Die Ehe wurde im 13. Jahrhundert zu einem heiligen Sakrament der katholischen Kirche erhoben und stand so auf einer Ebene mit der Taufe und der Priesterweihe. Dadurch wurde die Bedeutung dieser stark aufgewertet und bekam einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Doch auch die Frage der Ehe von Priestern und deren Zölibat wurden nach und nach wichtiger und zunehmend diskutiert. Trotz der zunehmenden Verschärfung der Regeln waren es vor allem die Priester, welche sich wenig an diese Regeln hielten, obwohl ihnen auch harte Strafen angedroht wurden. Das im Spätmittelalter dieses Thema von Relevanz war, zeigt sich auch an der Kunst. Hans Rosenplüt griff beispielsweise das Motiv des Ehebruchs in sechs seiner 11 Mären auf. Diese Werke sollen in der vorliegenden Arbeit miteinander verglichen werden. Dabei soll der Fokus auf der Darstellung der Ehebrüche liegen. Die Fragestellung lautet: „Inwieweit unterscheiden sich die Ehebruchszenarien in den Mären von Hans Rosenplüt und kann man bei diesen ein Muster erkennen?“ Um diese Frage beantworten zu können werden alle sechs Mären hinsichtlich der Figurenkonstellation, der Rolle der Figuren, insbesondere des Buhlers, dem Schwerpunkt des Inhalts, der Ehebruch selbst, der Art der Bestrafung und der Ordnungsstörung analysiert.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Hans Rosenplüt
- 3. Ehebruch in Hans Rosenplüts Mären
- 3.1 Der Bildschnitzer von Würzburg
- 3.2 Die Wolfsgrube
- 3.3 Der Hasengeier
- 3.4 Der Knecht im Garten
- 3.5 Der fahrende Schüler
- 3.6 Wettstreit der drei Liebhaber
- 4. Fazit
- 5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich dem Phänomen des Ehebruchs in ausgewählten Mären von Hans Rosenplüt aus dem Spätmittelalter. Das Hauptziel ist es, die Darstellungsweisen von Ehebruchsszenarien in sechs seiner Mären zu vergleichen und mögliche Muster oder Unterschiede zu identifizieren. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Inwieweit unterscheiden sich die Ehebruchszenarien in den Mären von Hans Rosenplüt und kann man bei diesen ein Muster erkennen?“
- Analyse der Figurenkonstellationen und Rollen, insbesondere des Buhlers.
- Untersuchung der thematischen Schwerpunkte und der Darstellung des Ehebruchs.
- Betrachtung der Art der Bestrafung und der Konzeptualisierung von Ordnungsstörungen.
- Einordnung der Werke Hans Rosenplüts und des Gattungsbegriffs „Märe“.
Auszug aus dem Buch
Der Bildschnitzer von Würzburg
Man kann in dem Märe eine Dreieckskonstellation zwischen dem Ehemann, der Ehefrau und dem Domprobst erkennen, was eine konstitutive Figurenkonstellation in schwankhaften Ehebruchsmären ist. Dabei betrügen nicht die Frau und der Probst den Mann, sondern Mann und Frau den Probst. Der Probst denkt jedoch, dass er Teil des Betrugs ist und es ist fraglich, ob er es überhaupt bemerkt, dass er der eigentliche hintergangene ist, da es innerhalb der Handlung des Märes nicht aufgelöst wird. Die Frau wird als treu beschrieben, weil sie ihrem Mann vom Anliegen des Probstes erzählt und anschließend den Plan des Mannes auch verfolgt. Der Mann wiederum wird schlau dargestellt, da er nicht nur den Plan ausdenkt, sondern am Ende des Märes zusätzlich Geld aus dem Geschehen herausschlagen kann. Doch auch er wird als Treu dargestellt, denn er gibt jegliches Geld der Frau.
Die Beziehung zwischen den beiden wird somit sehr eng beschrieben, welcher dieser Störung durch den Probst nicht nur standhält, sondern daraus zusätzlich Profit machen kann, ohne, dass einer der beiden zu Schaden kommt. Der Geistliche, welcher die Störung im Märe darstellt, wird zwar an sich neutral beschrieben, doch begehrt er die Frau, was gegen sein Keuschheitsgelübde ist. Trotz dessen ist ihm sein Ruf wichtig und er ist bereitwillig, dass zusätzliche Geld, welches der Maler verlangt, zu zahlen. Obwohl er in Keuschheit leben muss, hat er Angst davor, seine Geschlechtsteile abgeschlagen zu bekommen. Da diese in Mären für die Sexualität stehen, zeigt es, dass er diese nicht aufgeben möchte und sich somit die Möglichkeit gegen das Zölibat zu verstoßen nicht vollständig aufgeben möchte. Die Bestrafung der Kastration wird hier somit angedroht, jedoch nicht vollzogen. Er rechnet auch nicht damit, hintergangen zu werden, wodurch seine Situation ausgenutzt werden kann. Da niemand wissen darf, dass er die Frau begehrt, kann er die Betrüger nicht auffliegen lassen und muss dem Maler schlussendlich auch noch die zusätzlichen golten hundert pfunt (V. 121.) geben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Bedeutung der Ehe im 13. Jahrhundert ein, stellt Hans Rosenplüt als Autor vor und legt die Forschungsfrage sowie die methodische Herangehensweise zur Analyse von Ehebruchsszenarien in seinen Mären dar.
2. Hans Rosenplüt: Hier wird der Autor Hans Rosenplüt, seine Herkunft, sein Leben als Handwerker und seine Bedeutung für die Verschriftlichung von Festnachtspielen und anderen literarischen Formen im Spätmittelalter vorgestellt.
3.1 Der Bildschnitzer von Würzburg: Dieses Kapitel analysiert ein Märe, in dem ein Ehepaar einen Probst durch eine List betrügt, wobei der Ehebruch zwar angedroht, aber nicht vollzogen wird und die List zur Ordnungsumkehr und zum finanziellen Profit des Ehepaares führt.
3.2 Die Wolfsgrube: Hier wird ein Märe behandelt, in dem ein listiger Ehemann den versuchten Ehebruch seiner Frau mit einem Pfaffen durch eine Grubenfalltechnik vereitelt und den Pfaffen körperlich bestraft, um die Ordnung wiederherzustellen.
3.3 Der Hasengeier: Dieses Kapitel befasst sich mit einem Märe, in dem ein rachsüchtiger Edelmann durch einen Hasengeier den Ehebruch einer adligen Dame mit einem Pfaffen offenbart und dieser in einer drastischen Weise bestraft wird, die über die Verhinderung des Ehebruchs hinausgeht.
3.4 Der Knecht im Garten: Hier wird ein Märe vorgestellt, in dem die Ehefrau ihren Mann durch eine clevere List überlistet, um mit einem Knecht Ehebruch zu begehen, wobei der Ehemann betrogen und verprügelt wird, ohne die tatsächliche Störung der Ordnung zu erkennen.
3.5 Der fahrende Schüler: Dieses Kapitel analysiert ein Märe, in dem ein kluger Schüler durch eine List den versuchten Ehebruch eines Pfaffen mit einer Bäuerin verhindert, indem er den Pfaffen als „Teufel“ verkleidet und dessen moralischen Verfehlungen auf komische Weise aufdeckt.
3.6 Wettstreit der drei Liebhaber: Dieses Kapitel behandelt ein Märe, in dem drei Buhler mit einer Bäuerin Ehebruch begehen, wobei der Fokus auf einem Wettstreit der Listen liegt und der Ehemann die offensichtlichen Taten nicht bemerkt oder ignoriert, was zu einer vollständigen Umkehr der normalen gesellschaftlichen Ordnung führt.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analysen zusammen und vergleicht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Figurenkonstellation, List, Thematisierung des Ehebruchs, Bestrafung und Wiederherstellung der Ordnung in den besprochenen Mären.
Schlüsselwörter
Ehebruch, Mären, Hans Rosenplüt, Spätmittelalter, List, Geistliche, Pfaffen, Zölibat, Bestrafung, Ordnungsstörung, Figurenkonstellation, Komik, Sexualität, Gattungsbegriff, Betrug, Novelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit untersucht die Darstellung des Ehebruchs in ausgewählten Mären von Hans Rosenplüt aus dem Spätmittelalter, indem sie verschiedene Ehebruchsszenarien vergleicht und analysiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind Figurenkonstellationen, die Rolle der Buhler (insbesondere Geistliche), die Funktion der List, die Arten der Bestrafung sowie die Thematisierung und Wiederherstellung der gesellschaftlichen Ordnung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, Muster und Unterschiede in den Ehebruchszenarien von Hans Rosenplüts Mären zu erkennen. Die Forschungsfrage lautet: „Inwieweit unterscheiden sich die Ehebruchszenarien in den Mären von Hans Rosenplüt und kann man bei diesen ein Muster erkennen?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende Analyse der Mären von Hans Rosenplüt, wobei verschiedene Aspekte wie Figurenkonstellation, Handlungsverlauf, Bestrafung und Ordnungsstörung tiefgehend analysiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sechs spezifische Mären von Hans Rosenplüt – "Der Bildschnitzer von Würzburg", "Die Wolfsgrube", "Der Hasengeier", "Der Knecht im Garten", "Der fahrende Schüler" und "Wettstreit der drei Liebhaber" – detailliert hinsichtlich ihrer Ehebruchsdarstellung und -konsequenzen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Ehebruch, Mären, Hans Rosenplüt, Spätmittelalter, List, Geistliche, Zölibat, Bestrafung, Ordnungsstörung und Figurenkonstellation.
In welchen Mären wird der Ehebruch tatsächlich vollzogen und welche Rolle spielt dabei die List?
In den Mären "Der Knecht im Garten" und "Wettstreit der drei Liebhaber" wird der Ehebruch tatsächlich vollzogen, wobei die List hier als Strategie des Buhlers oder der Ehefrau dient, um den Ehebruch zu ermöglichen.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Ehefrau in den verschiedenen Mären?
Die Rolle der Ehefrau variiert stark: Sie kann loyal und listenreich sein, um ihren Mann zu schützen und Profit zu schlagen ("Der Bildschnitzer von Würzburg"), oder selbst aktiv den Ehebruch initiieren und ihren Mann hintergehen ("Der Knecht im Garten", "Wettstreit der drei Liebhaber").
Welche Funktion hat die Darstellung von Geistlichen als Buhler in Rosenplüts Mären?
Die häufige Darstellung von Geistlichen als Buhler in Rosenplüts Mären dient oft als Kritik an der geistlichen Doppelmoral und dem Bruch des Keuschheitsgelübdes, wobei sie negativ konnotiert und ins Lächerliche gezogen werden.
Wie wird das Konzept der "Ordnung" in den Mären behandelt, insbesondere im "Wettstreit der drei Liebhaber"?
Die normale Ordnung wird in vielen Mären gestört und oft wiederhergestellt, aber im "Wettstreit der drei Liebhaber" gibt es keine erkennbare Ordnung oder ein Bewusstsein dafür, wodurch der Ehebruch seine moralische Bedeutung verliert und die Ordnungsumkehr nicht thematisiert wird.
- Citar trabajo
- Leonard Dürrwald (Autor), 2025, Ehebruch in Hans Rosenplüts Mären, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1675724