Heute ist die Rede von Kreativität zur gängigen Münze geworden. Kreativität zählt neben
Innovation, Flexibilität oder Dynamik zu den Zauberworten unserer Zeit.1 Die Metaphern
gehören zum traditionellen Apparat rhetorischer Mittel. Eine Metapher vertritt dabei in
besonderer Weise die Aufgabe, kreativ zu wirken, durch Übertragung eines Wortes auf einen
anderen, ihm nicht angestammten Verwendungszusammenhang überraschende, neue
Einsichten zu ermöglichen oder wenigstens durch einen Bruch des zu erwartenden
Zusammenhangs die Aufmerksamkeit auf ungewöhnliche Zusammenhänge oder neue
Gedanken zu lenken.2 Soweit die Theorie. Dass die Metapher – neben Symbol und Allegorie
die Hauptform uneigentlicher Rede – als eine Form des kreativen Sprechens bestehen kann,
ist nach Hallich (2005) unbestritten. Wer beispielweise des Leben eine Baustelle nennt, die
rosarote Brille trägt, in der Warteschlange steht, auf den Hund gekommen ist, Jemandem
nicht das Wasser reichen kann oder Ihm das Herz bricht, der ist kreativ insofern, als dass er
einen uns vertrauten Gegenstandsbereich auf eine Weise versprachlicht, die diesen in einem
neuen Licht erscheinen lässt. Worin jedoch genau die kreative Dimension metaphorischen
Sprechens besteht, ist seit den Anfängen der Metaphernstheorie bei Aristoteles umstritten.
Daher stellt sich die Frage, inwieweit die kreative Dimension der Metapher genauer
bestimmt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ein Zugang zum Begriff der Kreativität
3. Zur Theorie der Metapher
4. Die Kreativität metaphorischen Sprechens
4.1. Die kreative Dimension metaphorischen Sprechens
4.2. Konsequenzen für die Bestimmung des Kreativitätsbegriffes
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht die kreative Dimension metaphorischen Sprechens aus einer sprachwissenschaftlichen und philosophischen Perspektive. Ziel ist es, zu klären, inwieweit die Kreativität von Metaphern präziser bestimmt werden kann und welche Rolle sie als Motor für Innovationen in Sprache und Wissenschaft spielt.
- Grundlagen und Definitionen des Kreativitätsbegriffs.
- Theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen Metapherntheorien.
- Analyse der Selektivität und der Bildlogik bei metaphorischem Sprechen.
- Die heuristische Funktion von Metaphern in der wissenschaftlichen Wissensgenerierung.
Auszug aus dem Buch
4.1. Die kreative Dimension metaphorischen Sprechens
Die kreative Dimension metaphorischen Sprechens lässt sich durch zwei Faktoren näher beschreiben: Zum Einen durch die Selektivität der Metapher. Dabei spielt die Tatsache eine Rolle, dass nur einige der Wirkungen, die Bildspender und Bildempfänger auf die Empfindungen und Gefühle eines Subjekts haben, in der Metapher aktualisiert werden. Zum Anderen ist ein weiterer Faktor durch das Mitschwingen der nicht unmittelbar aktualisierten Wirkungen des Bildspenders bestimmt. Diese beiden Faktoren sollen nun ausführlicher erläutert werden. Zunächst zum ersten Faktor. Eine Metapher ist durch ihre Selektivität kreativ, weil bei ihrer Etablierung immer lediglich bestimmte Wirkungen des Bildspenders und des Bildempfängers aktualisiert und andere nicht beachtet werden. So kann beispielsweise gesagt werden, dass ‚die Sonne lacht‘, weil einige Wirkungen des Lichtes einiger Wirkungen des Lachens ähnlich sind, da beide vergleichbar positive Empfindungen hervorrufen. Demzufolge gibt es eine Schnittmenge ähnlicher Wirkungen von Bildspender und Bildempfänger. Die Kreativität der Metapher liegt darin, die Aufmerksamkeit des Adressaten der metaphorischen Äußerung auf genau diese Schnittminge zu leiten. Dabei kann die Metapher umso kreativer sein, je weniger augenfällig bzw. auffällig diese Schnittmenge ist. Eine Metapher kann deswegen kreativ sein, weil es eben keine vorgängige Ähnlichkeit zwischen beiden Bildhälften existiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Kreativität als Zauberwort unserer Zeit ein und fragt nach der spezifisch kreativen Dimension metaphorischen Sprechens.
2. Ein Zugang zum Begriff der Kreativität: Dieses Kapitel liefert eine begriffliche Klärung von Kreativität aus verschiedenen disziplinären Blickwinkeln und unterscheidet zwischen technischen und alltagssprachlichen Definitionen.
3. Zur Theorie der Metapher: Es werden zentrale Metapherntheorien wie die Substitutions-, Vergleichs- und Interaktionstheorie vorgestellt, um die Beziehung zwischen Bildspender und Bildempfänger zu beleuchten.
4. Die Kreativität metaphorischen Sprechens: Dieser Hauptteil analysiert, wie Selektivität und Bildlogik Metaphern zu einem Werkzeug der Bedeutungsproduktion und wissenschaftlichen Innovation machen.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Metaphern zwar ein Risiko der Fehlinterpretation bergen, aber essenziell für die Erschließung neuer Welterfahrung und wissenschaftlicher Erkenntnisse sind.
Schlüsselwörter
Kreativität, Metapher, Bildspender, Bildempfänger, Sprache, Innovation, Interaktionstheorie, Selektivität, Bildlogik, Wissensgenerierung, sprachwissenschaftliche Perspektive, Begriffsklärung, Metapherntheorie, Bedeutungsproduktion, wissenschaftlicher Diskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle von Kreativitätsforschung und Metapherntheorie, insbesondere damit, wie metaphorische Sprache neue Einsichten und Innovationen ermöglicht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Kreativität, klassische und moderne Metapherntheorien sowie die heuristische Funktion von Bildern im Denken und in der Wissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die "kreative Dimension" der Metapher theoretisch fundiert zu bestimmen und zu zeigen, wie sie über die bloße Bildhaftigkeit hinaus unser Wahrnehmungsvermögen steuert.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Die Autorin wendet eine theoretisch-analytische Methode an, indem sie verschiedene philosophische und sprachwissenschaftliche Ansätze sichtet, vergleicht und synthetisiert.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse der Selektivität von Metaphern und deren Fähigkeit, durch "fortgesponnene" Bildlogik neue, unerwartete Zusammenhänge zu erschließen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind hierbei Kreativität, Interaktionstheorie, Bildspender, Bildempfänger, semantische Innovation und die heuristische Funktion der Metapher.
Warum spielt die Unterscheidung von Bildspender und Bildempfänger eine Rolle?
Die Unterscheidung hilft zu verstehen, wie Informationen zwischen verschiedenen Gegenstandsbereichen übertragen werden, um neue Bedeutungswelten zu erzeugen.
Wie beeinflussen Metaphern laut der Arbeit die Wissenschaft?
Metaphern fungieren in der Wissenschaft oft als "Vehikel der Innovation", indem sie Fragestellungen präformieren und den Forschenden eine spezifische Bildlogik vorgeben.
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- Carolin Bengelsdorf (Author), 2010, Zur Kreativität metaphorischen Sprechens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168010