In einer Zusammenarbeit der Universitäten Innsbruck und Augsburg wurde ein von der DFG gefördertes Projekt ins Leben gerufen welches sich mit den Auswirkungen von Bränden an Gebirgshängen beschäftigt. Im Rahmen dieses Projekts wurden verschiedene Hänge im Karwendelgebirge untersucht, beispielsweise im Hinblick auf die Auswirkungen von Feuerereignissen auf Vegetationssukzessionen und Hangabtragsparameter untersucht, so wie versucht durch Archiv- und Recherchearbeit die Brandgeschichte des Gebiets zu rekonstruieren. Zu diesem Zweck wurde auch das Halslkopfmoor untersucht. Durch eine Pollenanalyse sollte die holozäne Vegetationsgeschichte rekonstruiert, und im Zuge dessen anhand mikroskopischer Holzkohlepartikel auch die holozäne Brandgeschichte näher beleuchtet werden. Neben dem Nutzen für das Projekt ist die Wahl des Halslkopfmoores in zusätzlicher Hinsicht interessant. Obwohl aus den nördlichen Kalkalpen bereits einige palynologische Untersuchungen von Mooren vorliegen (BORTENSCHLAGER 1984, WAHLMÜLLER 1985, OEGGL 1988, WALDE 1999) ist unmittelbar in der Nähe des Untersuchungsgebiets noch keine Pollenanalyse vorgenommen worden. Die vorliegende Arbeit liefert also einen zusätzlichen Punkt im Netzwerk bereits bestehender Arbeiten der hilft die Vegetationsgeschichte des Nordtiroler Alpenraumes genauer rekonstruieren und verstehen zu können. Die relativ abgelegene und hohe Lage des Halslkopfmoores ist zudem interessant bezüglich der Frage wie stark der Mensch durch seine Nutzung auch eher ungünstigere Standpunkte erschlossen hat, sind die anderen Arbeiten doch eher entlang des nutzerisch günstigeren Inntales gelegen.
Die Vorliegende Arbeit gibt zunächst eine geographische Beschreibung des Untersuchungsgebietes wieder und erläutert dann die angewandten Methoden bei der Feld- und Laborarbeit. Im Ergebnisteil werden dann die erstellten Pollendiagramme beschrieben und analysiert. Abschließend erfolgt eine Gesamtbetrachtung der Vegetationsgeschichte Nordtirols durch den Vergleich mit anderen Arbeiten aus dem Gebiet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geographie und Geologie des Karwendelgebirges
2.1 Abgrenzung des Karwendelgebirges
2.2 Klima
2.3 Geologie
2.3.1 Mittlere Trias
2.3.2 Obere Trias
2.3.3 Jura (Lias, Dogger, Malm)
2.3.4 Kreide
2.4 Geographische Lage des Halslkopfmoores
3. Material und Methoden
3.1 Feldmethoden
3.2 Labormethoden
3.2.1 Probenentnahme
3.2.2 Chemische Aufbereitung
3.2.2.1 Salzsäurebehandlung (HCl)
3.2.2.2 Kalilaugebehandlung (KOH)
3.2.2.3 Waschen der Proben
3.2.2.4 Flusssäurebehandlung
3.2.2.5 Acetolyse nach ERDTMAN
3.2.2.6 Ultraschallbehandlung
3.2.2.7 Konservieren der Proben
3.2.3 Pollenanalyse
3.2.3.1 Bestimmungsmerkmale von Pollenkörnern
3.2.3.2 Lichtmikroskopische Auszählung
3.2.4 Holzkohleanalyse
4. Ergebnisse
4.1 Sedimentbeschreibung
4.2 Besiedelungsgeschichte
4.3 Beschreibung der lokalen Pollenzonen
4.4 Vegetationsentwicklung und Landnutzung im Halslkopfmoor
5. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die holozäne Vegetations- und Waldbrandgeschichte im Halslkopfmoor (Karwendelgebirge) mittels pollenanalytischer Methoden, um die Auswirkungen von Feuerereignissen auf die lokale Flora sowie den menschlichen Einfluss auf die Waldnutzung zu rekonstruieren und in den Kontext des Nordtiroler Alpenraums zu stellen.
- Rekonstruktion der holozänen Vegetationsgeschichte im Karwendelgebirge.
- Analyse der Brandgeschichte durch mikroskopische Holzkohlepartikel.
- Einfluss anthropogener Landnutzung auf die Waldentwicklung.
- Vergleich der Ergebnisse mit anderen palynologischen Untersuchungen in Nordtirol.
- Methodische Dokumentation der Probenentnahme und Laboraufbereitung.
Auszug aus dem Buch
3.2.2.1. Salzsäurebehandlung
In der Literatur wird oft eine Behandlung mit warmer Salzsäure empfohlen um jeglichen Anteil an Calciumkarbonat aus der Probe zu lösen. In diesem Fall wurde darauf verzichtet und lediglich jedem Probendöschen eine kleine Menge HCl zugegeben und die Reaktion beobachtet. Bei Kontakt von Salzsäure mit Kalk wird nach der folgenden Formel
CaCO3 + 2HCl → CaCl2 + H2O + CO2 ↑
Kohlendioxid frei und führt bei ausreichendem Kalkgehalt zu einem deutlichen Sprudeln und Zischen des Materials. Dies ist in der Bodenkunde und Geologie eine gängige Methode um im Feld schnell bestimmen zu können ob ein carbonatisches oder silikatisches Material vorliegt. Im Falle eines Torfkörpers ist generell kaum Kalk zu erwarten da Torf durch organische Substrate aufgebaut wurde. Wenn Kalk eingetragen wurde, z.B. durch Flächenspülungen vom angrenzenden Gestein, ist sein Gehalt in der Regel so niedrig dass er keine störende Wirkung hat. Die einfache Behandlung mit etwas Salzsäure sollte zur Lösung von Restgehalten deshalb ausreichen. Um die gesamte Probe in Kontakt mit HCl zu bringen kann nach der Zugabe mit einem Glasstab umgerührt werden. Natürlich ist darauf zu achten dass für jede Probe ein eigener Stab verwendet wird. Ist die Behandlung mit Salzsäure abgeschlossen überführt man die Proben in beschriftete Erlenmayrkolben und kommt zum nächsten Schritt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Zielsetzung des von der DFG geförderten Projekts zur Untersuchung der Brand- und Vegetationsgeschichte des Halslkopfmoores im Karwendelgebirge.
2. Geographie und Geologie des Karwendelgebirges: Liefert einen geographischen Überblick und eine detaillierte stratigraphische Analyse der verschiedenen geologischen Einheiten des Untersuchungsgebiets.
3. Material und Methoden: Detaillierte Darlegung der angewandten Feldmethoden (Bohrungen) und der komplexen chemischen Laboraufbereitung für die anschließende Pollen- und Holzkohleanalyse.
4. Ergebnisse: Darstellung der Sedimentbeschaffenheit, der Besiedelungsgeschichte sowie eine ausführliche Beschreibung der identifizierten Pollenzonen und deren Vegetationsdynamik.
5. Diskussion: Interpretation der Ergebnisse im Vergleich mit anderen palynologischen Profilen aus Nordtirol und zeitliche Einordnung der Vegetationsphasen und Landnutzung.
Schlüsselwörter
Pollenanalyse, Holozän, Karwendelgebirge, Halslkopfmoor, Waldbrandgeschichte, Holzkohle, Vegetationsgeschichte, anthropogener Einfluss, Palynologie, Sedimentbeschreibung, Landnutzung, Siedlungsgeschichte, Nordtirol, Stratigraphie, Vegetationssukzession.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Es geht um die Rekonstruktion der Vegetations- und Waldbrandgeschichte im Halslkopfmoor durch pollenanalytische Untersuchungen sowie die Einordnung menschlicher Einflüsse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Palynologie, die Auswirkung von Feuerereignissen auf die Vegetation, Waldnutzungsgeschichte und die stratigraphische Analyse von Moorablagerungen.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es, die holozäne Entwicklung des Karwendelgebirges genauer zu verstehen und das bisher nicht untersuchte Halslkopfmoor in das Netzwerk bestehender palynologischer Arbeiten in Nordtirol einzugliedern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Pollenanalyse, Holzkohleanalyse sowie physikalische Bohrmethoden, ergänzt durch einen Vergleich mit radiokarbondatierten Referenzprofilen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die geologische Beschreibung, die detaillierte Darstellung der Laboraufbereitung, die Ergebnisse der Pollenzonen und die daraus abgeleitete Vegetations- und Landnutzungsgeschichte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Pollenanalyse, Holozän, Karwendelgebirge, Waldbrandgeschichte, Holzkohle, Palynologie und Landnutzung.
Welche Bedeutung hat das Halslkopfmoor für das Projekt?
Es dient als neuer, bisher nicht untersuchter Datenpunkt im Nordtiroler Alpenraum, um die Besiedelungsgeschichte und ökologische Entwicklung besser rekonstruieren zu können.
Welche Rolle spielt die Holzkohleanalyse?
Die Holzkohleanalyse dient zur Rekonstruktion der lokalen Brandgeschichte und hilft zu unterscheiden, ob Brände in unmittelbarer Nähe zum Moor stattfanden oder durch Wind transportiert wurden.
Warum ist die Unterscheidung der Pollenzonen wichtig?
Sie ermöglicht eine zeitliche und ökologische Differenzierung der Vegetationsentwicklung über das gesamte Holozän hinweg und lässt Rückschlüsse auf klimatische Veränderungen oder menschliche Eingriffe zu.
Wie wurde der menschliche Einfluss nachgewiesen?
Der menschliche Einfluss wurde durch das Auftreten von Siedlungs- und Kulturzeigern wie Cerealia (Getreidepollen) und eine Veränderung in der Zusammensetzung der Baumpollen nachgewiesen.
- Citation du texte
- Matthias Jüttner (Auteur), 2010, Holozäne Vegetations- und Waldbrandgeschichte des Karwendelgebirges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167728