene/n, der das Kind einfach verlassen hat, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass er/sie mit seinem/ihrem Weggehen ihm Schmerz zufügt. Kleinere Kinder haben dazu oft eine ganze „Liste“ von unerfüllten Versprechungen.20 Aus dieser Wut und dem Schmerz über den Verlust heraus, kann es verstärkt bei Kindern zwischen sieben und zwölf Jahren zu aggressiven Verhalten gegenüber Gleichaltrigen oder Erwachsenen kommen.21

Außerdem plagen in vielen Fällen Schuldgefühle und Gewissensbisse gegenüber der/dem Verstorbenen die Kinder. Diese Gefühle sind quer durch alle Alterstufen zu finden und sind verschieden motiviert.22 Oft beziehen sich diese Schuldgefühle auf gedankenlose Redewendungen - wie „ Du bringst mich noch ins Grab! “ - oder auf Verwünschungen, die Kinder im Streit gedacht oder gesagt haben.23

Es muss den Kindern klar gemacht werden, dass beispielsweise Todeswünsche im Streit nicht töten.24

[...]


1 Spölgen u Eichinger, S. 22.

2 ebd.

3 Kübler-Ross, S. 101.

4 Freese, S. 116.

5 Spölgen u Eichinger, S. 25.

6 Freese, S. 117.

7 ebd., S. 121.

8 ebd.

9 ebd.

10 Spölgen u. Eichinger, S.39.

11 Freese, S.118.

12 vgl. Oerter u. Montada, S. 829.

13 Spölgen u. Eichinger, S.39.

14 Fresse, S. 118.

15 vgl.Oerter u. Montada, S. 828.

16 Spölgen u. Eichinger, S.39.

17 vgl. a.a.O., S.40.

18 ebd.

19 vgl. a.a.O., S.51.

20 vgl. a.a.O., S.40.

21 vgl. ebd.

22 vgl. a.a.O., S.52.

23 vgl. a.a.O., S.41f.

24 vgl. a.a.O., S.53.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Tod und Trauer im Religionsunterricht
Untertitel
Kinder- und Jugendliteratur für den Religionsunterricht
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,3
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V167154
ISBN (eBook)
9783640835645
ISBN (Buch)
9783640836116
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tod, Trauer, Religionsunterricht, Kinderliteratur, Literatur
Arbeit zitieren
Anonym, 2007, Tod und Trauer im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167154

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