Aufriss: Frankreich in der Identitätskrise
Frankreich: Seit der französischen Niederlage 1870/71 im selbst initiierten Deutsch-Französischen Krieg waren der Stolz und das Nationalbewusstsein der Franzosen stark geschwächt. Die Niederlage an sich, der Verlust Elsass-Lothringens und die quasi aus der Niederlage resultierende Deutsche Reichsgründung, die mit der die Franzosen demütigenden Kaiserproklamation in Versailles vollzogen wurde, nahmen den Franzosen jegliches Selbstbewusstsein und jeglichen Stolz. Während das neu gegründete Deutsche Reich rasant an Kraft, Anerkennung und Macht gewann, gelang es Frankreich nur langsam, sich neu zu konstituieren. Trotz des Neuanfangs durch die Gründung der Dritten Republik, war das Einheits- und Nationalbewusstsein der Franzosen weiterhin geschwächt und wurde durch die außenpolitische Isolierung und innerpolitische Spannungen zusätzlich belastet...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufriss: Frankreich in der Identitätskrise
3. Barrès‘ Nationalismuskonzept als „Lösungsversuch“
4. Le voyage des Dardanelles- eine Geschichte des déracinements?
i. Der Gegensatz von Normandie und Marseille
ii. Symptome der Entwurzelung und literarischer Rassismus
b. Der déraciné in der Ferne: erneute Identitätsbildung oder Entsolidarisierung?
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern sich die nationalistische Ideologie von Maurice Barrès, insbesondere sein Konzept des „déracinements“ (Entwurzelung), in Pierre Drieu la Rochelles Novelle „Le voyage des Dardanelles“ widerspiegelt und ob das Werk als literarische Darstellung dieses Identitätsverlusts gedeutet werden kann.
- Analyse des historischen Kontexts Frankreichs nach 1870
- Darstellung des Nationalismuskonzepts von Maurice Barrès
- Untersuchung der Identitätskrise französischer Soldaten
- Kontrastierung von normannischer Heimatidylle und großstädtischer Fremde
- Reflektion über Entsolidarisierung und den Zerfall nationaler Werte
Auszug aus dem Buch
Der Gegensatz von Normandie und Marseille
Die Novelle « Le voyage des Dardanelles », die Teil des Gesamtwerks « La Comédie de Charleroi » ist, schildert den Einsatz eines französischen Truppenteils auf den Dardanellen im Jahre 1915. Die Reise zu den Dardanellen führt die Soldaten von der Normandie nach Marseille, wo sich der Truppe weitere Truppenteile anschließen. Die sich zum Zweck der Aufstockung der Truppe neu anschließenden Männer setzen sich aus Alliierten Soldaten und teilweise auf fragwürdige Weise angeworbenen Ex-Häftlingen, Artisten und Ausländern zusammen, was eine „Mischung der Rassen“ impliziert.
Der Ausgangsort der Reise, die Normandie, wird in der Novelle als eine beeindruckende, weite Landschaft mit großen Hecken und vielen Grünflächen. Adjektive wie „…la petite ville normande“, „le joli parc“ und „beau“ verleihen dem Ort zusätzlich einen anziehenden, einladenden Charakter und der Satz « c’est la paix » unterstreicht die Idylle schließlich besonders ausdrucksvoll. Außerdem schmückt der « joli parc de Guivre » am « orée de la ville » die «petite ville normande » und « le soleil sur la campagne peint les beaux verts des blée ».
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Ziel der Untersuchung dargelegt, die ideologischen Parallelen zwischen dem Nationalismus von Maurice Barrès und Drieu la Rochelles Novelle anhand einer Textanalyse aufzuzeigen.
2. Aufriss: Frankreich in der Identitätskrise: Dieses Kapitel beleuchtet die politische und gesellschaftliche Instabilität Frankreichs nach 1870, geprägt von militärischen Niederlagen und internen Konflikten wie der Dreyfus-Affäre.
3. Barrès‘ Nationalismuskonzept als „Lösungsversuch“: Die Barrèssche Theorie, die nationale Identität an die Verwurzelung in der Heimatregion und den Ahnenkult bindet, wird hier als Antwort auf die soziale Desintegration vorgestellt.
4. Le voyage des Dardanelles- eine Geschichte des déracinements?: Der Hauptteil analysiert die literarische Umsetzung der Entwurzelung, kontrastiert die normannische Identität mit dem fremd empfundenen Marseille und untersucht die Desolidarisierung des Protagonisten.
5. Zusammenfassung: Es wird geschlussfolgert, dass Drieu in seinem Werk Barrès‘ Doktrin bestätigt und die Abkehr von der Heimat als Ursache für den moralischen Verfall und den Untergang der Nation darstellt.
Schlüsselwörter
Maurice Barrès, Pierre Drieu la Rochelle, Le voyage des Dardanelles, Déracinement, Entwurzelung, Nationalismus, Identitätskrise, Frankreich, Normandie, Marseille, Faschismus, Heimat, Tradition, Rassismus, Desolidarisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die inhaltlichen und ideologischen Zusammenhänge zwischen den nationalistischen Thesen von Maurice Barrès und der Novelle „Le voyage des Dardanelles“ von Pierre Drieu la Rochelle.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Themen nationale Identität, Entwurzelung (déracinement), die Bedeutung von Heimat und regionaler Herkunft sowie der Einfluss von politischen Krisen auf das Individuum.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu belegen, dass die Novelle als eine Geschichte der Entwurzelung verstanden werden kann, die explizit die Barrèssche Ideologie widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer intensiven Text- und Passagenanalyse des Werkes, unterstützt durch den historischen Kontext und ergänzende Fachliteratur.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Gegenüberstellung von normannischer Heimatidylle und dem Marseille des frühen 20. Jahrhunderts sowie der psychologischen Verfassung der Soldaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Déracinement, Identitätskrise, Nationalismus, Patriotismus und kulturelle Verwurzelung definiert.
Warum spielt die Normandie im Vergleich zu Marseille eine so wichtige Rolle im Text?
Die Normandie dient als Symbol für eine „reine“ französische Identität und Tradition, während Marseille als Ort der „Entwurzelung“ und „fremden Einflüsse“ dargestellt wird.
Wie bewertet der Protagonist der Novelle seine eigene Nation?
Der Protagonist zeigt eine ausgeprägte Desolidarisierung, wertet seine Landsleute ab und empfindet eine Distanz zur eigenen Nation, während er andere Nationen wie die Schotten aufwertet.
- Citation du texte
- Yasemin Tahtali (Auteur), 2011, Drieu la Rochelles Novelle "Le voyage des Dardanelles" - eine Geschichte des déracinements?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167424