Über den Ursprung des Mithraskultes

Persische und römisch-hellenistische Elemente im Mithras-Kult


Essay, 2008

12 Seiten, Note: 2,3


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Inhalt

1. Einleitung

2. Quellenlage

3. Die Enstehung des Mithraismus in der traditionellen Forschung

4. Mithraismus in der neuen Forschung
4.1 Mithräen
4.2 Neuer Ansatz

5. Auswertung und Perspektiven

6. Literatur

1. Einleitung

Der Mithras-Kult verbreitete sich im römischen Reich ab dem ersten Jahrhundert nach Christus1 und hatte zur seiner Blütezeit im dritten Jahrhundert Anhänger in einem Gebiet, dass von Mesopotamien bis zu den britischen Inseln reichte.2 Kaum 150 Jahre später war dieser Kult im Zuge der Christianisierung in Vergessenheit geraten. Die Geschichte um die Verehrung des unbesiegten Sonnengottes ist eine Geschichte des schnellen Erfolges, doch auch des schnellen Verfalls. Obwohl seine Spuren teilweise erhalten sind3, bleiben viele seiner Geheimnisse ungeklärt. Einige seiner Traditionen konnten sich in abgewandelter Form im Christentum erhalten4 ; des weiteren bildeten sich im Zuge des Neopaganismus5, der in den vergangenen Jahren auftrat, neue „Mithras-Zirkel“, die angeblich den alten Traditionen folgen. Grund genug also diesen Mysterienkult und seine Ursprünge genauer zu untersuchen. Im persischen Raum wurde Mithras bereits verehrt, bevor er im römischen Reich Anhänger fand. Doch kann man den römischen Mithraismus auf einen persischen Ursprung zurückführen oder hat der römische Kult eine unabhängige Tradition? Es wäre nicht undenkbar, dass der römische Kult sich lediglich einiger Elemente aus dem persischen bedient und diese in einem unabhängig entstandenen Kult integriert hat.

Um die Ursprünge dieses Kultes zu beleuchten bedarf es einer speziellen Herangehensweise, denn viel Wissen über ihn ist mit seiner Auslöschung verloren gegangen, ebenso wie viele seiner Heiligtümer zerstört oder zu christlichen umgestaltet wurden. Einleitend ist es notwendig zuerst die Quellen zu betrachten. Welcher Art sind diese Quellen? Wie zuverlässig sind sie? Welche Interpretationsmöglichkeiten sind vorhanden? Und was können wir an Schlussfolgerungen aus ihnen ziehen? Diese Fragen sind unvermeidbar bei der Betrachtung einer solchen Thematik. Nachdem die Quellenlage analysiert wurde, wird im Weiteren versucht die Erkenntnisse der Forschung vor den 70er Jahren zu skizzieren und diese den neuen Ansätzen der Wissenschaftler bezüglich der persischen Einflüsse im Mithraismus, die in den Jahren darauf entstanden, gegenüberzustellen, um abschließend eine Bewertung bezüglich des Mithras-Kultes und einer hypothetischen Abstammung aus den Zoroaster-Lehren zu vollziehen.

2. Quellenlage

Der Mithras-Kult war ein Mysterienkult. Seine Geheimnisse waren also nur für seine Anhänger bestimmt. Diese Anhänger rekrutierten sich lediglich aus einem bestimmten Kreis. Zum einen wurden nur Männer in den Kult aufgenommen, was auch beim Eintritt in die Religionsgemeinschaft überprüft wurde, zum anderen war der Kult durch seine Auslegung des Glaubens6 zwar attraktiv für Soldaten und die obere Schicht, aber weniger ansprechend für die restliche Bevölkerung.7 Die Einschränkung der Mitgliedschaft auf eine spezielle Gruppe und die Geheimniswahrung hatten zur Folge, dass der Mithras-Kult nicht nur in der Anzahl seiner Mitglieder eingeschränkt, sondern er auch nach außen hin isoliert war. Diese Isolation mag auch zu seinem Untergang geführt haben, als das Christentum seinen Siegeszug nach Konstantin begann, aber für uns ist diese Isolation deswegen von Interesse, weil sich in Folge dessen kaum Schriftzeugnisse erhalten haben. Auch die Zerstörung von Mithras-Heiligtümern durch Christen wirkt sich enorm auf die Quellenlage aus. Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass zum einen wenige Schriftzeugnisse erhalten sind, wobei diese überwiegend von Kult-fremden verfasst wurden, zum anderen sind nur verhältnismäßig wenige Mithräen erhalten. Dadurch, dass die meisten schriftlichen Quellen von Außenstehenden verfasst wurden liefern sie uns also keine zuverlässigen Informationen, weswegen es sinnvoll erscheint den wenigen erhaltenen Mithräen besondere Aufmerksamkeit in der Untersuchung zu widmen.

3. Die Enstehung des Mithraismus in der traditionellen Forschung

Bis zur zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts betrachtete man die Religion um den Sonnengott als Reinterpretation des Mazdaismus auf römischem Terrain. Schon Plutarch berichtet uns davon, dass der Kult seine Verbreitung im römischen Reich durch die von Pompejus unterworfenen Seeräuber von Cilicien ins Imperium importiert wurden.8 Cumont, als Vertreter des frühen 20. Jh., sieht hingegen den Ursprung in der Ostexpansion der frühen Kaiserzeit.9 Die rasche Ausbreitung der Religion war bedingt durch die Beliebtheit unter den Soldaten, die durch ihre ständigen Versetzungen den Kult bis in die entlegensten Winkel des Imperiums tragen konnten.10

[...]


1 Es gibt mehrere Daten, wann man die Enstehung ansetzen könne, die unter anderem mit der Frage im Zusammenhang stehen, worin man den Ursprung des Kultes sieht.

2 Turcan liefert genaue Angaben zur Ausbreitung des Mithras-Kultes im römischen Reich. Vgl. hierzu: Turcan, R.: The cults of the roman empire, Oxford 1997,203fff.

3 z.B. die zahlreichen Überreste ehemaliger Mithräen (Dura Euporos, Basilica San Clemente, London, etc.).

4 z.B. die sieben Weihegrade (bzw. Sakramente), die Weihnachtsgeschichte oder die Anordnung der Sitzreihen in Kirchen.

5 Im Internet lassen sich leicht Kulte und Zirkel, die alte Religionen imitieren, finden. An dieser Stelle sei als Beispiel eines modernen „Mithras-Kultes“ folgender Kult genannt: http://www.datacomm.ch/olhaenzi/roem.civ13.html.

6 Der Gott Mithras immer heroisch dargestellt. Die Stiertötungsszene zeugt davon. Dies hatte zur Folge, dass gerade die Soldaten in Mithras einen Vorbild der Tugenden (Virtus) sahen. Vgl. hierzu: Schütze, A.: Mithras, Mysterien und Urchristentum, Stuttgart 1972,15f.

7 Vgl. hierzu: Johnston, S.: Religions of the ancient world, a guide, London 2004, S. 103; zur Bedeutung des Heeres bei der Verbreitung der Religion siehe: Cumont, F.: Die Mysterien des Mithra, Ein Beitrag zur Religionsgeschichte der römischen Kaiserzeit, Leipzig 1903,29f.

8 Vgl. hierzu: Cumont, F.: Die Mysterien des Mithra,27.

9 Cumont schreibt, dass mit der Eroberung Kappadociens durch Tiberius erstmals die Römer in Kontakt mit der Religion kamen. Dazu ist zu berücksichtigen, dass Cumont den Mithras-Kult als romanisierte Variante des Ahura Mazda-Kultes sieht und die Einverleibung Kappadociens nicht zwangsläufig mit der Entstehung des Mithras-Kultes im Zusammenhang steht. Vgl. hierzu: Cumont, F.: Die Mysterien des Mithra,27.

10 Vgl. hierzu: Schütze, A.: Mithras,16.

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Details

Titel
Über den Ursprung des Mithraskultes
Untertitel
Persische und römisch-hellenistische Elemente im Mithras-Kult
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Übung: Rom und Persien
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V167517
ISBN (Buch)
9783640839957
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mithras, Rom;, Persien, Mithraecum, Mithraismus, Ahura Mazda
Arbeit zitieren
Achuthan Thanabalasundaram (Autor), 2008, Über den Ursprung des Mithraskultes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167517

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