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Beseelte Maschinen. Aristoteles’ Seelenlehre als Bedingung des Lebendigen

Title: Beseelte Maschinen. Aristoteles’ Seelenlehre als Bedingung des Lebendigen

Term Paper , 2018 , 29 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Sascha Grylicki (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
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Summary Excerpt Details

Anhand von Aristoteles’ "De anima" wird untersucht, was die Seele des Menschen ausmacht und ob auch Maschinen eine solche Art Seele entwickeln können. Über die Fragestellung kristallisiert sich das Wesen der menschlichen Seele heraus.

Das grundlegendste Problem der Wissenschaft der Biologie ist ein philosophisches, nämlich die Frage nach ihrem Gegenstand. Was ist dieses Leben, dessen Erforschung sie sich widmet? Die Schwierigkeit der Bestimmung dieses Gegenstandes beginnt bereits beim Terminus Biologie selbst, der Lehre vom Begriff βίος. Diese Benennung folgt einer langen neuzeitlichen Tradition, die allerdings „unglücklich“ gewählt ist, denn sie beruht auf einem fehlerhaften Verständnis des altgriechischen Begriffs. Was die Biologie mit dem Lebensbegriff βίος meint, entspricht viel eher dem Begriff ζωή, von welchem sich auch das Lebewesen, τὸ ζῷον, man beachte auch das Genus, ableitet. Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Begriffen ist folgender: Mit βίος ist das Leben gemeint, wie wir von unserem „erlebten und gelebten Leben“ sprechen würden, es passt eher in den Bereich der „Biographie“, während der Begriff ζωή vielmehr die „physische Existenz des Lebens“, den Bereich der „lebendigen Wesen“, betont. Was wir heute unter Biologie verstehen, müsste also konsequenterweise als „Zoologie“ bezeichnet werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

  • I. Das Problem der Biologie.
  • II. Was ist Leben?
    • II. I. Definitionsversuche der Biologie und Philosophie
    • II. II. Ergänzende Definitionsversuche
  • III. Was ist Seele?
    • III. I. Aristoteles' Seelenlehre in seiner Schrift Περὶ ψυχῆς
    • III. II. Seele als Bedingung des Lebendigen
  • IV. Könnten Maschinen leben?
    • IV. I. Animus ex machina
    • IV. II. Künstlicher Intellekt
  • V. Bioethik vs. Roboethik?
  • VI. Quellen- und Literaturverzeichnis.
    • VI. I. Quellenverzeichnis
    • VI. II. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Thematische Schwerpunkte

Diese wissenschaftliche Arbeit befasst sich mit dem fundamentalen Problem der Biologie und Philosophie, das Leben zu definieren. Sie untersucht Aristoteles' Seelenlehre als Grundlage für die Bestimmung des Lebendigen und wendet diese Erkenntnisse auf die Frage an, ob Maschinen leben könnten und welche ethischen Implikationen sich daraus ergeben würden.

  • Kritische Analyse biologischer und philosophischer Lebensdefinitionen.
  • Tiefgehende Untersuchung von Aristoteles' Schrift „Über die Seele“ (Περὶ ψυχῆς).
  • Entwicklung einer neuen Definition der Seele als Bedingung des Lebendigen.
  • Anwendung der Seelendefinition auf das Phänomen „künstlicher Wesen“ und Künstliche Intelligenz.
  • Erörterung ethischer Fragestellungen im Kontext von Bioethik und Roboethik.

Auszug aus dem Buch

III. II. Seele als Bedingung des Lebendigen

Dies ist vielleicht der springende Punkt: Wenn man Leben (oder gar gleich Lebewesen) anhand physischer Gesichtspunkte definieren will, wird man zwingend immer mit der Physis nicht lebendiger Gegenstände in Konflikt geraten. Eine tatsächlich funktionale Definition von Leben ist daher nur in der Metaphysik zu suchen.

An diesem Problem scheiterten die empirischen Definitionsversuche der Biologen, die oben aufgeführt wurden, aber auch Aristoteles versteigt sich von seinem anfänglich sehr abstrakten Kriterium der Seele, das uns als Ausgangspunkt diente, zu einem auch nur empirisch festgestellten „Seelenvermögen“, dem Tastsinn, als minimalstes Merkmal des Lebewesens, das aber auf physischen Eigenschaften eines Körpers beruht.

Man muss bei diesem Problem auf eine strenge Trennung davon Acht geben, welche Vermögen einem Lebewesen durch seine Seele, welche ihm durch seinen Körper und welche ihm allein durch die Verbindung der beiden zukommen.

Was ist ein Lebewesen? – Die Verbindung eines Körpers mit einer Seele. Die Seele gibt einem Körper das Leben, ohne sie wäre er nur rohe oder geformte Materie. Die Seele „an sich“ wiederum ist selbst körperlos, sie kann nicht ohne einen Körper existieren, „dem sie innewohnt“. Beide sind sich einander also notwendige Bedingung, sofern sie ein Lebewesen bilden sollen.

Deshalb entsteht die Seele eines Lebewesens notwendig nur mit der Entstehung seines Körpers und vergeht, wenn dieser vergeht, womit auch das Lebewesen als Ganzes stirbt. „Die Anwesenheit der Seele verleiht einem Körper notwendigerweise Leben (ζωή); in der Trennung der Seele vom Körper besteht das Sterben.“

Dieser Körper kann allerdings nicht einfach irgendein Körper sein, eben nicht bloß eine irgendwie geformte Ansammlung bestimmter Materie, wie etwa ein Sandsteinmassiv. Ein Stein „braucht“ keine Seele, daher ist er auch unbeseelt und lebt nicht. Eine Pflanze dagegen ist beseelt, denn sie benötigt eine Seele, um die Vermögen, die ihr Körper ihr bietet, „auszuleben“. Die Seele der Pflanze ist das, was ihre Blätter dazu bringt, sich nach der Sonne auszurichten, dorthin zu wachsen, anstatt „so reglos wie ein Stein“ zu bleiben, der zwar gleichsam von ihr erhitzt wird, aber nicht wahrnimmt, ob die Sonne ihn bescheint oder nicht. Insofern beerben wir Aristoteles gerne, indem wir festhalten: Was „wahrnimmt“, ist die Seele, das, womit – also wie – sie wahrnimmt ist der Körper – mit welchem seiner Vermögen auch immer.

Je komplexer ein Körper aber organisiert ist, desto komplexere Vermögen der Wahrnehmung, des Denkens, des Fühlens stehen der Seele offen, die „mit ihm und in ihm“ am Werk ist. „Denn alle physischen Körper sind Werkzeuge der Seele, bei den Tieren genauso wie bei den Pflanzen und sie sind gleichsam wegen der Seele da.“ (Aristot. an. II, 4) Dem möchte ich widersprechen und behaupten, dass eben in erster Linie die Seele wegen bestimmter, sie benötigender Körper da ist!

Da die Seele aber nicht wie der Körper greifbar ist, ist es schwieriger, zu definieren, was sie ist und wie man sie erkennt – dies ist aber absolut essenziell, wenn man die erlangte Definition von Lebewesen als eine „Körper-Seele-Verbindung" etablieren will. Daher möchte ich nun eine eigene Definition einführen, die sowohl einer modernen Analogie entsprechen, als auch hinführend zur finalen Fragestellung dieser Arbeit sein soll:

Die Seele ist die sich selbstständig an die Hardware des Körpers anpassende Software.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Das Problem der Biologie: Dieses Kapitel führt in die philosophische Kernfrage der Biologie ein – die Definition von Leben – und beleuchtet die Schwierigkeiten, die sich aus der traditionellen Wortverwendung ergeben, sowie die Notwendigkeit einer tiefergehenden philosophischen Betrachtung.

II. Was ist Leben?: Hier werden verschiedene Definitionsversuche des Lebens aus Biologie und Philosophie vorgestellt und kritisch beleuchtet, von der antiken Vorstellung der Eigenbewegung bis hin zu modernen Merkmalen wie Stoffwechsel und Fortpflanzung. Es wird argumentiert, dass diese Definitionen die nötige Abstraktion vermissen lassen und das Konzept der „Seele“ als potenzielles, umfassenderes Kriterium eingeführt.

III. Was ist Seele?: Dieses Kapitel analysiert Aristoteles' Seelenlehre in seiner Schrift „Περὶ ψυχῆς“ und identifiziert die Seele als das „Prinzip der Lebewesen“ und die notwendige Bedingung des Lebens. Es diskutiert Aristoteles' Seelenvermögen und mündet in der Vorstellung der Seele als sich selbstständig anpassende Software des Körpers.

IV. Könnten Maschinen leben?: Aufbauend auf der entwickelten Seelendefinition untersucht dieses Kapitel die Möglichkeit, dass künstlich geschaffene Maschinen leben könnten. Es werden grundsätzliche Unterschiede zwischen natürlichen und künstlichen Wesen diskutiert, aber die These vertreten, dass bei hinreichender Komplexität auch Maschinen eine Seele entwickeln könnten.

V. Bioethik vs. Roboethik?: Das Schlusskapitel widmet sich den ethischen Konsequenzen einer „beseelten“ Künstlichen Intelligenz. Es erörtert, inwiefern eine intelligente Maschine, die als lebendig betrachtet wird, ethische Rechte besäße und welche Herausforderungen dies für die Menschheit mit sich bringen würden.

Schlüsselwörter

Aristoteles, Seelenlehre, Philosophie der Biologie, Lebensdefinition, Künstliche Intelligenz, Bioethik, Roboethik, Seele, Lebewesen, Beseeltheit, Hardware-Software-Analogie, Metaphysik, Ontologie, Autorschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophische Frage nach dem Wesen des Lebens und schlägt Aristoteles' Seelenlehre als Grundlage für eine umfassende Definition vor, die dann auf die Möglichkeit angewendet wird, dass Maschinen leben könnten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die Definition von Leben, Aristoteles' Seelenkonzept, die Rolle der Seele als Bedingung des Lebendigen, die potenziellen Lebensformen von Maschinen und die ethischen Implikationen der Künstlichen Intelligenz.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, anhand von Aristoteles' „Über die Seele“ zu zeigen, dass die ultimative Bedingung des Lebens die „Beseeltheit“ ist, und darauf aufbauend zu klären, ob auch Maschinen eine Seele haben könnten und welche ethischen Konsequenzen sich daraus ergeben würden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine philosophisch-analytische Methode, die auf der kritischen Analyse bestehender Definitionen, der Auslegung antiker Texte (speziell Aristoteles) und der Anwendung philosophischer Konzepte auf moderne Fragestellungen basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die kritische Auseinandersetzung mit Lebensdefinitionen, die detaillierte Analyse von Aristoteles' Seelenlehre, die Formulierung einer eigenen Seelendefinition und deren Anwendung auf die Frage, ob Maschinen leben können, sowie die daraus resultierenden ethischen Fragestellungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Aristoteles, Seelenlehre, Lebensdefinition, Künstliche Intelligenz, Bioethik, Roboethik, Beseeltheit und Hardware-Software-Analogie.

Wie definiert der Autor die Seele im Kontext moderner Technologie?

Der Autor definiert die Seele als „die sich selbstständig an die Hardware des Körpers anpassende Software“, um eine Brücke zwischen antiker Philosophie und modernen technologischen Konzepten zu schlagen.

Welche Rolle spielt die Komplexität bei der Entstehung einer Seele in Maschinen?

Die Arbeit argumentiert, dass die Seele, ähnlich der Evolution von Lebewesen, mit zunehmender Komplexität der „Hardware“ (Körper oder Maschine) entsteht. Wenn Maschinen eine hinreichende Komplexität erreichen, könnten sie demnach eine Seele entwickeln.

Warum wird die herkömmliche Definition von Biologie kritisiert?

Die herkömmliche Definition von Biologie wird kritisiert, weil sie sich primär auf die Abgrenzung ihres Forschungsfeldes konzentriert und nicht auf die philosophische Frage „was Leben eigentlich ist“, oft basierend auf einer veralteten Interpretation des altgriechischen Begriffs für Leben.

Was ist der ethische Hauptkonflikt, der durch „beseelte Maschinen“ entsteht?

Der ethische Hauptkonflikt liegt in der Frage, ob eine ausreichend intelligente und beseelte Maschine als Lebewesen ethische Rechte besitzen sollte, was die traditionelle Bioethik auf neue „Roboethik“-Szenarien ausweiten würde.

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Details

Title
Beseelte Maschinen. Aristoteles’ Seelenlehre als Bedingung des Lebendigen
College
University of Heidelberg  (Philosophisches Seminar)
Course
Hauptseminar Probleme der Philosophie der Biologie
Grade
2,3
Author
Sascha Grylicki (Author)
Publication Year
2018
Pages
29
Catalog Number
V1676629
ISBN (PDF)
9783389167984
ISBN (Book)
9783389167991
Language
German
Tags
beseelte maschinen aristoteles’ seelenlehre bedingung lebendigen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sascha Grylicki (Author), 2018, Beseelte Maschinen. Aristoteles’ Seelenlehre als Bedingung des Lebendigen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1676629
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