Die Darfurkrise - wie erklärt sich das Handeln ausgewählter Akteure und wie ist dieses zu bewerten?


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hintergründe und Konfliktursachen in Darfur

3. Geschichtlicher Werdegang des Konflikts
3.1 Konfliktgeschehen im 20. Jahrhundert
3.2 Konfliktgeschehen im 21. Jahrhundert

4. Akteure in der Darfurkrise
4.1 Nationalstaaten
4.1.1 USA
4.1.2 China
4.1.3 Tschad
4.2. Supranationale Organisationen
4.2.1. Vereinte Nationen
4.2.2. Afrikanische Union

5. Fazit

6. Kartenanhang

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Den Ausdruck Darfur kennen viele als Krisenregion. Leider verbinden bereits wenige Menschen damit Völkermord. Dieses brisante Thema ruft neben den internationalen Medien auch diverse Internationale Akteure auf den Plan. Seit Jahren schwelt ein Konflikt mit Massenmorden und Vertreibungen während die UNO nur zögerlich eingreift.

Begründen möchte ich meine Themenauswahl mit meinem Interesse für „Unbehandeltes“. Natürlich fand der Darfur-Konflikt in den Medien seine Bericht-erstattung, jedoch nie wirklich mit Hintergründen. Hinzu kam, dass dieses Thema im absolvierten Kurs nicht zur Sprache kam. Nicht zuletzt schreckte mich persönlich der Dokumentarfilm „Darfur Now“[1] auf.

Behandelt wird der Konflikt in unzähligen Büchern und Berichte, allerdings sehen diese oft nur eine Seite oder ergreifen sehr deutlich Partei ohne die andere auch nur im Ansatz zu verstehen. So geschehen bei Engdahls Bericht[2]. Besser beschrieben wird der Konflikt dagegen von Prunier (Der „uneindeutige“ Genozid)[3].

Diese Arbeit soll das Handeln einiger beteiligter Akteure erklären. Dabei sollen neben Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethische Grundsätze nicht zuletzt wirtschaftliche Anreize gesehen werden. Leider bedarf eine genauere Untersuchung einen erheblich größeren Rahmen wie diese Arbeit bieten kann. Somit mussten wichtige Akteure wie die Arabische Liga wegen ihrer Uneinigkeit, die EU und Russland wegen ähnlicher Meinung wie die beschriebenen Akteure USA und China und nicht zuletzt weitere Nachbarn wie Libyen weichen.

Untersucht hingegen wird, nach einer Erklärung der Hintergründe und Ursachen und nach einem groben Überblick über den geschichtlichen Verlauf im 20. und 21. Jahr-hundert, das Handeln der ausgewählten Nationalstaaten USA, China und Tschad und das Handeln der supranationalen Organisationen UNO und Afrikanische Union. Hier soll auch ein Überblick über die einzelnen Anreize dieses Handelns und Erklärungen zu finden sein. Zur bildlichen Verdeutlichung sind im Anhang auch Karten der Region unter differenzierten Aspekten zu finden.

2. Hintergründe und Konfliktursachen in Darfur

Als Ursache gibt es mehrere Möglichkeiten in diesem jahrelangen Konflikt zu nennen. Als Hauptursache wird allerdings der Unterschied in den rivalisierenden Lebensformen und der damit verbundene Ressourcenkonflikt gesehen.

Im Streit um die lebenswichtigen natürlichen Ressourcen Wasser und Land stehen zwei Großgruppen mit unterschiedlichen ethnischen Wurzeln und wirtschaftlicher Überlebensphilosophie. Ethnische Minoritäten werden hier außer Acht gelassen um nicht zu weit vom Thema abzuschweifen. Die beiden Konfliktparteien sind auf der einen Seite die sesshaften afrikanischen Bauern, bestehend aus den Fur, Dajur, Masalit und den Tunjur[4], und auf der anderen Seite die arabischstämmigen Vieh-züchter, welche ein Normadendasein pflegen. Zu dieser Gruppe gehören die Baggara, Messiriya, Rizeigat und die Zaiydia[5].

Dieser Konflikt lässt sich leider nicht wie viele andere durch rein religiöse Differenzen begründen, da beide Gruppierungen größtenteils dem Islam angehören[6], welcher sich seit dem 13. Jahrhundert in der Region Nord-Afrikas ausgebreitet hat.

Geographisch betrachtet zeichnet sich die Region durch extreme Differenzen in den Niederschlagszahlen aus, welche als Grundlage zum Überleben dienen. Der dünn besiedelte Norden der Region ist durch die kaum vorhandenen Niederschläge zur Trockensavanne verkommen und somit marginal besiedelt. Der Süden zeichnet sich durch eine hohe Niederschlagsdichte aus. Das zentral gelegene Qoz-Gebiet bietet die beste Möglichkeit traditionelle Landwirtschaft in Form von Mais, Hirse und Zwiebeln zu betreiben. Dieses, meist von sesshaften afrikanischen Bauern bewohnte, Gebiet ist allerdings regelmäßig von Wasserknappheit bedroht, was bestehende kleinere Konflikte zwischen arabischen und nicht arabischen Ethnien verschärft[7].

Erschwerend kam seit den 80er Jahren ein Bevölkerungszuwachs hinzu.

Die allgemein als Kernbevölkerung bezeichneten Fur[8] bezichtigen die Araber der Diskriminierung, sowie der politischen Unterdrückung.

Zur Eskalation kam es durch die Unterstützung der arabischen Janjaweed-Milizen seitens der Regierung in Khartum, welche mit freier Hand gegen afrikanische Bauern vorgehen können. Durch die Janjaweed will die Regierung die ansässigen Bauern vertreiben und diese durch arabisch-stämmige ersetzen. Unterstützend wirkt die Regierung durch Waffenlieferungen, Kampfhubschraubern und allgemeiner Luftunterstützung. Leider kommt es seitens der Janjaweed häufig zu Menschenrechtsverletzungen, Massenexekutionen und systematischer Vergewaltigung als politisches Druckmittel[9]. Hinzu kommen die Zerstörung von Dörfern und überlebenswichtigen Brunnen.

3. Geschichtlicher Werdegang des Konfliktes

Zur Untersuchung eines Konfliktes bedarf es immer auch der Kenntnis des historischen Hintergrunds. So sollen bereits gemachte Fehler in der Vergangenheit nicht wiederholt werden und Lösungsansätze auf der Kenntnis der Geschichte basieren.

Der hier kurz gehaltene Abriss der Geschichte ist in zwei Teile unterteilt, wobei die Hinführung im 20. Jahrhundert als Basis dient, bevor im Jahr 2003 aus der Krise ein Massenkonflikt wurde, welcher scharf eskalierte.

3.1 Konfliktgeschehen im 20. Jahrhundert

Der Konflikt im Westsudan schwoll seit Beginn der 80er Jahre kontinuierlich zu einem Bürgerkrieg massiv an.

Ethische Auseinandersetzungen hat es in Darfur zwar schon lange zuvor gegeben, doch durch die Hungersnot 1984/85 erreichte der Konflikt nie dagewesene Dimensionen. Die ansässige Bevölkerung fühlte sich von ihrer Regierung schon lange vernachlässigt, trotz der von der Regierung Khartum gepriesenen Entwicklungsprojekte zur Förderung einheimischer Landwirtschaft in Darfur. Diese hatten allenfalls Vorzeigecharakter, aber leider wenig wahren Nutzen[10].

Durch die kontinuierliche Versteppung des Nordens wandelten sich die Halbnormaden zu Vollnormaden und erhöhten die Anzahl ihrer Übergriffe auf die sesshaften Bauern des Südens.

Weiter verschärft wurde der Konflikt noch durch die zunehmende Arabisierungs-politik des durch einen Militärputsches 1989 an die Macht gekommenen Omar Hassan al-Bashir[11].

1994 legte Khartum eine Neueinteilung der Darfur-Region in drei Provinzen (Schamal Darfur, Gharb Darfur und Dschanub Darfur) fest, welche noch heute Bestand hat. Dies führte allerdings nicht zur erhofften Beteiligung der Bürger und einer gerechteren Ressourcenverteilung, sondern erhöhte den bürokratischen Aufwand erheblich was eine Handlungsunfähigkeit und Korruption der Verwaltung zur Folge hatte.

[...]


[1] Von Regisseur Ted Braun aus dem Jahr 2007

[2] Engdahl, 2007

[3] Prunier, 2006

[4] Daly, 2007. S. 278

[5] Daly, 2007. S. 283f.

[6] Mit ein paar Ausnahmen mancher afrikanischen Stämme im Süden des Landes, welche dem Chris­tentum angehören

[7] Jok, 2007. S. 83

[8] Welche der Region auch ihren Namen gab

[9] Amnesty International, 2004

[10] Gallab, 2008. S. 153

[11] Waal, 2005. S. 25

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Darfurkrise - wie erklärt sich das Handeln ausgewählter Akteure und wie ist dieses zu bewerten?
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Seminar für Wissenschaftliche Politik#)
Veranstaltung
Die arabische Welt in den Internationalen Beziehungen
Note
3,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V167865
ISBN (eBook)
9783640847860
ISBN (Buch)
9783640844234
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darfurkrise, handeln, akteure
Arbeit zitieren
Johannes Schiefer (Autor), 2009, Die Darfurkrise - wie erklärt sich das Handeln ausgewählter Akteure und wie ist dieses zu bewerten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167865

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