Der Titel der Masterarbeit lautet "Die Darstellung von trans* im Film Romeos". Die Arbeit untersucht, in welche gesellschaftliche Position die Zweigeschlechterordnung trans und nicht-binäre Personen rückt. Theoretische Grundlage bilden die Ansätze von Judith Butler, kombiniert mit Stuart Halls Theorien zur Repräsentation. Auf dieser Basis werden die im Theorieteil entwickelten Konzepte auf den Spielfilm "Romeos – anders als du denkst" (2011) angewendet. Der Film zählt zu den ersten deutschen Produktionen, die sich explizit mit Transgeschlechtlichkeit auseinandersetzen, und wurde zum Zeitpunkt seines Kinostarts sehr positiv rezipiert.
Im analytischen Teil wird mithilfe medienanalytischer Methoden herausgearbeitet, welche Perspektiven der Film auf trans Personen einnimmt und welche gesellschaftlichen Narrative dadurch reproduziert werden. Diese Befunde werden in Beziehung gesetzt zu realen Diskriminierungserfahrungen von trans Personen, die im Film teilweise aufgegriffen, thematisiert oder dargestellt sind.
Die breite positive gesellschaftliche Rezeption des Films zeigt auf, welche Bilder über trans Personen gesellschaftlich vorherrschen und welche Perspektiven dominieren bzw. allgemein als verständlich gelten. Gleichzeitig verdeutlicht die Analyse, dass diese Bilder nicht durchgehend im Sinne von trans Personen sind, da bestimmte Formen der Repräsentation bestehende Vorurteile über trans Personen stabilisieren und weiterverbreiten können. Das Theoriekapitel zur Repräsentation adressiert daher auch die Frage, welche Ansprüche an Repräsentation gestellt werden können. Wie dort ausgeführt, muss Repräsentation sich nicht zwingend an Authentizität messen lassen, sondern an ihrer diskriminierungskritischen Ausrichtung und ihrem Verhältnis zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Die Arbeit zeigt damit auch, welche negativen Folgen Repräsentation für eine Gruppe haben kann, wenn sie nicht diskriminierungs- und machtkritisch erfolgt, sondern ausschließlich Authentizität anstrebt.
Die in der Arbeit verwendeten Begriffe sind aus heutiger Perspektive teilweise nicht mehr gebräuchlich. So war der Begriff „nicht-binär“ im Jahr 2018 noch deutlich weniger etabliert als heute. Entsprechende Begriffsverschiebungen lassen sich aus dem Textkontext nachvollziehen und beeinträchtigen dessen Verständlichkeit nicht.
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- Gabriel Kohnke (Author), 2018, Die Darstellung von Transnormativität im Film "Romeos", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1675658