Thema dieser Seminararbeit ist das Verhältnis von Geld und Literatur am Beispiel
der Romane Illusions perdues (1837-1843) von Honoré de Balzac und Im
Schlaraffenland (1900) von Heinrich Mann. Es wird dabei sowohl das Verhältnis der
Autoren zum Geld behandelt als auch die Darstellung des Geldes in der Literatur und
im speziellen die Darstellung des Verhältnisses von „Geld“ und „Literatur“. Ein
wesentliches Augenmerk wird also auf die Ausgestaltung des Kulturbetriebs in den
Romanen gelegt, in dem sich die Beziehung von „Geld“ und „Literatur“ besonders
aufschlussreich festmachen lässt.
Die Arbeit gliedert sich folgendermaßen:
Erstens, wird der Kulturbetrieb in den Romanen geschildert wird. Den Begriff
Kulturbetrieb verstehe ich hier als weit gefasst, der sowohl den Literaturbetrieb im
engeren Sinn als auch den Journalismus und das Theater einschließt. Eine oft
angewendete Theorie des Literaturbetriebs hat Pierre Bourdieu in die Die Regeln der
Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes entworfen, in der man auch die
Struktur des kulturellen Feldes innerhalb der Romane wiederkennt. Bourdieu’s
bekannte Typologie der Autoren soll in der Seminararbeit auf die sich im
Literaturbetrieb zu positionieren versuchende Protagonisten der Romane
angewendet werden. Die Typologie von Autoren, die sich im literarischen Feld eine
Position suchen, ist bei Bourdieu zweiseitig: Auf der einen Seite gibt es den
heteronomen Pol, wo sich Autoren finden, die für schnellen Geldgewinn arbeiten und
sich an den Markt bzw. an die Nachfrage anpassen. Sie streichen zwar kurzfristige
Gewinne ein, können sich aber langfristig selten eine anerkannte Position innerhalb
des Literaturbetriebs schaffen. Auf der anderen Seite gibt es den autonomen Pol, an
dem, die sich befindenden Autoren an Werten wie der Autonomie der Kunst
orientieren. Am autonomen Pol kann man sich langfristig positionieren, aber man
muss meist auf kurzfristige Gewinne verzichten.
Zweitens, wird das Verhältnis der Autoren zum Geld betrachtet und ob
autobiographische Züge in den Romanen feststellbar sind. Hier erfolgt eine Bestandsaufnahme der finanziellen Situation der Autoren zum Zeitpunkt des
Verfassens der jeweiligen Romane. Außerdem wird erörtert, ob autobiographische
Bezüge in den Romanen feststellbar sind.
Drittens, wird das Thema des Geldes in den Romanen behandelt und wie die
einzelnen Protagonisten im Bezug zum Geld und dem Umgang mit ihm stehen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Romane und der Kulturbetrieb
I.1. Unterschiede & Parallelen
I.2. Protagonisten, Geld und die Typologie der Autoren
II. Autoren, Geld und autobiographische Aspekte der Romane
III. Das Thema des Geldes
III.1. Einzelne Protagonisten und ihr Bezug zum Geld
IV. Zusammenfassung
V. Anhang
V.1. Grafik
VI. Literatur
VI.1. Primärliteratur
VI.2. Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit analysiert das Verhältnis von Geld und Literatur in den Romanen "Illusions perdues" von Honoré de Balzac und "Im Schlaraffenland" von Heinrich Mann. Dabei wird untersucht, wie die Autoren den Kulturbetrieb, die Rolle des Geldes und die autobiographischen Bezüge in ihren Werken verarbeiten, um die Kommerzialisierung von Geist und Kunst in einem kapitalistischen System aufzuzeigen.
- Die Darstellung des Literaturbetriebs und Journalismus
- Anwendung der Theorie des literarischen Feldes nach Pierre Bourdieu
- Vergleich der Protagonisten in Bezug auf ihre ökonomischen und sozialen Kapitalsituationen
- Analyse von autobiographischen Zügen und historischen Kontexten der Romanautoren
Auszug aus dem Buch
Die feine Gesellschaft im Schlaraffenland
Die feine Gesellschaft im Schlaraffenland wird aufgeteilt in fette und magere Menschen. Martin kommentiert das so:
„Grundthema des Romans [...] ist die Beziehung von Fülle und Mangel, die Wechselwirkung der Prinzipien fett und mager. Diejenigen, die am Glück teilhaben wollen, weil sie eben die populäre Phantasie vom Schlaraffenland verinnerlicht haben wie Andreas Zumsee, sind nicht nur Schmarotzer am großen Kuchen, sondern werden selbst zum Nahrungsmittel der Türkheimer-Kultur, oder besser: zu dessen Genussmitteln, zu Lustobjekten“
Magerheit wird in Folge dessen zum modischen Wert für die Reichen, Zumsee wird als „magerer Zeitvertreib“ für Frau Türkheimer „angefüttert“. Diese Zuschreibungen „fett“ und „mager“ stellen eine Persiflage auf das Schlaraffenland dar. Beleibt ist beispielsweise auch Frau Türkheimer, die als beleibte Matrone beschrieben wird, während Andreas mager ist und zu lange ohne Fülle lebte. Durch den ganzen Roman ziehen sich dieses „fett“ und „mager“ Unterschiede, so bekommt am Ende auch Zumsee einen mittlerem Redakteursposten „ne Stelle, nicht zu fett und nicht zu mager, dass ihm nie wohl wird und dass er noch immer in Angst, sie zu verlieren“ ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Thematik des Verhältnisses von Geld und Literatur am Beispiel von Balzac und Mann unter Einbeziehung der Theorie von Pierre Bourdieu.
I. Die Romane und der Kulturbetrieb: Detaillierte Analyse des literarischen Feldes, der Protagonisten und des Journalismus in beiden Romanen.
I.1. Unterschiede & Parallelen: Gegenüberstellung der realistischen Erzählweise Balzacs mit der satirischen Überzeichnung Heinrich Manns sowie deren inhaltliche Gemeinsamkeiten.
I.2. Protagonisten, Geld und die Typologie der Autoren: Anwendung von Bourdieus Typologie auf die Protagonisten Lucien und Zumsee im Kontext des heteronomen und autonomen Pols.
II. Autoren, Geld und autobiographische Aspekte der Romane: Untersuchung der persönlichen Erfahrungen der Autoren und deren Spiegelung in den literarischen Texten.
III. Das Thema des Geldes: Betrachtung der Geldthematik als zentrales Motiv, das alle Lebensbereiche der Protagonisten durchdringt und zur Warewerdung von Kunst führt.
III.1. Einzelne Protagonisten und ihr Bezug zum Geld: Charakterisierung der Hauptfiguren und ihres spezifischen Umgangs mit Reichtum, Karriere und moralischer Integrität.
IV. Zusammenfassung: Resümee der gemeinsamen Erkenntnisse über die Kommerzialisierung des Kulturbetriebs in beiden literarischen Epochen.
V. Anhang: Visualisierung des literarischen Feldes basierend auf Bourdieus Theorie.
VI. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Geld, Literatur, Kulturbetrieb, Pierre Bourdieu, Illusions perdues, Im Schlaraffenland, Kapitalismus, Journalismus, Gesellschaftskritik, Korruption, Autonomie der Kunst, soziale Beziehungen, Romananalyse, Autorschaft, Realismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Seminararbeit untersucht das Verhältnis von Geld und Literatur in den Romanen von Honoré de Balzac und Heinrich Mann und analysiert die Darstellung des Kulturbetriebs in beiden Werken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kommerzialisierung der Kunst, die Rolle des Journalismus, der soziale Aufstieg und Scheitern von Protagonisten sowie die ökonomischen Abhängigkeiten im literarischen Feld.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Geld die Welt der Literatur und des Journalismus dominiert und welche Auswirkungen dies auf die künstlerische Autonomie der Romanhelden hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die Theorie des literarischen Feldes von Pierre Bourdieu, um die Positionierung der Autoren und Protagonisten innerhalb der Gesellschaft zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Kulturbetriebe, die autobiographischen Aspekte der Autoren und eine detaillierte Untersuchung der Geldthematik und deren Einfluss auf die Protagonisten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Geld, Literatur, Kulturbetrieb, Kapitalismus, Korruption und soziale Beziehungen.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Lucien und Zumsee beim Umgang mit dem Geld?
Während Lucien durch seine ärmlichen Verhältnisse und seinen anfänglichen Idealen eher zum Opfer des Systems wird, verfolgt Zumsee konsequent das Ziel des sozialen Aufstiegs durch kalkulierte Beziehungen.
Welche Bedeutung hat das "Schlaraffenland" in Heinrich Manns Roman?
Das "Schlaraffenland" fungiert als Metapher für ein dekadentes gesellschaftliches System, in dem moralische Integrität zugunsten von Reichtum und Gier vollständig aufgegeben wird.
Warum spielt die Kleidung und das Auftreten eine so wichtige Rolle in den Romanen?
Äußerlichkeiten wie Kleidung und adlige Namen sind essenziell für die feine Gesellschaft, da sie als Mittel zur Täuschung dienen und darüber entscheiden, ob jemand Zugang zu einflussreichen Kreisen erhält.
Gibt es positive Romanfiguren in den analysierten Werken?
Balzac zeichnet einige wenige idealistische und anständige Figuren, wohingegen Heinrich Mann in seinem satirischen Roman "Im Schlaraffenland" nahezu keine positiv gestaltete Person präsentiert.
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- Verena Wiesner (Author), 2010, Geld und Literatur am Beispiel der Romane "Im Schlaraffenland" von Heinrich Mann und "Illusions perdues" von Honoré de Balzac, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167667