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Freunde bis in den Tod. Michel de Montaignes "Philosophie der Freundschaft" im direkten Vergleich zum Vorbild der Nikomachischen Ethik des Aristoteles

Titel: Freunde bis in den Tod. Michel de Montaignes "Philosophie der Freundschaft" im direkten Vergleich zum Vorbild der Nikomachischen Ethik des Aristoteles

Hausarbeit , 2017 , 42 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Sascha Grylicki (Autor:in)

Philosophie - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit hat das Ziel, herauszufinden, ob man aus Montaignes Essai über die/seine Freundschaft im Kern und weiteren Kommentaren zu diesem Thema am Rande auf eine „Montaigne’sche Philosophie der Freundschaft“ schließen kann und, falls dem so sein sollte, wie diese aufgebaut ist und inwieweit sie sich an ein anderes philosophisches Modell der Freundschaft anlehnt, von ihm unterscheidet oder gar beides tut, nämlich dem des Aristoteles aus Buch Θ und I seiner Nikomachischen Ethik.
Hierzu soll in einem Zweischritt vorgegangen und zuerst Montaignes XXVIII. Essai, als angenommenes Kernstück dieser vermuteten „Philosophie der Freundschaft“, genau untersucht werden. Unterstützend sollen auch Stellen aus anderen Essais und überlieferten Briefen Montaignes herangezogen werden. Schritt zwei soll schließlich darin bestehen, das bisherige Ergebnis der Untersuchung, das Modell einer „Montaigne’schen Philosophie der Freundschaft“, mittels einer vergleichenden Analyse dem antiken Freundschaftsmodell des Aristoteles gegenüberzustellen, um schließlich beurteilen zu können, worin bei Montaigne die Besonderheiten gegenüber dem aristotelischen Vorbild bestehen.
Der aktuelle Forschungsstand zu Montaigne ist einigermaßen umfangreich, der zu Aristoteles kennt kei-ne Grenzen. Jener zur Freundschaftsphilosophie der beiden ist schon etwas limitierter, vor allem was Vergleiche angeht. Eine griffige wie präzise vergleichende Analyse gibt Klaus Hedwig in seinem Aufsatz „Über einige Grenzbestimmungen der Freundschaft bei Montaigne“, recht hilfreich war auch Markus Tiedemanns Überblickswerk über Freundschaftsphilosophien von der Antike bis in die Gegenwart.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • I. Von den großen Freundschaften
  • II. Montaignes „Philosophie der Freundschaft"
    • II. I. Die Essais als philosophisches Gesamtwerk – Intention und Überlieferung
    • II. II. Analyse und Interpretation des XXVIII. Essai, De l'amitié
    • II. III. Existiert eine „Montaigne'sche Philosophie der Freundschaft“?
  • III. Aristoteles und die Freundschaft der Alten
    • III. I. Der Begriff der „wahren Freundschaft“ und seine Bezeichnungen
    • III. II. Vergleichende Analyse der Nikomachischen Ethik, Buch O und I
    • III. III. Proklamiert Montaigne eine Renaissance der aristotelischen Freundschaft?
  • IV. Von der Tugend zum Ich
  • V. Quellen- und Literaturverzeichnis
    • V. I. Quellenverzeichnis
    • V. II. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, zu untersuchen, ob aus Michel de Montaignes Essai „De l'amitié“ und weiteren Kommentaren eine kohärente „Montaigne'sche Philosophie der Freundschaft“ abgeleitet werden kann. Des Weiteren soll analysiert werden, wie diese Philosophie strukturiert ist und in welchem Verhältnis sie zum Freundschaftsmodell des Aristoteles in dessen Nikomachischer Ethik steht, sei es durch Anlehnung, Abgrenzung oder eine Kombination aus beidem.

  • Tiefgehende Analyse von Montaignes XXVIII. Essai „De l'amitié“ als Kernstück seiner Freundschaftsphilosophie.
  • Vergleichende Untersuchung von Montaignes Freundschaftskonzept mit dem antiken Modell des Aristoteles aus der Nikomachischen Ethik (Bücher O und I).
  • Herausarbeitung der besonderen Merkmale von Montaignes „wahrer Freundschaft“, wie der Individualität und der „Verschmelzung der Seelen“.
  • Beurteilung der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Montaignes und Aristoteles’ Auffassungen von Freundschaft.
  • Erörterung des Stellenwerts von "Freiheit" und "Wahl" in der Freundschaft bei Montaigne.

Auszug aus dem Buch

Individualität und Einzigartigkeit

„Schon lange nämlich, bevor ich mit ihm zusammentraf, bekam ich sie [La Boéties Schrift] zu sehn, und durch sie begegnete ich das erste Mal seinem Namen. So leitete sie eine Freundschaft in die Wege, die wir zwischen uns, so-lange es Gott gefiel, auf derart vollkommene Weise gepflegt haben, daß sich in der Vergangenheit gewiß kaum ein Beispiel hierfür finden läßt – und unter heutigen Menschen schon gar nicht. Damit sich ein solch inniger Bund herausbilden kann, müssen zahlreiche Umstände zusammentreffen; es ist folglich bereits viel, wenn dem Schicksal das alle drei Jahrhunderte einmal gelingt. “

Mit dieser Stelle beginnt Montaigne, was man als seine „Philosophie der Freundschaft“ begreifen kann. Drei wesentliche Merkmale stecken bereits „rudimentär“ in diesem Absatz: Freundschaft basiert maß-geblich auf tatsächlicher Begegnung – zuvor spricht er ausdrücklich von „Bekanntschaft“ (accointance) – und dieser gemeinsame Umgang muss „[er/genährt] “ (cette amitié que nous avons nourrie) werden.

Eine Freundschaft ist nicht wie jede andere, sondern stets ein ganz individueller Bund mit ganz eigener Note und basiert auf individuellen aber doch gemeinsamen Interessen. La Boétie und er sind beispiels-weise beide glühende Verehrer der Antike. Das geht schon aus Montaignes Vergleichen an dieser Stelle, aber auch aus so ziemlich allen anderen Essais und seinen Beschreibungen La Boéties in diversen Brie-fen sowie dessen eigenen Werken hervor. Sie sehen in der Antike ein zeitloses Ideal, dem die Gegenwart und die eigenen Zeitgenossen sozial, kulturell und philosophisch „nicht das ὕδορα ἄριστον reichen kön-nen“. Außerdem lieben sie die alten Sprachen, dichten sogar selbst mit ihnen, lesen mit Begeisterung die Werke der antiken Autoren – man beachte die endlose Zahl in die Essais eingestreuter Zitate! Wem also, wenn nicht Montaigne, hätte La Boétie seinen größten Schatz, seine Bibliothek, vererben sollen?

Zu guter Letzt eine solche individuelle und besondere Freundschaft eine wahre Seltenheit, die keines-wegs häufig, sondern nur „alle drei Jahrhunderte einmal“ vorkommt! Worauf Montaigne allerdings noch nicht genauer eingeht, ist, welcher Art diese „zahlreiche[n] Umstände“ genau sein müssen, damit eine solchen Freundschaft entstehen kann. Dies bleibt zunächst der Intuition des Lesers überlassen.

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel I. Von den großen Freundschaften: Dieses einführende Kapitel beleuchtet das Thema Freundschaft anhand berühmter Beispiele und führt in die Fragestellung der Arbeit ein, indem es die philosophische Erfassung von Freundschaft bei Montaigne und Aristoteles als Ziel definiert.

Kapitel II. Montaignes „Philosophie der Freundschaft": Hier wird Montaignes Freundschaftskonzept detailliert analysiert, beginnend mit der Einordnung seiner „Essais“ als Gesamtwerk und einer tiefgehenden Interpretation seines XXVIII. Essais „De l'amitié“, wobei die Entstehung und Eigenart seiner Freundschaft zu Étienne de La Boétie thematisiert wird.

Kapitel III. Aristoteles und die Freundschaft der Alten: Dieses Kapitel widmet sich der aristotelischen Freundschaftstheorie, insbesondere der Nikomachischen Ethik (Buch O und I), und führt einen direkten Vergleich zu Montaignes Ansichten durch, wobei der Begriff der „wahren Freundschaft“ und seine Bezeichnungen untersucht werden.

Kapitel IV. Von der Tugend zum Ich: Das abschließende Kapitel reflektiert über die Rolle der Individualität und die Beständigkeit der wahren Freundschaft über den Tod hinaus, indem es die Erkenntnisse aus Montaignes und Aristoteles' Philosophien zusammenführt und ihre wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten beleuchtet.

Schlüsselwörter

Freundschaft, Montaigne, Aristoteles, Essais, Nikomachische Ethik, Philosophie, Étienne de La Boétie, Seelenverschmelzung, Tugend, Liebe, Antike, Individualität, Vergleich, Werk, Humanismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob Michel de Montaigne eine eigenständige Philosophie der Freundschaft entwickelt hat und wie diese im Vergleich zu den Vorstellungen des Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik zu bewerten ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die Konzeption der „wahren Freundschaft“ bei Montaigne und Aristoteles, der Einfluss individueller Erfahrungen auf philosophische Modelle, die Rolle von Tugend und Affekten in Freundschaftsbeziehungen sowie die sprachliche und begriffliche Abgrenzung von Freundschaft und Liebe.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, ob aus Montaignes Schriften eine kohärente „Philosophie der Freundschaft“ abgeleitet werden kann und wie diese sich zum philosophischen Freundschaftsmodell des Aristoteles verhält.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verfolgt eine vergleichende Analyse, indem sie zuerst Montaignes XXVIII. Essai "De l'amitié" untersucht und dessen Ergebnisse anschließend dem antiken Freundschaftsmodell des Aristoteles gegenüberstellt, um Besonderheiten und Unterschiede herauszuarbeiten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die detaillierte Analyse und Interpretation von Montaignes Essais zur Freundschaft, die Charakteristika seiner „wahren Freundschaft“ (wie Individualität, Seelenverschmelzung) und einen umfassenden Vergleich mit Aristoteles' Ansichten über Freundschaft aus der Nikomachischen Ethik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Freundschaft, Montaigne, Aristoteles, Essais, Nikomachische Ethik, Philosophie, La Boétie, Seelenverschmelzung, Tugend, Liebe, Antike, Individualität, Vergleich und Humanismus charakterisiert.

Wie unterscheidet Montaigne die „wahre Freundschaft“ von anderen Beziehungen?

Montaigne grenzt die „wahre Freundschaft“ von zweckgebundenen Beziehungen (z.B. aus Gewinnstreben oder geschlechtlichem Bedürfnis), verwandtschaftlichen Banden und erotischer Liebe ab, da wahre Freundschaft ein Selbstzweck ist, der auf absoluter Individualität und der „Verschmelzung der Seelen“ basiert.

Welche Rolle spielt der Tod eines Freundes in Montaignes Philosophie?

Für Montaigne ist der Tod eines Freundes, insbesondere der von Étienne de La Boétie, ein tiefgreifender Verlust, der ihn nur noch „halb“ sein lässt und das untrüglichste Zeichen dafür, dass die wahre Freundschaft den Tod überdauert und weiterlebt, wenn auch schmerzlich.

Was ist der primäre Unterschied in der Begründung von Freundschaft zwischen Montaigne und Aristoteles?

Bei Aristoteles bildet die Tugend die primäre Grundlage der Freundschaft, während für Montaigne die absolute Individualität und Einzigartigkeit der beteiligten Personen die entscheidende Begründung für die „wahre Freundschaft“ ist.

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Details

Titel
Freunde bis in den Tod. Michel de Montaignes "Philosophie der Freundschaft" im direkten Vergleich zum Vorbild der Nikomachischen Ethik des Aristoteles
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philosophisches Seminar)
Note
2,0
Autor
Sascha Grylicki (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
42
Katalognummer
V1676628
ISBN (PDF)
9783389167960
ISBN (Buch)
9783389167977
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophie der Freundschaft Nikomachische Ethik Aristoteles Montaigne
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sascha Grylicki (Autor:in), 2017, Freunde bis in den Tod. Michel de Montaignes "Philosophie der Freundschaft" im direkten Vergleich zum Vorbild der Nikomachischen Ethik des Aristoteles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1676628
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Leseprobe aus  42  Seiten
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