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Flucht auf vier Beinen. Die Trakehner zwischen Gefährten und Ressourcen im ostpreußischen Treck 1944/45

Title: Flucht auf vier Beinen. Die Trakehner zwischen Gefährten und Ressourcen im ostpreußischen Treck 1944/45

Term Paper , 2025 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anonym (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Diese Hausarbeit behandelt die Flucht aus Ostpreußen im Zweiten Weltkrieg. Fokus liegt dabei auf der Mensch-Tier-Beziehung und die Bedeutung der Pferde, insbesondere der Trakehner, für die Menschen als Ressourcen und als Weggefährten.

Trotz zahlreicher historischer Studien zur Flucht und Vertreibung wurde die Bedeutung der Tiere bislang kaum berücksichtigt. Die vorliegende Arbeit schließt an die methodische Neuausrichtung des sogenannten „Animal Turn“ an, der die Beziehung zwischen Mensch und Tier nicht nur als funktional, sondern als komplexes emotionales und interaktives Gefüge begreift. Ziel ist es, die Rolle der Trakehner während der ostpreußischen Flucht 1944/45 zu untersuchen und zu zeigen, wie sie sowohl als Ressource für die Bewältigung der Flucht als auch als emotionale Fluchtgefährten wahrgenommen wurden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

  • Einleitung – Die Trakehner zwischen Funktion und Emotion
  • Die Trakehner – Herkunft, Zucht und Bedeutung vor dem Zweiten Weltkrieg
  • Flucht aus Ostpreußen – Organisation und Bedingungen
  • Die Trakehner und ihre Rolle während der Flucht
    • Trakehner als Ressourcen
    • Trakehner als Fluchtgefährten
  • Erinnerungskultur und Symbolik der Trakehner
  • Fazit - Die Trakehner als Akteure der Geschichte
  • Quellen- und Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die vielschichtige Rolle der Trakehner Pferde während der ostpreußischen Flucht 1944/45. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wie diese Rasse sowohl als unverzichtbare Ressource zur Bewältigung der Flucht als auch als emotionale Fluchtgefährten wahrgenommen wurde, und damit einen Beitrag zur historiographischen Perspektiverweiterung durch den „Animal Turn“ zu leisten.

  • Die Mensch-Tier-Beziehung in Extremsituationen, speziell zwischen Ostpreußen und Trakehnern.
  • Die doppelte Funktion der Trakehner als ökonomische Ressource und emotionale Stütze während der Flucht.
  • Die historischen Bedingungen und der Ablauf der ostpreußischen Flucht und Vertreibung 1944/45.
  • Die Rezeption und Symbolik der Trakehner in der Nachkriegszeit und Erinnerungskultur.
  • Die Anwendung des "Animal Turn" als wissenschaftliche Methode zur Neubewertung tierlicher Akteure in der Geschichte.

Auszug aus dem Buch

Trakehner als Fluchtgefährten

Im Rahmen der Fluchtbewegungen aus Ostpreußen wurde das Verhältnis zwischen Mensch und Tier in eine Extremsituation überführt. Die Trakehner-Pferde, deren historische Bedeutung als Teil der ostpreußischen Zuchtkultur bereits im vorangegangenen Kapitel unter funktionalen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten beleuchtet wurde, treten hier als emotionale und symbolische Begleiter in den Vordergrund. Sie waren nicht nur funktionale Ressource, sondern wurden in zahlreichen Berichten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen als Fluchtgefährten beschrieben, deren Anwesenheit Orientierung und Kontinuität in einer Situation bot, die vom Verlust der Heimat geprägt war.

Diese Bindung gründete nicht ausschließlich in der Ausnahmesituation der Flucht, sondern war das Ergebnis einer über Generationen gewachsenen Mensch-Tier-Beziehung, die in der ostpreußischen Lebensrealität fest verankert war. Die enge Zusammenarbeit mit den Pferden im Alltag, die Pflege und Ausbildung der Trakehner sowie die gemeinsame Bewältigung landwirtschaftlicher und züchterischer Aufgaben führten zu einem Verhältnis, das durch Respekt, Fürsorge und einer persönlichen Verbindung geprägt war. Besonders im Hauptgestüt Trakehnen manifestierte sich diese Beziehung als Teil einer traditionellen Ordnung, in der Pferdepflege nicht nur Pflichterfüllung, sondern zugleich Ausdruck beruflichen Selbstverständnisses war. Die „preußische Einfachheit und Sparsamkeit“ zeigte sich dabei in einem gar familiären Verhältnis zu den Trakehnern. Angestellte erhielten teilweise Naturalien wie Unterkunft oder Nahrung als Entlohnung, was verdeutlicht, dass die Arbeit mit den Pferden nicht auf Profit ausgelegt war, sondern es vielen um das gemeinsame Leben mit den Trakehnern ging.

Diese Nähe und lange Tradition der engen Beziehung bildet somit das Fundament für die Emotionalität der Bindung in der Fluchtsituation 1944/45. Zahlreiche Zeitzeugenberichte belegen, dass die Trakehner für viele nicht nur materielle Ressourcen darstellten, sondern als vertraute Individuen wahrgenommen wurden, deren Verlust und deren Leid als emotionaler Einschnitt erlebt wurden. Dies soll im Folgenden anhand exemplarischer Berichte näher herausgearbeitet werden.

Ein Beispiel für die wechselseitige Bindung zwischen Mensch und Tier im Kontext der Flucht ist der Zeitzeugenbericht von Brigitte Boettcher. Sie floh gemeinsam mit ihrer Trakehner-Stute Amica, die sie von klein auf aufgezogen und betreut hatte. Begleitet wurden sie von Amicas Fohlen, das sich im Verlauf der Flucht schwer verletzte. Aufgrund der Verletzung musste das Fohlen getötet werden. Boettcher selbst war dazu jedoch nicht in der Lage und bat deshalb einen Soldaten darum, das Pferd zu erlösen, was auf eine enge persönliche Beziehung zu dem Tier hinweist. Darüber hinaus zeigt der Bericht, dass nicht nur die Tiere eine Schutz- und Unterstützungsfunktion übernahmen, sondern dass auch Menschen bereit waren, persönliche Risiken zugunsten ihrer Tiere einzugehen. Als sich der Treck aufgrund starker Überfüllung und unpassierbarer Wege staute, wurde von militärischer Seite die Anweisung erteilt, die Flucht zu Fuß fortzusetzen und die Zugtiere mit den Treckwagen zurückzulassen. Boettcher widersetzte sich dieser Anweisung und reihte sich stattdessen heimlich in eine Wehrmachtskolonne ein. Damit setzte sie sich dem Risiko einer Festnahme aus, um ihre Stute Amica nicht zurücklassen zu müssen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung – Die Trakehner zwischen Funktion und Emotion: Das Kapitel führt in die Thematik der Flucht aus Ostpreußen 1944/45 ein und skizziert die besondere Rolle der Trakehner Pferde als Ressourcen und emotionale Gefährten, wobei der "Animal Turn" als methodischer Ansatz vorgestellt wird.

Die Trakehner – Herkunft, Zucht und Bedeutung vor dem Zweiten Weltkrieg: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung der Trakehnerzucht in Ostpreußen, ihre wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung sowie ihre Rolle für das Heer bis zum Zweiten Weltkrieg.

Flucht aus Ostpreußen – Organisation und Bedingungen: Das Kapitel beschreibt die chaotischen Umstände der Flucht aus Ostpreußen, die bürokratischen Hürden und die lebensbedrohlichen Bedingungen, unter denen die Menschen und Tiere vorrückenden sowjetischen Truppen entkamen.

Die Trakehner und ihre Rolle während der Flucht: Dieser Hauptteil analysiert die doppelte Rolle der Trakehner – einerseits als unverzichtbare Ressource für Transport und Existenzsicherung, andererseits als emotionale Begleiter und Fluchtgefährten für die Menschen.

Erinnerungskultur und Symbolik der Trakehner: Das Kapitel behandelt die Entwicklung der Trakehnerzucht nach 1945 im Westen Deutschlands und ihre Rolle als Symbol für die verlorene Heimat und die kollektive Erinnerungsarbeit an Flucht und Vertreibung.

Fazit - Die Trakehner als Akteure der Geschichte: Das Fazit resümiert die vielschichtige Bedeutung der Trakehner als physische Begleiter, emotionale Bezugspunkte und kulturelle Sinnträger, die aktiv zur historischen Gestaltung beitrugen.

Schlüsselwörter

Trakehner, Ostpreußen, Flucht, Treck, 1944/45, Mensch-Tier-Beziehung, Ressourcen, Fluchtgefährten, Animal Turn, Erinnerungskultur, Zucht, Vertriebene, Zweiter Weltkrieg, Kriegsgeschichte, Tierethik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Rolle der Trakehner Pferde während der ostpreußischen Flucht 1944/45 und beleuchtet ihre Bedeutung als sowohl materielle Ressource als auch emotionale Gefährten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die Mensch-Tier-Beziehung in Extremsituationen, die Funktion der Trakehner im Kontext der Flucht, die Bedingungen der ostpreußischen Vertreibung und die Erinnerungskultur rund um die Trakehner nach dem Krieg.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Rolle der Trakehner während der ostpreußischen Flucht 1944/45 zu untersuchen und zu zeigen, wie sie sowohl als Ressource als auch als emotionale Fluchtgefährten wahrgenommen wurden, unter Anwendung der "Animal Turn"-Perspektive.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Analyse stützt sich auf Fachliteratur zur Flucht aus Ostpreußen, ergänzt durch Zeitzeugenberichte, und erweitert die Perspektive durch den sogenannten „Animal Turn“, um die Trakehner als aktive historische Akteure zu betrachten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Herkunft und Bedeutung der Trakehner vor dem Krieg, die Organisation und Bedingungen der Flucht aus Ostpreußen sowie die spezifische doppelte Rolle der Trakehner als Ressourcen und Fluchtgefährten während des Trecks.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Trakehner, Ostpreußen, Flucht, Treck, Mensch-Tier-Beziehung, Ressourcen, Fluchtgefährten, Animal Turn und Erinnerungskultur charakterisiert.

Welche historische Bedeutung hatten die Trakehner vor dem Zweiten Weltkrieg?

Vor dem Zweiten Weltkrieg waren Trakehner tief in der ostpreußischen Kultur verankert, dienten als wichtige Arbeits- und Transporttiere, und waren als leistungsfähige Reit- und Kutschpferde für die Landwirtschaft, den Sport und das Militär von großer wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung.

Wie unterschied sich die Fluchtorganisation für die Trakehner des Hauptgestüts von der privater Züchter?

Für das Hauptgestüt Trakehnen gab es trotz anfänglicher Verbote und chaotischer Bedingungen eine verspätete staatliche Anordnung zur Evakuierung, die Landstallmeister Dr. Ehlert unter großen Anstrengungen organisierte. Private Züchter hingegen mussten ihre Fluchtvorbereitungen oft heimlich und gegen Verbote durchführen.

Welche moralischen Dilemmata ergaben sich aus der Mensch-Tier-Beziehung während der Flucht?

Es entstanden moralische Konflikte zwischen der Notwendigkeit des Selbsterhalts und der Fürsorge für die Tiere, etwa wenn erschöpfte Pferde zurückgelassen oder Fohlen getötet werden mussten, obwohl eine tiefe emotionale Bindung bestand.

Wie wurde die Trakehnerzucht nach 1945 in Ost- und Westdeutschland behandelt?

In Westdeutschland erfolgte ein langsamer Wiederaufbau der Zucht durch private Initiativen und staatliche Unterstützung als Teil der Identitätssicherung. In der DDR hingegen wurde die Zucht aufgrund ihrer Assoziation mit der adligen Elite marginalisiert und weitgehend verhindert.

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Details

Title
Flucht auf vier Beinen. Die Trakehner zwischen Gefährten und Ressourcen im ostpreußischen Treck 1944/45
Grade
1,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2025
Pages
24
Catalog Number
V1672133
ISBN (PDF)
9783389164372
ISBN (Book)
9783389164389
Language
German
Tags
Pferde Flucht Ostpreußen Zweiter Weltkrieg Trakehner Trakehnen Human-Animal-Studies Tiere Trauma
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2025, Flucht auf vier Beinen. Die Trakehner zwischen Gefährten und Ressourcen im ostpreußischen Treck 1944/45, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1672133
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