In der folgenden Arbeit widme ich mich der Frage danach, ob Zar Paul I als letzter Zar mit uneingeschränkter Macht angesehen werden kann. Die Relevanz der Fragestellung ergibt sich dabei in Bezug auf die gesellschaftliche Entwicklung sowie die generelle Entwicklung der Staatsformen im zaristischen Russland. Somit ließe sich der historische Ablauf besser nachvollziehen und in das gesamtgeschichtliche Konzept einordnen. Zunächst widme ich mich der autokratischen Staatsform und stelle eine grundlegende Begriffsbestimmung auf, die für den weiteren Verlauf dieser Arbeit unerlässlich ist. Im Hinblick auf die Frage danach, ob ein Zar uneingeschränkte Macht besitzt oder diese auch ausübt, sollte zunächst also erst geklärt werden, wie die Gegebenheiten historisch einzuordnen sind und welcher konkreten Staatsform sich diese Zeit bedient.
Daraufhin stelle ich die Person Paul I vor und gebe einen kurzen biographischen Überblick über sein Leben. Dies erscheint mir insoweit notwendig, um die konkreten Handlungen eines Menschen nachvollziehen zu können, über eine grundlegende Kenntnis seiner Biographie verfügen muss. In diesem Zusammenhang untersuche ich auch seine Beziehung zu seiner Mutter, der Zarin Katharina der Großen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Das Zarentum in Russland
- 3. Zur Person Pauls I
- 4. Innen- und Außenpolitik Pauls I: Impulsiver Tyrann oder genialer Stratege?
- 5. Der Mord an dem Zaren und die Überreste seiner Regentschaft mit Alexander I
- 6. Fazit und Ausblick
- 7. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Frage, ob Zar Paul I als der letzte russische Zar mit uneingeschränkter Macht angesehen werden kann. Dabei wird die Relevanz dieser Fragestellung im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung und der Staatsformen im zaristischen Russland beleuchtet, um den historischen Ablauf besser einordnen zu können.
- Definition der autokratischen Staatsform und des Zarentums in Russland.
- Biographische Darstellung Pauls I und seiner Beziehung zu Katharina der Großen.
- Analyse der innen- und außenpolitischen Entscheidungen Pauls I.
- Untersuchung der Umstände seiner Ermordung und der Machtübernahme durch Alexander I.
- Vergleich der Herrschaftsprinzipien Pauls I mit denen seines Nachfolgers Alexander I.
- Reflexion der theoretischen und philosophischen Implikationen uneingeschränkter Macht.
Auszug aus dem Buch
4. Innen- und Außenpolitik Pauls I: Impulsiver Tyrann oder genialer Stratege?
Während seiner Zeit als Zar setzte Paul zahlreiche Veränderungen und Umstrukturierungen durch. Dabei fällt vor allem auf, dass sich diese auf bereits durchgesetzte Forderungen seiner Vorgängerin und Mutter beziehen. Nach dem Ende des Elisabethanischen Zeitalters und mit dem Beginn der Regentschaft Pauls I erließ er 1797 das Familiengesetz, dass das Recht der Erstgeburt auf die Thronfolge sicherte. Dabei beschloss er den Vorrang männlicher Nachkommen als Reichsgrundgesetz und schloss das weibliche Geschlecht vollkommen aus (Tomsinov 2008: 32). Paul I empfand grundlegendes Misstrauen gegenüber den Ideen der Französischen Revolution (1789-1799) und erließ im Zuge dessen das Verbot ausländischer Lehranstalten und Universitäten, verschärfte die Zensur, setzte eine strengere Aufsicht von AusländerInnen im Land durch und bestrafte scheinbar völlig grundlos jede Meinungsäußerung. Tomsinov schreibt dazu, dass Paul I aber immer auf Rechtsgrundlage gehandelt habe und belegt auf Basis von Überlieferungen, dass seine Entscheidungen gar nicht so willkürlich gewesen seien (Vgl. Tomsinov 2008: 17ff.). 1800 wurde die Zweite bewaffnete Neutralität mit Schweden, Dänemark und Preußen beschlossen. Im selben Jahr trat Russland in einem Streit mit Großbritannien um Malta aus der Koalition aufgrund einer Niederlage aus. Im Zusammenhang damit standen die Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich, wobei Paul mit dem Neutralitätsvertrag eine Beschränkung der britischen Seemacht verfolgte. Damit geht seine plötzliche Sympathie für Frankreich einher, um ein Bündnis mit Frankreich anzustreben und eine Invasion auf das britische Indien zu planen. Dies konnte Paul I allerdings zu seinen Lebzeiten nicht mehr umsetzen (Vgl. Tomsinov 2008: 39ff.).
Paul I war ein großer Militärliebhaber. Seine Mutter schenkte ihm zur Geburt das Landgut in Pawlowsk, wo er als Kind seine eigene kleine Armee besaß. Diese Obsession brachte ihn dazu militärische Spiele zu praktizieren, wobei er seine eigene Garde nach preußischem Vorbild hielt (Vgl. Epoche Napoleon 2017). Er war ein Verfechter der Autokratie und unterband jegliche liberale Ideen im Zarenreich. Dies beinhaltete, dass jegliche Gedankenfreiheit oder Autonomiebestrebungen unterbunden wurden. Auf lange Sicht verfeindete sich Paul mit dem Adel durch seine Beschlüsse zur Besteuerung und Einschränkung der Rechte der Bojaren. Im Zarenreich war der Adel an die Krone gebunden, wobei die Zuweisung und Überlassung von Grund und Boden durch den Herrscher, der das gesamte Staatsgebiet als sein Eigentum betrachtete, vollzogen wurde (Vgl. Epoche Napoleon 2017).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung ein, ob Zar Paul I der letzte Zar mit uneingeschränkter Macht war, und skizziert die Struktur der Arbeit zur Beantwortung dieser Frage.
2. Das Zarentum in Russland: Hier wird die autokratische Staatsform des Zarentums in Russland definiert und ihre Merkmale während des Zeitraums der Kaiserinnen beleuchtet.
3. Zur Person Pauls I: Dieses Kapitel bietet einen biographischen Überblick über Paul I, seine umstrittene Persönlichkeit und die schwierige Beziehung zu seiner Mutter, Katharina der Großen.
4. Innen- und Außenpolitik Pauls I: Impulsiver Tyrann oder genialer Stratege?: Der Inhalt dieses Kapitels widmet sich der Analyse der wesentlichen innen- und außenpolitischen Entscheidungen Pauls I und diskutiert, ob er als impulsiver Tyrann oder genialer Stratege agierte.
5. Der Mord an dem Zaren und die Überreste seiner Regentschaft mit Alexander I: Dieses Kapitel behandelt die Umstände der Ermordung Pauls I und die Machtübernahme durch seinen Sohn Alexander I, wobei auch die Struktur und Schwächen der Autokratie beleuchtet werden.
6. Fazit und Ausblick: Das Schlusskapitel präsentiert zwei mögliche Antworten auf die Forschungsfrage, basierend auf der Analyse von Paul I und Alexander I, und gibt einen Ausblick auf weitere Forschungsperspektiven.
Schlüsselwörter
Paul I, Zarentum, Russland, Autokratie, Katharina die Große, Alexander I, Innenpolitik, Außenpolitik, Reformen, Leibeigenschaft, Adel, Thronfolge, Monarchie, Verschwörung, Absolutismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Zar Paul I als der letzte russische Zar gilt, der uneingeschränkte Macht besaß und diese auch ausübte, und ordnet dies in den historischen Kontext des zaristischen Russlands ein.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die russische Autokratie, die Biographie und Politik Pauls I, die Nachfolge Alexander I und die Frage der tatsächlichen Ausübung uneingeschränkter Macht durch die Zaren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten: „Kann Zar Paul I als letzter Zar mit uneingeschränkter Macht angesehen werden?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit bedient sich einer historisch-analytischen Methode, indem sie Fakten sammelt, biographische Details beleuchtet und politische Entscheidungen sowie deren Auswirkungen analysiert und vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das russische Zarentum als Autokratie definiert, die Person Pauls I vorgestellt, seine innen- und außenpolitischen Entscheidungen diskutiert und die Umstände seiner Ermordung sowie die Regentschaft seines Sohnes Alexander I analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Schlüsselwörter sind Paul I, Zarentum, Russland, Autokratie, Katharina die Große, Alexander I, Innenpolitik, Außenpolitik, Reformen, Leibeigenschaft, Adel, Thronfolge, Monarchie, Verschwörung und Absolutismus.
Wie wird die Autokratie im zaristischen Russland definiert?
Die Autokratie im zaristischen Russland wird als Staatsform verstanden, bei der eine Einzelperson oder Personengruppe unkontrolliert politische Macht ausübt und keinen verfassungsmäßigen Beschränkungen unterworfen ist, legitimiert durch eigene Vollkommenheit.
Welche Beziehung hatte Paul I zu seiner Mutter, Katharina der Großen?
Paul I hatte eine schwierige und von Misstrauen geprägte Beziehung zu seiner Mutter, Katharina der Großen, da er von ihr getrennt aufwuchs und sie ihn zum Verzicht auf sein väterliches Erbe zwang, was seine Entscheidungen und sein Verhalten maßgeblich beeinflusste.
Welche wichtigen innenpolitischen Entscheidungen traf Paul I während seiner Regentschaft?
Paul I erließ das Familiengesetz zur Sicherung des Rechts der Erstgeburt auf die Thronfolge für männliche Nachkommen und zeigte Misstrauen gegenüber der Französischen Revolution, was zu Verboten ausländischer Lehranstalten, verschärfter Zensur und der Einschränkung von Adelsrechten führte. Er unternahm auch erste symbolische Schritte zur Einschränkung der Leibeigenschaft.
Wie unterscheidet sich die Regentschaft Alexander I von der seines Vaters Paul I?
Alexander I zeigte im Gegensatz zu Paul I eine Bereitschaft, Aufgabenbereiche an andere Organe zu delegieren und nicht als Alleinherrscher zu agieren, indem er eine Zentralverwaltung mit Fachministerien einführte und aufgeklärtere Prinzipien verfolgte, statt seine Macht eigennützig auszuüben.
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- Anonym (Autor), 2020, Paul I. Der letzte russische Zar mit uneingeschränkter Macht?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1676122