Rechtsform und Finanzierung nach der Unternehmensteuerreform 2008

Seminar „Internationale Besteuerung“ am: Lehrstuhl VWL - Öffentliche Finanzen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

32 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1. Ausgewählte Änderungen der Steuerreform 2008 im Überblick
2.2. Einführung eines Thesaurierungsmodells bei Personengesellschaften

3. Folgen der Steuerreform 2008 für die Rechtsformwahl
3.1. Steuerbelastung von Kapitalgesellschaft nach der Reform
3.2. Steuerbelastungen von Personengesellschaft nach der Reform
3.2.1. Regelbesteuerung von Personenunternehmen
3.2.2. Inanspruchnahme der Thesaurierungsbegünstigung
3.3. Zusammenfassende Vergleiche

4. Kapitalkosten und Unternehmenssteuerreform
4.1. Kapitalkosten einer Kapitalgesellschaft
4.2. Kapitalkosten einer Personengesellschaft

5. Zusammenfassung

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Maximalbelastung (nominal) auf Unternehmens- und Anteils- eignerebene bei Vollausschüttung 2007

Abb. 2: Ermittlung des begünstigungsfähigen Gewinns

Abb. 3: Ermittlung des nachversteuerungspflichtigen Betrags

Abb. 4: Veränderung der Gesamtbelastung bei Vollausschüttung und Abgeltungsteuer nach neuem Recht

Abb. 5: Vergleich Regelbesteuerung von Personenunternehmen alt/neu

Abb. 6: Grenzsteuersätze bei Personenunternehmen

Abb. 7: Modellbeispiel zur Rechtsformneutralität

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Vergleich der Gesamtbelastung von Kapital- und

Personengesellschaften

Tab. 2: Kapitalkosten bei einem Fünfjährigen Planungszeitraum

1. Einleitung.

Am 6. Juli 2007 hat der Bundesrat dem Unternehmenssteuerreformgesetz 2008 zugestimmt[1]. Neben der Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland im internationalen Wettbewerb soll mit der Unternehmenssteuerreform 2008 eine weitgehende Rechtsform- und Finanzierungsneutralität im Unternehmen gewährleistet werden.[2] Aus ökonomischer Sicht ist dieses Ziel nur dann erreicht, wenn die Steuerbelastung eines Unternehmens und der Anteilseigner nicht rechtsformspezifisch ist, sowie keine unternehmerischen Entscheidungen über die Finanzierungswege steuerlich benachteiligt oder begünstigt werden.[3] Im Interesse der angestrebten Belastungsneutralität zwischen den Rechtsformen hat der Gesetzgeber eine begünstigte Besteuerung von nicht entnommenen Gewinnen von Personengesellschaften als eines der zentralen Elemente der Reform in die Steuergesetze aufgenommen. Das Primärziel dieser neuen Vorschrift ist die Erhöhung der Investitionsfähigkeit von Personenunternehmen durch eine nachhaltige Verbesserung der Eigenkapitalbasis.[4] Daneben soll durch die Thesaurierungsbegünstigung eine annährend vergleichbare Steuerbelastung von Kapital und Personengesellschaften geschaffen werden.[5]

Die Analyse der zu diesem Thema bestehenden Literatur zeigt aber, dass die Gesamtwürdigung der Unternehmenssteuerreform trotz einiger positiven Elemente insgesamt schlecht bewertet wird, wobei besonders negativ das Urteil über die vermeintlichen Vorteilhaftigkeit der Begünstigung von nicht entnommenen Gewinnen von Personengesellschaften ausfällt[6]. Die im Rahmen des Unternehmenssteuergesetzes eingeführte Thesaurierungsbegünstigung mit späterer Nachversteuerung ändert nichts an der Tatsache, dass die durch den Gesetzgeber angestrebte Rechtsformneutralität nicht erreicht wird.[7]

Auch bei der Frage des einzuschlagenden Finanzierungswegs wird also auch in Zukunft weiterhin sehr stark zwischen den Rechtsformen unterschieden. Ausschlaggebend ist die mangelnde Abstimmung der Unternehmensbesteuerung mit der vorgesehenen Abgeltungssteuer auf Einkünfte aus Kapitalvermögen.[8] Sie vergrößert die ohnehin schon bestehenden Verzerrungen zwischen Eigen- und Fremdkapital, da Eigenkapital durch die gewerbe- und körperschafts- bzw. einkommenssteuerliche Vorbelastung bedeutend höher als Fremdkapital besteuert wird. Es kommt folglich zur Benachteiligung des Eigenkapitals, weshalb ein Anreiz zur Fremdfinanzierung verstärkt wird, was dem gesetzten Ziel des Gesetzgebers diametral entgegen läuft.[9]

Das Grundanliegen dieser Arbeit ist es, die Rechtsformen im Hinblick auf die angestrebte Rechtsform- und Finanzierungsneutralität analytisch zu vergleichen. Im Anschluss an die Einführung werden kurz die Eckpunkte der Unternehmensteuerreform 2008 dargestellt. Das Ziel ist es, einen Überblick über die Änderungen, die für das Thema von Relevanz sein können, zu verschaffen, wobei insbesondere ausführlich auf die Begünstigung nicht entnommener Gewinne eingegangen wird. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, ob es durch beschriebene Änderungen gelungen ist, die Personengesellschaften im Vergleich zu Kapitalgesellschaften attraktiver zu machen. Die Untersuchung erfolgt anhand der Quantifizierung der steuerlichen Belastungen von Personen- und Kapitalgesellschaften, insbesondere unter Berücksichtigung der Begünstigung der nicht entnommenen Gewinne bei Personengesellschaften. Im nächsten Abschnitt werden die Auswirkungen der Reform auf die Finanzierungsentscheidungen betrachtet. Mit Hilfe des Kapitalkostenkonzepts soll hier diese Frage beantwortet werden. Das Kapitel fünf beschließt mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse die Arbeit.

2. Grundlagen.

2.1 Ausgewählte Änderungen der Steuerreform 2008 im Überblick.

Das Unternehmenssteuergesetz 2008 bringt generell eine grundlegende Reform der Unternehmensbesteuerung, die in einigen Fällen für steuerliche Entlastung sorgt, aber in ihrer technischen Umsetzung sehr kompliziert ist. Als Begründung für die Reform weist der Gesetzgeber in erster Linie auf die Notwendigkeit hin, den Wirtschaftsstandort Deutschland stärker und international wettbewerbsfähiger zu machen. Zu den Zielen der Unternehmensteuerreform 2008 gehört u. a. die Besteuerung der Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften weiter anzugleichen.[10] Zu diesem Zweck werden verschiedene steuerliche Neuregelungen getroffen, die sowohl die Kapitalgesellschaften als auch die Personengesellschaften betreffen.

Der Kernpunkt und die wohl prominenteste Änderung der Unternehmensteuerreform, die zu dem Ziel beitragen soll, Deutschland näher an den europäischen Durchschnitt der Gewinnsteuerbelastung zu führen[11], ist die Senkung des Körperschaftsteuersatzes von gegenwärtig 25% auf 15%[12], gem. § 23 Abs. 1 KStG. Bei gleichbleibendem SolZ. verringert sich damit die kombinierte Belastung der körperschaftspflichtigen Unternehmen von aktuellen 26,38% auf 15,83%.

Neben der KSt fällt auf die Gewinne GewSt. an. Im Rahmen der Reform sieht der Gesetzgeber einige Modifizierungen der GewSt. vor. Das Ziel dieser Gegenfinanzierungsmaßnahme ist die Sicherung des inländischen Steuersubstrats.[13] Ab dem VZ 2008 werden die GewSt und die darauf entfallenden Nebenleistungen (Verspätungszuschlag, Zwangsgelder, Zinsen) nicht mehr als abzugsfähige Betriebsausgaben behandelt, § 4 Abs. 5b EStG. Das führt zur Erhöhung der effektiven Gewerbesteuerbelastung, § 11 Abs. 5 b EStG. Als Ausgleich dafür sieht der Gesetzgeber die Reduzierung der GewSt-MZ von derzeit 5% auf 3,5% vor, § 11 Abs. 2 GewStG. Das Zusammenwirken dieser Maßnahmen führt bei einem GewSt–Hebesatz von 400% zu einer nominellen Unternehmenssteuerbelastung von 29,83% und damit gegenüber der bisherigen SB von 38,65% zu einer Entlastung für Kapitalgesellschaften. Durch diese deutliche Absenkung verbessert Deutschland seine Positionen in internationalen Vergleich um sechs Plätze und rückt bei nomineller Gesamtsteuerbelastung ins Mittelfeld[14].

Die Herstellung weitgehender Rechtsformneutralität ist eine weitere wesentliche Zielsetzung der Bundesregierung. Dies soll durch die Begünstigung des nicht entnommenen Gewinns erreicht werden. § 34a EStG. Mit dieser Regelung will man die Thesaurierung von Gewinnen bei Personengesellschaften fördern und sie der steuerlichen Belastung von Kapitalgesellschaften gleichzusetzen[15]. Darüber hinaus soll dadurch die Eigenkapitalbildung bei den Personengesellschaften gefördert sowie die Innenfinanzierungsmöglichkeiten von Investitionen verbessert werden.[16]

Die nicht entnommenen Gewinne kann man mit einem SS von 28,25% zzgl. SolZ. besteuern. Bei späteren Entnahmen der thesaurierten Gewinne sind diese mit einem AbgSt-Satz i. H. v. 25% (zzgl. SolZ.) nachzuversteuern. Die SB für thesaurierte Gewinne beträgt somit künftig bei Personengesellschaften 29,80%.

Um dem Ziel der rechtsformneutralen Besteuerung ein Stück näher zu kommen, sieht der Gesetzgeber neben der Vergünstigung der im Unternehmen erwirtschafteten, nicht entnommenen Gewinne eine Reihe anderer neuen Regelungen vor. Im Rahmen der ESt. kann die GewSt nicht mehr bei der Ermittlung der zu zahlenden ESt abgezogen werden. Allerdings wird die Gewerbesteueranrechnung gemäß § 35 EStG erhöht. Um Personengesellschaften zu entlasten, wird der Anrechnungsfaktor der GewSt auf die ESt. von 1,8 auf 3,8 erhöht, wobei die Steuerermäßigung auf die tatsächlich zu zahlende Gewerbesteuer beschränkt wird.[17] Darüber hinaus will der Gesetzgeber für kleine und mittlere Personengesellschaften die steuerlichen Rahmenbedingungen für Investitionstätigkeit durch Erweiterung der bisherigen Investitionsbegünstigungen verbessern. So können in Zukunft die kleinen und mittleren Betriebe von Investitionsabzugsbeträgen und Sonderabschreibungen profitieren, § 7g EStG.[18]

Eine weitere bedeutsame Änderung im Rahmen des Unternehmensteuerreformgesetzes ist die Einführung der Abgeltungssteuer auf Kapitaleinkünfte und private Veräußerungsgeschäfte. Diese neue Regelung soll zur Vereinfachung des Besteuerungsverfahrens dienen. Zudem zielt die AbgSt. auf die Interessereduzierung der Privatanleger, das KV ins Ausland zu transferieren.[19] Mit der Einführung der AbgSt. sollen Gewinnanteile, Zinsen sowie private Veräußerungsgewinne mit einem abgeltenden Steuersatz 25% zzgl. 5,5% besteuert werden. Das bisher geltende Halbeinkünfteverfahren wird dabei ersatzlos gestrichen. Anteile an Kapitalgesellschaft, die sich in einem betrieblichen Bereich befinden, werden künftig durch das sog. Teileinkünfteverfahren (mit 60%) besteuert. Die AbgSt kommt zum Einsatz im Gegensatz zu anderen Regelungen im Rahmen des Unternehmenssteuergesetzes erst ab dem 1.1.2009.

2.2 Einführung eines Thesaurierungsmodells bei Personengesellschaften.

Mit der Neuregelung zur Begünstigung des thesaurierten Gewinns gem. § 34 a EStG wird den Personengesellschaften die Möglichkeit eröffnet, den nicht entnommenen Gewinn ebenfalls dem abgesenkten Steuersatz der Kapitalgesellschaften unterwerfen zu können. Nach Auffassung des Gesetzgebers soll damit zwischen den verschiedenen Rechtsformen eine Belastungsneutralität gewährleistet werden.[20]

Zur Umsetzung der Thesaurierungsregelung wird ein System eingeführt, das aus zwei zeitlich getrennten Besteuerungsvorgängen besteht.[21] Zunächst unterliegt das z. v. E. in Höhe des nicht entnommenen Gewinns einem geringeren ESt-Satz von 28, 25%, was unter Einbeziehung von Solidaritätszuschlag zu einer Thesaurierungsbelastung von 29,8% führt. Sollten dann zu einer späteren Zeit die Entnahmen begünstigt besteuerter Gewinne getätigt werden, kommt es in diesem Fall zu einer NV in Höhe von 25%, gem. § 34 a Abs. 4 Satz 2 EStG.

Gewährt wird der begünstigte Steuersatz nur, wenn ein entsprechender Antrag gestellt wird. Ansonsten bleibt es beim bisherigen Besteuerungsprinzip. Der SP hat ein Wahlrecht, ob und in welcher Höhe er für die entnommenen Gewinne die Thesaurierungsbegünstigung in Anspruch nimmt. Der Antrag auf Begünstigung muss für jeden Betrieb und Mitunternehmerteil einzeln gestellt werden, wobei der Mitunternehmer nur dann antragberechtigt ist, wenn sein Gewinnteil mehr als 10% beträgt oder den Betrag von 10000 € übersteigt. Die TB kann für sämtliche Gewinne aus Land und Forstwirtschaft, Gewerbetrieb und selbständiger Arbeit in Anspruch genommen werden. Die Vergünstigung ist dann ausgeschlossen, wenn die Gewinne bereits nach § 34 Abs. 3 oder § 16 Abs. 4 EStG begünstigt besteuert wurden[22].

Darüber hinaus können nur diejenigen SP einen Antrag stellen, die ihren Gewinn durch Bestandsvergleich nach § 4 Abs. 1 Satz EStG oder § 5 EStG ermitteln. Wird der Gewinn durch andere Gewinnermittlungsarten, wie durch eine Einnahmen–Überschuss-Rechnung nach § 4 Abs. 3 EStG oder durch die pauschalen Methoden nach §§ 5a und 13a EStG ermittelt, besteht auch hier kein Anspruch auf die Begünstigung.[23]

Ausgangspunkt bei der Ermittlung des nicht entnommenen Gewinns ist gem. § 34 a Abs. 2 EStG der laufende Gewinn. Der begünstigungsfähige Gewinn entspricht danach dem nach § 4 Abs. 1 Satz oder § 5 EStG ermittelten Gewinn, vermindert um den positiven Saldo der Entnahmen und Einlagen des Wirtschaftsjahres:[24]

Wird von der TB Gebrauch gemacht und werden die ermäßigt besteuerten Gewinne später entnommen, ist die Folge eine spätere NV auf Ebene des Gesellschafters. Der NV-Satz, wie schon erwähnt, beträgt in Anlehnung an den AbgSt-Satz 25% (zzgl. SoLZ), gem. § 34 Abs. 4 Satz 2 EStG.[25] Um sicherzustellen, dass nur wirklich die ermäßigt besteuerten Gewinne später nachversteuert werden, wird jährlich am Ende des VZ für jeden Betrieb oder Mitunternehmerteil gesondert die Feststellung und die Fortschreibung des nachzuversteurenden Betrages festgelegt, 34a Abs. 3 Satz 3 EStG.[26] Zu einer NV kommt es in Folgejahren dann, wenn die Entnahmen des Wirtschaftsjahres den nach § 4 Abs. 1 Satz 1 oder § 5 EStG ermittelten laufenden Gewinn übersteigt. Der nachversteuerungspflichtige Betrag leitet sich gem. § 34 a Abs. 3 Satz 2 EStG aus dem Begünstigungsbetrag, d. h. aus dem begünstigt besteuerten Gewinn eines VZs, unter Berücksichtigung der bereits erfolgten 28,25% Steuerbelastung sowie eines gegebenenfalls vorhandenen nachversteuerungspflichtigen Vorjahresbetrages .[27]

Die Neuregelung zur TB ist erstmals für den VZ 2008 anzuwenden. Die SP mit dem abweichenden Wirtschaftsjahr können nach in § 34 a EStG geregelten Wahlrecht bereits in 2007 (Wirtschaftsjahr 2007/2008) davon profitieren[28].

3. Folgen der Steuerreform 2008 für die Rechtsformwahl.

Der Gesetzgeber geht davon aus, dass § 34 a EStG zur Verbesserung der Eigenkapitalbasis sowie zum Ziel der Rechtsformneutralität beiträgt. Während Kapitalgesellschaften von der Senkung des KSt-Satzes profitieren, soll die nominale Steuerbelastung von PersG der von KapG durch die Begünstigung thesaurierter Gewinne angenährt werden.

Es ist auch so, dass auf den ersten Blick die Möglichkeit der begünstigten Besteuerung sehr positiv erscheint, da die reduzierte SB der PersG in Höhe von 29,77 bei voller Inanspruchnahme der Begünstigung in etwa der SB thesaurierter Gewinne von Kapitalgesellschaften in Höhe von 29,83 entspricht[29]. Dieses Ergebnis wird von der Seite des Gesetzgebers als Belastungsneutralität von nicht entnommenen Gewinnen bei PersG und einbehaltenen Gewinnen bei Kapitalgesellschaften interpretiert.[30] Dabei wird bei der Berechnung von der Annahme ausgegangen, dass die PerG den Gewinn voll thesaurieren und die Steuerschuld aus dem PV zahlen. Bei den Kapitalgesellschaften wird dagegen unterstellt, dass während der Phase des Gewinneinbehalts die anfallenden Steuerzahlungen nicht durch Zuschüsse der Anteilseigner, sondern aus dem laufenden Gewinn geleistet werden. Vor diesem Hintergrund kann man hier also nur von einem „theoretischen"[31] Ergebnis reden, da die die Annahmen, die diesem Modell zugrunde liegen, nicht Realität entsprechen. Eine Vollthesaurierung ist schon deswegen unmöglich, weil der gewerbliche Gewinn für viele PersG ihre einzige Einnahmequelle darstellt. Die zumindest auf den Gewinn anfallende Gewerbesteuer muss also aus dem BV entnommen werden. Der Betrag zur Begleichung von Steuerschulden kann nicht thesauriert werden, was zur Folge hat, dass die Thesaurierungsvolumen deutlich reduziert werden.[32] Der für die Zahlung von Steuerschuld entnommene Gewinnanteil wird dabei der vollen Tarifbelastung unterworfen, was man kaum mit einer Kapitalgesellschaft vergleichen kann. Bei Kapitalgesellschaften unterliegen die zu bezahlenden Ertragsteuern der gleichen SB wie thesaurierte Gewinne.

Der Gesetzgeber geht daher bei Ermittlung von SB der unterschiedlichen Rechtsformen von den Größen aus, die nicht für den sinnvollen Belastungsvergleich geeignet sind[33]. Ein adäquater, der Realität entsprechender Steuerbelastungsvergleich setzt die Gestaltung einer Belastungssituation voraus, die auf vergleichbaren Annahmen basiert. Die Bedingung ist dann erfüllt, wenn im Bezug auf PerG analog zu KapG angenommen wird, dass die Beträge für die sämtlichen Ertragssteuern aus dem laufenden Gewinn und nicht aus dem PV entnommen werden. Ansonsten wäre dann deren Einlage zu unterstellen.[34]

Nachfolgend soll untersucht werden, inwieweit die von dem Gesetzgeber angestrebte rechtsformneutrale Besteuerung nicht entnommener Gewinne mit der Unternehmensteuerreform erreicht wird. Als Basis der Analyse dienen dabei die Formeln zur steuerlichen Belastung. Diese werden im Folgenden unter Berücksichtigung der neuen Rechtslage abgeleiteten.

3.1. Steuerbelastung von Kapitalgesellschaft nach der Reform.

Im Fall der KapG hängt die Gesamtbelastung davon ab, ob deren Gewinne im Privat –oder in Betriebsvermögen gehalten werden. Wird Gewinn ausgeschüttet, geht die Gewinnausschüttung in die steuerliche Bemessungsgrundlage des Anteilseigners ein. Handelt sich bei dem Anteilseigner um eine im Inland unbeschränkt steuerpflichtige natürliche Person, so werden ab dem Jahr 2009 die zufließenden Dividenden mit einer AbgSt. 25% belastet. Die Regelung zur AbgSt. gilt aber nicht für Anteile, die in einem BV gehalten werden. Fliessen diese, werden sie ab 2009 nur noch zu 40% von der Steuer freigestellt. Die anderen 60% unterliegen dem persönlichen ESt.- Satz des Gesellschafters[35].

[...]


[1] Das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 wurde am 17. August 2007 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.

[2] Vgl. Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD , BT-Druck 16/4841 vom, 27.03.2007, S. 29.

[3] Vgl. Homburg : Allgemeine Steuerlehre, 2007, S. 251 und 257.

[4] Vgl. Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD , BT-Druck 16/4841 vom, 27.03.2007, S. 32

[5] Vgl. Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD , BT-Druck 16/4841 vom, 27.03.2007, S. 62.

[6] Vgl. u. a. Homburg (2007); Kleineidam/Liebchen (2007); Weber (2007).

[7] Vgl. Sachverständigenrat, 2007, S. 267.

[8] Vgl. Sachverständigenrat, 2007,S. 267.

[9] Vgl. Schreiber/Ruf: BB,62. Jg. Heft 20, 2007, S. 1100 ff.

[10] Vgl. Weber: NWB, 2007, Heft Nr. 35, S. 3032

[11] Vgl. Schreiber/Overesch in: DB 2007, S. 813.

[12] Vgl. Kessler/Ortmann-Babel / Zipfel: BB 10/2007, S. 523.

[13] Vgl. Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD , BT-Druck 16/4841 vom, 27.03.2007, S. 32.

[14] Sieh. Abb.1.

[15] Vgl. Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD, 27.03.2007, S. 62ff.

[16] Vgl. Sachverständigenrat, 2007, S. 270.

[17] Vgl. Sachverständigenrat, 2007, S. 270.

[18] Vgl. Glutsch /Otte /Schult in: Das Unternehmersteuerrecht , 2008, S.11.

[19] Vgl. Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD, 27.03.2007, S. 33.

[20] Vgl. Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD,27.03.2007, S. 31f.

[21] Vgl. Fuhrmann/ Winkeljohann in: BFuP, Bd. 59, 2007, S. 467.

[22] Vgl. Maiterth / Müller:in in : Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung, Berlin, 2007, S. 53.

[23] Vgl. Maiterth, /Müller in : Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung, Berlin, 2007, S. 53.

[24] Vgl. Sieh. Abb.2.

[25] Vgl. Kessler in: Handbuch Unternehmenssteuerreform 2008, Münster 2008 , S. 57ff.

[26] Vgl. Kessler/ Ortmann-Babel/ Zipfel in: BB 10/2007, S. 526.

[27] Vgl. Sieh. Abb.3.

[28] Vgl. Thiel/ Sterner in: DB 2007, S. 1100

[29] Vgl. Sachverständigenrat, 2007, S. 273.

[30] Vgl. Sachverständigenrat, 2007, S. 273.

[31] Vgl. Kessler/Ortmann-Babel in: BB 10/2007, S. 523ff

[32] Vgl. Kleineidam/ Liebchen in: DB, S. 410.

[33] Vgl. Sachverständigenrat, 2007, S. 273.

[34] Vgl. Kleineidam/Liebchen in: DB, S. 410.

[35] Vgl. Knief/ Nienaber in: BB, 62Jg., Heft 24, 2007, S.1310.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Rechtsform und Finanzierung nach der Unternehmensteuerreform 2008
Untertitel
Seminar „Internationale Besteuerung“ am: Lehrstuhl VWL - Öffentliche Finanzen
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
32
Katalognummer
V167304
ISBN (eBook)
9783640841004
ISBN (Buch)
9783640839650
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Besteuerung, Unternehmenssteuerreform 2008
Arbeit zitieren
Natalie Fleckhaus (Autor:in), 2009, Rechtsform und Finanzierung nach der Unternehmensteuerreform 2008, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167304

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