In der Tat, auch Deutschland hat das Thema der ‚Work-Life-Balance‘ erreicht. Über
Jahre wurde das Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf als ein eher an den
Rand geschobenes Frauenthema abgestempelt. Doch es ist nicht mehr nur ein
Modewort mit temporärem Charakter. Mehr und mehr rückt es in den Mittelpunkt
wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Interessen. Work-Life-Balance ist ein
nachhaltig ernst zu nehmendes Thema mit hoher Bedeutung. Die aktuellen
öffentlichen Diskussionen belegen, dass die Bedingungen für ein ausgewogenes
Verhältnis zwischen Familie und Arbeit und der Familiengründung in Deutschland
schlechter als in anderen Ländern angesehen werden.1 Ein Blick über den Tellerrand
wäre hier vielleicht sinnvoll. Die skandinavischen Länder leisten im Vergleich zu
anderen Ländern wie der Bundesrepublik Deutschland erheblich mehr für die
Förderung der Familie. Auch das Thema der Gleichheit der Geschlechter besitzt in
Skandinavien einen hohen Stellenwert.2 Auch wenn der „skandinavische Weg“
vielleicht nicht eins zu eins auf ein Land wie Deutschland übertragen werden kann,
lohnt sich eine Auseinandersetzung allemal.
Die sich anschließende Arbeit soll in diesem Zusammenhang folgender These
zugrunde liegen:
Skandinavische Länder sind im Bezug von Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf
sehr weit entwickelt und die sozialen Sicherungssysteme, sowie der Ausbau
öffentlicher Kinderbetreuungseinrichtungen sind in den jeweiligen Ländern
außerordentlich gut fortgeschritten. Skandinavische Familie und insbesondere
Frauen haben mehr die Chance, ihre persönliche Balance zwischen der Arbeitswelt
und dem Privatleben zu erreichen.
Demzufolge stellt sich die Frage, inwieweit in diesem Zusammenhang auch der Staat
mögliche Einflüsse und Maßnahmen zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen
Arbeit und Familie beitragen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Ein Zugang zur Thematik Work-Life-Balance
2.1. Die Begriffe Work, Life und Balance
2.2. Definition von Work-Life-Balance
2.3. Was nützt Work-Life-Balance?
2.4. Maßnahmen von Work-Life-Balance
3. Work-Life-Balance in Skandinavien
3.1. Dänemark
3.2. Norwegen
3.3. Schweden
3.4. die skandinavischen Länder im Überblick
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unter dem Aspekt der Work-Life-Balance, mit einem spezifischen Fokus auf die skandinavischen Modelle und deren mögliche Lehren für Deutschland. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, inwieweit staatliche Maßnahmen und soziale Sicherungssysteme ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeits- und Privatleben begünstigen können.
- Theoretische Fundierung der Begriffe Arbeit, Freizeit und Work-Life-Balance
- Analyse des Nutzens von Work-Life-Balance für Beschäftigte, Unternehmen und die Gesellschaft
- Vergleichende Untersuchung der Familienpolitik in Dänemark, Norwegen und Schweden
- Evaluierung staatlicher Unterstützungsmaßnahmen und öffentlicher Kinderbetreuungssysteme
- Diskussion von Best-Practice-Beispielen in der skandinavischen Unternehmenspraxis
Auszug aus dem Buch
3.3. Schweden
Schweden, mit rund 9,3 Millionen Einwohnern gilt als Prototyp eines sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaates. Das Wohlfahrtssystem der schwedischen Regierung ist so aufgebaut und zielt darauf ab, dass jeder gefordert ist, am Arbeitsmarkt teilzunehmen. Die Erwerbsquote 2003 betrug 77,3 Prozent und die Erwerbstätigenquote belief sich auf 74,3 Prozent. Die gesetzliche Regelarbeitszeit beträgt 40 Wochenstunden. Der gesetzlich vorgeschriebene Regelurlaub beträgt 25 Tage. Der Entlassungsschutz ist größtenteils gesetzlich geregelt. Die Strategie der schwedischen Arbeitsmarktpolitik wird durch eine starke Qualifizierungs- und Beschäftigungsorientierung bestimmt. Nach den üblichen Indikatoren sind die Gleichstellungsbemühungen in Schweden im Vergleich aller europäischen Länder sehr weit fortgeschritten. Im Jahre 2001 waren 79 Prozent aller Frauen zwischen 16 und 64 Jahren berufstätig, bei Frauen mit einem Kind unter sieben Jahre waren es sogar 82 Prozent. Für die Förderung der Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt ruht die schwedische Politik auf drei Hauptpfeilern: Individualbesteuerung, öffentliche Kinderbetreuung und Elternurlaubsversicherung.
Die schwedische Familienpolitik ist ein Politikfeld, das oberste nationale Priorität genießt. Das Leitbild der Familienpolitik ist das sogenannte ‚Doppelversorgermodell‘, welches in der Soziologie auch unter dem Begriff des ‚universalen Ernährermodell‘ bezeichnet wird. Dieses Modell basiert auf der Annahme, dass innerhalb eines Haushaltes sowohl der Mann als auch die Frau in gleichermaßen erwerbstätig sind. Der Staat schuf seit den 1970er Jahren notwendige Rahmenbedingungen und familienpolitische Maßnahmen, die ganz auf das Leitbild berufstätiger Eltern ausgerichtet ist. In Schweden erfahren berufstätige Eltern relativ viel Unterstützung. Wenn ein Elternpaar vor der Geburt des Kindes einer Arbeit nachgegangen ist, fallen das Elternurlaubsgeld sowie das Angebot an öffentlicher Kinderbetreuung großzügig aus. Andernfalls wird für die gesamte Dauer des Elternurlaubs eine geringe Pauschalleistung gezahlt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung der Work-Life-Balance in Deutschland und stellt die These auf, dass skandinavische Sozialmodelle durch ihre fortgeschrittene Familienpolitik als Orientierung dienen können.
2. Ein Zugang zur Thematik Work-Life-Balance: Dieser Teil definiert die zentralen Begriffe und analysiert den Nutzen sowie die vielfältigen Maßnahmen zur Herstellung eines Gleichgewichts zwischen Berufs- und Privatleben.
3. Work-Life-Balance in Skandinavien: In diesem Hauptteil werden die spezifischen Familienpolitiken und Betreuungssysteme von Dänemark, Norwegen und Schweden detailliert untersucht und vergleichend gegenübergestellt.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für einen gesellschaftlichen Wertewandel und verstärktes staatliches Engagement bei der Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland.
Schlüsselwörter
Work-Life-Balance, Vereinbarkeit, Familie und Beruf, Skandinavien, Kinderbetreuung, Familienpolitik, Gleichstellung, Arbeitsmarkt, Sozialstaat, Elternzeit, Erwerbsquote, Wohlfahrtsstaat, Geschlechterrollen, Doppelversorgermodell, Lebenswelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept der Work-Life-Balance und untersucht, wie skandinavische Länder dieses Thema durch staatliche Familienpolitik erfolgreich in die Gesellschaft und Arbeitswelt integrieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die theoretische Definition von Work-Life-Balance, den ökonomischen und sozialen Nutzen sowie die detaillierte Analyse der Betreuungs- und Unterstützungssysteme in Dänemark, Norwegen und Schweden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie skandinavische Modelle die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern und welche dieser Strukturen als Vorbild für eine modernisierte Familienpolitik in Deutschland dienen könnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die bestehende Studien, Daten und Berichte zur Familienpolitik und Arbeitsmarktintegration in Skandinavien auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die spezifischen länderspezifischen Ansätze in Dänemark, Norwegen und Schweden, unter besonderer Berücksichtigung der Kinderbetreuung, Elternzeitregelungen und der Erwerbsbeteiligung von Frauen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Work-Life-Balance, Familienpolitik, Gleichstellung, Skandinavien, Erwerbsintegration und staatliche Sozialleistungen.
Wie spielt das "Doppelversorgermodell" eine Rolle in der Arbeit?
Das Modell fungiert als Leitbild der schwedischen Familienpolitik, welches davon ausgeht, dass sowohl Männer als auch Frauen in einem Haushalt erwerbstätig sind und der Staat die entsprechenden Rahmenbedingungen für diese Lebensrealität schafft.
Welche Rolle spielt die Kinderbetreuung laut der Autorin?
Eine gut ausgebaute öffentliche Kinderbetreuungskultur wird als entscheidender Faktor identifiziert, der es Familien ermöglicht, Beruf und Kind miteinander zu vereinbaren, wobei der Staat hier eine aktive Rolle übernehmen muss.
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- Carolin Bengelsdorf (Autor), 2009, Work-Life-Balance: Die Situation in skandinavischen Ländern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168018