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Frauenfiguren in Franz Kafkas "Der Verschollene"

Literarische Inszenierung von Weiblichkeit und ihre Bedeutung im Kontext von Sexualität und Macht

Title: Frauenfiguren in Franz Kafkas "Der Verschollene"

Term Paper , 2025 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Franz Kafka gehört zweifellos zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren weltweit. In Kafkas Werken sind die Frauenfiguren mehr als nur eine Erweiterung der männlichen Perspektive – sie spielen eine zentrale und funktionale Rolle. Dabei steht die literarische Inszenierung weiblicher Sexualität weniger im Zusammenhang mit Liebe oder körperlicher Lust, sondern verfolgt vielmehr tiefere, oft symbolische Wurzeln. Stephanie Catani (2005) stellt fest, dass die Frauenfiguren in Kafkas Roman Der Verschollene aus der Perspektive des männlichen Protagonisten Karl Roßmann fast ausschließlich negativ konnotiert sind. Sie sind sogar implizit für seinen sozialen Abstieg mitverantwortlich. Doch auf welche Weise inszeniert Kafka im Verschollenen die Weiblichkeit seiner Frauenfiguren und welche Rolle spielen dabei Sexualität und Macht?

Die vorliegende Arbeit setzt sich zunächst mit der dämonischen Inszenierung weiblicher Sexualität um 1900 auseinander. Anschließend werden die Frauenfiguren in Kafkas gesamten Werken sowie seine Sicht auf Weiblichkeit und gesellschaftliche Konstruktionen näher untersucht. Klara Pollunder und Brunelda sind zentrale Figuren im Verschollenen, deren Interaktionen mit Karl stark von Macht, Kontrolle, Gewalt und Verführung geprägt sind. Durch eine detaillierte Analyse dieser Figuren wird schließlich ein fundiertes Fazit zur literarischen Inszenierung von Weiblichkeit und ihrer Bedeutung im Kontext von Sexualität und Macht gezogen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung
    • 3
  • 2. Theoretischer Hintergrund
    • 4
    • 2.1. Die dämonische Inszenierung weiblicher Sexualität um 1900
      • 4
    • 2.2. Frauenfiguren in Kafkas Werken..
      • 6
    • 2.3. Kafkas Sicht auf Frauen und soziale Konstruktionen
      • 7
  • 3. Kafkas Inszenierung von Weiblichkeit im Verschollenen: Klara Pollunder..
    • 8
    • 3.1. Machtspiele und Manipulation.
      • 8
    • 3.2. Die Grenze zwischen Verführung und Misshandlung.
      • 10
  • 4. Kafkas Inszenierung von Weiblichkeit im Verschollenen: Brunelda.
    • 11
    • 4.1. Zwischen Macht und Zerbrechlichkeit.
      • 11
    • 4.2. Sadismus und Kontrolle
      • 12
  • 5. Fazit
    • 14
  • Literaturverzeichnis
    • 16

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Franz Kafka in seinem Roman "Der Verschollene" Weiblichkeit durch seine Frauenfiguren Klara Pollunder und Brunelda inszeniert und welche Rolle Sexualität und Macht in diesem Kontext spielen. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Kafka die Weiblichkeit seiner Figuren darstellt und welche Bedeutung die genannten Themen dabei annehmen.

  • Dämonische Inszenierung weiblicher Sexualität um 1900.
  • Darstellung von Frauenfiguren in Kafkas Gesamtwerk.
  • Kafkas Perspektive auf Frauen und gesellschaftliche Konstruktionen.
  • Machtspiele und Manipulation am Beispiel von Klara Pollunder.
  • Inszenierung von Macht, Zerbrechlichkeit, Sadismus und Kontrolle durch die Figur Brunelda.
  • Die Verknüpfung von Sexualität und Macht im Kontext weiblicher Figuren.

Auszug aus dem Buch

3.1. Machtspiele und Manipulation

In der ersten Begegnung zwischen Karl und Klara im Landhaus von Herrn Pollunder lässt sich bereits eine interessante Dynamik zwischen den beiden Figuren beobachten. Während der Begrüßung „fiel ein wenig unterscheidendes Licht vom Hause her auf ihr Gesicht, das sie ihm zuneigte“35. Das Licht, das auf Klaras Gesicht fällt, hat eine verschleiernde Wirkung und weist auf die undurchsichtige, schwer zu durchschauende Natur Klaras hin. Diese Art von Verschleierung spiegelt zu Beginn die Komplexität und Ambivalenz ihrer Persönlichkeit wider. Durch das Zuneigen ihres Gesichts wird eine Mischung aus Nähe, Erwartung bis hin zur Dominanz suggeriert. Es bleibt jedoch unklar, ob diese Dynamik von Karl als bedrohlich oder anziehend wahrgenommen wird, was die Ambivalenz ihrer ersten Begegnung unterstreicht.

Diese Dominanz, die Klara zu Beginn der Begegnung ausstrahlt, lässt sich auch im Umgang mit ihrem Vater weiter beobachten. Ihre Autorität und Kontrolle treten besonders hervor, als sie in der Interaktion mit ihm eine deutliche Einflussnahme zeigt. Klara bittet ihn, Karl trotz des unangekündigten Besuchs von Herrn Green im Landhaus begrüßen zu dürfen, „denn zumindest sie und Karl würden von Herrn Green nicht im geringsten gestört werden“ (64). Ihre Bitte zeigt eine souveräne Kontrolle über die Situation, indem sie ihren Willen ohne Widerstand durchzusetzen scheint. Diese übergeordnete Kontrolle setzt sie auch gegenüber Karl ein, indem sie ihn, wenn auch freundlich, dazu auffordert, ihr in den späteren Abendstunden Klavier vorzuspielen (64). Gleichzeitig entsteht eine aufgeladene, sexuelle Spannung zwischen den beiden. Karls Blick richtet sich direkt auf die „roten Lippen“ (64) Klaras, nachdem er sie im Licht studiert. Die Beschreibung der roten Lippen, ein starkes Symbol für Weiblichkeit, sexuelle Anziehung und Dominanz, in Verbindung mit dem Licht, das sie umgibt, erzeugt eine sowohl anziehende als auch mysteriöse Inszenierung.

Klaras autoritäre und kontrollierende Haltung wird im Verlauf der Handlung immer deutlicher. Es fällt schwer, diese von echter Fürsorglichkeit zu trennen, da ihre Handlungen sowohl beschützend als auch manipulativ erscheinen. Während des Abendessens macht sie Karl darauf aufmerksam, „daß der Braten vor ihm stand und er bei einem Abendessen war“ (65). Zudem lächelt Klara ihn an, „doch es war kein teilnehmendes Lächeln, sondern eines, das ihn irgendwie beeinflussen sollte“ (66). Ihr Lächeln ist keine echte Zuneigung, sondern eine kalkulierte Geste, die zusammen mit ihrer Fähigkeit, Karl physisch zurückzuhalten, eine subtile Form der Kontrolle ausdrückt. Diese ambivalente Machthaltung setzt sich fort, indem sie Karl davon abhält, vom Tisch aufzustehen. Sie greift nach seiner Hand und fordert ihn dazu auf, sitzen zu bleiben (66f.). In diesem Moment wird ihre Kontrolle beinahe erpresserisch, als sie ihm zuflüstert, dass sie bald zusammen in ihrem Zimmer verschwinden werden und er Geduld haben solle (67). Dabei spielt Klara mit der Dynamik von Nähe und Distanz, indem sie ihm etwas zu erwarten gibt, während sie gleichzeitig die Bedingungen für diese Erwartung setzt. Ihre Handlungen verdeutlichen ein tiefes Bedürfnis, Kontrolle über die Situation und über Karl selbst zu erlangen – und das, obwohl sich ihr Verlobter Mack im selben Haus aufhält (94).

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel 1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Diskurs über Sexualität um 1900 ein und skizziert die zentrale Rolle von Frauenfiguren in Franz Kafkas Roman "Der Verschollene" im Kontext von Weiblichkeit, Sexualität und Macht.

Kapitel 2. Theoretischer Hintergrund: Es beleuchtet die dämonische Inszenierung weiblicher Sexualität um 1900 und analysiert Kafkas allgemeine Sicht auf Frauen sowie die sozialen Konstruktionen von Weiblichkeit in seinen Werken.

Kapitel 3. Kafkas Inszenierung von Weiblichkeit im Verschollenen: Klara Pollunder: Dieses Kapitel konzentriert sich auf die Figur Klara Pollunder und untersucht ihre Inszenierung durch Machtspiele, Manipulation sowie die fließende Grenze zwischen Verführung und Misshandlung.

Kapitel 4. Kafkas Inszenierung von Weiblichkeit im Verschollenen: Brunelda: Hier wird die Frauenfigur Brunelda detailliert analysiert, wobei ihr ambivalentes Verhältnis zwischen Macht und Zerbrechlichkeit sowie Aspekte von Sadismus und Kontrolle im Fokus stehen.

Kapitel 5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass weibliche Sexualität im "Verschollenen" oft negativ, als bedrohlich und übermächtig dargestellt wird, wobei die Frauenfiguren dem Topos der Femme fatale folgen und männliche Hilflosigkeit verstärken.

Schlüsselwörter

Kafka, Der Verschollene, Frauenfiguren, Weiblichkeit, Sexualität, Macht, Klara Pollunder, Brunelda, Femme fatale, Geschlechterrollen, Dämonisierung, Literaturwissenschaft, 19. Jahrhundert, Patriarchat, Verführung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Darstellung von Frauenfiguren in Franz Kafkas Roman "Der Verschollene" und untersucht die Bedeutung von Weiblichkeit, Sexualität und Macht in diesem literarischen Kontext.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder sind die dämonische Inszenierung weiblicher Sexualität um 1900, Kafkas Blick auf Frauen und soziale Konstruktionen sowie die konkrete Inszenierung von Weiblichkeit durch die Figuren Klara Pollunder und Brunelda.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es zu ergründen, auf welche Weise Kafka im "Verschollenen" die Weiblichkeit seiner Frauenfiguren inszeniert und welche Rolle Sexualität und Macht dabei spielen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine detaillierte literaturwissenschaftliche Analyse von Kafkas Texten, insbesondere des Romans "Der Verschollene", unter Berücksichtigung anthropologischer und soziokultureller Kontexte der Jahrhundertwende.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit dem theoretischen Hintergrund der dämonischen Inszenierung weiblicher Sexualität, Kafkas genereller Darstellung von Frauen und dann spezifisch mit den Figuren Klara Pollunder und Brunelda, indem deren Rolle im Kontext von Macht, Verführung, Sadismus und Kontrolle untersucht wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind Kafka, Der Verschollene, Frauenfiguren, Weiblichkeit, Sexualität, Macht, Klara Pollunder, Brunelda, Femme fatale und Geschlechterrollen.

Welche Rolle spielen Klara Pollunder und Brunelda in Kafkas "Der Verschollene"?

Klara Pollunder wird als manipulative und aggressiv-dominante Verführerin dargestellt, während Brunelda eine übersexualisierte, groteske und sadistische Figur verkörpert, die Macht über ihre Umgebung ausübt.

Wie inszeniert Kafka die weibliche Sexualität in seinen Werken?

Kafka inszeniert weibliche Sexualität oft als beunruhigende Machtdynamik, die mit Schuld, Strafe und Gewalt verbunden ist und weniger mit Liebe oder körperlicher Lust zu tun hat, wobei Frauen häufig als Hindernisse oder bedrohliche Figuren erscheinen.

Inwiefern spiegelt die Arbeit Kafkas Sicht auf Frauen und soziale Konstruktionen wider?

Die Arbeit zeigt, dass Kafkas Darstellung von Frauenfiguren männliche Ängste und Vorstellungen widerspiegelt, in denen Frauen als bedrohlich, übermächtig und destruktiv wahrgenommen werden, oft im Sinne der "Femme fatale".

Was versteht man unter der "dämonischen Inszenierung weiblicher Sexualität um 1900"?

Die "dämonische Inszenierung weiblicher Sexualität um 1900" bezeichnet die literarische und wissenschaftliche Darstellung der Frau als triebgesteuertes, verführerisches und gefährliches Wesen, oft in Verbindung mit Konzepten wie der Femme fatale und der Prostituierten, die als Verkörperung sündhafter und verderbter Weiblichkeit galten.

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Details

Title
Frauenfiguren in Franz Kafkas "Der Verschollene"
Subtitle
Literarische Inszenierung von Weiblichkeit und ihre Bedeutung im Kontext von Sexualität und Macht
College
University of Osnabrück
Grade
1,3
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2025
Pages
17
Catalog Number
V1677302
ISBN (PDF)
9783389169346
ISBN (Book)
9783389169353
Language
German
Tags
Kafka Der Verschollene Frauenfiguren Sexualität Macht Weiblichkeit Manipulation Verführung Misshandlung Brunelda
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2025, Frauenfiguren in Franz Kafkas "Der Verschollene", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1677302
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