Die Hausarbeit untersucht, wie hegemoniale Männlichkeitsideale im digitalen Raum reproduziert und verstärkt werden und in welcher Weise diese Prozesse zur Entstehung und Normalisierung digitaler Misogynie beitragen. Ausgehend vom Konzept der hegemonialen Männlichkeit nach R. W. Connell – ergänzt durch kritische Weiterentwicklungen von Demetriou und Enarson – analysiert die Arbeit, wie patriarchale Machtstrukturen in Online-Kontexten fortbestehen. Anhand von Beispielen wie Cybermobbing, Revenge Porn, der „Manosphere“ und dem Fall Elliot Rodger wird aufgezeigt, dass digitale Räume nicht nur Schauplätze individueller Frauenfeindlichkeit sind, sondern systematisch zur Stabilisierung geschlechtlicher Hierarchien beitragen. Algorithmen sozialer Plattformen wirken dabei als Verstärker misogyn motivierter Inhalte. Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass der digitale Raum patriarchale Dominanzverhältnisse nicht auflöst, sondern sie durch neue technische und kommunikative Strukturen transformiert und fortführt.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Konzept der hegemonialen Männlichkeit
- 2.1 Kritik am Konzept der hegemonialen Männlichkeit
- 2.2 Bedeutung von hegemonialer Männlichkeit im digitalen Zeitalter
- 3. Digitale Misogynie
- 3.1 Gefahren der digitalen Misogynie
- 3.2 Ausdrucksformen der Misogynie
- 3.2.1 Cybermobbing
- 3.2.2 Revenge Porn
- 4. Die Manosphere
- 4.1 Incel-Foren
- 4.2 Elliot Rodger
- 4.3 Einfluss von algorithmische Sichtbarkeitsmechanismen
- 5. Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, digitale Misogynie als eine spezifische Form geschlechtsspezifischer Benachteiligung zu analysieren. Sie untersucht, inwiefern der digitale Raum zur Reproduktion und Verstärkung hegemonialer Männlichkeitsideale und damit verbundener struktureller Formen von Misogynie beiträgt, basierend auf Connells Konzept der hegemonialen Männlichkeit.
- Analyse des Konzepts der hegemonialen Männlichkeit und deren Kritik.
- Untersuchung der digitalen Misogynie und ihrer Ausdrucksformen wie Cybermobbing und Revenge Porn.
- Betrachtung der Rolle der Manosphere und Incel-Foren als Orte der Radikalisierung.
- Der Fall Elliot Rodger als exemplarisches Beispiel für gewaltbezogene Frauenfeindlichkeit im digitalen Raum.
- Beleuchtung des Einflusses algorithmischer Sichtbarkeitsmechanismen auf die Verbreitung misogyner Inhalte.
- Die Reproduktion und Verstärkung patriarchaler Machtverhältnisse in digitalen Öffentlichkeiten.
Auszug aus dem Buch
2. Konzept der hegemonialen Männlichkeit
Der Begriff der hegemonialen Männlichkeit stammt von der Soziologin Raewyn W. Connell und ist ein zentraler Bestandteil ihrer soziologischen Theorie über Männlichkeiten. Ursprünglich entsprang die Idee Antonio Gramsci und beschreibt den sozialen Prozess, durch den eine Gruppe eine dominante Stellung in der Gesellschaft erlangt und diese dauerhaft sichert. Connell führte auf dieser Grundlage weiter aus und versuchte zu ergründen, wie stereotypische Vorstellungen von Männlichkeit eine Gesellschaft beeinflussen können und welche Auswirkungen diese Vorstellungen auf Frauen, aber auch auf andere Männer haben können. Connell bezeichnet hegemoniale Männlichkeit als „ein Konzept, dass die gesellschaftliche Verknüpfung von Männlichkeit und Macht bzw. Herrschaft betont“. Für Connell hat die hegemoniale Männlichkeit somit eine „hetero- und homosoziale Dimension“. Bei beiden Dimensionen findet eine Abgrenzung, als auch ein Machtanspruch statt. In der heterosozialen Dimension, also Männer versus Frauen, findet die Abgrenzung dahingehend statt, dass Männer sich nicht als Frauen definieren. Sie grenzen sich also vollständig vom weiblichen Geschlecht ab (oder alles, was sie als weiblich definieren) und sehen keinerlei Gemeinsamkeiten. Das Dominanzverhalten hingegen liegt darin begründet, dass Männer eine grundsätzliche Überlegenheit gegenüber Frauen beanspruchen. Die Distinktion in der homosozialen Dimension ist die Abgrenzung von „anderen“ Männlichkeiten. Im Machtverhältnis äußert sich diese Dimension, indem hegemoniale Männer gegenüber marginalisierten Männergruppen eine größere Macht beanspruchen. Allerdings ist die „hegemoniale Männlichkeit kein starres Gebilde, sondern eine historisch-gesellschaftlich variable Konfiguration“. Hegemoniale Männlichkeit ist demnach nicht gleichzusetzen mit der Mehrheit männlichen Verhaltens, sondern fungiert als symbolisches Leitbild, das gesellschaftliche Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern stabilisiert und legitimiert. Wesentliche Merkmale dieser Männlichkeitsform sind unter anderem Heterosexualität, physische und emotionale Kontrolle, ökonomische Überlegenheit sowie eine Tendenz zu Dominanz und Abgrenzung gegenüber dem „Anderen“, insbesondere gegenüber Frauen und nicht-konformen Männlichkeiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der digitalen Misogynie ein und erläutert, wie digitale Räume bestehende soziale Ungleichheiten nicht nur reproduzieren, sondern verstärken können, wobei Connells Konzept der hegemonialen Männlichkeit als theoretische Grundlage dient.
2. Konzept der hegemonialen Männlichkeit: Dieses Kapitel stellt Raewyn W. Connells Theorie der hegemonialen Männlichkeit vor, die dominante, hierarchische und historisch variable Männlichkeitsformen beschreibt, und diskutiert deren Kritik sowie ihre Bedeutung im digitalen Zeitalter.
3. Digitale Misogynie: Es wird erläutert, dass digitale Misogynie ein strukturell verankertes Muster der Diskriminierung von Frauen im Internet darstellt, das sich in Abwertung, Bedrohung und Ausschluss manifestiert und durch Beispiele wie Cybermobbing und Revenge Porn verdeutlicht wird.
4. Die Manosphere: Dieses Kapitel befasst sich mit der Manosphere als einer Online-Subkultur, in der antifeministische Sichtweisen ausgetauscht und radikalisiert werden, wobei Incel-Foren, der Fall Elliot Rodger und der Einfluss von Algorithmen auf die Sichtbarkeit misogyner Inhalte detailliert beleuchtet werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, indem es hervorhebt, dass der digitale Raum patriarchale Machtverhältnisse reproduziert und verstärkt, und zeigt die konkreten Auswirkungen digitaler Misogynie auf die gesellschaftliche Teilhabe von Frauen auf.
Schlüsselwörter
Digitale Misogynie, Hegemoniale Männlichkeit, Raewyn W. Connell, Geschlechterrollen, Online-Hass, Antifeminismus, Manosphere, Incel-Foren, Cybermobbing, Revenge Porn, Elliot Rodger, Algorithmische Sichtbarkeit, Digitale Gewalt, Patriarchat, Geschlechterungleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie digitale Räume zur Reproduktion und Verstärkung hegemonialer Männlichkeitsideale und damit verbundener struktureller Formen von Frauenhass beitragen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Theorie der hegemonialen Männlichkeit, das Phänomen der digitalen Misogynie in ihren verschiedenen Ausdrucksformen sowie die Rolle der "Manosphere" und algorithmischer Sichtbarkeitsmechanismen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, digitale Misogynie als eine spezifische Form geschlechtsspezifischer Benachteiligung zu analysieren und die Frage zu beantworten, inwiefern digitale Räume zur Reproduktion und Verstärkung von hegemonialen Männlichkeitsidealen und struktureller Misogynie beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Connells Konzept der hegemonialen Männlichkeit und analysiert Beispiele sowie Studien zu digitalen Phänomenen, um ihre Thesen zu untermauern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt das Konzept der hegemonialen Männlichkeit, deren Kritik und Bedeutung im digitalen Zeitalter, verschiedene Gefahren und Ausdrucksformen digitaler Misogynie (Cybermobbing, Revenge Porn) sowie die "Manosphere" mit Beispielen wie Incel-Foren und dem Fall Elliot Rodger, ergänzt um den Einfluss von Algorithmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Digitale Misogynie, Hegemoniale Männlichkeit, Raewyn W. Connell, Online-Hass, Manosphere, Cybermobbing, Revenge Porn, Elliot Rodger und Algorithmische Sichtbarkeit.
Welche Rolle spielt die "Manosphere" bei der Verbreitung digitaler Misogynie?
Die "Manosphere" wird als heterogene Online-Subkultur beschrieben, in der Männer antifeministische Sichtweisen austauschen, radikalisieren und männliche Überlegenheitsvorstellungen durch kollektive Narrative verstärken, was die digitale Misogynie begünstigt.
Inwiefern verdeutlicht der Fall Elliot Rodger die Gefahren digitaler Radikalisierung?
Der Fall Elliot Rodger dient als Beispiel dafür, wie digitale Räume zur Reproduktion und Verstärkung hegemonialer Männlichkeitsnormen beitragen und persönliche Frustration in kollektiven Frauenhass münden kann, der reale und fatale Konsequenzen haben kann.
Wie tragen algorithmische Sichtbarkeitsmechanismen zur Verstärkung misogyner Inhalte bei?
Algorithmische Sichtbarkeitsmechanismen priorisieren und empfehlen Inhalte basierend auf Interaktionsdaten und Nutzerverhalten, wodurch misogyne Diskurse und Ideologien in sozialen Medienplattformen verstärkt und normalisiert werden können, wie Studien zeigen.
- Citar trabajo
- Cynthia Rust (Autor), 2025, Digitale Misogynie. Reproduktion und Verstärkung hegemonialen Männlichkeitsidealen im digitalen Raum, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1672892