Sprache des Rechtsextremismus

Wie nutzt der Rechtsextremismus die Sprache?


Facharbeit (Schule), 2010

17 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sprache im politischen Kontext

3. Rechtsextremismus

4. Die Sprache der Rechtsextremisten
4.1 Sprachliche Merkmale rechtsextremer Gruppierungen
4.1.1 Die Sprache der Nationalsozialisten
4.1.2 Die Sprache der neonazistischen Parteien
4.1.3 Die Sprache der „autonomen Nationalisten“
4.2 Die Träger der Sprache
4.2.1. Printmedien
4.2.2 Musik Neue Medien
4.3 Bedeutung der Sprache für den Rechtsextremismus

5.Fazit

Literaturverzeichnis:

Anhang

"Was jemand willentlich verbergen will, sei es vor anderen, sei es vor sich selber, auch was er unbewußt in sich trägt: die Sprache bringt es an den Tag."

Victor Klemperer

1. Einleitung

In Deutschland gibt es 2010 ca. 30.000 Rechtsextreme. Davon gelten 9.500 als gewaltbereit. Darüber hinaus stimmen 37% der Deutschen der Aussage zu, dass "Die Ausländer [...] nur hierher [kämen], um unseren Sozialstaat auszunutzen." und 45,8% sind der Meinung, es gäbe zu viele Ausländer in Deutschland. "[1]

Diese erschreckenden Zahlen zeigen, dass das Thema Rechtsradikalismus auch 70 Jahre nach der Machtergreifung Hitlers und den unbegreiflichen Folgen des Regimes aktueller ist denn je. Aussagen wie die oben aufgeführte, spiegeln deutlich die Ideologie und die Überzeugung, welche dahinter steht. Vor allem die Wahl der Worte, die Verwendung von speziellen Begriffen und rhetorischen Mitteln lassen diese Ideologie zugänglich werden – und genau darin besteht die Gefahr!

In der vorliegenden Facharbeit im Rahmen des Deutsch Profilkurs setze ich mich mit der Bedeutung und der Verwendung von Sprache Rechtsextremer auseinander. Anhand vielfältiger Zitate möchte ich versuchen, dem Leser einen Einblick in diese Thematik zu verschaffen.

Einleitend werden die zentralen Begriffe dieser Facharbeit kurz definiert. Im Hauptteil werden die spezifischen sprachlichen Merkmale verschiedener rechtsextremer Gruppierungen vorgestellt und anschließend die bedeutendsten Träger der Sprache erläutert.

Dem knapp bemessenen Umfang der Facharbeit, aufgrund der beschränkten Seitenanzahl, steht das Ausmaß dieser Thematik gegenüber, was mich bedauerlicherweise dazu angehalten hat, mich in wesentlichen Aspekten auf das Wichtigste zu beschränken. Ich bitte, dieses zu beachten.

2. Sprache im politischen Kontext

Sprache ist klassen- und schichtneutral, erhält jedoch im politischen Kontext eine ideologische Verwendung.[2] „Bei der ideologiegebundenen Sprache entwickelt sich allerdings nicht nur ein bestimmter ideologiegeprägter Wortschatz - es bildet sich vor allem ein ideologischer Jargon heraus“[3], welcher sich in der "Wahl einer Äußerung hinsichtlich ihrer Bedeutung oder der Wahl eines Inhalts [manifestiert], aber auch in der Berücksichtigung der Adressatengruppe."[4]

Seit den frühen 1950er Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler mit der politischen Funktion von Sprache.

Die grundsätzliche Annahme der wissenschaftlichen Betrachtung liegt darin, dass politische Sprache Realität konstruiert, mit dem Ziel der öffentlichen Meinungsbildung durch spezifische Argumentationstechniken, Begriffe, Bilder, Metaphern und Symbole. Politische Sprache hat eine öffentlichkeitsgebundene Wirkung und ist ein soziales bzw. soziokulturell geprägtes Produkt und steht im situativen bzw. gesellschaftlichen Kontext. Als wichtige Vertreter sind der US-amerikanische Politologe Murray Edelman, der Grundlage für weitere Forschungen im Bereich Sprache und Rassismus schaffte, und der deutsche Philosoph Ulrich Sarcinelli, zu nennen.[5]

3. Rechtsextremismus

Für ein besseres Verständnis der folgenden Ausführung ist es sinnvoll den Begriff Rechtsextremismus zu definieren.

Die rechtsextreme Szene ist keine homogene Gruppierung. Zutreffend auf die Weltanschauung sämtlicher rechtsextremer Gruppierungen ist jedoch,"[...] daß [sic!] sie 1. jede auf Vernunft gegründete, von der Idee der Befreiung des Menschen geleitete Lebensform fundamental ablehnt und 2. umfassende, handlungsanleitende Bezüge hat; sie ergeben sich daraus, daß [sic!] hier nicht Positionen hinterfragt und diskutiert werden, denn das Welt- und Menschenbild der Rechten orientiert sich ja an vorgeblich ewigen Naturgesetzen und der historischen Größe des Volkes."[6]

Auch ist festzuhalten, dass bei deutschen Rechtsextremisten in der Regel eine „[...] Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus“[7] anzutreffen ist. Ebenfalls ist eine "[...] Kritik an der angeblich bis heute fortschreitenden amerikanischen Umerziehungspolitik und ihren Folgen [...]"[8] vorherrschend. Darüber hinaus sind bei vielen Rechtsextremen „[...] antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Einstellung[en]“[9] vorzufinden.

Gessenharter formuliert zutreffend: "Als rechtsextrem kann man Personen, Organisationen, Gruppen bezeichnen, die autoritäres, antipluralistisches (sic!), antiparlamentarisches, zivilisationskritisches und nationalistisches (besonders fremdgruppenvorurteilsbehaftetes) Gedankengut vertreten und bei denen zu dieser, politischen Philosophie' noch ein rigides, auf Entweder-Oder-Dichotomien fixiertes Gedankenschema hinzutritt."[10]

4. Die Sprache der Rechtsextremisten

4.1 Sprachliche Merkmale rechtsextremer Gruppierungen

4.1.1 Die Sprache der Nationalsozialisten

Die Sprache der Nationalsozialisten zeichnet sich durch verschiedene sprachliche Besonderheiten aus. Am auffälligsten ist dabei die überaus häufige Verwendung von Euphemismen – beschönigende Umschreibungen eines negativ konnotierten Begriffes. Als Beispiel für diese Euphemismen ist der Begriff „Judenfrage“ zu sehen, welcher ja nichts anderes als die physische Vernichtung allen jüdischen Lebens bedeutete[11] oder auch der Begriff „evakuieren“, was in der nationalsozialistischen Realität bedeutete, KZ Häftlinge auf lange Todesmärsche zu schicken – also nicht sie in Sicherheit zu bringen – und zu vernichten.[12]

Darüber hinaus gab es im Nationalsozialismus eine Affinität zu Superlativen wie „der totale Krieg“, um das deutsche Volk als etwas ganz besonderes herauszustellen.

Auch die Enthumanisierung des Gegners spielte eine wesentliche Rolle, um die Ziele des Nazismus durchzusetzen. So wurde am 06.04.1941 die Presse angewiesen, von Sowjetsoldaten nur noch als „Sowjetarmisten“, „Bolschewisten“ oder „Bestien“ zu berichten, um es einfacher zu machen, sie zu hassen.[13]

4.1.2 Die Sprache der neonazistischen Parteien

In Deutschland gibt es zurzeit drei[14] große neonazistische Parteien. Die bedeutendste dieser Parteien ist die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD). In den folgenden Ausführungen werde ich mich deshalb auf diese beschränken.

Gegründet wurde die NPD 1964. Sie hat heute etwa 7000 (Stand 2007) Mitglieder, ist in zwei Landtagen (Mecklenburg Vorpommern und Sachsen) vertreten und hat fast 200 kommunale Mandatsträger.[15]

Lange Zeit versuchte die NPD sich als koalitionsfähige Partei zu geben, radikalisierte sich aber mit dem Amtsantritt Udo Voigts. So stellt die NPD die Rechtmäßigkeit des Grundgesetzes infrage[16] und behauptet, dass "[...] die Grundrechtsbestimmungen [...] vor Menschenrechtstümelei [triefen] und [...] Deutsche im eigenen Land de facto mit Ausländern gleich [stellen]“.[17]

[...]


[1] Rechtsextremismus kompakt in Stichworten und Zahlen | Netz gegen Nazis; Auslassungen: K.R.

[2] (vgl.) Ickes 2008, S. 36

[3] Ickes 2008, S. 37

[4] Ickes 2008, S. 34

[5] (vgl.) Beilecke 04.01.2000

[6] Hoffmann 1999, S. 16

[7] Ebd., S. 14; Auslassung: K.R.

[8] Hoffmann 1999, S. 18; Auslassungen: K.R.

[9] Kulick, Staud 2010, S. 14–15; Auslassung: K.R.; Einfügung: K.R.

[10] Hoffmann 1999, S. 16

[11] (vgl.) Forster 2009, S. 209–210

[12] (vgl.) Forster 2009, S. 206

[13] (vgl.) Leßmann 19.04.2006, S. 5

[14] NPD, DVU, Republikaner

[15] (vgl.) NPD - Geschichte

[16] (vgl.) Jürgen W. Gansel 19.05.2007, S. 29

[17] Jürgen W. Gansel 19.05.2007, S. 30; Auslassungen: K.R.; Einfügungen: K.R.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Sprache des Rechtsextremismus
Untertitel
Wie nutzt der Rechtsextremismus die Sprache?
Note
2
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V167873
ISBN (eBook)
9783640853618
ISBN (Buch)
9783640853892
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtsextremismus, Sprache, Nationalsozialismus, NPD, autonome Nationalisten, Neonazis, Rhetorik, Stilmittel, propaganda, Nazisprache
Arbeit zitieren
Kai Richter (Autor), 2010, Sprache des Rechtsextremismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167873

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Sprache des Rechtsextremismus



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden