Der Sturz der Tyrannis

Ein Schritt zur Demokratie in Athen am Ende des 6. Jh. v. Chr.?


Seminararbeit, 2009

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Anschlag auf die Tyrannen 514 v. Chr
2.1. Die Vorgeschichte
2.2. Der Tathergang
2.3. Die Bedeutung der Tyrannenmörder und die Auswirkungen des Anschlags

3. Die Vertreibung des Hippias und der Sturz der Tyrannis
3.1. Die Ereignisse nach dem Attentat von 514 v. Chr
3.2. Die Hilfe der Spartaner
3.3. Der Sturz der Tyrannis

4. Die Ereignisse in Athen nach dem Sturz der Tyrannis

5. Ergebnis

6. Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1. Quellenausgaben / Übersetzungen / Kommentare
6.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Im sechsten Jahrhundert v. Chr. kam es in Athen zu einigen Ereignissen, welche in den darauffolgenden Jahren ausschlaggebend für die Entwicklung der athenischen Demokratie waren. Nach mehreren Versuchen gelang es schließlich dem Aristokraten Peisistratos, 546/545 v. Chr. die Alleinherrschaft zu erlangen, und somit etablierte sich eine Form der Tyrannis im attischen Stadtstaat. Mit dem Tod des Peisistratos 528/527 kamen seine Söhne Hippias und Hipparchos an die Macht und führten die Tyrannis weiter.1

Schon während der Machtergreifungen des Peisistratos entwickelte sich in Athen eine Opposition, deren Ziel es war, den Tyrannen zu vertreiben. Die Bemühungen dieser Opposition gipfelten am Ende des 6. Jahrhunderts in einem Anschlag bei den Panathenäen des Jahres 514, dessen Ziel es war, die Söhne des Peisistratos, Hippias und Hipparchos, zu ermorden. Da dieser Anschlag jedoch fehlschlug und nur Hipparchos den Attentätern zum Opfer fiel, verschlimmerte sich in den folgenden Jahren die nun von Hippias allein ausgeübte Tyrannis. Durch ein mit Sparta geschlossenes Bündnis gelang den Athenern dann schließlich 510 die Vertreibung des Hippias.2

Das Ziel dieser Arbeit soll es sein, diesen Sturz der Tyrannis anhand der auf uns gekommenen historischen Überlieferungslage genauer zu untersuchen. Dabei sollen die einzelnen Ereignisse explizit beleuchtet und in einen größeren Kontext eingeordnet werden. Dabei stehen zwei Fragestellungen im Vordergrund: Zum einen soll die Frage geklärt werden, ob die beiden Tyrannenmörder Harmodios und Aristogeiton mit ihrem Anschlag wirklich die Bringer einer Isonomia waren, als welche sie in den Jahren nach dem Sturz der Tyrannis gefeiert wurden, und zum anderen soll erörtert werden, inwieweit die Vertreibung des Hippias ein Schritt auf dem Weg zur attischen Demokratie war.

2. Der Anschlag auf die Tyrannen 514 v. Chr.

2.1. Die Vorgeschichte

Durch die auf uns gekommenen Quellen wissen wir, dass die von Peisistratos ausgeübte Tyrannis mit seinem Tod nicht endete, sondern von seinen Erben fortgeführt wurde. Darüber, wer genau die Herrschaft nach den Jahren 528/527 v. Chr. innehatte, existieren in den Quellen Unstimmigkeiten. Aristoteles zu Folge waren es die beiden älteren Söhne des Peisistratos, Hippias und Hipparchos3, die aus der Verbindung mit seiner attischen Ehefrau hervorgegangen waren, aber auch zwei andere Söhne, von einer Argivierin mit Namen Timonassa, finden bei ihm Erwähnung.4 Bei Thukydides findet sich dagegen eine andere Aussage, denn in seinem Werk über den Peloponnesischen Krieg schreibt er, dass es Hippias gewesen sei, der als der ältere der Söhne die Herrschaft ausübte.5 Der Frage welcher Version nun der Vorzug gegeben werden muss, kann hier nicht näher nachgegangen werden. Es ist vorstellbar, dass Hippias aufgrund seines Status als Erstgeborener die Herrschaft über Athen ausübte und dass Aristoteles der Überlieferungstradition mit zwei Tyrannen an der Spitze des Stadtstaates folgte.6 Entscheidender für die oben genannten Fragestellungen ist jedoch nicht die Frage, welcher der Söhne des Peisistratos herrschte, sondern, wie es zu dem Anschlag auf ihr Leben bei den Panathenäen des Jahres 514 v. Chr. kam und was die Motive der beiden Attentäter Harmodios und Aristogeiton waren. Sowohl Aristoteles als auch Thukydides sind sich darüber einig, dass die Gründe, welche zur Ausübung des Mordversuchs führten persönlicher Natur waren, sie sehen als Auslöser also keine vorrangig politische Motivation.7 Bei beiden steht die vermeintliche Liebesbeziehung zwischen Harmodios und Aristogeiton im Vordergrund, welche durch das sexuelle Verlangen eines der Peisistratossöhne gefährdet war, sowie die familiäre Demütigung aufgrund des Ausschlusses der Schwester des Harmodios von dem Panathenäenzug. Uneinig sind sich die beiden Autoren allerdings, von welchem der Peisistratiden das Übel seinen Ausgang nahm. Laut Aristoteles war es der jüngere Thettalos, der sich in Harmodios verliebte, laut Thukydides war es Hipparchos. Ein Problem, das sich nicht ohne weiteres lösen lässt, denn obwohl Thukydides zeitlich näher an den Ereignissen schreibt und es schließlich auch Hipparchos ist, der später dem Anschlag zum Opfer fällt, muss Aristoteles einen Grund für die Nennung von Thettalos gehabt haben.8 Ein weiterer Unterschied zwischen den Schilderungen des Aristoteles und des Thukydides besteht darin, dass Aristoteles zwar die erwähnte Liebesgeschichte als Hauptmotiv nennt, aber auch darauf hinweist, der eigentliche Anschlag habe dem Hippias gegolten, und es seien noch viele andere an der Tat beteiligt gewesen.9 Also ein Hinweis darauf, dass es wohl einen größeren Plan einer größeren Menge gab, die Tyrannis zu stürzen. Die Motive von Harmodios und Aristogeiton, welche zum Anschlag bei den Panathenäen 514 v. Chr. führten, sind von großer Bedeutung bei der späteren Frage danach, ob die beiden Attentäter als Bringer einer Isonomia, wie sie in einem Skolion aus den Jahren nach dem Anschlag gefeiert werden10, gesehen werden können oder nicht.

2.2. Der Tathergang

Wie schon bei der Frage nach der Motivation der Tyrannenmörder sind auch bei der Beschreibung des eigentlichen Tathergangs des Attentats die Hauptquellen die Schilderungen des Aristoteles als auch die des Thukydides.11 Beide Quellen sind sich bezüglich des Ablaufes des Anschlags relativ einig, geht doch aus ihnen hervor, dass sich der Mordversuch an den Panathenäen des Jahres 514 zutrug, genauer gesagt während des Panathenäenzuges, einer Prozession zu Ehren der Stadtgöttin Athena, die vom Keramaikos, dem Töpferviertel der Stadt, über den öffentlichen Marktplatz, die Agora, zum Tempel der Athena Polias auf der Akropolis führte.12 Desweiteren liefern uns die Quellen die Information, dass nur Hipparchos zu Tode kam und Hippias den Anschlag unversehrt überlebte. Auch der Grund für diesen Fehlschlag wird genannt, nämlich das vermeintliche Verraten des Planes durch einen Mitverschworenen, was Harmodios und Aristogeiton dazu veranlasst haben soll, doch wenigstens noch irgendeine Tat vor dem vollständigen Scheitern des Attentats auszuüben.13 Über das Schicksal der beiden klären die Quellen ebenfalls auf, so wird der unmittelbare Tod des Harmodios geschildert, aber auch die Folterung des Aristogeiton und sein letztlich grausames Ende.14

Uneinigkeit herrscht in den Quellen allerdings bei der Frage nach dem Standort der beiden Peisistratidenbrüder. Thukydides platziert Hippias an den Anfang des Panathenäenzuges, also in den Keramaikos und damit außerhalb der Stadtmauer, und Hipparchos an das Leokoreion innerhalb der Stadtmauer.15 Aristoteles stimmt mit Thukydides bezüglich des Aufenthaltsortes des Hipparchos noch überein, er lokalisiert Hippias jedoch nicht am Anfang des Zuges, sondern an dessen Ende, also beim Empfangen der Prozession auf der Akropolis . 16 Ein möglicher Grund für die Angabe des Aristoteles könnte es sein, dass bei der Beschreibung des Thukydides eine wichtige Person beim Endpunkt des Zuges fehlte und er dieses Problem mit der Umsetzung des Hippias lösen wollte.

[...]


1 Aristot. Ath. pol. 14,1-17,4.

2 Aristot. Ath. pol. 18,1-19,6.

3 Aristot. Ath. pol. 18,1.

4 Aristot. Ath. pol. 17,3-4.

5 Thuk. 1,20,2; 6,54,2-55,4.

6 Ausführlich zur Frage der Herrschaftsfolge siehe: M. Chambers, Aristoteles (1990), 212-214; H. Berve, Tyrannis (1967), 63-64.

7 Aristot. Ath. pol. 18,2; Thuk. 6,54,2-3; 6,56,1-2.

8 Ausführlich zur Frage welcher Peisistratide dem Harmodios Anträge machte: M. Chambers, Aristoteles (1990), 215.

9 Aristot. Ath. pol. 18,2.

10 Athen. 15,695.

11 Aristot. Ath. pol. 18,3-6.; Thuk. 1,20,2; 6,57,1-58,2.

12 Zu den Panathenäen und zum Panathen ä enzug: R. Parker, DNP 9 (2000), s.v. Panathenaia, Sp. 230-232.

13 Ari]stot. Ath. pol. 18,3; Thuk. 6,57,2-3.

14 Aristot. Ath. pol. 18,4-6; Thuk. 6,57,4.

15 Thuk. 6,57,1-3.

16 Aristot. Ath. pol. 18,3.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Sturz der Tyrannis
Untertitel
Ein Schritt zur Demokratie in Athen am Ende des 6. Jh. v. Chr.?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar: Die athenische Demokratie
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V168059
ISBN (eBook)
9783640849338
ISBN (Buch)
9783640849376
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Athen, Demokratie, Peisistratos, Hippias, Hipparchos, Harmodios, Aristogeiton, Tyrannentöter
Arbeit zitieren
Werner Feth (Autor), 2009, Der Sturz der Tyrannis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168059

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