Soziale Unterstützung am Arbeitsplatz spielt eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Beschäftigten. Sie kann als Ressource dienen, um Stress zu bewältigen und die Arbeitszufriedenheit zu steigern. In diesem Kapitel werden verschiedene Formen der sozialen Unterstützung im beruflichen Kontext näher betrachtet.
In der Forschung werden verschiedene Kategorisierungen von sozialer Unterstützung diskutiert. Eine häufig verwendete Einteilung unterscheidet zwischen instrumenteller, emotionaler und informationeller Unterstützung. Diese Differenzierung ermöglicht eine detaillierte Analyse der verschiedenen Aspekte sozialer Unterstützung am Arbeitsplatz.
Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- 1. Universelle Perspektive der Prävention: Soziale Unterstützung am Arbeitsplatz
- 1.1 Formen sozialer Unterstützung
- 1.2 Soziale Unterstützung durch Führungskräfte
- 1.2.1 Beispiele für unterstützendes Führungsverhalten
- 1.2.2 Faktoren für erfolgreiche soziale Unterstützung durch Führungskräfte
- 2. Individuelle Perspektive der Prävention: Compliance und Adherence
- 2.1 Compliance
- 2.2 Adherence
- 2.3 Unterschiede zwischen Compliance und Adherence
- 2.4 Adherence- und Non-Adherence-Raten bei chronischen Erkrankungen
- 2.4.1 Statistische Daten zu verschiedenen Krankheitsbildern
- 2.4.2 Auswirkungen auf Versicherungsleistungen
- 2.5 Maßnahmen zur Förderung von Compliance und Adherence
- 3. Institutionelle Perspektive der Prävention: Das transaktionale Stresskonzept nach Lazarus
- 3.1 Dynamisches Zusammenspiel von Person und Umwelt
- 3.2 Primäre und sekundäre Bewertung
- 3.3 Coping-Strategien im Modell von Lazarus
- 3.4 Kritische Reflexion und offene Fragen zum Modell
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert und diskutiert verschiedene Perspektiven der Prävention, um ein umfassendes Verständnis für deren Rolle in der Förderung des Wohlbefindens und der Gesundheit zu entwickeln. Es werden universelle, individuelle und institutionelle Ansätze beleuchtet, um deren Bedeutung und Implikationen für verschiedene Kontexte aufzuzeigen.
- Analyse verschiedener Formen sozialer Unterstützung am Arbeitsplatz und deren Einfluss auf die Mitarbeitergesundheit.
- Untersuchung der Konzepte Compliance und Adherence im medizinischen Kontext, ihrer Unterschiede und Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung.
- Darstellung des transaktionalen Stresskonzepts nach Lazarus und dessen Relevanz für Prävention und Stressbewältigung.
- Betrachtung von Coping-Strategien und deren Anwendung im Rahmen des Lazarus-Modells.
- Diskussion von Faktoren, die erfolgreiche soziale Unterstützung durch Führungskräfte bedingen.
- Beleuchtung der statistischen Daten zu Adherence-Raten bei chronischen Erkrankungen und deren sozioökonomischen Folgen.
Auszug aus dem Buch
2. Individuelle Perspektive der Prävention: Compliance und Adherence
Die individuelle Perspektive der Prävention befasst sich mit dem Verhalten und der Einstellung von Patienten gegenüber ihrer Behandlung. Zwei zentrale Konzepte in diesem Zusammenhang sind Compliance und Adherence. Obwohl diese Begriffe oft synonym verwendet werden, gibt es wichtige Unterschiede in ihrer Bedeutung und den damit verbundenen Implikationen für die Gesundheitsversorgung.
Der Begriff Compliance stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt "Befolgung" oder "Einhaltung". Im medizinischen Kontext bezieht sich Compliance auf das Ausmaß, in dem ein Patient den Anweisungen und Empfehlungen des medizinischen Personals folgt (Sabaté, 2003, 3). Traditionell wurde Compliance als ein eher passives Verhalten des Patienten verstanden, bei dem dieser die Anordnungen des Arztes ohne Hinterfragung befolgt. Haynes et al. (1979, 2) definierten Compliance als "das Ausmaß, in dem das Verhalten einer Person - in Bezug auf die Einnahme von Medikamenten, das Einhalten einer Diät oder die Durchführung von Lebensstiländerungen - mit den Empfehlungen des Gesundheitsdienstleisters übereinstimmt". Diese Definition impliziert eine hierarchische Beziehung zwischen Arzt und Patient, in der der Arzt als Autorität fungiert und der Patient als gehorsamer Empfänger von Anweisungen betrachtet wird. Kritiker argumentieren, dass dieses Modell die Autonomie und Entscheidungsfähigkeit des Patienten nicht ausreichend berücksichtigt und zu einer paternalistischen Haltung in der Gesundheitsversorgung führen kann (Vermeire et al., 2001, 332).
Als Reaktion auf die Kritik am Compliance-Konzept wurde der Begriff Adherence eingeführt. Adherence betont stärker die aktive Rolle des Patienten im Behandlungsprozess und die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Patient und Gesundheitsdienstleister. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Adherence als "das Ausmaß, in dem das Verhalten einer Person - Medikamente einnehmen, Diät einhalten und/oder Lebensstiländerungen durchführen - mit den vereinbarten Empfehlungen eines Gesundheitsdienstleisters übereinstimmt" (Sabaté, 2003, 3). Der entscheidende Unterschied zur Compliance-Definition liegt in dem Wort "vereinbart", das auf einen Konsens zwischen Patient und Gesundheitsdienstleister hindeutet. Das Adherence-Konzept berücksichtigt, dass Patienten aktive Partner im Behandlungsprozess sind und dass ihre Überzeugungen, Präferenzen und Lebensumstände einen wesentlichen Einfluss auf den Behandlungserfolg haben. Es impliziert eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Patient und Gesundheitsdienstleister, in der gemeinsam Entscheidungen getroffen und Behandlungsziele festgelegt werden (Vrijens et al., 2012, 692).
Die Hauptunterschiede zwischen Compliance und Adherence lassen sich in mehreren Aspekten zusammenfassen. In Bezug auf die Rollenverteilung impliziert Compliance eine eher passive Rolle des Patienten, während Adherence die aktive Beteiligung des Patienten am Behandlungsprozess betont. Bei der Adherence wird der Patient als gleichberechtigter Partner in der Entscheidungsfindung angesehen (Chakrabarti, 2014, 412). Das Kommunikationsmodell bei Compliance basiert auf einem eher direktiven, unidirektionalen Ansatz, bei dem der Arzt Anweisungen gibt und der Patient diese befolgt. Adherence hingegen fördert einen bidirektionalen Dialog zwischen Patient und Gesundheitsdienstleister (Vrijens et al., 2012, 692). Ein weiterer wichtiger Unterschied liegt in der Berücksichtigung individueller Faktoren. Das Adherence-Konzept berücksichtigt stärker die individuellen Umstände, Überzeugungen und Präferenzen des Patienten und erkennt an, dass diese Faktoren einen wesentlichen Einfluss auf die Behandlungstreue haben können (Sabaté, 2003, 4). Auch in Bezug auf die Verantwortung gibt es Unterschiede: Bei der Compliance liegt die Verantwortung für den Behandlungserfolg hauptsächlich beim Patienten, der die Anweisungen befolgen soll. Das Adherence-Konzept verteilt die Verantwortung gleichmäßiger zwischen Patient und Gesundheitsdienstleister und betont die Bedeutung der Zusammenarbeit (Chakrabarti, 2014, 412).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Universelle Perspektive der Prävention: Soziale Unterstützung am Arbeitsplatz: Dieses Kapitel erörtert die zentrale Rolle sozialer Unterstützung am Arbeitsplatz für Wohlbefinden und Gesundheit der Beschäftigten und differenziert zwischen instrumenteller, emotionaler und informationeller Unterstützung.
2. Individuelle Perspektive der Prävention: Compliance und Adherence: Hier werden die Konzepte Compliance und Adherence im medizinischen Kontext definiert, ihre Unterschiede herausgearbeitet und die Auswirkungen von Non-Adherence auf chronische Krankheiten sowie Versicherungsleistungen beleuchtet.
3. Institutionelle Perspektive der Prävention: Das transaktionale Stresskonzept nach Lazarus: Dieses Kapitel stellt das transaktionale Stresskonzept von Lazarus vor, das Stress als dynamisches Zusammenspiel von Person und Umwelt betrachtet, und erläutert die Prozesse der primären und sekundären Bewertung sowie verschiedene Coping-Strategien.
Schlüsselwörter
Prävention, Soziale Unterstützung, Arbeitsplatz, Führungskräfte, Compliance, Adherence, Chronische Erkrankungen, Stresskonzept, Lazarus, Coping-Strategien, Gesundheitsversorgung, Wohlbefinden, Patientenedukation, Telemedizin, Selbstwirksamkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Prävention aus verschiedenen Blickwinkeln – universell, individuell und institutionell – und analysiert dabei Schlüsselkonzepte wie soziale Unterstützung, Patienten-Compliance und Adherence sowie das transaktionale Stresskonzept.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Förderung sozialer Unterstützung im Arbeitsumfeld, die Verbesserung der Behandlungstreue bei Patienten mit chronischen Erkrankungen und das Verständnis von Stressbewältigung auf Basis des Lazarus-Modells.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis der verschiedenen präventiven Ansätze zu vermitteln und deren Implikationen für Wohlbefinden und Gesundheit aufzuzeigen, indem die Bedeutung von sozialen Interaktionen, patientenzentrierten Behandlungen und individuellen Stressreaktionen untersucht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse und theoretischen Diskussion bestehender Konzepte und Forschungsergebnisse, um ein strukturiertes Bild der verschiedenen Präventionsperspektiven zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert die universelle Perspektive (soziale Unterstützung am Arbeitsplatz), die individuelle Perspektive (Compliance und Adherence) und die institutionelle Perspektive (transaktionales Stresskonzept nach Lazarus) der Prävention behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Prävention, soziale Unterstützung, Arbeitsplatz, Compliance, Adherence, chronische Erkrankungen, Stresskonzept, Lazarus, und Coping-Strategien charakterisieren diese Arbeit.
Was ist der Hauptunterschied zwischen Compliance und Adherence?
Während Compliance ein passives Befolgen von Anweisungen des medizinischen Personals impliziert, betont Adherence eine aktive, partnerschaftliche Beteiligung des Patienten am Behandlungsprozess, basierend auf vereinbarten Empfehlungen und unter Berücksichtigung individueller Präferenzen.
Welche drei Formen sozialer Unterstützung werden am Arbeitsplatz unterschieden?
Es werden instrumentelle Unterstützung (konkrete Hilfe und Ressourcen), emotionale Unterstützung (Empathie und Wertschätzung) und informationelle Unterstützung (Ratschläge und Fachwissen) unterschieden.
Wie trägt das transaktionale Stresskonzept nach Lazarus zum Verständnis von Stress bei?
Das Modell betrachtet Stress nicht als isoliertes Ereignis, sondern als ein dynamisches Zusammenspiel von Person und Umwelt, wobei die subjektive kognitive Bewertung einer Situation (primär und sekundär) sowie die angewandten Coping-Strategien entscheidend sind.
Warum sind Adherence-Raten bei chronischen Erkrankungen für Versicherungsleistungen relevant?
Niedrige Adherence-Raten können zu Komplikationen und einem Fortschreiten der Krankheit führen, was langfristig erhöhte Gesundheitsausgaben und damit höhere Kosten für Versicherungen bedeutet, was eine frühzeitige Erkennung und Behandlung notwendig macht.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2024, Universelle Perspektive der Prävention: Soziale Unterstützung am Arbeitsplatz. Individuelle Perspektive der Prävention: Compliance und Adherence, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1672993