Diese Ausarbeitung fokussiert sich auf die Untersuchung der Platonischen Gerechtigkeit beim einzelnen Menschen und beim Staat, wozu die einzelnen Bücher der Politeia unterschiedlich viel beisteuern. Bei dem Unterfangen ist wichtig, sich bewusst zu machen, woher Platon seine Gerechtigkeits-Idee ableitet und wie die Zeiten damals waren – sowohl politisch als auch hinsichtlich konkurrierender Gerechtigkeitsvorstellungen. Nach diesen Rekonstruktionen muss und wird konsequenterweise die Kritik an Platon dargestellt sowie schlussendlich überlegt, welche Anregungen daraus für die heutige Zeit gewonnen werden können, obwohl sich das Staats- und Gerechtigkeitsverständnis grundlegend geändert haben
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Hauptteil
- 2.1. Historischer und philosophischer Kontext.
- 2.2. Platons Gerechtigkeitskonzeption der Stadt und der Seele: Jedem das Seine!
- 2.2.1. Gerechtigkeit ist angeblich das schönste Gut. Aber ist Ungerechtigkeit nicht doch besser?
- 2.2.2. Ein nötiger, ontologischer Exkurs: Woher kommt Platons Gerechtigkeits-Idee?
- 2.2.3. Analogie von Staat und Seele: Der Staat ist die vergrößerte Seele...
- 2.2.4. Politische Gerechtigkeit bedeutet Arbeitsteilung und Ständeordnung
- 2.2.5. Ein kleiner Exkurs: Gerechtigkeit bei Staatsformen und warum Demokratie krank ist...
- 2.2.6. Personale Gerechtigkeit bedeutet eine wohlgeordnete Seele, in der die Vernunft bestimmt
- 2.2.7. Platons Fazit: In Summe ist ein gerechtes Leben besser als ein ungerechtes.
- 2.3. Kritik an Platons Konzeption.
- 2.3.1. Platons Theorie bei der Bestimmung der Gerechtigkeit ist nicht stimmig.
- 2.3.2. Die Politeia zeichnet nur Verfassungs-Umrisse und hat einen eher pädagogischen Charakter
- 2.3.3. Platons Staatsverständnis ist sehr konservativ und änderungsfeindlich.
- 2.3.4. Platons Staat ist demokratiefeindlich
- 2.3.5. Platons Staatsverständnis ist sogar totalitär.
- 2.4. Nachwirkungen und Aktualität von Platons Politeia.
- 2.4.1 Parallelen zu unserer heutigen Demokratie.
- 2.4.2. Bildung ist nach wie vor ein Grundpfeiler des Gemeinwesens..
- 2.4.3. Mangelnde Vernunft gefährdet unsere Gegenwartsgesellschaften.
- 3. Fazit
- 4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich Platons Gerechtigkeitskonzeption, wie sie hauptsächlich in seinem Werk *Politeia* dargelegt wird, mit dem übergeordneten Ziel, die grundlegende Frage "Gerechtigkeit – was ist das?" sowohl für den Einzelnen als auch für den Staat zu analysieren, kritisch zu würdigen und ihre Aktualität für die heutige Zeit zu bewerten.
- Detaillierte Analyse von Platons Gerechtigkeitskonzeption in der *Politeia*.
- Rekonstruktion des historischen und philosophischen Kontextes von Platons Zeit.
- Umfassende Kritik an Platons Staats- und Gerechtigkeitsverständnis.
- Untersuchung der ontologischen Grundlagen von Platons Gerechtigkeits-Idee (Ideenlehre).
- Betrachtung von Platons Beiträgen zu politischer Philosophie, Ethik und Pädagogik.
- Erörterung der Nachwirkungen und der Aktualität von Platons *Politeia* für gegenwärtige Gesellschaften.
Auszug aus dem Buch
Gerechtigkeit ist angeblich das schönste Gut. Aber ist Ungerechtigkeit nicht doch besser?
Platon bezeichnet – via Sokrates - die Gerechtigkeit als ein Gut der schönsten Art, das „man um [seiner] selbst und um ihrer Folgen willen lieben muß, wenn man glücklich werden will". Aber was sind dann die anderen Güter? Im Dialog werden darum die potenziellen Güter in drei Klassen eingeteilt. Die erste Klasse sind die Güter um ihrer selbst willen, z.B. die Freude. Sie haben „eine auf die Innenwelt des Handelnden gerichtete, gemütsbildende und charakterformende Wirkung“. Die zweite Klasse sind die Güter um ihrer selbst und der Folgen willen - wie etwa Gesundheit oder eben die Gerechtigkeit. Und bei der dritten Klasse handelt es sich um Güter, die ausschließlich wegen ihrer Folgen gewählt werden wie z.B. eine medizinische Behandlung. Die Sophisten würden nach Platon die letzte Klasse aus instrumentellen, Mittel-Zweck-Betrachtungen wählen.10
Die Platonische Behauptung wird nun – vorgetragen durch Glaukon und Adeimantos als Advocatus Diaboli mit dem Ziel der Widerlegung - durch verschiedene Gegenthesen getestet, die auf der anthropologischen Annahme einer menschlichen egoistischen, nur auf Eigeninteressen bedachten Natur beruhen. Platon lässt dies so formulieren: „Unrechttun [ist] von Natur aus ein Gut, Unrechtleiden aber ein Übel; [allerdings ist] das Unrechtleiden ein größeres Übel als das Unrechttun ein Gut“11. Die Konsequenz ist ein so verstandenes gutes „Leben der vollkommenen Lust- und Bedürfnisbefriedigung, in dem man sämtliche Machtphantasien, sexuellen Wünsche und auch sonstige Begierden uneingeschränkt ausleben kann. "12. Die beste Lebensführung ergäbe sich sogar, wenn man ungestraft Unrecht begehen könne, wie dies z.B. Tyrannen möglich sei. Die Sophisten - deren Sicht diese Gegenthesen widerspiegeln - waren der Überzeugung, dass diese Lebensführung klar im Vorteil gegenüber einer gerechten wäre, auch wenn die Verfechter letzterer angesichts ihrer Unterlegenheit versuchen würden, die Unrechts-Verfechter durch Gesetze einzuhegen.13 Die Gerechten sind nach Platon Menschen, die intrinsisch davon überzeugt sind und auch so handeln wollen ohne das Bedürfnis nach öffentlicher Darstellung zu haben. Sie sind sogar bereit, Nachteile in Kauf zu nehmen. Oder, zweite Möglichkeit, sie sind schwach und bedürfen somit der Hilfe der Gerechtigkeit. Die Ungerechten dagegen sind starke Menschen, sei es durch Geist, Reichtum, körperliche Stärke oder durch ihre Abstammung. Vor allem Macht verführe sie zum ungerechten Handeln, wobei sie – dies verheimlichend - öffentlich ein positives Ansehen anstreben. Und wenn dieser Wolf im Schafspelz dann erfolgreich ist, ist er Meister im Unrechtssein.14
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in Platons Gerechtigkeitskonzeption ein, die sich auf sein Werk *Politeia* stützt, und skizziert die Hauptziele der Arbeit bezüglich Analyse, Kritik und Aktualität.
2. Hauptteil: Der Hauptteil der Arbeit untersucht die Kernthemen von Platons *Politeia* und seine Gerechtigkeitskonzeption, sowohl für den Staat als auch für den einzelnen Menschen.
2.1. Historischer und philosophischer Kontext: Hier wird der historische und philosophische Hintergrund von Platons Zeit beleuchtet, um ein besseres Verständnis seiner Gerechtigkeitsvorstellungen zu ermöglichen.
2.2. Platons Gerechtigkeitskonzeption der Stadt und der Seele: Jedem das Seine!: Dieses Kapitel erläutert Platons Ideal einer gerechten Stadt und Seele, basierend auf dem Prinzip der Arbeitsteilung und der harmonischen Ordnung der Seelenteile.
2.3. Kritik an Platons Konzeption: In diesem Abschnitt werden verschiedene kritische Einwände gegen Platons Gerechtigkeitskonzeption dargestellt, die ihre Stimmigkeit, ihren pädagogischen Charakter und ihre konservative bis totalitäre Ausrichtung hinterfragen.
2.4. Nachwirkungen und Aktualität von Platons Politeia: Das Kapitel befasst sich mit den langfristigen Einflüssen von Platons *Politeia* und diskutiert deren Relevanz und Parallelen zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Debatten.
3. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Argumente und Ergebnisse der Arbeit zusammen, bewertet Platons Gerechtigkeitskonzeption im Kontext ihrer Zeit und beleuchtet ihre anhaltende Bedeutung sowie die Kritik daran.
Schlüsselwörter
Platon, Gerechtigkeit, Politeia, Staatstheorie, Seele, Philosophie, Ontologie, Ideenlehre, Demokratie, Aristokratie, Arbeitsteilung, Erziehung, Gemeinwohl, Kritik, Aktualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit befasst sich grundsätzlich mit Platons Konzeption der Gerechtigkeit, wie sie in seinem Werk *Politeia* dargestellt wird, und untersucht deren Analyse, Kritik und Aktualität für die heutige Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind Platons Staatstheorie, seine Ideenlehre, die Analogie von Staat und Seele, die Kritik an seiner Konzeption sowie die Nachwirkungen und Aktualität seiner Philosophie in der Gegenwart.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, Platons Gerechtigkeitskonzeption zu analysieren, kritisch zu beleuchten und ihre Relevanz für die heutige Zeit zu erörtern, ausgehend von der grundlegenden Frage "Gerechtigkeit – was ist das?".
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit rekonstruiert Platons Ideen durch eine detaillierte Analyse seiner *Politeia*, kontextualisiert sie historisch und philosophisch und zieht Vergleiche zu modernen Konzepten, um Kritikpunkte und aktuelle Bezüge herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den historischen und philosophischen Kontext von Platons Werk, seine spezifische Gerechtigkeitskonzeption für Stadt und Seele, eine umfassende Kritik an dieser Konzeption sowie die Nachwirkungen und die heutige Aktualität von Platons *Politeia*.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Platon, Gerechtigkeit, Politeia, Staatstheorie, Seele, Philosophie, Ontologie, Ideenlehre, Demokratie, Arbeitsteilung, Erziehung, Gemeinwohl, Kritik und Aktualität.
Inwiefern unterscheidet sich Platons Gerechtigkeitsverständnis von modernen liberalen Ansichten?
Platon versteht Gerechtigkeit als eine naturgegebene harmonische Ordnung, die dem Gemeinwohl dient und durch spezifische Rollenverteilung erreicht wird, während moderne liberale Ansätze individuelle Rechte, Freiheit und die Gleichheit in der Behandlung aller Bürger in den Vordergrund stellen.
Welche Rolle spielt die Bildung in Platons Idealstaat?
Bildung ist in Platons Idealstaat von zentraler Bedeutung, da sie die Menschen zum vernünftigen Handeln anleitet, überflüssige Begierden zügelt und somit die unverzichtbare Grundlage für die Selbstkonstitution eines gerechten Verhaltens und für die Auswahl geeigneter Führungskräfte bildet.
Warum kritisiert Platon die Demokratie?
Platon kritisiert die Demokratie, weil er glaubt, dass sie durch die grenzenlose Überdehnung des Prinzips der Freiheit und Gleichheit die naturgegebene Ordnung zerstört, was zu Anarchie führt und letztlich den Weg für autoritäre Herrschaftsformen bis hin zur Tyrannei ebnet.
Wie begründet Platon, dass ein gerechtes Leben besser ist als ein ungerechtes?
Platon begründet dies mit der Annahme einer harmonischen Seelenverfassung und innerem Glück für den Gerechten, der seine Vernunftnatur realisiert, während der Ungerechte als Sklave seiner Lüste endet. Er zieht auch postmortale Konsequenzen und göttliche Belohnung in seine Argumentation ein.
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- Herbert Gross (Author), 2025, Gerechtigkeit bei Platon. Analyse, Kritik und Aktualität seiner Konzeption, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1676304