Die Inhalte des Sachunterrichts, im Folgenden SU abgekürzt, sind sehr vielfältig, wodurch die theoretische Bestimmung eines genauen Inhaltsrahmens für den SU eine nahezu unlösbare Aufgabe wäre. Des Weiteren weisen Sachunterrichtsinhalte unterschiedliche Anteile am Unterricht auf. BLASEIO hat im Jahre 2004 eine Studie zu den Entwicklungstendenzen der Inhalte im SU veröffentlicht. Diese Studie hatte zum Ziel für den Zeitraum von 1970 bis 2000 die prozentualen Anteile von Inhalten in Schulbüchern zu bestimmen. Darunter fallen auch Inhalte, die sich auf die Zeitbegriffsbildung (chronometrisch) beziehen sowie geschichtliche Inhalte. Da mein Bezugsfach im Studium „Geschichte“ darstellte und ich im Laufe des Studiums mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass historisches Lernen ein Schattendasein im SU führt, stellt sich für mich die Frage, ob historische Inhalte tatsächlich vernachlässigt werden. BLASEIO kam zu dem Ergebnis, dass chronometrisch- historische Inhalte zwar nicht im großen Ausmaß vorkommen, jedoch seit den achtziger Jahren einen festen Platz im Curriculum haben und von einer Vernachlässigung nicht gesprochen werden kann. Weil ihr Untersuchungszeitraum im Jahre 2000 endete und ich das Interesse verfolge, die aktuellen Entwicklungstendenzen des chronometrisch– historischen Inhaltsbereichs zu bestimmen, versteht sich die vorliegende Arbeit als die Fortführung der Studie von BLASEIO in Bezug auf chronometrisch- historische Inhalte. Dabei möchte ich anhand von sachunterrichtlichen Schulbüchern den Anteil und die Entwicklungstendenzen chronometrisch- historischer Inhalte für den Zeitraum von 2004-2007/08 bestimmen und aufzeigen und die Ergebnisse mit denen von BLASEIO vergleichen.
Im Verlauf meiner Literaturrecherche stoß ich mehrmals auf den Begriff des „Lehrplanmäßigen Bruchs“ in Bezug auf historisches Lernen im SU. Dieser Begriff beschreibt die Tatsache, dass im ersten und zweiten Schuljahr chronometrische Inhalte stark dominieren, weil sie als Voraussetzung für das „eigentliche“ Geschichtslernen, welches in den letzten beiden Grundschuljahren stattfindet, angenommen werden. Für mich stellt sich damit auch die interessante Frage, ob dieser „Lehrplanmäßige Bruch“ in aktuelleren Schulbuchausgaben ebenfalls existent ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Geschichtswissenschaft
2.1 Was ist Geschichte?
2.2 Anspruch und Ziele der Geschichtswissenschaft
2.3 Methodik der Geschichtswissenschaft
3 Historisches Lernen im Sachunterricht
3.1 Der Sachunterricht und seine Zielsetzung
3.2 Das Spannungsfeld zwischen der Geschichtswissenschaft und dem historischen Lernen im Sachunterricht
3.3 Erläuterung des Begriffs „Geschichtsbewusstsein“
3.4 Begründungen für das historische Lernen im Sachunterricht
3.5 Kompetenzen und Ziele des historischen Lernens im Sachunterricht
3.5.1 Die Arbeit mit Quellen aus geschichtswissenschaftlicher und didaktischer Sicht
3.5.1.1 Textquellen
3.5.1.2 Bildquellen
3.5.1.3 Sachquellen/Artefakte
3.6 Zyklische Zeit und Lineare Zeit
3.7 Entwicklungspsychologische Voraussetzungen für das historische Lernen
4 Inhalte und Entwicklungstendenzen im Bezug auf die historische Perspektive
4.1 Der Aspekt des Unterrichtsinhalts im Sachunterricht in Bezug auf das historische Lernen
4.2 Die tendenzielle Inhaltsentwicklung im Sachunterricht ab dem Jahre 1970 mit besonderen Blick auf die historische Perspektive
4.2.1 Der wissenschaftsorientierte Sachunterricht (1970 bis ca. 1975)
4.2.2 Wendung des Sachunterrichts zur Grundschulpädagogik (1975 bis ca.1989)
4.2.3 Die Phase der kritischen Betrachtung der Sachunterrichtsinhalte (ca. 1990 bis heute)
4.3 Ergebnisse der Untersuchung zu den Inhalten des Sachunterrichts in Bezug auf chronometrisch- historische Inhalte in Schulbüchern (1970 bis 2000)
5 Untersuchung zu den Entwicklungstendenzen im Sachunterricht von 2004-2007/08 in Bezug auf chronometrisch-historische Inhalte in Schulbüchern
5.1 Das Schulbuch im Sachunterricht
5.2 Die quantitative Inhaltsanalyse- Vorgehensweise bei der Analyse von Lehrwerken in Bezug auf historische Inhalte
5.3 Entwicklungstendenzen des chronometrisch-historischen Inhaltsbereichs für den Zeitraum 2004 bis 2007/08
6 Fazit
7 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklungstendenzen chronometrisch-historischer Inhalte in sachunterrichtlichen Schulbüchern für den Zeitraum von 2004 bis 2007/08 als Fortführung einer früheren Studie von Blaseio. Das Hauptziel ist die Bestimmung des Anteils und der inhaltlichen Ausrichtung dieser Themenbereiche, um zu klären, ob der sogenannte „lehrplanmäßige Bruch“ zwischen den ersten beiden und den letzten beiden Schuljahren der Grundschule weiterhin in aktuelleren Lehrmaterialien existiert.
- Analyse des Stellenwerts historischen Lernens im Sachunterricht.
- Untersuchung von Kontinuität und Wandel in der Inhaltsstrukturierung von Schulbüchern.
- Methodische Erfassung von chronometrisch-historischen Inhalten durch quantitative Inhaltsanalyse (Raumanalyse).
- Überprüfung des sogenannten "lehrplanmäßigen Bruchs" im historischen Lernen.
- Vergleich aktueller Ergebnisse mit historischen Daten zur Inhaltsentwicklung.
Auszug aus dem Buch
2.3 Methodik der Geschichtswissenschaft
Wie schon erwähnt hat sich Geschichte als Wissenschaft erst im 19. Jhd. konstituiert. Erst seit dieser Zeit sind die Methoden für die systematische Untersuchung der Vergangenheit wissenschaftlich begründet und zur Methode der historischen Hermeneutik gebündelt worden (vgl. Kloft 1994, S. 6). Die historische Hermeneutik ist besonders mit dem Namen Droysen3 verknüpft, der einen arbeitstechnischen Dreischritt begründet und populär gemacht hat: Die Abfolge von Heuristik, Quellenkritik und Interpretation. Dieser Dreierschritt zur Untersuchung von Quellen ist notwendig, da die Quellen nicht von sich aus zu einem Historiker „sprechen“. Was immer der Historiker mit den Quellen tut, muss er für andere nachvollziehbar machen. Die Nachvollziehbarkeit wird durch den folgenden Dreierschritt erhöht (vgl. ebd., S. 7).
Heuristik: Sie wird auch als „Finderkunst“ bezeichnet und hat in Bezug auf die historische Methodik zwei Aspekte. Die Heuristik hilft die Neugier und die historische Fragestellung präziser zu machen, indem erst einmal die Quellen gesichtet werden (vgl. ebd., S. 9). Dabei ist es von großer Wichtigkeit, welche Quellen für welche Fragestellungen von Bedeutung sind, da ein bestimmter Quellenbestand auf das Ergebnis einer Untersuchung Einfluss hat (vgl. Sellin 2005, S. 83).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz historischen Lernens im Sachunterricht ein und formuliert das Forschungsziel, die Entwicklung chronometrisch-historischer Inhalte in Schulbüchern fortführend zu analysieren.
2 Die Geschichtswissenschaft: Dieses Kapitel erläutert den Forschungsgegenstand, die Ziele und die methodischen Grundlagen der Geschichtswissenschaft, um ein theoretisches Fundament für die fachliche Einordnung zu schaffen.
3 Historisches Lernen im Sachunterricht: Es werden die didaktischen, entwicklungspsychologischen und inhaltlichen Begründungen für historisches Lernen in der Grundschule sowie zentrale Kompetenzmodelle diskutiert.
4 Inhalte und Entwicklungstendenzen im Bezug auf die historische Perspektive: Das Kapitel reflektiert die Inhaltsentwicklung des Sachunterrichts seit 1970 und stellt die Ergebnisse vorangegangener Untersuchungen zur historischen Inhaltsstrukturierung vor.
5 Untersuchung zu den Entwicklungstendenzen im Sachunterricht von 2004-2007/08 in Bezug auf chronometrisch-historische Inhalte in Schulbüchern: Dies ist der empirische Hauptteil, der die eigene quantitative Analyse aktueller Schulbücher methodisch darlegt und die Ergebnisse auswertet.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Ausblick auf die Bedeutung der historischen Perspektive im Kontext der aktuellen curricularen Debatten.
Schlüsselwörter
Sachunterricht, Historisches Lernen, Geschichtsbewusstsein, Schulbuchanalyse, Inhaltsanalyse, Chronometrie, Geschichtsdidaktik, Grundschule, Lehrplan, Historische Perspektive, Quellenkritik, Curriculum, Zeitverständnis, Technikgeschichte, Sozialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Stellenwert und die Entwicklung von chronometrischen und historischen Inhalten in aktuellen Grundschul-Sachunterrichtsbüchern im Zeitraum von 2004 bis 2007/08.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Themenfeldern gehören unter anderem Zeitbegriffsbildung, Technikgeschichte, Sozialgeschichte, Regionalgeschichte sowie die Analyse historischer Gesellschaften und Kulturen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Anteil dieser Inhalte in Schulbüchern zu quantifizieren, Entwicklungstendenzen aufzuzeigen und zu prüfen, ob der bekannte „lehrplanmäßige Bruch“ im historischen Lernen der Grundschule weiterhin existiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der quantitativen Inhaltsanalyse (Raumanalyse) nach dem Vorbild von Blaseio, um Flächenanteile historischer Themen in Schulbüchern zu bestimmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Fundierung zum historischen Lernen im Sachunterricht als auch die detaillierte empirische Untersuchung der gewählten Schulbuchstichproben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Sachunterricht, historisches Lernen, Geschichtsbewusstsein, Schulbuchanalyse, Inhaltsanalyse und die historische Perspektive.
Was besagt der „lehrplanmäßige Bruch“?
Er beschreibt das Phänomen, dass in den ersten beiden Schuljahren fast ausschließlich chronometrische Zeitbegriffe (Uhr, Kalender) vermittelt werden, während eigentliche historische Inhalte in die letzten beiden Grundschuljahre verschoben werden.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Quellentypen?
Die Arbeit differenziert zwischen Textquellen, Bildquellen und Sachquellen (Artefakten), wobei für jeden Typ spezifische Anforderungen an die Quellenkritik und methodische Einsetzbarkeit im Sachunterricht definiert werden.
Welche Bedeutung hat der „Perspektivrahmen Sachunterricht“ für diese Analyse?
Der Perspektivrahmen dient als aktuelles Bezugsdokument, um zu prüfen, wie moderne Anforderungen an ein mehrperspektivisches historisches Lernen in der praktischen Schulbuchgestaltung umgesetzt werden.
- Quote paper
- Marek Olchowy (Author), 2009, Historisches Lernen im Sachunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167618