Der Deutsche Jugendliteraturpreis (bis 1981 Deutscher Jugendbuchpreis) ist bundesweit der einzige staatlich verliehene Literaturpreis. Der Staatspreis will die Qualität der Kinder- und Jugendliteratur fördern, einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendliche leisten sowie das öffentliche Interesse an Kinder- und Jugendliteratur wachhalten, dass vor allem durch die Veröffentlichung der Auswahlliste für den Preis erfolgt. Insgesamt ist er mit 72000 Euro dotiert und wird vom Bundesfamilienministerium gestiftet. Für den Preis sind ausschließlich im vergangenen Jahr erschienene deutsche und übersetzte Kinder- und Jugendliteratur zugelassen. Um zu gewährleisten, dass die Preisverleihung ohne parteipolitische Einflüsse erfolgt, wird der Preis vom Arbeitskreis für Jugendliteratur organisiert. Darüber hinaus ist die Jury unabhängig in ihrer Entscheidung. Es gibt keine inhaltlichen, normativen oder politischen Richtlinien für die Juryarbeit.
Beteiligt sind an der Preisvergabe drei voneinander unabhängige Jurys, die vom Vorstand des Arbeitskreises für Jugendliteratur gewählt und vom Stifter berufen werden. Die Kritikerjury setzt sich aus neun Personen zusammen: dem/der Vorsitzenden und je zwei Jurorinnen und Juroren der Sparte Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch. In insgesamt drei Sitzungen legen Sie jeweils sechs Nominierungen pro Sparte fest, die auf der Leipziger Buchmesse bekannt gegeben werden. Die Preisvergabe der jeweiligen Sparte erfolgt auf der Frankfurter Buchmesse durch das Bundesfamilienministerium. Die Jugendjury setzt sich bundesweit aus sechs Leseclubs zusammen, die jeweils ein Buch nominieren und anhand eines Punktesystems das Preisbuch ermitteln. Die Sonderpreisjury, bestehend aus drei Fachvertreterinnen und Fachvertreter, ist für die Auszeichnung „Gesamtwerk“ und „Neue Talente“ zuständig.
Bei der Buchauswahl erscheinen für den deutschen Jugendliteraturpreis die Qualitätskriterien „Ästhetische Qualität der Texte (bzw. Bilder)“, „Reflexion der Leserinnen- und Leservoraussetzungen“ sowie „die wirkungsästhetische Dimension“ nach Bettina Hurrelmann von großer Relevanz. Unter Berücksichtigung dieser drei Kriterien wurde im Frühjahr 2022 durch die Jugendjury das Jugendbuch „Wie man eine Raumkapsel verlässt“ nominiert. Im Folgenden sollen diese Kriterien exemplarisch an diesem Buch untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Der deutsche Jugendliteraturpreis
- 2 Kriterienbezogene Darstellung zur Ästhetik und Wirkung unter Berücksichtigung der Leserinnen- und Leser
- 3 Didaktischer Kern
- 4 Unterrichtsvorschläge
- 4.1 Unterrichtsvorschlag 1
- 4.2 Unterrichtsvorschlag 2
- 5 Ausblick
- 6 Literaturverzeichnis
- 6.1 Primärliteratur
- 6.2 Sekundärliteratur
- 7 Anhang: Material
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Potenzial des Jugendromans „Wie man eine Raumkapsel verlässt“, indem sie dessen literarisch-ästhetischen Gehalt und seine didaktische Eignung analysiert, um daraus konkrete Unterrichtsvorschläge zur Förderung literarischen Lernens zu entwickeln.
- Analyse des Jugendromans „Wie man eine Raumkapsel verlässt“
- Kriterienbezogene Darstellung zur Ästhetik und Wirkung von Jugendliteratur
- Didaktische Aufbereitung sensibler Themen wie Traumaverarbeitung und Identitätsentwicklung
- Entwicklung von handlungs- und produktionsorientierten Unterrichtsvorschlägen
- Förderung von Lesemotivation und Medienkompetenz bei Jugendlichen
- Verknüpfung von literarischem Lernen mit der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler
Auszug aus dem Buch
Zur ästhetischen Qualität und zum innovativen Gehalt
Im Zentrum der Erzählung steht der Protagonist Will, der zugleich ein autodiegetischer Erzähler ist. Gekennzeichnet wird die Erzählung durch das Erlebende und Erzählende Ich, die aneinanderrücken und fast zeitdeckend erscheinen. In Verknüpfung mit den Ich-Erzählungen erfahren die Leserinnen und Leser aus der Sicht des Protagonisten das subjektive innere Erleben und den subjektiven Blick auf die Außenwelt. Die Umstellung der Zeitabfolge der Ereignisse, der Einsatz von Rückwendungen sowie Gedankensprüngen erhöht die Komplexität, Spannung und Attraktivität der Erzählung. Es eröffnen sich für die Leserinnen und Leser Leerstellen und neue Lesearten. Darüber hinaus ist die Erzählung durch das zeitdehnende Erzählen gekennzeichnet. Will, der Protagonist führt seine Gedanken so weit aus, dass die Erzählzeit länger wirkt als die Erzählte Zeit. So werden die Leserinnen und Leser in die Erzählung miteingebunden und erhalten die Möglichkeit der Teilhabe an den Erlebnissen und Erfahrungen des Jugendlichen.
Seine Gedanken, in kurzen und klaren Sätzen, die er ausführt, werden zeitweise von direkter und indirekter Rede unterbrochen. Es ist nicht immer ersichtlich, ob es sich um seine Gedankengänge oder um ein Selbstgespräch handelt. Das ist für die Leserinnen und Leser anspruchsvoll und bildet eine Herausforderung, mit der Struktur des literarischen Textes umzugehen.
Im Weiteren stellen die intermedialen Verweise auf die Liedtexte David Boies und Kris Kristofferson, die gleichzeitig die Leitsätze des verstorbenen Vaters bilden, eine weitere Besonderheit dar (,,Commencing countdown, engines on.“, „Don't let the bastards get you down."). Will setzt diese Leitsätze oft in seinem Alltag ein und hinterlässt jedes Mal den Leitsatz „Don't let the bastards get you down.“ neben das Geschenk von Playa. Diese intermedialen Verweise heben den Realitätscharakter der literarischen Erzählung hervor.
Im Gesamten bereitet er hundert Geschenke für Playa vor, die er hundert Tage vor ihre Tür legen möchte. Die Zahl hundert kommt im Roman auch in anderen Kontexten zur Geltung. Im Woodoo-Laden, in dem Will mit seinem Vater Zeit verbrachte, gibt es hundert Segenssprüche, die durchnummeriert werden. Die Autorin Alison Mc Ghee unterteilt die Erzählung in hundert Kapitel. Dabei umfasst jede Seite hundert Wörter. Diese Besonderheit wird ebenso durch die Typographie unterstützt. Links befindet sich die Zahl des Kapitels in Form eines chinesischen Schriftzeichens. Welche Bedeutung der Zahl hundert zugeschrieben wird, ist nicht näher beschrieben und eröffnet für die Leserinnen und Leser Interpretationsspielraum.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 Der deutsche Jugendliteraturpreis: Dieses Kapitel stellt den deutschen Jugendliteraturpreis vor, beschreibt seine Ziele und die Kriterien, die bei der Auswahl und Bewertung von Jugendbüchern angewendet werden, wobei der Roman „Wie man eine Raumkapsel verlässt“ als exemplarisches Beispiel eingeführt wird.
Kapitel 2 Kriterienbezogene Darstellung zur Ästhetik und Wirkung unter Berücksichtigung der Leserinnen- und Leser: Hier wird der Jugendroman „Wie man eine Raumkapsel verlässt“ detailliert analysiert, indem seine ästhetische Qualität, sein innovativer Gehalt und seine wirkungsästhetische Dimension unter Berücksichtigung der Leserinnen- und Leservoraussetzungen untersucht werden.
Kapitel 3 Didaktischer Kern: Das Kapitel befasst sich mit dem didaktischen Potenzial des Romans für den Deutschunterricht, begründet seine Eignung für die Förderung der Lesemotivation und die Auseinandersetzung mit psychologischen Themen wie Krisenbewältigung und Identitätsentwicklung bei Jugendlichen.
Kapitel 4 Unterrichtsvorschläge: In diesem Teil werden zwei konkrete Unterrichtsvorschläge für den Einsatz des Romans in der 8. Klasse einer Realschule vorgestellt, die handlungs- und produktionsorientierte Methoden sowie digitale Medien zur Förderung von Lesekompetenz und Medienbildung nutzen.
Kapitel 5 Ausblick: Der Ausblick fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und hebt hervor, dass der Roman „Wie man eine Raumkapsel verlässt“ trotz seiner sensiblen Thematik eine wertvolle Grundlage für literarisches Lernen bildet und durch seine offene Erzählstruktur vielfältige Interpretationsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler bietet.
Schlüsselwörter
Jugendliteraturpreis, Jugendroman, Ästhetik, Wirkungsästhetik, Didaktik, Leseförderung, Traumaverarbeitung, Identitätsentwicklung, Unterrichtsvorschläge, Medienkompetenz, Deutschunterricht, Realschule, Psychologischer Roman, Erzählstruktur, Offenes Ende
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial des Jugendromans „Wie man eine Raumkapsel verlässt“ für den Deutschunterricht, indem sie seine literarisch-ästhetischen Merkmale analysiert und konkrete didaktische Vorschläge zur Förderung des literarischen Lernens entwickelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Analyse von Kinder- und Jugendliteratur, literarische Ästhetik und Wirkung, didaktische Aufbereitung sensibler Inhalte, Unterrichtsgestaltung sowie die Förderung von Lesekompetenz und Medienbildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, das Potenzial des Romans „Wie man eine Raumkapsel verlässt“ zu untersuchen und geeignete Unterrichtsvorschläge zur Förderung des literarischen Lernens zu entwerfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine kriterienbezogene Darstellung und Analyse des Jugendromans aus literaturwissenschaftlicher und didaktischer Perspektive, ergänzt durch die Entwicklung von praktischen Unterrichtsvorschlägen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Analyse der ästhetischen Qualität und Wirkung des Romans, seinen didaktischen Kern und konkrete Unterrichtsvorschläge für dessen Einsatz im Deutschunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Jugendliteraturpreis, Jugendroman, Ästhetik, Wirkungsästhetik, Didaktik, Leseförderung, Traumaverarbeitung, Identitätsentwicklung, Unterrichtsvorschläge, Medienkompetenz, Deutschunterricht, Offenes Ende.
Welche Rolle spielt der deutsche Jugendliteraturpreis in dieser Arbeit?
Der deutsche Jugendliteraturpreis dient als thematischer Ausgangspunkt und Kontext, da der untersuchte Roman „Wie man eine Raumkapsel verlässt“ für diesen Preis nominiert war und dessen Kriterien (Ästhetik, Wirkung, Leserbezug) die Basis der Analyse bilden.
Warum wurde der Roman „Wie man eine Raumkapsel verlässt“ als Fallbeispiel gewählt?
Der Roman wurde gewählt, um seine Eignung für den Deutschunterricht zu untersuchen, da er trotz seiner sensiblen Thematik an der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen anknüpft und durch seine besondere Erzählstruktur vielfältige Interpretationsmöglichkeiten bietet.
Welche spezifischen didaktischen Methoden werden in den Unterrichtsvorschlägen angewendet?
Die Unterrichtsvorschläge nutzen handlungs- und produktionsorientierte Verfahren, wie die Erstellung von Collagen und das Erstellen von Hör- oder Videoszenen, sowie den Einsatz digitaler Tools wie Canva und Kahoot, um literarisches Lernen und Medienkompetenz zu fördern.
Wie fördert der Roman die Medienkompetenz der Schüler?
Der Roman fördert die Medienkompetenz indirekt durch seine intermedialen Verweise (Liedtexte) und direkt durch die Unterrichtsvorschläge, die digitale Tools (Canva, Kahoot) und die Erstellung von Medienprodukten (Hör-/Videoszene) zur Texterschließung und kreativen Auseinandersetzung einbeziehen.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2022, Materialentwicklung mit Ausarbeitung zum nominierten Buch für den Deutschen Jugendliteraturpreis "Wie man eine Raumkapsel verlässt", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1673201