Analyse von Enterprise 2.0 Frameworks für die Entwicklung betriebswirtschaftlicher Informationssysteme


Bachelorarbeit, 2010

79 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Zielsetzung
1.3 Herangehensweise

2 Grundlagen und Begriffsklärung
2.1 Web 2.0
2.1.1 Begriffsklärung
2.1.2 Anwendungen und Technologien
2.1.2.1 Übersicht
2.1.2.2 Weblogs und Microblogs
2.1.2.3 Wikis und Gruppeneditoren
2.1.2.4 Social Networks
2.1.2.5 Podcasts
2.1.2.6 Instant Messaging
2.1.2.7 Feeds
2.1.2.8 Content Tagging
2.1.3 Akteure
2.2 Social Software
2.3 Wertschöpfungskette nach Porter
2.4 Betriebswirtschaftliches Informationssystem
2.5 Enterprise 2.0
2.6 Framework

3 Frameworks
3.1 Überblick: Verfügbare Frameworks
3.2 Anforderungen an Enterprise 2.0 Frameworks
3.2.1 Bisherige Ansätze
3.2.2 Vier-Schritt-Analyse
3.2.2.1 Idee
3.2.2.2 Erster Schritt - Grundanalyse
3.2.2.3 Zweiter Schritt: SLATES-Analyse
3.2.2.4 Dritter Schritt: Detail-Analyse
3.2.2.5 Vierter Schritt: Features
3.3 Analyse am Markt vorhandener Frameworks
3.3.1 Auswahl der zu untersuchenden Frameworks
3.3.2 Vorüberlegung
3.3.3 Grundanalyse
3.3.4 SLATES-Analyse
3.3.5 Detailanalyse
3.3.6 Features – Signifikante Unterschiede
3.3.7 Status Quo

4 Beispielszenario
4.1 Ausgangssituation (Ist-Analyse)
4.2 Ziele und Anforderungen (Anforderungsanalyse)
4.3 Auswahl eines Frameworks
4.4 Einführung des Frameworks
4.5 Mehrwert für das Unternehmen

5 Resümee

6 Zukunftsaussichten für Enterprise 2.0

Anhang

Literaturverzeichnis

Print-Quellen

Online-Quellen

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Übersicht - Web 2.0 Anwendungen & Technologien

Abb. 2: Klassisches vs. Ajax-Modell von Web-Anwendungen

Abb. 3: Typologie der Nutzer von Web 2.0

Abb. 4: Porter'sche Wertschöpfungskette

Abb. 5: Auswirkungen der Entwicklung zum Enterprise 2.0

Abb. 6: Auswirkungen von Web 2.0 für Unternehmen

Abb. 7: FLATNESSES-Anforderungen von Dion Hinchcliffe

Abb. 8: Aufbau der Vier-Schritt-Analyse

Abb. 9: Web 2.0-Anwendungen in Enterprise 2.0-Frameworks

Abb. 10: Unternehmensstruktur ADW

Abb. 11: Erfolgsfaktoren für die Umsetzung von Enterprise 2.0-Konzepten

Abb. 12: Behandlung einer Kundenanfrage an den Vertrieb der ADW

Abb. 13: Einsatzpotentiale von Web 2.0-Anwendungen beim Management und der Ausführung von Geschäftsprozessen VII

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Bewertungsschema der Grundanalyse

Tabelle 2: Bewertungsschema für den SLATES-Analyseschritt

Tabelle 3: Bewertungsschema für die Detailanalyse

Tabelle 4: Umsetzung von Einsatzzwecken in der Praxis

Tabelle 5: Allgemeine Grundanalyse - Eigenständige Anwendungen

Tabelle 6: Allgemeine Grundanalyse - Add-Ons und grundlegende Aspekte

Tabelle 7: Ergebnisse der allgemeinen SLATES-Analyse

Tabelle 8: Ergebnisse der allgemeinen Detailanalyse

Tabelle 9: geplanter Einsatz von Social Software bei ADW

Tabelle 10: Auswertung der SLATES-Analyse (ADW)

Tabelle 11: Auswertung der Detail-Analyse

Tabelle 12: Wahl der zu nutzenden Informationskanäle bei ADW

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Ausgangssituation

Im Jahr 2006 wurde “You” zur “Person of the Year” des Time Magazines gekürt. Damit wurde jeder Benutzer des World Wide Web (WWW) angesprochen, welcher sich aktiv an der Gestaltung von Weblogs, Wikis, Social Networks und anderen Web 2.0-Anwendungen beteiligte – Der Nutzer bleibt nicht weiter in der Rolle des Konsumenten, sondern entwickelt sich zum Produzenten von Inhalten[1]. Diedabei entstandenen Technologien verbreiteten sich aufgrund des großen Zuspruchs sehr schnell im offiziellen Internet und stellen heute für viele Nutzer die beliebteste Informationsquelle sowie das beliebteste Unterhaltungsmedium dar.

Seit einigen Jahren beschäftigen sich nun auch Unternehmen mit dieser Thematik. Derzeit wird häufig ein Großteil des Informationsflusses über lange E-Mails oder Telefonate abgebildet. Richtlinien und Vorgänge werden oftmals in nicht-digitaler Form abgelegt und bieten keinerlei Suchmechanismen und schlechte Aktualisierungsmöglichkeiten. Die Integration von Web 2.0-Anwendungen könntein diesen Fällen einen vielfachhöheren Nutzen bringen sowie Produktivität und Effektivität steigern. Die Entwicklung zum „Enterprise 2.0“ gestaltet sich jedoch nicht einfach, denn es muss geprüft werden welche Anwendungen in einem spezifischenUnternehmen einen Wettbewerbsvorteil schaffen können und wie eine erfolgreiche Einführung in das vorhandene Informationssystem gewährleistet werden kann.

1.2 Zielsetzung

Auf dem Markt angebotene Frameworks werden zur Bereitstellung vonWeb 2.0-Anwendungen in Unternehmen auf ihre Tauglichkeit für betriebswirtschaftliche Informationssysteme untersucht. Der Fokus liegt dabei auf der technischen Unterstützung von Geschäftsprozessen entlang derbetrieblichen Wertschöpfungskette nach Porter.

Um diese Analyse durchführen zu können bedarf es eines validen Verfahrens, um belastungsfähige Aussagen darüber treffen zu können, ob ein Framework in der Lage ist, konkrete Geschäftsprozesse zu optimieren. Derzeit existieren nur wenige Modelle (z.B. SLATES und FLATNESSES, worauf in Kapitel 3 detaillierter eingegangen wird), welche dieses Ziel verfolgen. Es istfestzustellen, dass diese Verfahrennicht ausreichen, um eine signifikante Auswahl für einen bestimmten Anwendungsfall treffen zu können.

Es wird in dieser Arbeit deshalb versucht die vorhandenen Analysemodelle auszubauen und zu erweitern, um eine möglichst präzise Untersuchung zu ermöglichen. Als Resultat soll ein neues Analyseverfahren entstehen und dessen Anwendung anhand von Beispielen demonstriert werden.

Eine anschließende Analyse von auf dem Markt vorhandener Frameworks soll zeigen, welche Anwendungen das Potential aufweisen, für verschiedene unternehmerische Teilbereiche einen positiven Nutzen herbeizuführen und welche Methoden benötigt werden, um Akzeptanz der Mitarbeiter zu entwickeln. Ein nachfolgendes Beispielszenario soll den gesamten Vorgang, von der Analyse der Ausgangssituation bis zur Auswahl und Einführung eines Frameworks, veranschaulichen und auf die Kriterien der erfolgreichen Einführung eingehen.

Das Ziel liegt darin, einen mittel- bis langfristigen Wettbewerbsvorteil für Unternehmen zu erzielen, sowie ein optimales Wissens-, Kommunikations-, Organisations- und Kollaborationsmanagement in vorhandene Informationssysteme zu integrieren. Es sollen weiterhin bisher ungenutzte Potentiale von Web 2.0-Anwendungen aufgezeigt werden und ein Leitfaden für die Einführung von Social Software in Unternehmen aus der Arbeit resultieren.

1.3 Herangehensweise

Im Grundlagenteil (Kapitel 2) wird einführendauf die verwendete Terminologie eingegangen, um ein Grundwissen über die Thematik zu vermitteln. Es werden die Technologien und Akteure des Web 2.0 vorgestellt und wichtige Begriffe definiert. Die Abgrenzung bestimmter Schlagwörter stellt hierbei eine wichtige Differenzierung zum korrekten Verständnis der nachfolgenden Kapitel dar. Weiterhin wird auf diverse Themen des betriebswirtschaftlichen Hintergrundes eingegangen, welche im Folgenden eine hohe Relevanz aufweisen.

Im anschließenden Hauptteil (Kapitel 3) wird zunächst eine Übersicht der vorhandenen Frameworks vorgestellt, sowie eine funktionale Abgrenzung vorgenommen. Anschließend erfolgt die Konzeption undErstellung eines Analyseverfahrens mit Blick auf die zu verwendende Software und Fokus auf die betriebswirtschaftlichen Entwicklungspotentiale zum Enterprise 2.0. Anhand dieses Analyseverfahrens werden ausgewählte Frameworks schrittweise selektiert und auf Ihre technische Leistungsfähigkeit hin untersucht. Zum Abschluss des Kapitels werden die daraus resultierenden signifikanten Unterschiede herausgearbeitet und dabei auf die sich ergebenden Einsatzmöglichkeiten eingegangen.

Im praktisch ausgelegten Teil (Kapitel 4) erfolgt die Darstellung eines Beispielszenarios, welches einen Leitfaden zur Einführung und zum Einsatz von Social Software, in Form eines Frameworks, bereitstellt und gleichzeitig Handlungsempfehlungen für Unternehmen darlegt. Beginnend mit einer Analyse der Ausgangssituation (Ist-Analyse) über die Auswahl der Softwaremit Hilfe desentwickelten Analyseverfahrensund deren Einführung bis hin zum Einsatz im Unternehmen wird hierbei der gesamte Weg zum Enterprise 2.0 vorgestellt.

Das anschließende Resümee beurteilt das Entwicklungspotential vorhandener Software, um die technische Unterstützung des Managements und der Ausführung von Geschäftsprozessen zu verbessern. Nachfolgend wird kurz auf vorhandene Forschungslücken eingegangen.

Der Schlussteil (Kapitel 6) gibt einen Ausblick auf die Entwicklung von betrieblicher Social Software und geht auf die Zukunftsaussichten von Enterprise 2.0 ein.

2 Grundlagen und Begriffsklärung

2.1 Web 2.0

2.1.1 Begriffsklärung

Das Schlagwort Web 2.0 wurde erstmalig bei einer US-amerikanischen Technologiekonferenz genutzt, um auf eine neue Ära von Anwendungen und Services im offiziellen Internet hinzuweisen[2]. In der bisherigen Ausgestaltung des World Wide Web (WWW) existierte eine klare Trennung von Informationsproduzenten und Informationskonsumenten, welche durch neue Technologien zu einem Großteil aufgehoben wurde. Diese Technologien werden durch den Begriff Web 2.0 angesprochen, wobei es sich bei der beinhalteten Versionsnummer 2.0 nicht um die Weiterentwicklung einer vorhandenen Software handelt, sondern um die Entstehung eines Rückkanals zum WWW und der daraus resultierenden Interaktion von Nutzern.

Diese Tatsache begründet ebenfalls die wichtigste Kritik an der Bezeichnung Web 2.0, da die Vernetzung von Menschen bereits der Grundgedanke des WWW war (Berners-Lee 2006 in einem IBM-Developer-Works-Podcast[3] ) und somit keine substanzielle Neuerung darstellt, welche eine neue Versionsbezeichnung rechtfertigt. Vielmehr hat sich die Bezeichnung 2.0 als Beschreibung für den genannten Wandel der Nutzerinteraktion und Kommunikation sowie der daraus resultierenden Hierarchieglättungdurchgesetzt, wodurch auch der Begriff Enterprise 2.0 entstanden ist. Darauf wird in Kapitel 2.5 genauer eingegangen.

Da aus der genannten Problematik bisher keine allgemein anerkannte Definition hervor gegangen ist, soll in dieser Arbeit der Begriff Web 2.0 nach O’Reilly, einem der ersten Nutzer der Bezeichnung, wie folgt verstanden werden:

„Web 2.0 is a network as platform, spanning all connected devices; Web 2.0 applications are those that make the most of the intrinsic advantages of the platform: delivering software as a continually-updates service that gets better the more people use, consuming and remixing data from multiple sources, including individual users, while providing their own data and services in a form that allows remixing by others, creating network effects through an architecture of participation, and going beyond the page metaphor of Web 1.0 to deliver rich user experiences.“[4]

2.1.2 Anwendungen und Technologien

2.1.2.1 Übersicht

Web 2.0-Anwendungen können in Unternehmen nurdurch sinnvolle Kombination der verschiedenen Technologien erfolgreich eingesetzt werden. Um später das Potential der Anwendungen für den betrieblichen Einsatz untersuchen zu können wird in diesem Kapital ein Überblick über die vorhandenen Werkzeuge gegeben.

In der aktuellen Literatur werden alle vorhandenen Web 2.0-Technologien meist gesamtheitlich zusammengefasst. In dieser Arbeit soll aus gegebenem Anlass eine weitere Unterteilung in „eigenständige Anwendungen“ und „Add-Ons“ vorgenommen werden, was mit dem Aufbau der Technologien zusammenhängt. „Feeds“ und „Content Tagging“ (welche in den nachfolgenden Kapiteln detailliert erläutert werden) können nicht alleine ohne eine der anderen Anwendungen betrieben werden. Sie benötigen Inhalte, auf welche sie angewendet werden können, weshalb die Rechtfertigung der Aufteilung gegeben ist. Bei allen anderen Technologien handelt es sich jeweils um Anwendungen, die unabhängig voneinander betrieben und angewendet werden können.

Abb. 1 soll die Unterteilung der aktuellen Web 2.0-Technologien verdeutlichen, auf welche in diesem Kapital eingegangen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Übersicht - Web 2.0 Anwendungen & Technologien[5]

Die Gemeinsamkeit der Web 2.0-Anwendungen liegt in der Trennung von Datenverarbeitungskapazität und Rechenkapazität. Die Datenhaltung und Datenverarbeitung findet hierbei stets auf dem Webserver statt, die Darstellung der Seiten und Inhalte, sowie die Benutzerschnittstelle hingegen auf dem Clientrechner. Da solche Web 2.0-Anwendungen klassischen Desktop-Anwendungen sehr nahe kommen spricht man hierbei von Rich Internet Applications (RIA) oder Rich Web Clients (RWC)[6]. Gerade in letzter Zeit findet eine immer stärkere Entlastung der Server durch Technologien wie Ajax (Asynchronous JavaScript and XML) oder schon länger durch Adobe Flash statt. Dem Namen nach bietet Ajax die Möglichkeit der asynchronen Datenübertragung zwischen Webserver und Clientrechner. Dadurch können http-Anfragen durchgeführt werden, während eine Seite angezeigt wird, wodurch Seitenänderungen entstehen können, ohne dass die Seite neu geladen werden muss[7]. Durch diese Technologie wird folglich sowohl das Transfervolumen als auch die Rechenleistung des Webservers geschont und teilweise auf den Client verlagert.

Abb. 2 stellt das klassische Modell von Web-Anwendungen dem Ajax-Modell gegenüber.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Klassisches vs. Ajax-Modell von Web-Anwendungen[8]

2.1.2.2 Weblogs und Microblogs

Der Begriff Weblog stammt aus den englischen Wörtern Web und Log (kurz: Blog) und bezeichnet eine in umgekehrter chronologischer Reihenfolge abgelegte Online-Publikation[9]. Der Weblog-Autor (kurz: Blogger) berichtet hierbei über persönliche Dinge (z.B. in Form eines elektronischen Tagebuches) oder thematisch abgegrenzte Bereiche (z.B. Expertenblogs). Die Software stellt dabei Werkzeuge zur Verfügung um Inhalte ohne Programmierkenntnisse zu erstellen, sodass jeder Web-Nutzer in der Lage ist einen Weblog zu betreiben.

Die Software (z.B. Wordpress) stellt dabei Werkzeuge zur Verfügung um einerseits die Veröffentlichung des „User-Generated-Content“ ohne Programmierkenntnisse zu ermöglichen (i.d.R. werden dazu sog. „What you see is what you get“ (WYSIWYG)-Editoren oder Rich-Text-Editoren verwendet) und andererseits eine Vernetzung von Weblogs zu gewährleisten (Trackback), wodurch eine Blogosphäre (Gesamtheit aller Blogs als soziales Netzwerk) entsteht. Gleichzeitig können durch eine Kommentarfunktion Diskussionen zu den veröffentlichten Beiträgen entstehen.

Microblogs sind konventionellen Blogs sehr ähnlich. Der wesentliche Unterschied besteht in der Begrenzung der Länge von Beiträgen. Das populärste Beispiel im offiziellen Internet stellt der Betreiber Twitter Inc. dar, welcher die Beiträge (hier: Tweets) auf 140 Zeichen limitiert.

2.1.2.3 Wikis und Gruppeneditoren

Während Weblogs darauf ausgerichtet sind, subjektive Meinungen Einzelner abzubilden, verfolgen Wikis das Ziel der Zusammenfassung von Fachwissen zu bestimmten Themen in kollaborativer und selbstorganisierterWeise. Technisch gesehen entspricht ein Wiki einem Content-Management-System ohne fest definierte Benutzerrollen und -berechtigungen, sodass jeder Nutzer eigene Inhalte verfassen und „fremde“ Inhalte abändern kann. Um unerwünschte Manipulationen zu verhindern verfügt Wiki-Software (z.B. MediaWiki, womit auch Wikipedia realisiert ist) über ein Versionierungssystem, welches es ermöglicht ältere Bearbeitungszustände wiederherzustellen. Typisch für Wikis sind außerdem Querverweise zu anderen Beiträgen, um den Weg zum gesuchten Wissen zu verkürzen.

Während Wikis auf einer asynchronen Funktionsweise basieren, zielen Gruppeneditoren auf eine synchrone Bearbeitung ab. Als beliebtestes Werkzeug im offiziellen Internet ist hier Google Docs zu nennen, welches die Erstellung und Bearbeitung von diversen Office-Dokumenten (z.B. Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen), sowie deren Import und Export ermöglicht.

2.1.2.4 Social Networks

Unter Social Networks werden Web-Plattformen verstanden, welche den Aufbau und die Pflege von Beziehungen und Interessengruppen technisch unterstützen. Es wird stets ein einheitliches Repertoire an Grundfunktionalitäten zur Verfügung gestellt, welches die Selbstdarstellung in Form eines Profils sowie die Kommunikation der Nutzer und Gruppen ermöglicht.

Häufig existieren darüber hinaus viele weitere Werkzeuge, beispielsweise zur Erstellung von eigenen Webseiten, für Erweiterung des persönlichen Profils oder zur Pflege von Fotoalben. Der Funktionsumfang inSocial Networksist aufgrund der fortlaufenden Weiterentwicklungen sehr unterschiedlich, jedoch findet über einen längeren Zeitraum hinwegeine funktionale Angleichung statt.

Diese Netzwerke erfreuen sich aktuell einer sehr großen Beliebtheit, da sie einerseits das Kommunikationsbedürfnis der Menschen befriedigen und andererseits einen hohen Unterhaltungswert aufweisen.

Ein hohes Nutzenpotential, gerade für größere Unternehmen, stellen Social Networks beispielsweise aufgrund der Personensuche dar, durch welche es möglich wird den idealen Ansprechpartner in sehr kurzer Zeit zu identifizieren. Gleichzeitig können die im Netzwerk vorhandenen Daten in das Kontaktmanagement integriert werden. Es ergibt sich dadurch ein vorteilhafter Wechsel der Zuständigkeiten auf diesem Gebiet. Bisher war jeder für die Aktualität seines gesamten Adressbuches selbst verantwortlich – mit dieser Variante verlagert sich die Zuständigkeit lediglich auf das eigene Profil, welches mit den Adressbüchern der anderen Mitarbeiter im Idealfall automatisch synchronisiert werden kann.

2.1.2.5 Podcasts

Der Begriff Podcast, welcher sich aus den Wörtern iPod und Broadcast zusammensetzt, umschreibt die asynchrone Aussendung unregelmäßig erscheinender Audio- und Videoinhalte über das Internet. Benutzer haben die Möglichkeit diese Sendungen herunterzuladen und zu einem passenden Zeitpunkt zu konsumieren.

In der Regel werden Podcasts mit Feeds kombiniert, um das Abonnieren der Sendungen zu ermöglichen. Dazu werden auch mobile Endgeräte wie beispielsweise der iPod oder andere Audio/Video-Player verwendet.

2.1.2.6 Instant Messaging

Instant Messaging (IM) bezeichnet einen Dienst, welcher die synchrone Kommunikation in Textform ermöglicht[10]. Aktuelle Software unterstützt ebenfalls die Möglichkeit der asynchronen Kommunikation, wobei die Nachricht erst dann zugestellt wird, wenn der entsprechende Nutzer verfügbar, also am System angemeldet ist.

Ein Status-Management gehört heute zur Grundausstattung von entsprechenden Diensten, wodurch andere Nutzer unmittelbar über die Verfügbarkeit des Kommunikationspartners informiert werden. Dadurch ist sofort ersichtlich, ob der gewünschte Gesprächspartner Zeit zur Kommunikation hat oder ob er gerade beschäftigt oder „offline“ ist. Hierbei ist ein klarer Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Telefon erkennbar, da man den Status des Gesprächspartners erst dann kennt, wenn abgehoben wurde. Sollte der Gesprächspartner das Telefonat nicht entgegennehmen, hat man keinen Hinweis darüber, wann er wieder zur Verfügung stehen wird.Nahezu alle Instant Messenger bieten heute die Möglichkeit, genaue Information zum aktuellen Status bereitzustellen.

Die meisten IM-Dienste bestehen aus einer Server-Komponente, welche auf den entsprechenden Servern zum Einsatz kommt, und einer Client-Komponente, welche auf den nutzenden Computerneingerichtet wird. Diese Architektur ermöglicht neben der synchronen Kommunikation gleichzeitig die asynchrone Kommunikation, da der Chat auf dem Server protokolliert werden kann. Weiterhin werden derzeit, aufgrund der stark gestiegenen Netzwerkbandbreiten der Nutzer,Videotelefonate und -konferenzen ermöglicht, was ein ideales Nutzenpotential für Unternehmen darstellt. Man spricht in diesem Fall von VoIP (Voice over IP (Internet Protocol)) oder von IC (Instant Communication).

Als Besonderheit dieser Technologie ist zu erwähnen, dass Instant Messaging nicht nur über Webseiten betrieben werden kann, sondern im Regelfall über eigenständige Programme (die soeben beschriebenen Clients). Die beliebtesten Tools im Internet nennen sich ICQ, Skype und MSN.

2.1.2.7 Feeds

Aufgrund der Vielzahl von Weblogs und Wikis ist das Zusammentragen der interessanten Neuigkeiten für Benutzer eine aufwändige und zeitraubende Angelegenheit, da jede Webseite manuellaufgerufen und auf Änderungen geprüft werden müsste. Hier schaffen Feeds wie RSS (Really Simple Syndication) oder ATOM (ATOM Syndication Format) Abhilfe, welche eine automatische „News-Aggregation“ über externe Anwendungen wie z.B. Feed-Reader, E-Mail-Software oder Browser ermöglichen.

Es handelt sich dabei um eine im XML-Format angebotene Auflistung der Beiträge, welche Titel, Beschreibung, Datum und den entsprechenden Link zur Webseite bereitstellen. Diese Feeds können vom Nutzer per Mausklick „abonniert“ und in die entsprechenden Anwendungen eingebunden werden. Es entsteht eine Übersicht aller interessanten Neuerscheinungen und Aktualisierungen, zu denen bei Bedarf der gesamte Beitrag über den Browser angezeigt werden kann.

Feeds werden mittlerweile in nahezu allen Web 2.0-Anwendungen angeboten, so auch für Diskussionen, die in Blogs über die Kommentarfunktion entstehen, sowie in Foren, Produktbewertungen und Nachrichtenkanälen. Diese Technik setzt das Web 2.0-Prinzip ideal um, da jeder Nutzer selbst entscheiden kann, auf welche neuen Informationen er zu welchem Zeitpunkt und auf welche Art und Weise aufmerksam gemacht werden möchte.

2.1.2.8 Content Tagging

Beim Content Tagging handelt es sich um einen Service bzw. einen Prozess über den die Benutzer Metadaten zu vorhandenen Inhalten in Form von Schlagwörtern generieren können. Das Ziel dieser Technik besteht in der Optimierung der Suche. Da beim „Tagging“ keine neuen Inhalte, sondern lediglich Meta-Informationen zur Klassifizierung von Inhalten generiert werden, steigt mit der Anzahl der zugeordneten Schlagwörter gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, dass andere Benutzer bei Ihrer Suche ein gleiches Schlagwort verwenden und somit direkt zur gewünschten Information geleitet werden.

Da es vielen Nutzern schwer fällt, Inhalte über Kategorien zu filtern, führt das Content Tagging zu einer komfortableren Suchprozedur mit weitaus schnelleren und relevanteren Ergebnissen.

2.1.3 Akteure

In der Zeit vor Web 2.0 existierte eine klare Trennung in zwei Benutzergruppen – Produzenten und Konsumenten. Mit der Entwicklung der Web 2.0-Anwendungen und Technologien schwindet diese Abgrenzung zunehmend und entwickelt sich zu einer komplexeren Benutzerstruktur mit weitaus flacherer Hierarchie und Überschneidungen.

Heute werden Benutzer nach vier Dimensionen typisiert: betrachtend, gestaltend, individuellkommunizierend und öffentlich kommunizierend. Abb. 3 stellt die dadurch entstehenden Benutzergruppen sowie deren Einordnung dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Typologie der Nutzer von Web 2.0[11]

Die Gruppen „Infosucher“ und „Unterhaltungssucher“ (passiv partizipierende Nutzer) können ebenfalls als Webbenutzer der Zeit vor Web 2.0 klassifiziert werden, da diese lediglich Inhalte konsumieren, ohne selbst aktiv zu werden.

In der Studie von Trump (2007) wurden 43% der Befragten als passiv partizipierend identifiziert[12]. Für den Einsatz von Social Software in Unternehmen stellt dieses Ergebnis ein erhebliches Hindernis dar. Problematisch erscheint hierbei die Generierung der Inhalte. Das Ziel liegt darin, dass alle Mitarbeiter ihr Wissen in die Plattform einpflegen, sodass ein größt mögliches kollektives Wissen entstehen kann. Aus diesem Grund müssen für den Einsatz in Unternehmen Anreize geschaffen werden, welche die Mitarbeiter anhalten eigene Inhalte zu generieren, worauf in Kapitel 3 und 4 detailliert Bezug genommen wird.

2.2 Social Software

Unter Social Software versteht man onlinebasierte Anwendungen, welche das Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement in (teil-)-öffentlichen hypertextuellen und sozialen Netzwerken unterstützen[13].

Als Social Software werden somit die in Kapitel 2.1.2 vorgestellten Web 2.0-Anwendungen sowie deren Kombination angesehen.

2.3 Wertschöpfungskette nach Porter

Die Porter’sche Wertschöpfungskette bildet alle internen Tätigkeiten der Leistungserstellung ab, wobei grundsätzlich Primär- und Sekundäraktivitäten unterschieden werden. Die Sekundäraktivitäten (Unternehmensinfrastruktur, Personalwirtschaft, Forschung und Entwicklung und Beschaffung) sind als Tätigkeiten zu sehen, welche unterstützende Wirkungen auf die Primäraktivitäten haben. Die Gewinnspanne stellt die Differenz zwischen dem Ertrag und den für die Wertschöpfungstätigkeiten anfallenden Kosten dar (siehe Abb. 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Porter'sche Wertschöpfungskette[14]

Jedes dieser neun Tätigkeitsfelder kann einen Wettbewerbsvorteil für das Unternehmen schaffen, woraus die Notwenigkeit der Optimierung und technischen Unterstützung auf sämtlichen Gebieten resultiert.

2.4 Betriebswirtschaftliches Informationssystem

Betriebswirtschaftliche Informationssysteme setzten sich aus dem unternehmensspezifischen Organisationssystem und den entsprechenden Anwendungssystemen zusammen.

Organisationssystem wird allgemein wie folgt definiert:

„Ein System ist eine gegenüber der Umwelt abgegrenzte Gesamtheit von Elementen, die durch Beziehungen untereinander verknüpft sind. […] Einige Elemente unterhalten Beziehungen auch zu externen Elementen (Umwelt wie Lieferanten, Kunden, Kapitalgeberusw.). Eng miteinander verbundene Elemente bilden Subsysteme (z.B. Abteilungen), die mit anderen Subsystemen innerhalb der Organisation Kontakt halten. […]“[15]

Anwendungssysteme werden allgemein weiterhin in Softwaresysteme (bestehend aus Basissoftware und Anwendungssoftware) und Hardwaresysteme (bestehend aus Rechner und Peripherie) unterteilt. Die Auswirkung der Entwicklung zum Enterprise 2.0 wird in Abb. 5 veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Auswirkungen der Entwicklung zum Enterprise 2.0[16]

Die Entwicklung eines Unternehmens zum Enterprise 2.0 kann hierbei nicht allein über den Bereich des Anwendungssystems erfolgen, da die Einführung von Social Software zeitgleich eine Veränderung des Organisationssystems mit sich bringt. Einerseits werden Abläufe geändert und andererseits ergeben sich neue Verknüpfungen der Organisationselemente. Es handelt sich folglich beim Enterprise 2.0 nicht ausschließlich um die Einführung einer neuen Software sondern ebenfalls um eine Neugestaltung der Unternehmenskultur. Eine detaillierte Ausführung hierzu findet in Kapitel 4.4 statt.

2.5 Enterprise 2.0

Andrew McAfee definiert Enterprise 2.0 in seinem offiziellen Weblog wie folgt:

„Enterprise 2.0 is the use of emergent social software platforms within companies, or between companies and their partners or customers.“[17]

Nach dieser Definition wird ein Unternehmen genau dann als Enterprise 2.0 angesehen, wenn es Social Software in die Geschäftsprozesse integriert. Diese Ausführung ist sehr vage und würde im Falle der allgemeinen Akzeptanz große Verständnisprobleme zur Folge haben. Beispielsweise nutzen heute viele Unternehmen Weblogs als ein Instrument zur Pflege von Kundenkontakten. Man würde das Unternehmen jedoch nicht allein aufgrund dieser Art der Kundenkommunikation als Enterprise 2.0 bezeichnen. Deshalb soll im Rahmen dieser Arbeit der Begriff des Enterprise 2.0 etwasexakter und wie folgt verstanden werden.

Ein Unternehmen wird als Enterprise 2.0 bezeichnet, wenn es einen Großteil seiner Geschäftsprozesse entlang der Wertschöpfungskette, sowie die Kommunikation bzw. Kollaboration mit Geschäftspartnern oder Kunden technisch durch Social Software unterstützt, um mittel- bis langfristig die Marktposition zu stärken bzw. Wettbewerbsvorteile, beispielsweise in Form von Innovationen, Zeit- oder Kostensenkungen, zu erzielen.[18]

Wie bereits in Kapitel 2.4 angedeutet bringt die Einführung von Social Software in Unternehmen einige Änderungen in der Aufbau- und Ablaufstruktur mit sich. Hierarchische Organisations- und Kommunikationsstrukturen verändern sich zu einer vernetzten Zusammenarbeit. Es erfolgt eine Umkehrung des Informationsflusses (durch Feed-Technologien) und statische Wissensinseln werden zur unternehmensweiten Wissensbasis. Weiterhin entwickeln sich zentrale Organisationsstrukturen zu einer Selbstorganisation mit hoher Eigenverantwortung der Mitarbeiter. Folgende Abbildung (Abb. 6) des Berlecon Research (2007) soll diese Auswirkungen verdeutlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Auswirkungen von Web 2.0 für Unternehmen[19]

2.6 Framework

Als Frameworks werden im Allgemeinen Programmiergerüste bzw. Rahmenstrukturen für die Softwareentwicklung verstanden. Sie liefern vordefinierte Klassen und Funktionen zur effektiven Programmierung.

In dieser Arbeit sollen Frameworks jedoch nicht als solche Programmiergerüste sondern als Software-Gerüste für Enterprise 2.0 verstanden werden. Diese Gerüste vereinen Web 2.0-Anwendungen, welche für den Einsatz in Unternehmen nutzbar gemacht werden können und stellen diverse Schnittstellen zur Verbindung mit Unternehmens-Software zur Verfügung. Der Fokus dieser Frameworks liegt also primär auf der Unterstützung von Geschäftsprozessen.

Resultierend daraus sollen die Begriffe Enterprise 2.0-Framework, Enterprise 2.0-Software sowie Enterprise 2.0-System im Folgenden synonym verstanden werden.

3 Frameworks

3.1 Überblick: Verfügbare Frameworks

Es existiert heute eine Vielzahl an Enterprise 2.0-Frameworks, welche sehr unterschiedlich sein können, was einerseits an der Entwicklung und andererseits an unterschiedlichen Verständnissen des Enterprise 2.0-Begriffs liegt. Häufig entstehen Enterprise 2.0-Frameworks direkt aus Web 2.0-Frameworks, da die Grundfunktionalitäten sehr ähnlich sind. Schwieriger gestaltet sich jedoch die Frage, welche Änderungen oder Erweiterungen das Framework erfahren muss, um in die Gruppe der Enterprise 2.0-Frameworks eingeordnet werden zu können. Da es hierfür keinen verbindlichen Leitfaden gibt, welcher allgemein anerkannt ist, entstehen durch jeden Hersteller neue und unterschiedliche Verständnisse der Anforderungen.

Dion Hinchcliffe hat deshalb im Juli 2009 eine beachtliche Anzahl an Enterprise 2.0-Frameworks in seiner Grafik „Enterprise 2.0: Map of the 2009 Marketplace“(Abb. 7) nach seinen eigenen und weit verbreiteten FLATNESSES-Kriterien, welche im nachfolgenden Kapitel genauer vorgestellt werden,veranschaulicht. Dabei ordnet er die Software in eine Matrix (siehe Abb. 13 im Anhang) mit den Dimensionen „Unternehmenstauglichkeit“ und „Unterstützung für Enterprise 2.0 Kernfunktionen (FLATNESSES + einfache Benutzbarkeit + Innovation) ein.

Selbstverständlich existieren darüber hinaus weitere Enterprise 2.0-Frameworks, jedoch gibt die Grafik einen guten Überblick über die aktuelle Situation am Markt.

Beachtlich an dieser Darstellung ist die Wahl der Dimensionen und die sich ergebenden Zuordnungen, da nach dieser Grafik Software existiert, welche die definierten Kernanforderungen nicht unterstützt, jedoch für Unternehmen durchaus tauglich sind (oberer linker Quadrant). Dieses Phänomen tritt auf, wenn Unternehmen lediglich bestimmte betriebliche Sektionen durch Enterprise 2.0-Software unterstützen möchten, wodurch nicht zwingend eine gesamte Implementierung der Anforderungen erforderlich wird. Da die Grafik jedoch auf Enterprise 2.0-Software ausgelegt ist, liegt die Berechtigung der Einordnung in diese Grafik im Auge des Betrachters.

Aus diesen Gründen wird in der nachfolgenden Betrachtung vorwiegend auf Frameworks des oberen rechten Quadranten Bezug genommen, welche anschließend in die Analyse einfließen.

3.2 Anforderungen an Enterprise 2.0 Frameworks

3.2.1 Bisherige Ansätze

Wie in vielen anderen Bereichen zu diesem Thema existieren keine verbindlichen und allgemein akzeptierten Standards für Enterprise 2.0-Frameworks. Häufig ist es deshalb schwer zu erkennen, ob es sich bei einer vorliegenden Software um Social Software oder Enterprise 2.0-Software handelt, was unter anderem daran liegt, dass Enterprise 2.0-Frameworks häufig aus Web 2.0-Frameworks entstehen. Die Grundanforderungen an die integrierten Web 2.0-Anwendungen sind daher nahezu identisch, jedoch gibt es große Unterschiede in der Ausgangssituation, was zu abweichenden Anforderungen führt.

Zunächstmuss die Frage gestellt werden: Wer benutzt Web 2.0-Anwendungen und warum?

Web 2.0-Anwendungen wie soziale Netzwerke, Weblogs oder Wikis werden von Personen genutzt, die sich einen persönlichen Nutzen (z.B. die Befriedigung des Kommunikationsbedürfnisses, Spaß an Berichterstattung, Selbstdarstellung, Wissensdurst und vieles mehr) davon versprechen. Dieser Nutzen muss so hoch sein, dass die Benutzer den Aufwand in Kauf nehmen, sich mit dem System so intensiv zu befassen, dass sie es in angemessener Weise bedienen können, um den angestrebten persönlichen Nutzen daraus ziehen zu können.

Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zur Ausgangssituation bei der Einführung von Enterprise 2.0-Software vor. Die Mitarbeiter kennen zum einen den Nutzen der neuen Software nicht oder können sich diesen nur schwer vorstellen, zum anderen entsteht ein kollektiver Nutzen erst dann, wenn sich möglichst viele Mitarbeiter aktiv am System beteiligen. Es fehlt folglich häufig die Motivation, sich intensiv mit dem neuen System auseinander zu setzen. Daraus resultiert eine der wichtigsten Anforderungen an Enterprise 2.0-Frameworks:Eine für möglichst jeden Mitarbeiter intuitiv bedienbare Oberfläche, welche keine umfangreichen Einarbeitungen oder Workshops erfordert.Der Leitfadenmuss also lauten: „keep it simple and stupid“.Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass auf nicht-technischer Ebene die Vermittlung der Nutzerpotentiale des einzuführenden Systems ein erhebliches Erfolgskriterium darstellt, um die Mitarbeiter auf diese Weise zur Nutzung zu bewegen und an das System heranzuführen.

Andrew P. McAffee, der Schöpfer des Enterprise 2.0-Begriffs, versuchte klare Anforderungen an diese Art von Software zu stellen, und veröffentlichte diese als SLATES-Anforderungen[20] (Search, Links, Authoring, Tags, Extensions, Signals), welche im Folgenden grob beschrieben werden.

- Search: Es sollte den Benutzern möglich sein, andere Benutzer oder Inhalte möglichst einfach zu finden.
- Links: Verweise sollten nach Ähnlichkeit zusammengeführt und nach der aktuellen Relevanz sortiert werden.
Alternativ: „Die wichtigsten Informationen liegen an der Stelle, auf die am häufigsten verlinkt wird“[21]
- Authoring: Nutzer sollen die Möglichkeit haben eigene Inhalte in Form von Blogs und Wikis bereitzustellen.
- Tags: Die Benutzer sollten Inhalten Meta-Informationen zuordnen können, um die Suchfunktion zu optimieren.
Anmerkung: Die Kategorisierung, welche aus Meta-Informationen in Form von Schlagwörtern entsteht wird Folksonomy genannt.
- Extensions: Inhalte sollten bewertet werden können um anschließend diese Bewertung in den Suchmechanismus zu integrieren.
Alternativ: „Die Aktivitäten des Benutzers werden analysiert, um Angebote an das Verhalten und die Vorlieben des Benutzers anzupassen.“[22]
- Signals: Die Möglichkeit der News-Aggregation über Feeds sollte gegeben sein.

Alternativ: „Der Benutzer wird automatisch benachrichtigt, wenn für ihn interessante neue Inhalte verfügbar sind“[23]

Die SLATES-Anforderungen können als notwendig, jedoch nicht vollständig angesehen werden, da diese Anforderungen heute auch von vielen Web 2.0-Anwendungen vorbehaltlos erfüllt werden. Dion Hinchcliffe, Chefredakteur des Web 2.0 Journals und des AjaxWorld Magazines startete deshalb den Versuch die SLATES-Anforderungen zu vervollständigen und erweiterte diese. Das Resultat nannte er FLATNESSES[24] (Freeform, Links, Authorship, Tagging, Network-oriented, Extensions, Search, Social, Emergence, Signals). Network-oriented soll in diesem Zusammenhang als wiederverwendbare, adressierbare Inhalte in kleinen Segmenten verstanden werden und Social als hierarchielos und transparent. Ein wichtiger Aspekt stellt in diesem Modell Freeform dar, womit gemeint ist, dass man die Software den eigenen Vorstellung anpassen und nutzen kann, beispielsweise als Unternehmensintranet, Extranet, Projektmanagementsystem oder Anderes (siehe Abb. 7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: FLATNESSES-Anforderungen von Dion Hinchcliffe

Die FLATNESSES-Anforderungen sind zwar wesentlich exakter als SLATES, jedoch besteht weiterhin Diskussionsbedarf bezüglich einiger Punkte. Beispielsweise könnte Emergence (das Sichtbarwerden von Inhalten) problemlos in Links und Taggingeingeordnet werden. Wesentlich schwieriger gestaltet sich nun die Beurteilung des Kriteriums Social. In der hier genannten Form wäre somit ein gewisser Hierarchieverlust, sowie eine Transparenz die Folge, was sich in Unternehmen sehr schwierig gestaltet, da gerade dort eine gewisse Hierarchie erforderlich ist. Unstrittig ist jedoch, dass die hierarchische Struktur von Enterprise 2.0-Systemen sehr flach sein muss, um effektiv funktionieren zu können.

Beiden Modellen ist gemein, dass Anforderungen gestellt werden, welche hauptsächlich für die erfolgreiche Einführung der entsprechenden Systeme erforderlich sind, nicht jedoch für die eigentliche technische Unterstützung von Geschäftsprozessen. Ferner führt die bestehende Unvollständigkeit zu dem Ergebnis, dass beide Modelle für ein entsprechendes Testdesign nicht ausreichend sind.

Aus diesem Grund wurde im Rahmen dieser Arbeit ein erweitertes Testdesign entwickelt, welches sich wie folgt darstellt.

3.2.2 Vier-Schritt-Analyse

3.2.2.1 Idee

Die Idee dieses Designs besteht in der Entwicklung eines Verfahrens, welches es einerseits ermöglicht für konkrete Anforderung möglichst schnell und exakt die passendste Lösung zu finden, andererseits die generelle Tauglichkeit einer Enterprise 2.0-Software für betriebliche Zwecke zu beurteilen.

Wie der Name bereits andeutet, besteht dieses Verfahren aus vier Schritten, der Grundanalyse, der SLATES-Analyse, der Detailanalyse und den sonstigen Features. Die Grundanalyse ermöglicht es hierbei in kurzer Zeit eine Vorauswahl zu treffen, indem geklärt wird, ob die Software prinzipiell in der Lage ist die Vorstellungen und Ziele für den späteren Einsatz zu erfüllen. Der zweite Schritt untersucht die Erfüllung der SLATES-Kriterien, was zu allgemeinen Aussagen im Bezug auf die Eignung im betrieblichen Kontext führt. Der dritte Schritt, die Detailanalyse, klärt die detaillierteren Aspekte der Anforderungen des betrieblichen Einsatzes. Im vierten Schritt soll die endgültige Entscheidung für ein Framework getroffen werden, welches die individuellen Anforderungen bestmöglich erfüllen kann.

Ausschlaggebend für dieses Verfahren ist das schrittweise Vorgehen und die daraus resultierende schrittweise Selektion der Frameworks. Es kann mit einer großen Anzahl Frameworks im ersten Analyseschritt begonnen werden, wobei sich nach jedem Schritt die Anzahl der Frameworks verringern wird. Jeder dieser Schritte geht weiter ins Detail, was zur Folge hat, dass jeder Analyseschritt im Allgemeinen für jedes Framework mehr Zeit in Anspruch nehmen wird als der Vorherige. Abb. 8 visualisiert den Aufbau des Analyseverfahrens.

[...]


[1] Prof. Dr. Koch, M; Whitepaper – Enterprise 2.0 – Social Software in Unternehmen http://www.kooperationssysteme.de/files/pubs/Koch2008-bericht_enterprise20.pdf, Abrufdatum: 03.11.2009

[2] Koch, M; Richter, A: Enterprise 2.0 – Planung, Einführung und erfolgreicher Einsatz von Social Software in Unternehmen. 2. Aufl., Oldenbourg München 2009, S. 2

[3] Web 2.0 – Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Web_2.0; Abrufdatum: 04.11.2009

[4] Communications & Strategies, Nr. 1, S. 17, Erstes Quartal 2007.

[5] Eigene Erstellung.

[6] Stocker, A.;Tochtermann, K.: Anwendungen und Technologien des Web 2.0: Ein Überblick In: Blumauer, A.; Pellegrini, T (Hrsg.): Social Semantic Web, Springer Berlin Heidelberg 2008, S. 68f.

[7] Ajax (Programmierung) – Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Ajax_%28Programmierung%29, Abrufdatum: 22.01.2010.

[8] Klassisches cs. Ajax-Modell einer Webanwendung – Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Ajax-vergleich.svg, Abrufdatum: 20.01.2010

[9] Stocker, A.;Tochtermann, K.: Anwendungen und Technologien des Web 2.0: Ein Überblick In: Blumauer, A.; Pellegrini, T (Hrsg.): Social Semantic Web, Springer Berlin Heidelberg 2008, S. 65.

[10] Koch, M; Richter, A: Enterprise 2.0 – Planung, Einführung und erfolgreicher Einsatz von Social Software in Unternehmen. 2. Aufl., Oldenbourg München 2009, S. 67.

[11] Trump, T; Dr. Klinger, W, Gerhards, M: Web 2.0 – Begriffsdefinition und eine Analyse der Auswirkungen auf das allgemeine Mediennutzungsverhalten. Result Köln 2007, S. 37.

[12] Trump, T; Dr. Klinger, W, Gerhards, M: Web 2.0 – Begriffsdefinition und eine Analyse der Auswirkungen auf das allgemeine Mediennutzungsverhalten. Result Köln 2007, S. 19.

[13] Dr. Schmidt, J: Social Software – Onlinegestütztes Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement. In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen. Nr.2/2006 S. 37-46.

[14] Porter, M.: Wettbewerbsvorteile. Spitzenleistungen erreichen und behaupten. Campus Verlag GmbH 2002.

[15] Wirtschaftslexikon http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/organisationssystem/organisationssystem.htm Abrufdatum: 12.11.2009.

[16] Eigene Erstellung in Anlehnung an Hesse et al. 94.

[17] Andrew McAfee, The Business Impact of IT, Enterprise 2.0 – Version 2.0, 27.05.2006 http://andrewmcafee.org/2006/05/enterprise_20_version_20/ Abrufdatum: 13.11.2009.

[18] Eigene Definition.

[19] Berlecon Research (2007): Web 2.0 in Unternehmen – Potentiale von Wikis, Weblogs und Social Software; http://www.berlecon.de/studien/charts/200704Web2.0/, S. 22 Abrufdatum: 14.01.2010.

[20] McAffee, A.P.: MIT Sloan Management Review – Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration, Springer 2006, Vol.. 47 No. 3, S. 23-26.

[21] Prof. Dr. Bächle, M.:WI-Schlagwort – Ökonomische Perspektiven des Web 2.0 – Open Innovation, Social Commerce und Enterprise 2.0, Springer, 19.11.2007, S. 3.

[22] Prof. Dr. Bächle, M.:WI-Schlagwort – Ökonomische Perspektiven des Web 2.0 – Open Innovation, Social Commerce und Enterprise 2.0, Springer, 19.11.2007, S. 3.

[23] Prof. Dr. Bächle, M.:WI-Schlagwort – Ökonomische Perspektiven des Web 2.0 – Open Innovation, Social Commerce und Enterprise 2.0, Springer, 19.11.2007, S. 3.

[24] Dion Hinchcliffe, The State of Enterprise 2.0 – 22.10.2007 http://blogs.zdnet.com/Hinchcliffe/?p=143 Abrufdatum: 19.12.2009.

Ende der Leseprobe aus 79 Seiten

Details

Titel
Analyse von Enterprise 2.0 Frameworks für die Entwicklung betriebswirtschaftlicher Informationssysteme
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Institut für Wirtschaftsinformatik)
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
79
Katalognummer
V168027
ISBN (eBook)
9783640849321
ISBN (Buch)
9783640864768
Dateigröße
1426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Enterprise 2.0, BPM, Geschäftsprozessmanagement, GPM, Web 2.0, Porter, Wertschöpfungskette, Social Software, SLATES, FLATNESSES, Framework
Arbeit zitieren
B. Sc. Tom Thaler (Autor), 2010, Analyse von Enterprise 2.0 Frameworks für die Entwicklung betriebswirtschaftlicher Informationssysteme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168027

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