Mussolinis Faschismus bis zur Diktatur


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
25 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Thema, Fragestellung und Eingrenzung
1.2. Quellenlage und Forschungsstand

2. Von der Poebene ins Parlament
2.1. Die Männer der ersten Stunde
2.2. Wurzeln schlagen

3. Die Bewegung am Scheideweg
3.1. Interner Widerstand
3.2. Neuer Aufschwung

4. Der Marsch auf Rom

5. Der Ministerpräsident auf dem Weg zum Diktator

6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Betrachtung der Arbeit Mussolinis Faschismus bis zur Diktatur

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Thema, Fragestellung und Eingrenzung

„…Faschismus ist eine breite Mobilisierung materieller und moralischer Kräfte. Was setzt er sich als Ziel? Wir sagen es ohne falsche Bescheidenheit: die Nation regieren. Mit welchem Programm? Mit dem erforderlichen Programm, um die moralische und materielle Größe des italienischen Volkes zu gewährleisten.“[1]

Mit diesem Ausspruch Mussolinis wird die Entwicklung und Veränderbarkeit seines Faschismus verdeutlicht, die in der Arbeit mit dem Thema „Mussolinis Faschismus bis zur Diktatur“ dargestellt werden soll. Für viele Menschen ist der Faschismus eine einfache Sache, die mit Diktatur und Terror zu tun hat. Diese Hausarbeit wird zeigen, dass diese Sichtweise nicht ganz so einfach zu sehen ist. Vor allem in seinen Anfängen war der Faschismus Mussolinis etwas ganz anderes als das, zu dem er schließlich mit Mussolinis Machtübernahme wurde und heute allgemein bekannt ist. Begründet wurde der Faschismus als sozialistische Bewegung, die sich vor allem auf die Verachtung der gesellschaftlichen Eliten stützte und mit deren Mitgliedern, die die „Fasci di Combattimento“ gründeten, eine sehr heterogene Gruppe bildete. Die durch Mussolini ausgerufene Revolution sollte nicht nur Italien erfassen, sondern auch immer wieder seine eigenen Kampfgefährten. Diese Revolution hatte aber auch mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, andauernd sagten sich alte Gefährten von Mussolinis Bewegung los, da er für das Ziel der Machterlangung alte Ideale aufgab, ersetzte und mit vormaligen ausgewiesenen Gegnern Verbindungen einging. Ein weiteres Problem den Faschismus einfach zu definieren, ist dass nach Niederlagen Mussolini daran ging die Bewegung umzustrukturieren und von einer linken Ausrichtung einen Rechtsruck vollzog. Besonders auffällig ist, dass sich Mussolini dabei von Gefühlen und den vorherrschenden Umständen zur Herausbildung seiner Bewegung leiten ließ.

Einer der wichtigsten Komponenten war der Terror. Mit den „Squadres“ wurden systematisch aber auch außerhalb der Kontrolle Mussolinis Gegner eingeschüchtert, zusammen geschlagen oder sogar getötet. Diese Aktionen gingen oft soweit, dass es den Anschein hatte, dass Mussolini keine Macht über seine Gefolgsleute hatte.

Dies war auch oft genug der Fall, wenn sich gemäßigte oder extreme faschistische Kräfte gegen den Kurs Mussolinis aussprachen und versuchten Druck auf ihn auszuüben. Deswegen kam es auch nicht selten zu Abspaltungen ehemaliger Kampfgefährten. Mit dem Zuwachs an Annerkennung unter den gesellschaftlichen Eliten konnte Mussolini den Verlust der alten Gefährten kompensieren, indem er dort seine neuen Anhänger und Unterstützer fand. Diese Entwicklung zeigte vor allem, das der Faschismus keiner philosophischen universellen Position entstammt, sondern eine den Umständen und Anführer entsprechende Bewegung war, die es Mussolini ermöglichte seinen Faschismus von einer linken zu einer rechten Gruppierung zu transformieren. Dabei zeigte sich vor allem auch, dass die Täuschung weiter politischer Kreise sowie der Öffentlichkeit den Faschismus in seiner wahren Zielsetzung immer wieder verschleierte und die Nutzung der demokratischen Möglichkeiten ihn sogar als demokratische Alternative erscheinen ließ. So waren viele Politiker der Meinung, dass der Faschismus sich durch die Einbindung in eine demokratische Regierung von allein mäßigen werde. Erst mit der Machtergreifung war es Mussolini möglich seinen Faschismus und die darin enthaltende Staatsvorstellung von einem diktatorischen Führerstaat zu verwirklichen. Trotz der breiten Unterstützung Mussolinis in der Bevölkerung wurde eine völlige Durchdringung der Gesellschaft nie erreicht, obwohl der Faschismus mit Mussolinis Machübernahme die neue politische und gesellschaftliche Ausrichtung Italiens wurde.

1.2. Quellenlage und Forschungsstand

Als Basis für diese Arbeit haben sich die Werke von Walter Rauscher[2], Giovanni de Luna[3] und Nicholas Farrell[4] bewert. Vor allem Rauscher gibt einen sehr detaillierten Überblick über die Entstehungsgeschichte des italienischen Faschismus und den Werdegang Mussolinis.

Farrell zeichnet sich dadurch aus, dass er eine genaue Betrachtung von Mussolinis politischen Leben durchführt und de Lunas Arbeit wird durch den Beleg mit vielen Zitaten Mussolinis wertvoll und gibt einen besseren Einblick in den Faschismus Mussolinis. Alle drei Arbeiten geben eine gute Übersicht über den Forschungsstand, die einschlägigen Quellen, sowie Literatur.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil sind die Untersuchungen Robert O Paxtons, zur Beschaffenheit und zum Aufbau des Faschismus. Für diese Arbeit ist dabei seine Betrachtung über die Anfangsjahre und Etablierung des Faschismus in der Poebene von Bedeutung.

Bei der Auseinandersetzung mit der Thematik des „Marsch auf Rom“ und den Ereignissen um die Machtergreifung kristallisiert sich das Werk von Hans Woller als sehr aufschlussreich heraus, den Mythos des „Marsch auf Rom“ zu entzaubern und die wirklichen Gegebenheiten darzustellen.

2. Von der Poebene ins Parlament

2.1. Die Männer der ersten Stunde

In seinen Anfängen war der von Mussolini begründete italienische Faschismus eine sozialistische Bewegung. Diese war parlamentarisch national ausgerichtet und obwohl sie noch immer von linkem Gedankengut getragen wurde, bildete sie ein radikalpatriotisches Pendant zum Bolschewismus. Mussolinis Ideologie stützte sich auf die Verachtung der Kirche, Monarchie, der liberalen Demokratie und des Besitzbürgertums. Des Weiteren wurde seine Ideologie durch die positiven Erkenntnisse, die er im Krieg gewonnen hatte, erweitert. So suchte er nach Treue und Gefolgschaft und hatte keine Lust sich mit politischen Intellektuellen und innerparteilichen Auseinandersetzungen zu befassen. Daher war es sein Bestreben, über bedingungslos gehorsame Anhänger zu verfügen, die sein Wort, welches Gesetz sein sollte, ohne Widerspruch in die Tat umsetzten, wenn nötig auch mit Gewalt.[5]

Im Gebäude der Industrie- und Handelskammer auf der Mailänder Piazza San Sepolcro gründete Mussolini am 23. März 1919 die „Fasci di Combattimento“(Kampfbünde).[6] Unter den ersten Mitgliedern waren Nationalisten, Anarchisten, Republikaner, Kommunisten, Liberale, Futuristen und die „Arditi”, wild entschlossene, oft vorbestrafte Frontkämpfer und Elitesoldaten, zu finden. Diese bildeten auch den Kern der Bewegung. Der Hauptpunkt ihres Programms lag in der Rechtfertigung der Kriegsbeteiligung Italiens und der Wille für die Verteidigung Italiens zu töten und zu sterben. Obwohl die Mailänder Versammlung in der Öffentlichkeit nur wenig Widerhall erfuhr, bildeten sich in den darauffolgenden Tagen in den meisten größeren italienischen Städten faschistische Kampfbünde.[7] Die erste große Aufmerksamkeit zog diese neue faschistische Organisation mit dem Überfall auf die Redaktion „Avanti“ am 15. April 1919 auf sich. Mit diesem Überfall hatte nach Mussolini „die erste Episode des Bürgerkrieges stattgefunden.“[8] Bei den Straßenschlachten war Mussolini nicht entgangen, dass die Polizei nur zögernd einschritt, als es zu Verletzten unter den Anhängern der Linken kam und dass sich die Sozialisten kaum zur Wehr setzten. Diese Erfahrungen überzeugten ihn davon bewaffnete Stoßtrupps aufzustellen, die im Notfall auch entschlossen waren zu schießen.[9]

Durch Auftritte und Reden im ganzen Land versuchte er ein großes und starkes Italien zu propagieren und seine Vorstellungen einer Revolution zu verbreiten. So gab er den Faschisten ein nationales Programm einer durch und durch italienischen Bewegung, in der alle Überzeugungen und Klassen geeint waren, um Italien im internationalen Leben die Stellung zu geben, die es durch den Sieg im Ersten Weltkrieg verdient hatte.[10]

Außenpolitisch forderte Mussolini die italienische Vorherrschaft über die Adria, die damit verbundene Annexion der dalmatinischen Küste und die Aufteilung des neugeschaffenen Königreichs Jugoslawien in kleine kroatische, serbische und slowenische Staaten. Zudem sollte die Annektierung der Hafenstadt Fiume durch seine Faschisten eine beispielgebende Aktion der Revolte gegen die „angelsächsische Tyrannei“ darstellen und so zu einem heroischen Werk der nationalen Selbstbehauptung werden.

Im September 1919 war es jedoch der Dichter und Kriegsheld Gabriele D’Annunzio, welcher mit meuternden Soldaten die Stadt Fiume erobern sollte und Mussolini die Angst einflößte ihn aus dem öffentlichen Rampenlicht zu verdrängen.[11] Die zögernde Haltung Mussolinis veranlasste D’Annunzio ihn als Feigling zu bezeichnen, da dieser auch nicht bereit gewesen war den von D’Annunzio vorgeschlagenen „Marsch auf Rom“ durchzuführen. Obwohl Mussolini alles daran setzte, D’Annunzio nicht so dastehen zu lassen, als das er Mussolini an revolutionären Elan und Tapferkeit übertreffe, büßte Mussolini stark an Ansehen ein.[12]

Mussolini verließ sich in dieser Lage auf die Parlamentswahlen von 1919. Das Ergebnis war allerdings sehr enttäuschend, da die Sozialisten den Sieg errangen und die Faschisten noch nicht mal in das Parlament einzogen. Nach dieser schweren Niederlage lösten sich viele „Fasci“ wieder auf und Mussolini und einige andere Parteiführer wurden wegen Waffenbesitzes sogar verhaftet. Obwohl er schnell wieder frei gelassen wurde, schien seine politische Karriere zu diesem Zeitpunkt, aufgrund der Wahlniederlage und der schwierigen finanziellen Situation beendet zu sein.[13]

2.2. Wurzeln schlagen

Eine neue Chance den Faschismus doch noch zu etablieren ergab sich durch die Herrschaftsausübung der Sozialisten. Diese hatten nach ihrem Wahlsieg die Kontrolle über den Arbeitsmarkt auf kommunaler Ebene an sich gerissen und verängstigten und demütigten durch ihren Machtmissbrauch die Landbesitzer und Gutsherren. Diese konnten keine Hilfe vom Staat erwarten, da die entsprechenden Behördenvertreter entweder selber Sozialisten waren oder nicht geneigt waren sich mit diesen anzulegen. So wandten sich die Großgrundbesitzer an die „camicie nere“, die Schwarzhemden. Dieser Hilferuf und die Ermordung eines nationalistischen Kommunalabgeordneten führten dazu, dass am 21. November 1920 faschistische „squadre“[14] das Rathaus von Bologna stürmten und dabei sechs Menschen ums Leben kamen.

Ausschreitungen breiteten sich darauf hin schnell bis zum Podelta aus und hatten zur Folge, dass zwischen dem 1. Januar und dem 7.April 1921 102 Menschen ihr Leben lassen mussten.[15]

[...]


[1] de Luna. S. 46.

[2] Rauscher, Walter: Hitler und Mussolini, Macht, Krieg und Terror, Graz/Wien/Köln 2001.

[3] de Luna, Giovanni: Benito Mussolini, in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek bei Hamburg 2000.

[4] Farrell, Nicholas: Mussolini, A New Life, London 2003.

[5] Rauscher: S. 53.

[6] Farrell: S. 80.

[7] Rauscher: S. 54.

[8] de Luna: S. 37.

[9] Mack Smith: S. 70f.

[10] Rauscher: S. 56.

[11] Nolte: S. 34.

[12] Mack Smith: S. 72f.

[13] Rauscher: S. 58f.

[14] „squadre“ wurden durch ehemalige Stoßtruppen gebildet, zu denen sich brutale Schläger, Desperados, Halbstarke und Sadisten gesellten. Rauscher: S. 63.

[15] Farrell: S. 99.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Mussolinis Faschismus bis zur Diktatur
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
25
Katalognummer
V167944
ISBN (eBook)
9783640848379
ISBN (Buch)
9783640844937
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kampfbund, D'Annunzio, Marsch auf Rom, camicie nere, squadre, Fasci, squadristi, San Sepelero, ras, Duce, Balbo, Facta, Giolitti, Salandra, Pratito Nazionale Fascista
Arbeit zitieren
MAGISTER ARTIUM Karsten Mertens (Autor), 2008, Mussolinis Faschismus bis zur Diktatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167944

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