Histoire croisée im Vergleich mit dem historischen Vergleich und dem Kulturtransfer


Seminararbeit, 2010

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der historische Vergleich
2.1. Das Wesen des historischen Vergleichs
2.2. Arten des historischen Vergleichs
2.3. Grenzen des historischen Vergleichs

3. Kulturtransfer
3.1. Das Wesen des Kulturtransfers
3.2. Grenzen des Kulturtransfers

4. Histoire croisée
4.1. Das Wesen der Histoire croisée
4.2. Anwendbarkeit der Histoire croisée

5. Komponentenvergleich
5.1. Gemeinsamkeiten
5.2. Unterschiede

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Zuge der Weiterentwicklungen in der Geschichtsschreibung und der andauernden „Debatte um eine Neuorientierung der Sozialgeschichte“[1], deren Verbindung zu einer „historischen Kulturwissenschaft“ und der Frage um die Überwindung „nationalgeschichtlicher Sichtweisen“[2], hat diese Arbeit das Ziel verschiedenartige Methoden der Geschichtswissenschaft miteinander zu vergleichen. Um dabei die Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufzeigen zu können, ziehe ich altbekannte und neu entstandene Methoden für die Arbeit heran. Als Vergleichselemente habe ich den historischen Vergleich, den Kulturtransfer und ein Konzept der reflexiven Verflechtungsgeschichte gewählt. Der historische Vergleich fungiert als bereits etablierte Technik und der Kulturtransfer exemplarisch als transfergeschichtliche Methode. Denen gegenüber stelle ich den noch sehr jungen Ansatz der Histoire croisée aus der reflexiven Verflechtungsgeschichte.

In eben dieser, am Alter der Vergleichsgegenstände orientierten Reihenfolge, werde ich die drei Methoden nacheinander erörtern. Danach werden sie auf ihre Ähnlichkeiten und Unterschiede untersucht. Anschließend ziehe ich ein Fazit zur Thematik und der Bedeutsamkeit der drei Analyseteile für die Debatte.[3] Für die Schlussfolgerung wird das Konzept der Histoire croisée im Vordergrund stehen, da es das primäre Vergleichselement in dieser Arbeit darstellt. Dies beruht auf den entgegengesetzten Meinungen zwischen den Historikern zu dieser Methode.

Verwandte Themen, wie die transnationale, transterretoriale Geschichte, Entangled und Shared History, werden nicht näher ausgeführt oder nur kurz angerissen.

2. Der historische Vergleich

2.1. Das Wesen des historischen Vergleichs

Der historische Vergleich ist nicht nur ein methodisches Konzept, das Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen zwei oder mehreren Vergleichsgegenständen aufdeckt, um „Aussagen über geschichtliche Handlungen, Erfahrungen, Prozesse und Strukturen“[4] herauszustellen, sondern lässt sich auch theoretisch und systematisch darstellen.[5]

So fand und findet der Vergleich zahlreich Anwendung. Er stellt eine Grundform der geschichtswissenschaftlichen Analysemethoden dar. Jedoch ist er kein „Königsweg“[6], sondern Tat und Werk der alltäglichen Arbeit der Historiker. „Das Vergleichenkönnen zwischen verschiedenen Vergangenheiten unter sich und mit der Gegenwart ist eine von den Hauptkräften, welche uns scheiden von dem wirren Treiben des Tages und von der Barbarei.“[7] Dieses Zitat charakterisiert die Bedeutsamkeit des Vergleichs im Bewusstsein der eigenen Historizität und des Menschseins. Die Bedeutung der Zeit, die auch bei den Arten des historischen Vergleiches einen hohen Stellenwert hat, wird innerhalb dieser Methodik hervorgehoben. Jedoch ist nicht nur die Zeit prägnant, denn der Vergleich hängt „von der Übersetzbarkeit sprachlich je verschiedenartig gespeicherter Erfahrungen ab, die aber als Erfahrungen an die Einmaligkeit der eigenen Sprache zurückgebunden bleiben“[8]. Der Wert des eigenen nationalen Hintergrundes, der Erfahrung und der Sprache wird somit hervorgehoben.

2.2. Arten des historischen Vergleichs

Beim historischen Vergleich werden Gesellschaften, Handlungen und Prozesse gegenübergestellt um sie zu vergleichen. Diese Gegenüberstellung lässt sich auch innerhalb der Arten des Vergleiches wiederfinden.

So stehen der generalisierende[9] bzw. universalisierende Vergleich, der allgemeine Regeln des Zusammenlebens von jedem zu jeder Zeit beschreibt, und der individualisierende[10] bzw. typisierende Vergleich, dessen Ziel das Aufdecken von Unterschieden ist, im Kontrast zueinander. Hinzu kommen der synchrone Vergleich[11], der Nachbargesellschaften derselben Epoche und deren gegenseitige Beeinflussungen untersucht, und der diachrone Vergleich[12], der zeitlich und räumlich getrennte Gesellschaften untersucht. Weiterhin gibt es den Totalvergleich bzw. Gesamtvergleich[13], der Vergleichsgegenstände in ihrer Gesamtheit vergleicht. Diesem steht der Partialvergleich[14] gegenüber, der einzelne Gruppen, Strukturen oder Ereignisse von ihrem gesamtgesellschaftlichen Kontext aus thematisiert. Außerdem wird zwischen dem symmetrischen und asymmetrischen Vergleich unterschieden.[15] Beim symmetrischen Vergleich werden die Elemente gleichberechtigt gegenübergestellt und nicht instrumentalisiert. Der asymmetrische Vergleich hat eine Bevorzugung eines Elementes der Analyse inne, um dieses Element näher zu charakterisieren und zu verstehen.

Von der Vielfalt und Weiterentwicklung des historischen Vergleiches zeugt, dass sich viele der genannten Arten nochmals unterteilen lassen.[16]

[...]


[1] Michael Werner, Bénédicte Zimmermann, Vergleich, Transfer und Verflechtung. Der Ansatz der Histoire croisée und die Herausforderung des Transnationalen, in: Geschichte und Gesellschaft 28 (2002), S. 607.

[2] Ebd..

[3] Siehe Anfang von 1. Einleitung.

[4] Heinz-Gerhard Haupt, Jürgen Kocka, Geschichte und Vergleich. Ansätze und Ergebnisse international vergleichender Geschichtsschreibung, Frankfurt/M. 1996, S. 9.

[5] Ein solches theoretisches Gebilde ist vor allem für Junghistoriker von Vorteil.

[6] Der Königsweg ist eine besondere Methode, zu finden in: Hartmut Kaelble, Vergleich und Transfer. Komparatistik in den Sozial-, Geschichts- und Kulturwissenschaften, Frankfurt/M. 2003, S. 473.

[7] Hartmut Kaelble, Jürgen Schriewer, Diskurse und Entwicklungspfade. Der Gesellschaftsvergleich in den Geschichts- und Sozialwissenschaften, Frankfurt/M. 1999, S. 402.

[8] Johannes Paulmann, Internationaler Vergleich und interkultureller Transfer. Zwei Forschungsansätze zur europäischen Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts, in: Historische Zeitschrift 267 (1998), S. 665.

[9] Hartmut Kaelble, Der historische Vergleich. Eine Einführung zum 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt/M. 1999, S. 26-35.

[10] Ebd..

[11] Simone Ameskamp, Rezension zu: Hartmut Kaelble, Der historische Vergleich. Eine Einführung zum 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt/M. 1999, in: H-Soz-u-Kult, 02.02.2000, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/163.pdf>. Haupt, Kocka: Geschichte und Vergleich, S. 31.

[12] Haupt, Kocka: Geschichte und Vergleich, S. 31.

[13] Hartmut Kaelble: Der historische Vergleich, S. 36-39.

[14] Ebd..

[15] Ekaterina Emeliantseva, Historischer Vergleich und lebensweltlich orientierte Geschichtsschreibung. Ein möglicher Weg zu einer integrierten Geschichte Europas, in: H-Soz-u-Kult, 06.04.2005, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/id=623&type=artikel>.

[16] Kaelble: Der historische Vergleich, S. 31-33.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Histoire croisée im Vergleich mit dem historischen Vergleich und dem Kulturtransfer
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Geschichts- und Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Vergleich- und Transfergeschichte
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V167813
ISBN (eBook)
9783640847532
ISBN (Buch)
9783640843763
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: es sei eine gute, problembewußte Arbeit. Jedoch sei das Fazit unzutreffend. Weiterhin könne die Gliederung verbessert werden.
Schlagworte
Histoire croisée, historischer Vergleich, Kulturtransfer
Arbeit zitieren
Lisa Blech (Autor), 2010, Histoire croisée im Vergleich mit dem historischen Vergleich und dem Kulturtransfer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167813

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