Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Didactics for the subject German - Literature, Works

Am schlimmsten sind die, die daran glauben

Der Umgang mit totalitären Systemen am Beispiel der Protagonisten des Romans „Der Turm“ von Uwe Tellkamp

Title: Am schlimmsten sind die, die daran glauben

Pre-University Paper , 2010 , 23 Pages , Grade: 14 Punkte

Autor:in: Tobias Pascher (Author)

Didactics for the subject German - Literature, Works
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Heutige Quellen über den Alltag der Bürger in der DDR setzen sich überwiegend aus Propagandafilmen der SED zusammen. Es gibt „nur wenige umfangreiche Studien, die das DDR-Bild der Deutschen in umfassender Weise analysiert haben.“ Diese Filme liefern uns nur begrenzte Einblicke in das damalige Leben, weil sich die Regierung des Arbeiter- und Bauernstaats politisch auf eben jene Bevölkerungsgruppe beschränkte und kaschierte, dass in ihrem Land auch andere Menschen existierten. Menschen, welche ihre exponierten Stellungen, die ihre Familien über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg
aufgebaut hatten, nicht dem Allgemeinwohl opfern wollten; die Wissen und Kultur auch jenseits der Mauer suchten. Der Roman „Der Turm“ von Uwe Tellkamp setzt sich als erster Wenderoman mit genau solchen Menschen auseinander.
Die Protagonisten Tellkamps leben in einem Dresdner Villenviertel, das als der „Turm“ bezeichnet wird. Sie scheinen in diesem Viertel über der restlichen Bevölkerung Dresdens und der gesamten DDR zu schweben.
Die Bewohner des Turms, im Buch „Türmer“ genannt, bilden einem homogene Enklave inmitten des Sozialismus. Sie unterhalten Abendgesellschaften mit Hausmusik, laden zu Diskussionsrunden über alte Sagen ein und frönen so der Hochkultur. Ihre Verehrung der Bildung geht so weit, dass die Gesellschaftsordnung in diesem Viertel mit den Worten: „Wer nichts w[eiß], sch[eint] nichts zu gelten.“ (S.150) beschrieben wird. Die Bezeichnung „Türmer“ spielt nicht nur
auf die Turmgesellschaft in Goethes „Wilhelm Meister“, sondern vor allem auf das Verb „türmen“ an. Die Bewohner fliehen also aus der Gesellschaft des Arbeiter- und Bauernstaates, indem sie innerhalb der Grenzen der DDR bürgerliche Werte leben.
Doch die Konfrontation mit dem konträr eingestellten, real existierenden Sozialismus ist auch innerhalb ihrer selbst errichteten Scheinwelt nicht zu vermeiden. Gerade deshalb sehen die Türmer nicht den Staat, in dem sie leben, sondern nur ihr Viertel als ihre wahre
Heimat an.
So schließt der Autor eine Passage zu Beginn des Werkes, die von einer Bahnfahrt des Türmers Christian Hoffmann berichtet, mit den Worten: „Er war zu Hause,
im Turm.“ (S.23)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Der Turm und seine Bewohner

2. Grundsätzliche Einstellung der Türmer und politische Ausgangslage

3. Die Protagonisten und ihr Umfeld

4. Die Protagonisten

4.1 Richard Hoffmann

4.2.1 Werdegang

4.2.2 Charaktereigenschaften und Einstellung gegenüber dem System

4.1.3 Doppelleben und Erpressung durch die Stasi

4.1.4 Umgang mit und Reaktion auf die Erpressungsversuche

4.1.5 Depression und Niedergang

4.2 Meno Rohde

4.2.1 Kindheit und Autorentum

4.2.2 Umgang mit der Nomenklatura

4.2.3 Arbeit und Kritik an der Zensur

4.2.4 Verhalten gegenüber Staatsorganen

4.2.5 Der Niedergang Judith Schevolas

4.2.6 Letzte Prüfung und Untergang des Staats

4.3 Christian Hoffmann

4.3.1 Kindheit und Erziehung

4.3.2 Charakterzüge

4.3.3 Verhalten und Probleme im Wehrlager

4.3.4 Restliche Schulzeit und wachsende Nonkonformität

4.3.5 Die NVA

4.3.5.1 Änderung des Verhaltens durch Charakterschwäche

4.3.5.2 Endgültiger Bruch mit dem Regime

4.3.5.3 Rückkehr zum Militär und erneute Schwierigkeiten

5. Problematik der Systemkritik in totalitären Staaten

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht den Umgang der Protagonisten aus Uwe Tellkamps Roman "Der Turm" mit dem totalitären System der DDR. Dabei wird analysiert, wie Mitglieder des bildungsbürgerlichen Milieus, die sogenannten "Türmer", versuchen, ihre private Freiheit und ihre Werte in einem restriktiven Staat zu bewahren, und welche psychologischen sowie existenziellen Folgen dieser Spagat für sie hat.

  • Analyse des Lebensentwurfs des Dresdner Bildungsbürgertums in der DDR.
  • Untersuchung der psychologischen Auswirkungen staatlicher Repression auf das Individuum.
  • Bewertung der Mechanismen von Anpassung, Widerstand und Opportunismus.
  • Betrachtung der Rollenbilder in den Berufsfeldern Medizin, Verlagswesen und Militär.

Auszug aus dem Buch

4.1.3 Doppelleben und Erpressung durch die Stasi

Richard hat ein großes Geheimnis. Er führt ein Doppelleben, das er vor seiner Familie und vor allem seiner Frau verbirgt. Aus einer Affäre mit einer Sekretärin an der Klinik, Josta Fischer, hat er eine Tochter, Lucie. Diese zweite Familie, der auch noch ein früherer Sohn Jostas angehört, besucht er, unter dem Vorwand schwimmen zu gehen, „an jedem Donnerstag, wenn er keinen Dienst hat[te]“ (S.174). Bei jedem Besuch fühlt er sich schuldig und gewöhnt sich den „raschen, nach allen Seiten sichernden Gang eines scheuen, sich beobachtet fühlenden Menschen“ (S.174) an. Jedoch sieht er keinen Ausweg aus seiner Situation, da er seine kleine Tochter um keinen Preis verlieren will.

Weil er sich zwischen seinen beiden Familien hin- und her gerissen fühlt, wird er von Selbsthass geplagt und kann an manchen Tagen seiner Ehefrau „Anne nicht mehr in die Augen sehen“ (S.175). Erstaunlich lange ist er in der Lage, sein Doppelleben zu verbergen. Schließlich wird seine Tarnung dennoch aufgedeckt. Das Ministerium für Staatssicherheit kommt auf ihn zu und deutet an, von seinem Geheimnis zu wissen. In den 50er Jahren denunzierte Richard, damals linientreuer Verfechter des Sozialismus, einen jetzigen Kollegen und Freund wegen „ideologischer Ungereimtheiten“ und nahm damit eine kurzfristige Beschäftigung als inoffizieller Mitarbeiten bei der Stasi an. Jetzt will ihn das Ministerium dazu erpressen, sich erneut für die Stasi zu verpflichten und seine Kollegen im Krankenhaus auszuspionieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der Turm und seine Bewohner: Einführung in das bildungsbürgerliche Milieu des Romans, das als homogene Enklave innerhalb der DDR geschildert wird.

2. Grundsätzliche Einstellung der Türmer und politische Ausgangslage: Analyse der kritischen Distanz der Protagonisten zum SED-Staat, der in seinen letzten Jahren an Schrecken verliert.

3. Die Protagonisten und ihr Umfeld: Vorstellung der zentralen Figuren Richard Hoffmann, Meno Rohde und Christian Hoffmann sowie deren unterschiedlicher Lebenswelten.

4. Die Protagonisten: Detaillierte Untersuchung der individuellen Lebenswege, der inneren Konflikte und der Konfrontationen mit dem DDR-System.

5. Problematik der Systemkritik in totalitären Staaten: Fazit über die Schwierigkeit, ein Leben jenseits der staatlich verordneten Ideologie zu führen und die zerstörerische Kraft totalitärer Überwachung.

Schlüsselwörter

Uwe Tellkamp, Der Turm, DDR, Bildungsbürgertum, Totalitarismus, Systemkritik, Stasi, Opportunismus, Richard Hoffmann, Meno Rohde, Christian Hoffmann, Zensur, Anpassung, Widerstand, Sozialismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Umgang der Romanfiguren aus Uwe Tellkamps "Der Turm" mit dem Leben im totalitären System der DDR.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen den Lebensentwurf des Bildungsbürgertums, die Mechanismen staatlicher Repression, den Konflikt zwischen Anpassung und individueller Freiheit sowie die psychologischen Folgen dieses Lebens unter Druck.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Protagonisten in einem "Feindesland" eine eigene Nische schaffen und welche Konsequenzen dies für ihr Handeln und ihr Schicksal hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman im Kontext historischer Fakten und gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen der DDR interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Charakteranalyse der drei zentralen Figuren (Richard Hoffmann, Meno Rohde, Christian Hoffmann) und untersucht deren berufliche und private Entwicklungen vor dem Hintergrund des politischen Systems.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem DDR, Bildungsbürgertum, Systemkritik, Stasi, Anpassung, Widerstand und Identitätsverlust.

Inwiefern beeinflusst das Doppelleben von Richard Hoffmann sein Handeln?

Sein Doppelleben macht ihn für das Ministerium für Staatssicherheit erpressbar, was ihn dazu zwingt, seine moralischen Prinzipien zu kompromittieren und seine Kollegen auszuspionieren, um seine Familie zu schützen.

Wie verändert der Militärdienst die Einstellung von Christian Hoffmann?

Der harte Drill und die erzwungene Konformität im Wehrlager brechen zunächst seinen rebellischen Geist, was ihn in eine tiefe Identitätskrise führt, bevor er schließlich mit dem System bricht.

Welche Rolle spielt die Zensur für Meno Rohde?

Als Lektor ist Meno täglich mit der staatlichen Zensur konfrontiert, was ihn dazu bringt, sein literarisches Schaffen weitgehend zu verbergen und sich als "Wandler" zwischen dem Bildungsbürgertum und der Nomenklatura zu bewegen.

Wie endet die Auseinandersetzung der Protagonisten mit dem DDR-System?

Der Roman endet in der Wendezeit 1989, in der sich die Protagonisten gezwungen sehen, sich öffentlich zu positionieren, wobei ihr weiteres Schicksal offen gelassen wird.

Excerpt out of 23 pages  - scroll top

Details

Title
Am schlimmsten sind die, die daran glauben
Subtitle
Der Umgang mit totalitären Systemen am Beispiel der Protagonisten des Romans „Der Turm“ von Uwe Tellkamp
College
Platen-Gymnasium Ansbach
Grade
14 Punkte
Author
Tobias Pascher (Author)
Publication Year
2010
Pages
23
Catalog Number
V167715
ISBN (eBook)
9783640852055
ISBN (Book)
9783640851973
Language
German
Tags
umgang systemen beispiel protagonisten romans tellkamp punkte uwe tellkamp der turm figurenkonstellation ddr wende bildungsroman wenderoman
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Pascher (Author), 2010, Am schlimmsten sind die, die daran glauben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167715
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  23  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint