Die Themenfacette des Social BPM

Geschäftsprozessmanagement


Forschungsarbeit, 2010

37 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung & Motivation

2. Grundkonzepte
2.1 Web 2.0 und Social Software
2.1.1 Begriffsklärung
2.1.2 Charakteristik von Social Software
2.1.3 Prinzipien von Social Software
2.2 Enterprise 2.0
2.3 Rollenverständnis im klassischen BPM

3. Untersuchungsansatz
3.1 Review
3.2 Vorgehensweise

4. Erweiterte Konzepte
4.1 Beziehungen zwischen Social Software und BPM
4.2 Prinzipien von Social Software im BPM und deren Erfolgspotentiale
4.3 Empowerment und Agiles BPM
4.4 Social BPM Lebenszyklus

5. Aktuelle Entwicklung und offene Probleme im Social BPM
5.1 Technologieoptionen
5.2 Prozessdefinition und Modellierung
5.3 Prozessoptimierung – Vorgehen und Qualitätssicherung
5.4 Rollenverständnis im Social BPM
5.5 Charakteristik des Social BPM

6. Aktuelle Prototypen
6.1 ARISalign
6.2 collMaP (Forschungsprototyp)

7. Bedeutung für den Bezugsrahmen

8. Zusammenfassung und Fazit

9. Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Übersicht - Web 2.0-Anwendungen & Technologien

Abb. 2: Auswirkungen von Web 2.0 für Unternehmen

Abb. 3: Trennung zwischen operative und strategischem BPM als Voraussetzung der Selbstorganisation

Abb. 4: Architektur der Plattform zum Prozessmanagement

Abb. 5: Beispiel ARIS Business Architect mit Methodenfilter

Abb. 6: Prozessoptimierung im Social BPM

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Rollenverständnis im klassischen BPM in der Literatur

Tabelle 2: Einflussmöglichkeiten der Rolleninhaber im klassischen BPM

Tabelle 3: Charakteristiken des Prozessmanagements aus der Perspektive des Web 2.0

Tabelle 4: Social BPM im allgemeinen Bezugsrahmen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung & Motivation

Nachdem der Begriff Web 2.0 Anfang des 21. Jahrhunderts erstmalig der breiten Öffentlichkeit präsentiert wurde, sind entsprechende Anwendungen heute ein fester Bestandteil des täglichen Lebens. Sowohl im privaten als auch im kommerziellen Bereich profitieren Web 2.0-Anwendungen, auch Social Software genannt, von einem stetigen unverminderten Wachstum, was durch einige Beispiel belegt werden soll:

- Während Ende des Jahres 2003 ca. 1 Mio. Blogs (Weblogs) im Internet existierten, waren im Jahr 2007 bereits über 70 Mio. Blogger mit ihren Publikationen vertreten. Die heutige Anzahl beläuft sich auf ca. 184 Mio.
- Die Video-Plattform YouTube verursacht heute über 10% des gesamten Datenverkehrs im Internet.
- Die Online-Enzyklopädie Wikipedia verfügt heute über weit mehr als 10 Mio. Artikel und konnte damit innerhalb von 2 Jahren die Anzahl der Veröffentlichungen verdoppeln.

In den letzten Jahren haben sich betriebliche Konzepte entwickelt, welche auf der Akzeptanz und dem Erfolg von Social aufbauen sollten. Eines des bedeutendsten Begrifflichkeiten in diesem Zusammenhang ist Enterprise 2.0, welches sich einer Reihe von Web 2.0-Technologien bedient, um die Arbeitseffektivität im Unternehmen zu steigern. Das Resultat ist in der Praxis eine Glättung der Unternehmensstrukturen durch notwendig werdende Verschiebungen von Kompetenzen und ein steigender Grad an Sozialisierung in der Mitarbeiterschaft.

Die klassischen Organisationstheorien, welche nach wie vor von der Mehrzahl der Unternehmen umgesetzt wird, setzen den Fokus auf eine personelle Trennung von Planung und Ausführung der Arbeitsabläufe. Daraus resultiert für das Geschäftsprozessmanagement, die heute etablierte Methode der Experteninterviews im Rahmen des Process-Discovery. Als Experten werden dabei Führungskräfte, also die für die Planung verantwortlichen Mitarbeiter des Unternehmens gesehen, wobei die ausführenden Mitarbeiter meist unberücksichtigt bleiben. Diese Methode hat sich im Laufe der Jahre als überaus geeignet für standardisierte Prozesse erwiesen, jedoch stößt sie bei flexiblen Arbeitsabläufen, wie sie immer häufiger vom Markt gefordert werden, an ihre Grenzen. Neben dem Flexibilitätsaspekt zeichnet sich eine Ineffizienz dieser Methode ab, da in der Praxis ca. 41% der Projektressourcen (Zeit und Kapital) für diese Phase der Analyse und Dokumentation in Anspruch genommen wird.

Ein Kernprinzip des Geschäftsprozessmanagements besteht in der kontinuierlichen Anpassung des Unternehmens und der betrieblichen Abläufe an seine Umgebung. Im klassischen Geschäftsprozessmanagement wird diese Umgebung stark auf den Markt fokussiert, in welchem das Unternehmen agiert, da dieser als Hauptträger wachsender Anforderungen an Zeit, Qualität, Kosten und Flexibilität identifiziert werden kann. Dieser Wandel der Anforderungen kann nur erfüllt werden, wenn er als permanente Herausforderung und kontinuierlicher Prozess betrachtet wird, welcher nicht nur den Markt, sondern das gesamte Unternehmen umfasst[1].

Das BPM 2.0 (Social BPM) versucht diese Ansatzpunkte zu einer neuen Herangehensweise zu vereinen und somit die Flexibilität der betrieblichen Abläufe zu erhöhen, die Mitarbeitermotivation zu steigern, den BPM-Lebenszyklus zu verkürzen und Innovationen voran zu treiben.

In Kapitel 2 wird zunächst auf die grundlegenden Begrifflichkeiten und Terminologien, sowie die Grundkonzepte der Thematik eingegangen, um ein klares und eindeutiges Verständnis der nachfolgenden Kapitel zu ermöglichen. Kapitel 3 beschreibt dann kurz das methodische Vorgehen der vorliegenden Arbeit. Im anschließenden Kapitel 4 wird mit den erweiterten Konzepten zunächst auf die theoretischen Grundgedanken des Social BPM eingegangen und der veränderte Lebenszyklus zum klassischen BPM vorgestellt. Kapitel 5 gibt einen Überblick über die aktuellen Forschungsanstrengungen und offenen Probleme und erläutert in diesem Zusammenhang aktuelle Vorgehensansätze in unterschiedlichen Phasen des BPM-Zyklus. Anschließend wird in Kapitel 6 die Umsetzung in der Praxis anhand von existierenden Werkzeugen demonstriert.

In Kapitel 7 wird ein Vorschlag zur Einarbeitung der Themenfacette des Social-BPM in den allgemeinen Bezugsrahmen unterbreitet, im nachfolgenden Kapitel 8 werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und als Fazit kurz bewertet. Im schließenden Kapitel 9 soll ein Ausblick auf die Zukunftsaussichten der Themenfacette Bezug nehmen.

2. Grundkonzepte

2.1 Web 2.0 und Social Software

2.1.1 Begriffsklärung

Das World Wide Web (WWW) konnte in der ursprünglichen Form ausschließlich als Informationslieferant genutzt, da ein Rückkanal, und somit die Möglichkeit des Feedbacks und der Kommunikation nicht existierte. Das Web 2.0 beschreibt dabei das Ergebnis des Wandels dieser ursprünglichen Form des WWW in ein aktives Medium, welches eine Kommunikation zwischen den Nutzern ermöglicht.

Diese Kommunikation erfolgt mit unterschiedlichen Anwendungen und Technologien, welche unterschiedliche Möglichkeiten des Gedankenaustauschs (direkt oder indirekte Kommunikation) und der Publikation von Inhalten (User-Generated-Content) bereitstellen. Die folgende Abbildung führt diese Web 2.0-Technologien auf, wobei zwischen Eigenständigen Anwendungen und Add-Ons unterschieden wird. Eigenständige Anwendungen können technisch gesehen in Ihrer Instanz unabhängig von anderen Anwendungen existieren, wohingegen Add-Ons auf eine Oberanwendung angewiesen, da diese ohne weitere Inhalte keine Funktion bzw. keinen Nutzen generieren können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Übersicht - Web 2.0-Anwendungen & Technologien[2]

Da die Erläuterung der einzelnen Anwendungen nicht im Zielfokus dieser Arbeit liegt und bereits gute und umfangreiche Literatur zu diesem Thema existiert, soll an dieser Stelle auf das Buch „Social Semantic Web“[3] verwiesen werden, welchem detaillierte Beschreibungen der einzelnen Technologien entnommen werden können.

Es bleibt schließlich festzuhalten, dass unter Social Software die in Abbildung 1 vorgestellten Web 2.0-Anwendungen und Add-Ons, sowie deren Kombination zu verstehen ist, oder genauer:

Unter Social Software versteht man onlinebasierte Anwendungen, welche das Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement in (teil-)öffentlichen hypertextuellen und sozialen Netzwerken unterstützen[4].

2.1.2 Charakteristik von Social Software

Die zentrale Charakteristik von Social Software, wie sie im vorliegenden Kontext verstanden werden soll, zeichnet sich einerseits durch die Schaffung einer Selbstorganisation und andererseits durch die Ausnutzung kollektiver Intelligenz aus, worauf im Folgenden eingegangen werden soll.

- Selbstorganisation: Der Begriff der Selbstorganisation wird in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, unter Anderem in der Biologie, Physik und den Wirtschaftswissenschaften verwendet. Im vorliegenden Kontext soll folgende Definition als Grundlage bilden:

„Unter Selbstorganisation versteht man die Fähigkeit von Systemen, ihre innere Ordnung ohne äußere Steuerung selbsttätig zu entwickeln und aufrechtzuerhalten. Die damit einhergehende Fähigkeit zu komplexem, adaptiven Verhalten stellt ein zentrales Merkmal lebender Systeme dar.“[5]

Überträgt man diese Definition auf Social Software hat dies einerseits eine sehr flache Organisationsstruktur und andererseits eine „schwache“ Regelstruktur zur Folge. Beispielhaft soll hier Wikipedia angesprochen werden, wo sehr wenige feste Mitarbeiter, vor allem für die technische Lauffähigkeit des Systems verantwortlich sind, und eine sehr große Anzahl von Benutzern in Selbstorganisation sämtliche Inhalte generieren.

- Kollektive Intelligenz: Wie die Selbstorganisation ist auch die kollektive Intelligenz ein interdisziplinärer Begriff, welcher in verschiedenen Forschungsdomänen zu finden ist. Beim Kollektiv handelt es sich dabei um eine Gruppe aus Individuen, welches durch die unterschiedlichen Standpunkte und Ansichten der Teilnehmer in der Lage ist, neue Ansätze und Aspekte zu produzieren, welche ein Problem erklären oder lösen können.[6] Ferner wird die Fähigkeit zu lernen und zu verstehen in diesem Kontext als Intelligenz verstanden.

Um beim Beispiel der Wikipedia zu anzuknüpfen, kann auf den dort vorliegenden Mechanismus der Qualitätssicherung eingegangen werden. Bevor ein Artikel „bestätigt“ wird, durchläuft er als „Vorschlag“ einen Qualitätssicherungsprozess, welcher durch andere Benutzer gestaltet wird. Unterschiedliche Wissensstände und Ansichten der Benutzer führen dabei zu einer kontinuierlichen inhaltlichen Verbesserung, bis der Artikel schließlich als „bestätigt“ zur Verfügung steht. Die Effektivität dieses Mechanismus belegte eine Expertenuntersuchung im Jahr 2005, wonach keine wesentlichen Qualitätsunterschiede gegenüber renommierten Enzyklopädien festgestellt werden konnten.[7]

2.1.3 Prinzipien von Social Software

Der Erfolg von Social Software lässt sich nach Schmidt und Nurcan[8] auf die Integration von vier wesentlichen Prinzipien zurückführen:

1. Weak ties (Lose Beziehungen): Social Software ermöglicht den spontanen Aufbau von losen Beziehungen zwischen vorher unverbunden Individuen.
2. Social Production (Soziale Produktion): Klassischerweise existiert bei der Generierung von Inhalten ein (oder sehr wenige) Autoren. Die Soziale Generierung von Inhalten beschreibt hingegen die Möglichkeit jeden Benutzers, direkten Einfluss auf die Generierten Inhalte zu nehmen.
3. Egalitarianism (Gleichheit der Benutzer): Dem Namen nach zielt dieses Prinzip auf eine Glättung der Rechtestruktur in den Anwendungen ab. Dies wird durch eine Verschmelzung der Rechte von Referenten und Konsumenten praktisch realisiert, wodurch eine verbesserte Interaktion der Benutzer untereinander ermöglicht wird.
4. Service-Dominant Logic (Serviceorientierte Logik): Die serviceorientierte Logik besagt, dass Benutzer nicht allein ein Produkt möchten, sondern vielmehr den Service hinter dem Produkt. Das bedeutet, dass der Benutzer aus Rolle der Passivität heraus, hinein in die Rolle eines aktiven Mitgestalters gelassen werden sollte.

2.2 Enterprise 2.0

Andrew McAfee, einer der Pioniere in den Bereichen Web 2.0 und Enterprise 2.0 definiert in seinem offiziellen Weblog Enterprise 2.0 wie folgt:

„Enterprise 2.0 is the use of emergent social software platforms within companies, or between companies and their partners or customers.“[9]

Demnach findet der Einsatz von Web 2.0-Technologien in und zwischen Unternehmen seine Bezeichnung in „Enterprise 2.0”. Jedoch wird dadurch nicht ausschließlich die Nutzung der genannten Technologien im betrieblichen Kontext beschrieben, sondern auch die damit verbundenen Auswirkungen auf die Informations- und Organisationsstruktur, sowie die Unternehmenskultur. Diese Auswirkungen wurden in einer Studie von Berlecon Research wie folgt identifiziert (Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Auswirkungen von Web 2.0 für Unternehmen[10]

2.3 Rollenverständnis im klassischen BPM

In diesem Abschnitt soll etwas genauer das Rollenverständnis im klassischen Geschäftsprozessmanagement erörtert werden. Standardwerke zum Geschäftsprozessmanagement sind sich hierbei weitestgehend bezüglich der Rollenverteilungen und Entscheidungskompetenzen einig, was folgende Tabelle verdeutlichen soll.[11][12][13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Rollenverständnis im klassischen BPM in der Literatur[14]

Dieser Literaturvergleich (Tabelle 1) lässt erkennen, dass im Allgemeinen eine Unterscheidung zwischen zwei wesentlichen Gruppen (Rollen) vorgenommen wird – denjenigen Mitarbeitern, die für die Prozessgestaltung verantwortlich sind (im Folgenden Prozessgestalter genannt) und denen, die für die Prozessausführung verantwortlich sind (im Folgenden Prozessausführer genannt). Bei den Prozessgestaltern handelt es sich dabei entweder um leitende Angestellte, ausgewählte Mitarbeiter bzw. Fachexperten oder externe Prozessberater oder Prozessmodellierer. Entsprechend dazu handelt es sich bei den Prozessausführern um Mitarbeiter in der direkten Ausführungsebene.

Die Aufgabe der Prozessgestalter liegt zunächst in der Identifikation der relevanten Prozesse, sowie einer groben Spezifizierung der Abläufe. Mit zunehmenden Detaillierungsgrad werden die Prozessausführer einbezogen, da es sich bei diesen um die Hauptwissensträger der betrieblichen Teilprozesse handelt.

Im Rahmen der Prozessoptimierung kommen anschließend methodische Ansätze bzw. Vorgehensmodelle (wie beispielsweise SixSigma) zum Einsatz, welche weitere Einflussquellen, wie Kunden oder Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiter, mit einbeziehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Einflussmöglichkeiten der Rolleninhaber im klassischen BPM[15]

Nach der zusammenfassenden Abbildung (Tabelle 2) der Einflussmöglichen der Rolleninhaber im klassischen BPM lässt sich festhalten, dass die Prozessgestalter umfangreiche Rechte zur direkten Gestaltung der Geschäftsprozesse haben, wohingegen die Prozessausführer über sehr begrenzte Möglichkeiten verfügen. Da die Beschreibung vorhandener Prozesse lediglich die Wiedergabe des Ist-Prozesses darstellt, ist den Prozessausführern schlussendlich keine unmittelbare Einflussnahme in die Prozessgestaltung möglich.

3. Untersuchungsansatz

3.1 Review

Die vorliegende Arbeit wurde nach der Review Methode erstellt. Der Review Begriff ist breit gefächert und es existieren viele verschiedene Sichtweisen. Diese Arbeit lehnt sich an den Beitrag von Cooper[16] an, da dieser allgemein am verbreitesten ist und auch in der Literatur viel Anklang und Zustimmung findet. Demnach wird ein Review durch zwei wesentliche Merkmale definiert:[17]

1. Die Grundlage eines Reviews sind verschiedene Primär-untersuchungen, auf denen ein Review aufgebaut wird. Diese Untersuchungen werden zu einer oder mehreren, thematisch ähnlichen, Forschungsfrage(n) durchgeführt. Im Review selbst werden keine neuen primären Ergebnisse zur Forschungsfrage vorgestellt.
2. Das Ziel eines Reviews ist, die Ergebnisse einiger ausgewählter Primäruntersuchungen zu bewerten, zusammenzufassen, zu beschreiben, zu klären oder zu integrieren. Das Review kann sich dabei auf inhaltliche, methodische, theoretische oder auch andere Eigenschaften der Primäruntersuchungen stützen.

Cooper definiert die Vorgehensweise zur Erstellung eines Reviews mit Hilfe von sechs Schritten: „Focus of attention, goal of the synthesis, perspective on the literature, coverage of the literature, organization of the presentation and intended audience”[18] (Problemformulierung, Zielsetzung, Literatursuche, Literaturauswertung, Präsentationsvorbereitung, Bestimmung der Zielgruppe).

Diese Schritte werden im Folgenden näher erläutert.

3.2 Vorgehensweise

Die Review Methode gliedert sich in die bereits erwähnten 5 Hauptbereiche, an denen sich auch diese Arbeit orientiert.

Der erste Schritt stellt die Problemformulierung dar, in der die Fragestellung ausformuliert, abgegrenzt und näher präzisiert[19] wird. Danach folgt die Literatursuche. Hier werden verschiedene Bibliotheken und Literaturdatenbanken nach entsprechenden Schlagwörtern, wie beispielsweise „Referenzmodell“ oder „Wiederverwendbarkeit“, durchsucht und die Literatur gesammelt. Im dritten Schritt, der Literaturauswertung, wird dann festgestellt, welche der gefundenen Schriften relevant für das Thema sind und Literatur, die sich als irrelevant herausstellt, kann nun abgegrenzt werden. Die relevante Literatur wird gegliedert, bedeutende Stellen markiert und danach nach Wichtigkeit sortiert. In der darauffolgenden Phase, der Analyse und Interpretation, werden die Ergebnisse der vorherigen Phase analysiert, wobei die Fragestellung, auf die sich das Review bezieht, immer im Vordergrund steht und ein ständiger Bezug hergestellt wird.[20] Als letzte Phase folgt dann die Präsentation der Lösungsansätze, wobei die Ergebnisse der Untersuchung aufbereitet, auf einander abgestimmt und der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Man kann von vorneherein allerdings nicht von solch einem starren Ablauf ausgehen, es ist immer möglich, dass wieder Rückschritte zwischen den einzelnen Phasen erfolgen und somit ein zyklischer Ablauf entsteht.

4. Erweiterte Konzepte

4.1 Beziehungen zwischen Social Software und BPM

Die Beziehung zwischen Social Software und dem Geschäftsprozessmanagement kann auf zwei unterschiedliche Weisen verstanden werden.[21]

Die erste Variante beschreibt die Nutzung von Social Software als Teil eines Geschäftsprozesses. So könnte entsprechende Webanwendungen beispielsweise zur Verbesserung des Kundenkontaktes genutzt werden, wodurch ein Rückkanal von Konsumenten zum Produzenten entsteht. Die Ergebnisse eines solchen Wissenstransfers könnten dann unter anderem in die Entscheidungsfindung zu betrieblichen Fragestellungen einfließen.

Die zweite Variante beschreibt das Geschäftsprozessmanagement als ein „Objekt“ der Social Software. Nach diesem Verständnis wird Social Software also zum Design, der Modellierung, der Optimierung usw. von Geschäftsprozessen eingesetzt. Auf dieses Verständnis der Beziehung zwischen Social Software und BPM soll in der vorliegenden Arbeit Bezug genommen werden.

4.2 Prinzipien von Social Software im BPM und deren Erfolgspotentiale

Die in Kapitel 2.1.3 beschriebenen Prinzipien von Social Software weisen besondere Potentiale im Kontext des BPM auf, welche im Folgenden aufgegriffen werden.[22]

1. Weak ties (Lose Beziehungen): Lose Beziehungen erlauben die Sammlung von Informationen außerhalb einer etablierten Gruppe und erhöhen damit sowohl die Quantität aus auch die Qualität des Wissensflusses im Unternehmen. Diese Beziehungen können sowohl Unternehmensintern als auch Unternehmensübergreifend verstanden werden.

[...]


[1] Schmelzer, Hermann J.; Sesselmann, W.: Geschäftsprozessmanagement in der Praxis - Kunden zufrieden stellen, Produktivität steigern, Wert erhöhen, 6. Ausgabe, Hanser (2008), S. 2

[2] Eigene Erstellung

[3] Stocker, A.; Tochtermann, K.: Anwendungen und Technologien des Web 2.0: Ein Überblick In: Blumauer, A.; Pellegrini, T (Hrsg.): Social Semantic Web, Springer Berlin Heidelberg 2008, S. 63ff.

[4] Dr. Schmidt, J: Social Software – Onlinegestütztes Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement. In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen. Nr.2/2006 S. 37-46.

[5] Euler, M.; Bell, T.: Selbstorganisation und komplexe Systeme, In: IPN Blätter, Ausgabe 1/2000.

[6] Leimeister J.M.: Kollektive Intelligenz, In: Wirtschafsinformatik Volume 52 (2010), S. 239ff.

[7] Gales, J: Special Report Internet encyclopaedieas go head to head, http://www.nature.com/nature/journal/v438/n7070/full/438900a.html, Abrufdatum: 20.08.2010 (kostenpflichtig).

[8] Schmidt, R.; Nurcan, S.: Augmenting BPM with Social Software, In: Rinterle-Ma, S.; Sadiq, S.; Leymann, F.: Business Process Management Workshops – BPM 2009 International Workshops Uml, Germany, September 2009 Revised Papers, Springer, S. 201ff.

[9] Andrew McAfee, The Business Impact of IT, Enterprise 2.0 – Version 2.0, 27.05.2006 http://andrewmcafee.org/2006/05/enterprise_20_version_20/ Abrufdatum: 17.08.2010.

[10] Berlecon Research (2007): Web 2.0 in Unternehmen – Potentiale von Wikis, Weblogs und Social Software; http://www.berlecon.de/studien/downloads/Berlecon_Web2.0.pdf , S. 22 Abrufdatum: 17.08.2010.

[11] Schmelzer, Hermann J.; Sesselmann, Wolfgang (Hrsg.): Geschäftsprozessmanagement in der Praxis. Kunden zufrieden stellen, Produktivität steigern, Wert erhöhen. 6. Aufl. München: Hanser, S. 432ff.

[12] Becker, J.; Mathas, C.; Winkelmann, A.; Geschäftsprozessmanagement, Springer 2009, S. 35f.

[13] Gadatsch, A.; Grundkurs Geschäftsprozessmanagement – Methoden und Werkzeuge für die IT-Praxis: Eine Einführung für Studenten und Praktiker, 6. Aufl. GWV Fachverlage GmbH 2010.

[14] Eigene Erstellung

[15] Eigene Erstellung

[16] Cooper, H.M.: Synthesizing Research – A Guide for Literature Reviews. 3.Aufl., Thousand Oaks et al. 1998.

[17] Fettke, P.:State-of-the-Art des State-of-the-Art - Eine Untersuchung der Forschungsmetho- de „Review“ innerhalb der Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsinformatik 48 (2006) 4, S.258.

[18] Cooper, H.M., Hedges L.V.: The Handbook of Research Synthesis, Russell Sage Founda- tion,1994, S.4.

[19] Fettke, P.: State-of-the-Art des State-of-the-Art - Eine Untersuchung der Forschungsmethode „Review“ innerhalb der Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsinformatik 48 (2006) 4, S.260.

[20] Fettke, P.:State-of-the-Art des State-of-the-Art - Eine Untersuchung der Forschungsmethode „Review“ innerhalb der Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsinformatik 48 (2006) 4, S.258.

[21] Schmidt, R.; Nurcan, S.: Augmenting BPM with Social Software, In: Rinterle-Ma, S.; Sadiq, S.; Leymann, F.: Business Process Management Workshops – BPM 2009 International Workshops Uml, Germany, September 2009 Revised Papers, Springer, S. 203f.

[22] Schmidt, R.; Nurcan, S.: Augmenting BPM with Social Software, In: Rinterle-Ma, S.; Sadiq, S.; Leymann, F.: Business Process Management Workshops – BPM 2009 International Workshops Uml, Germany, September 2009 Revised Papers, Springer, S. 201ff.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Die Themenfacette des Social BPM
Untertitel
Geschäftsprozessmanagement
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Institut für Wirtschaftsinformatik)
Autor
Jahr
2010
Seiten
37
Katalognummer
V168029
ISBN (eBook)
9783640848881
ISBN (Buch)
9783640849253
Dateigröße
1322 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Social BPM, BPM 2.0, Social Software, Empowerment, BPM, Geschäftsprozessmanagement, Agiles BPM, BPM Lifecycle, Lebenzyklus, Modellierung, Prozessoptimierung, Qualitätssicherung, Business Engineering, Business Engineering Labor
Arbeit zitieren
B. Sc. Tom Thaler (Autor), 2010, Die Themenfacette des Social BPM, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168029

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Themenfacette des Social BPM



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden