1. Einleitung
1.1. Problemstellung und aktueller Bezug der Arbeit
Linksextremismus ist ein keineswegs neues Phänomen. Spätestens seit dem Entstehen von Konfliktlinien zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern durch die fortschreitende Industrialisierung spielt der Linksextremismus in vielen Ländern eine wichtige Rolle, und es existieren zahlreiche Parteien, die sich dem linksextremen Spektrum zuordnen lassen. Dennoch ist Linksextremismus ein wenig beachtetes Themenfeld. Extremismustheoretische Untersuchungen erwähnen zumeist lediglich den als größere Bedrohung empfundenen Rechtsextremismus. Linksextremismus wird dagegen deutlich seltener als politische Er-scheinungsform wahrgenommen. Somit ist ein Blick auf den linken Rand des Parteienspektrums lohnenswert. Dabei lassen sich durch den Vergleich zwischen deutschem und französischem Parteiensystem zugleich Rückschlüsse auf nationale Ausprägungen des Phänomens Linksextremismus ziehen.
Aktuell sind sowohl in Frankreich als auch in Deutschland interessante Entwicklungen im Bereich des parteipolitischen Linksextremismus zu beobachten. In Deutschland konnte sich in den letzten Jahren mit der Partei Die Linke erstmals eine linksextreme Partei längerfristig im Bundestag etablieren. Dagegen verliert die französische Parti Communiste Français (PCF) zunehmend an politischem Einfluss, während sich u.a. die neu gegründeten Parteien Nouveau Parti Anticapitaliste (NPA) und Parti de Gauche (PG) zumindest kurzfristig als ernstzunehmende Konkurrenz positionieren. Diese Entwicklungen entsprechen einem Novum in der Geschichte beider Länder, wie der historische Abriss in Kapitel 3 dieser Arbeit verdeutlicht. Die Veränderungen in der politischen Landschaft Deutschlands und Frankreichs werden somit zum Anlass für die vorliegende Untersuchung genommen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1. PROBLEMSTELLUNG UND AKTUELLER BEZUG DER ARBEIT
1.2. ZIELSETZUNG DER ARBEIT
1.3. METHODIK UND AUFBAU DER ARBEIT
2. FORSCHUNGSGEGENSTAND UND BEGRIFFLICHE ABGRENZUNG
2.1. VERGLEICH ZWISCHEN DEUTSCHEM UND FRANZÖSISCHEM PARTEIENSYSTEM
2.2. DEFINITION VON LINKSEXTREMISMUS
2.3. DEFINITION VON PARTEIEN
2.4. ABGRENZUNG LINKSEXTREMER PARTEIEN VON ANDEREN PARTEIEN
3. GESCHICHTE LINKSEXTREMER PARTEIEN IN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH SEIT 1945
3.1. DEUTSCHLAND
3.1.1. Kommunistische Partei Deutschlands und Deutsche Kommunistische Partei
3.1.2. Trotzkistische Parteien
3.1.3. Sozialistische Einheitspartei Deutschlands
3.1.4. Maoistische Parteien der ‚Neuen Linken’
3.1.5. Die Linke und ihre Vorgängerorganisationen PDS und WASG
3.2. FRANKREICH
3.2.1. Parti Communiste Français
3.2.2. Trotzkistische Parteien
3.2.2.1. Lutte Ouvrière
3.2.2.2. Ligue Communiste Révolutionnaire und Nouveau Parti Anticapitaliste
3.2.3. Maoistische Parteien
3.2.4. Parti Socialiste Unifié
3.2.5. Parti de Gauche
4. GRUNDSATZPROGRAMME AKTUELLER LINKSEXTREMER PARTEIEN
4.1. DEUTSCHLAND
4.1.1. Die Linke und ihre Vorgängerorganisationen PDS und WASG
4.1.2. Deutsche Kommunistische Partei
4.1.3. Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands
4.2. FRANKREICH
4.2.1. Parti Communiste Français
4.2.2. Trotzkistische Parteien
4.2.2.1. Lutte Ouvrière
4.2.2.2. Nouveau Parti Anticapitaliste und Ligue Communiste Révolutionnaire
4.2.3. Parti de Gauche
4.3. VERGLEICH DER PARTEIPROGRAMME LINKSEXTREMER PARTEIEN IN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH
5. MITGLIEDERSTRUKTUREN UND WÄHLERPOTENTIALE AKTUELLER LINKSEXTREMER PARTEIEN
5.1. DEUTSCHLAND
5.1.1. Die Linke und ihre Vorgängerorganisationen PDS und WASG
5.1.1.1. Die Mitglieder der Linken
5.1.1.2. Die Wähler der Linken
5.1.2. Sonstige Parteien
5.2. FRANKREICH
5.2.1. Parti Communiste Français
5.2.1.1. Die Mitglieder der Parti Communiste Français
5.2.1.2. Die Wähler der Parti Communiste Français
5.2.2. Trotzkistische Parteien
5.2.2.1. Lutte Ouvrière
5.2.2.2. Ligue Communiste Révolutionnaire und Nouveau Parti Anticapitaliste
5.2.3. Parti de Gauche
5.3. VERGLEICH DER MITGLIEDERSTRUKTUREN UND WÄHLERPOTENTIALE LINKSEXTREMER PARTEIEN IN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH
6. SOZIOPOLITISCHER KONTEXT LINKSEXTREMER PARTEIEN
6.1. NEUE SOZIALE BEWEGUNGEN (ANTIATOMKRAFTBEWEGUNG)
6.2. ANTIGLOBALISIERUNGSPROTESTE
6.3. PROTESTE GEGEN SOZIALABBAU
6.4. VERGLEICH DES SOZIOPOLITISCHEN KONTEXTES LINKSEXTREMER PARTEIEN IN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH
7. FAZIT
7.1. ZUSAMMENFASSENDER VERGLEICH ZWISCHEN DEUTSCHEN UND FRANZÖSISCHEN LINKSEXTREMEN PARTEIEN
7.2. AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist der vergleichende Analyseansatz zwischen deutschen und französischen linksextremen Parteien. Dabei wird untersucht, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Parteienlandschaft existieren und welche Faktoren den Erfolg oder Misserfolg dieser Parteien beeinflussen, insbesondere unter Berücksichtigung ideologischer Ausrichtungen, Programmdokumente sowie Mitglieder- und Wählerpotentiale.
- Historische Entwicklung linksextremer Parteien in Deutschland und Frankreich seit 1945.
- Analyse der Grundsatzprogramme zur ideologischen Verortung und Positionierung.
- Untersuchung der Mitgliederstrukturen und Wählerpotentiale zur Erfolgsmessung.
- Bedeutung des soziopolitischen Kontextes und der Rolle bei Protestbewegungen.
- Vergleichende Analyse der Parteiensysteme und der rechtlichen Rahmenbedingungen.
Auszug aus dem Buch
Vergleich zwischen deutschem und französischem Parteiensystem
Französisches und deutsches Parteiensystem scheinen auf den ersten Blick ähnlich aufgebaut. In beiden Ländern wirken die Parteien im Rahmen eines demokratischen Verfassungsstaats, auch viele der Parteienfamilien (z.B. die Sozialdemokratie und die Grünen) sind in beiden Ländern gleichermaßen vertreten. Dennoch weisen beide Parteiensysteme aufgrund ihrer Geschichte und Rechtsnormen deutliche Unterschiede auf. Um einen Vergleich von Parteien beider Länder durchzuführen, ist es daher notwendig, die Bedingungen ihrer Existenz im jeweiligen System zu betrachten.
Französische und deutsche Parteien entstanden zu unterschiedlichen Zeiten. Während in Deutschland die ersten Parteien in den 1860er Jahren entstanden (die Deutsche Fortschrittspartei 1861, der Allgemeine Deutsche Arbeiterverband 1863), wurden die französischen Parteien erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründet (die Parti radical 1901, die Section Française de l’Internationale Ouvrière 1905). Hüser erklärt das zeitlich versetzte Auftreten der Parteien mit den jeweiligen politischen und historischen Besonderheiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einleitung in das Thema, Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit zur vergleichenden Untersuchung linksextremer Parteien.
2. FORSCHUNGSGEGENSTAND UND BEGRIFFLICHE ABGRENZUNG: Definitionen von Linksextremismus und Parteien sowie Vergleich der parteipolitischen Systeme in Deutschland und Frankreich.
3. GESCHICHTE LINKSEXTREMER PARTEIEN IN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH SEIT 1945: Historischer Abriss über die Entwicklung relevanter Parteien und Gruppierungen in beiden Ländern seit 1945.
4. GRUNDSATZPROGRAMME AKTUELLER LINKSEXTREMER PARTEIEN: Inhaltliche Analyse der ideologischen Grundlinien, Selbstverständnisse und politischen Ziele aktueller Parteien.
5. MITGLIEDERSTRUKTUREN UND WÄHLERPOTENTIALE AKTUELLER LINKSEXTREMER PARTEIEN: Empirische Betrachtung von Mitgliederzahlen, Wählerpotentialen und soziologischen Merkmalen der Parteianhänger.
6. SOZIOPOLITISCHER KONTEXT LINKSEXTREMER PARTEIEN: Untersuchung der Beteiligung an sozialen Bewegungen, Protesten und die Rolle der Parteien außerhalb des Parlaments.
7. FAZIT: Zusammenfassender Vergleich der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im linksextremen Spektrum.
Schlüsselwörter
Linksextremismus, Deutschland, Frankreich, Parteiensystem, Parteiprogramme, Wählerpotential, Mitgliederstrukturen, Sozialer Kontext, Systemüberwindung, Kommunismus, Trotzkismus, Maoismus, Protestbewegungen, Programmanalyse, Ideologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einem rechts- und politikwissenschaftlichen Vergleich linksextremer Parteien in Deutschland und Frankreich unter Berücksichtigung ihrer Programme, Wählerpotentiale und Einbettung in den gesellschaftlichen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Geschichte der linksextremen Parteien seit 1945, deren programmatische Ideologien (kommunistisch, trotzkistisch, maoistisch) sowie deren soziologische Mitglieder- und Wählerzusammensetzung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen linksextremen Parteien in beiden Ländern zu identifizieren und die spezifischen Erfolgsfaktoren für diese Parteien zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende, qualitative Programmanalyse sowie eine Auswertung statistischer Daten zu Mitgliederstrukturen und Wahlergebnissen vorgenommen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Wurzeln, die ideologischen Ausrichtungen durch Programmanalyse sowie die Einflüsse auf außerparlamentarische Protestbewegungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Linksextremismus, Parteiensystem, Programmvergleich, Wählerpotential, Kommunismus, Trotzkismus, Protestbewegung.
Wie wird "Linksextremismus" in dieser Arbeit definiert?
Die Arbeit nutzt primär eine Negativdefinition, die Extremismus als Ablehnung der demokratischen Grundwerte und des Verfassungsstaates beschreibt, um Parteien in das linksextreme Spektrum einzuordnen.
Warum ist die PCF Gegenstand der Untersuchung?
Obwohl die PCF in Frankreich oft als etablierte Partei wahrgenommen wird, erfüllt sie aufgrund ihrer fortbestehenden marxistisch-leninistischen Ideologie und ihrer Ziele die Kriterien der Arbeit für einen Vergleich mit anderen kommunistischen Parteien.
- Citation du texte
- Lena Koch (Auteur), 2010, Linksextremismus im deutsch-französischen Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167893