Corporate Citizenship im Globalisierungsprozess

Das Engagement des Mineralölkonzerns ExxonMobil und dessen Implikationen auf die fragilen Staaten der Subsahara


Hausarbeit, 2009
21 Seiten, Note: 1,00

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Corporate Citizenship Konzept
2.1 Definitorische Annäherung an den Begriff des Corporate Citizenship und
Abgrenzung zum Terminus ,,Corporate Social Responsibility‘‘
2.2 Eigentum verpflichtet: Unternehmen als Bürger in der Gesellschaft
2.3 Der Social Investment State als ,,Third Way’’ zwischen Neoliberalismus und
Sozialstaat

3. Corporate Citizenship im Zeitalter der Globalisierung

4. Die Vereinigung von gesellschaftlichen Interessen mit unternehmerischem Nutzen
als Potential des Bürgerschaftsengagements
4.1 Kalkulierte Großzügigkeit : Der ,,Business Case‘‘
4.2 Profit für die Gesellschaft: Der ,, Social Case‘‘
4.3 Corporate Citizenship als Balance zwischen Mäzenatentum und Sponsoring

5. Risikofaktor Corporate Citizenship

6. Der Konzern ExxonMobil und sein Engagement in den erdölreichen Staaten der Subsahara
6.1 ,,Paradox of Plenty‘‘: Die ressourcenreichen afrikanischen Staaten als
Konglomerate politischer, sozialer und ökonomischer Dilemmata
6.2 Porträt der Corporate Citizenship Strategie von ExxonMobil in Afrika
6.3 Die Problemregion Tschad und das Exxon Valdez Desaster als kausale Faktoren
für begründete Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Konzernengagements

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

,,Making Money by Doing Good‘‘[1], diesen Trend haben große, multinational agierende Unternehmen wie Novartis, General Motors oder auch ExxonMobil längst erkannt, und legen folglich hohen Wert darauf, sich extern als vorbildliche Corporate Citizen zu kommunizieren. Unter der Devise des Corporate Citizenship (CC), also des bürgerschaftlichen Engagements von Unternehmen für die Gesellschaft, werden soziale Aktivitäten längst nicht mehr als lästige Pflicht betrachtet, sondern als durchaus ökonomisch sinnvolle Investitionen, die positiven Einfluss auf die Wertschöpfung und Marktkapitalisierung des Unternehmens nach sich ziehen[2].Aktienindizes, wie der Dow Jones Sustainability Index oder der FTSE4Good, bieten mittlerweile Transparenz und umfassende Vergleichsmöglichkeiten für die Nachhaltigkeit des Engagements von Unternehmen[3]. Profit werfen unternehmerische Aktivitäten vor allem deshalb ab, weil moralisches Integrität und soziales Engagement auf den globalen Märkten sowohl von Shareholdern, als auch von Konsumenten und Stakeholdern honoriert werden[4]. Unternehmen werden zu immer wichtigeren Akteuren in modernen polyzentrischen Gesellschaften, eine Entwicklung, die der Terminus der ,,Ökonomisierung der Gesellschaft‘‘[5] zu beschreiben versucht. Durch die Inkorporierung gesellschaftlicher Akteure schwindet aber auch das Machtpotential und die Steuerungsfähigkeit des korporatistischen Staates[6]. Multinationalen Unternehmen haben somit, im Rahmen der zunehmenden Expansion des Corporate Citizenship Engagements auf Entwicklungs- und Schwellenländer, einen Einfluss auf die Mitgestaltung ordnungspolitischer und staatlicher Rahmenbedingungen, obwohl sie dafür keinerlei demokratische Legitimation besitzen[7]. Eine völlig neue Problemdimension des Global Governance ergibt sich, wenn Unternehmen wie der Ölmultikonzern ExxonMobil in fragilen, erdölreichen Staaten der Subsahara zunehmend staatliche Aufgaben übernehmen und somit dem Rückzug des Staates aus originären sozial- und gesundheitspolitischen Sektoren subsidiarisch assistieren. Doch was genau versteht man unter

Corporate Citizenship im Zeitalter der Globalisierung? Welche Chancen und Risiken birgt dieses globale Engagement? Welche Auswirkungen hat unternehmerisches Wohlfahrtsengagement im

Kontext der fragilen Staatsgebilde der erdölreichen Subsahara Staaten, und wie ist dies zu bewerten? Diese und andere Fragen rund um das Thema Corporate Citizenship sollen im Verlauf dieser Hausarbeit untersucht und exemplarisch am Engagement des Konzerns ExxonMobil in Subsahara-Afrika dargelegt werden. Dabei muss zunächst der zentrale Begriff des Corporate Citizenship definitorisch vom Begriff der Corporate Social Responsibility abgegrenzt werden, ehe eine Spezifizierung des Unternehmens als Corporate Citizen, also als Bürger der Gesellschaft, erfolgen kann. Anschließend wird Giddens politisches Konzept des ,,Third Way‘‘[8] diskutiert, in dem Corporate Citizenship als Instrument des Social Investment State fungiert, und die radikale Mitte zwischen Neoliberalismus und Sozialstaat darstellt. Nach einer umfassenden Analyse der globalen Ursachen für die zunehmende Notwendigkeit gesellschaftliche Verantwortungs-Übernahme folgt die Illustration der Vorteile, die bürgerschaftliches Engagement für Unternehmen und Gesellschaft mit sich bringt. Vorbereitend auf die exemplarische Darlegung des Corporate Citizenship Engagements in der Subsahara werden die Risiken des Konzepts kontrovers debattiert. Bevor die theoretischen Überlegungen, anhand des bürgerschaftlichen Engagements des Mineralölkonzerns ExxonMobil in Schwarzafrika, mit empirischen Erkenntnissen illustriert werden können, muss eine genaue Darstellung der fragilen postkolonialen Staaten der Subsahara erfolgen. Abschließend wird das Corporate Citizenship Konzept des Konzerns ExxonMobil porträtiert, ehe eine umfassende Bewertung und Kritik desselben erfolgt.

2. Das Corporate Citizenship Konzept

,,The Social Responsibility of Business is to Increase its Profits‘‘[9]. Gemäß des US-amerikanischen Ökonomen Milton Friedman besteht die moralische Verpflichtung von Unternehmen einzig und allein darin, ihre Gewinne zu maximieren. Heute, in Zeiten von Globalisierung und Weltwirtschaftskrise, haben Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung erkannt und verstehen sich immer mehr als ,,Corporate Citizens‘‘, also als verantwortungsvoller Bürger in der Gesellschaft. Die strategische Verknüpfung von Geschäftszielen mit Gemeinwohlinteressen verheißt der Wirtschaft dabei ein besseres Image, leistungsfähigere Mitarbeiter, zufriedenere Kunden, kurzum eine bessere Unternehmensperformance im harten Wettbewerb[10].

2.1 Definitorische Annäherung an den Begriff des Corporate Citizenship und Responsibility‘‘

Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen wird zunehmend relevanter für strategisches Firmenmanagement und gesellschaftliche Belange. Den Kern bildet dabei immer die Frage um die Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft. In der Praxis herrscht jedoch definitorische Unklarheit hinsichtlich der Vielzahl von Deutungsversuchen und Begrifflichkeiten[11]. Die beiden global gebräuchlichen und sich nur durch spezifische Akzentuierungen unterscheidenden Begriffe der Corporate Social Responsibility(CSR) und des Corporate Citizenship(CC) scheinen sich derzeit durchzusetzen[12]. Beide Begriffe thematisieren das Engagement von Unternehmen, allerdings aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Während Corporate Social Responsibility, aus dezidiert betriebswirtschaftlicher Sicht, im wirtschaftlichen Handeln von Unternehmen gründet und Themen wie Arbeits- und Sozialrecht, Ressourcenmanagement und in die Ausgestaltung betrieblicher Prozesse und Strukturen integriert, geht Corporate Citizenship über den wirtschaftlichen Unternehmenszweck hinaus. Laut Westebbe & Logan bezeichnet Corporate Citizenship ,,das gesamte koordinierte, einer einheitlichen Strategie folgende und über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinausgehende Engagement von Unternehmen zur Lösung gesellschaftlicher Probleme‘‘[13]. Zu einem wesentlichen Teil des Konzepts wird dabei die ,,[…] gezielte Kommunikation des gesellschaftlichen Engagements gegenüber möglichst vielen Zielgruppen‘‘[14] erklärt, sprich die öffentlichkeitswirksame Inszenierung der Corporate Citizenship- Maßnahmen, die einen wesentlichen Beitrag zur Aufbesserung der Firmenreputation leisten soll[15].

2.2 Eigentum verpflichtet: Unternehmen als Bürger der Gesellschaft

Aristoteles spricht, abgeleitet vom apriorischen Konzept der antiken Polis, von einem Bürger bei einer Person die das Bürgerrecht wahrnimmt, also aktiv am politischen Leben und dem Gemeinwesen teilnimmt[16]. Seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert wird unter dem Konzept des Citoyen (engl. Citizen) die inhaltliche Ausgestaltung einer lebendigen Demokratie, als Privileg bürgerlichen Seins, verstanden[17]. Doch ist es legitim, Unternehmen, die in ihrer Konstituierung als

juristische Person einzig der Erfüllung ihrer Existenzbedingungen ,,sine qua non‘‘ , Liquidität, Rentabilität und Wachstum verpflichtet sind, originär bürgerliche Rechte und Pflichten aufzuerlegen[18] ? Der Absatz 2 im Artikel 14 des deutschen Grundgesetzes lässt darauf schließen. Die Satzung ,,Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen‘‘[19], kann man durchaus als Aufforderung zu unternehmerischem Corporate Citizenship verstehen, schließlich bedingt die zunehmende Inkorporierung von Unternehmen in staatliche Entscheidungen und die Dominanz von Markt und Wettbewerb, die obendrein zahlreiche Fehlentwicklungen, wie die Weltwirtschafts- und Finanzkrise, zur Folge hatte, auch eine Pflicht zur Übernahme von Verantwortung für die Gesellschaft[20].

2.3 Der Social Investment State als ,,Third Way‘‘ zwischen Neoliberalismus und Sozialstaat

Social Capital (soziales Kapital) wurde Anfang der 1990er Jahre von James Samuel Coleman und Robert D. Putnam als Schlüsselmerkmal von Gemeinschaften identifiziert. und kreiert sich durch die Bereitschaft der Bürger, miteinander zu kooperieren. In seinem Buch ,,Der dritte Weg‘‘ argumentiert Giddens, dass die Rolle dieses sozialen Kapitals lange Zeit negiert wurde, da es nicht in die klassischen politischen Schemata passte. Dem ,,big government‘‘ der Sozialdemokraten, die sich für einen extensiven sozialen Wohlfahrtsstaat mit staatlichen Beschränkungen im Wirtschaftssektor aussprachen, stand das ,,lean government‘‘ der neoliberal Konservativen gegenüber, die für einen minimalistischen Staat, basierend auf Deregulierung und Marktliberalisierung, kämpften. Die Investition in soziales Kapital, wie es beim Corporate Citizenship betrieben wird, lässt sich jedoch nicht in eine dieser beiden Kategorien einordnen, sondern stellt gemäß Giddens politischem Konzept des ,,Third Way‘‘[21] in Form des ,,Social Investment State‘‘ die radikale Mitte zwischen Neoliberalismus und Sozialstaat dar[22].

[...]


[1] s. Janes, Jackson/ Stuchtey, Tim (2008): ,,Making Money By Doing Good‘‘. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 31, 31/2008, 07.2008,S. 20-25, S. 20

[2] s. Heidbrink, Ludger (2008): ,,Wie moralisch sind Unternehmen?‘‘. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 31, 31/2008, 07.2008, S. 3-6, S. 3

[3] s. Wedl, Isabella (2008): Corporate Citizensh ip. Ein Konzept zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung und seiner Umsetzung im internationalen Kontext am Beispiel des Engagements der BMW AG in Südafrika, Passau: o.V., 2008, S. 10

[4] s. Heidbrink, Ludger (2008): a.a.O., S. 3

[5] Schimank, Uwe/ Volkmann, Ute: ,,Ökonomisierung der Gesellschaft‘‘. In: Maurer, Andrea (Hg.): Handbuch der Wirtschaftssoziologie, Wiesbaden: VS Verlag, 2008, S. 382-393, S.382

[6] s. Backhaus-Maul, Holger (2008): ,,Traditionspfad mit Entwicklungspotential‘‘. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 31, 31/2008, 07.2008, S. 14 -17, S.18

[7] s. Wedl, Isabella (2008): a.a.O., S. 46

[8] s. Giddens, Anthony (1999) : Der dritte Weg, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1999, S.187

[9] s. Friedmann, Milton (1970): ,,The Social Responsibility of Business is to Increase its Profits’’. In: New York Times Magazine, Heft 14.09.70, 09.1970.

[10] s. Nährlich,Stefan (2008): ,,Euphorie des Aufbruchs und Suche nach gesellschaftlicher Wirkung‘‘. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 31, 31/2008, 07.2008, S. 26-31., S. 26

[11] s. Wedl, Isabella (2008): a.a.O., S. 7

[12] s. Backhaus-Maul, Holger (2008): a.a.O., S.15

[13] Westebbe, Josef/Logan, David (1995): Corporate Citizenship. Unternehmen im gesellschaftlichen Dialog, Wiesbaden: Dr. Th. Gabler Verlag, 1995., S.16f.

[14] Westebbe, Josef/Logan, David (1995): a.a.O., S. 15

[15] s. ebd., S. 15f.

[16] s. Gellner, Winand/ Glatzmeier, Armin: Macht und Gegenmach t, Baden Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, 2004, S. 25

[17] s. Janes, Jackson/ Stuchtey, Tim (2008): a.a.O., S. 21

[18] s. Schierenbeck, Henner (2003): Grundzüge der Betriebswirtschaftslehre, München: Oldenbourg Wissenschafts- Verlag, 2003, S.62

[19] Grundgesetz GG: Artikel 14. München: DTV-Beck,412007

[20] s. Heidbrink, Ludger (2008): a.a.O., S. 4

[21] s. Giddens, Anthony (1999) : Der dritte Weg, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1999, S.187

[22] s. Renner, Andreas (2001): ,,Social Capital, Corporate Citizenship and the Social Market Economy. The Third Way Policies in Great Britain and in Germany’’. In: Habisch, André et al. (Hg): Corporate Citizenship as Investing in Social Capital, Berlin: Logos Verlag, 2001, S.64-75, S. 64ff.

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Details

Titel
Corporate Citizenship im Globalisierungsprozess
Untertitel
Das Engagement des Mineralölkonzerns ExxonMobil und dessen Implikationen auf die fragilen Staaten der Subsahara
Hochschule
Universität Passau  (Lehrstuhl für Politikwissenschaft II)
Veranstaltung
Public Affairs und Public Relations
Note
1,00
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V168064
ISBN (eBook)
9783640849727
ISBN (Buch)
9783640849642
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
corporate, citizenship, globalisierungsprozess, engagement, mineralölkonzerns, exxonmobil, implikationen, staaten, subsahara
Arbeit zitieren
Stephanie Julia Winkler (Autor), 2009, Corporate Citizenship im Globalisierungsprozess, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168064

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