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Die Organisation der Marter

Title: Die Organisation der Marter

Seminar Paper , 2008 , 18 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Sebastian Veit (Author)

Sociology - Law and Delinquency
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Ein Verbrechen wird mit einer Strafe geahndet. Das war in Gesellschaften schon immer so. Aber die Art und Weise, ihre Funktion und Ordnung, sowie ihre Folgen haben sich mit der Zeit grundlegend geändert. Mit fortschreitender gesellschaftlicher Modernisierung entfaltete sich ein anderes System der Bestrafung. Anhand von Berichten, die vornehmlich aus Frankreich und England stammen, wird hier die Bestrafung von gesellschaftlich untollerierbaren Verhaltens beschrieben und analysiert.
Mit Hilfe von Michel Foucault ("Überwachen und Strafen") werden in dieser Arbeit das Strafmaß, die Methodik, die Ausübung und der Verlauf der sog. Martern des 18. und 19. Jahrhunderts beleuchtet und moderne Wege der Bestrafung dargestellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Marter

2.1. Funktion der Marter

2.2. Organisation der Marter

3. Disziplin

4. Das Gefängnis als umfassende Strafe

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Wandel des Strafsystems, insbesondere den Übergang von den körperzentrierten, grausamen „Martern“ hin zum modernen Gefängnissystem und der Etablierung von Disziplinarmaßnahmen. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche Funktionen diese unterschiedlichen Strafformen innerhalb der Gesellschaft erfüllten und wie sich das Verständnis von Macht und Kontrolle über den Körper im Laufe der Zeit transformiert hat.

  • Die soziologische Bedeutung der „Marter“ als politisches Ritual und Machtdemonstration.
  • Die Funktion von Öffentlichkeit und Terror bei der Durchführung historischer Strafen.
  • Die Mechanismen der Disziplinierung und die Optimierung des menschlichen Verhaltens in Institutionen.
  • Der Wandel des Strafvollzugs: Vom Körperstrafrecht zum Freiheitsentzug.
  • Psychologische Aspekte der Faszination für Gewalt und Schreckensschauspiele.

Auszug aus dem Buch

2.2. Organisation der Marter

Die Marter waren mitnichten nur einfache Schauspiele, bei denen es um nichts anderes als Blutrausch und Mord ging. Es war keinesfalls nur ein Augenblick des Wahnsinns und des Terrors. Es war ein Zeremoniell zur Wiederherstellung der für den Augenblick verletzten Souveränität. Außerdem war sie auch eine politische Zeremonie, in der sich für einen Augenblick jegliche Macht auf einen Punkt kompensierte. Die Marter (oder auch peinliche Strafe) liefen nach festgelegten Regeln und Zeremonien ab. Selbst der Weg zum Schafott, an dem die Strafe ihren Höhepunkt fand, war klar definiert: „Zug durch die Stadt, Halt an Straßenkreuzungen und Kirchen, öffentliche Vorlesung des Urteils, Niederknien, laute Erklärungen der Reue über die Gott und dem König angetane Beleidigung“.

Danach wurde der Delinquent zum Schafott von mehreren Offizieren begleitet, die selbst in einer bestimmten Reihenfolge aufgestellt worden waren. Dieser militärische Charakter war gewollt um zu demonstrieren, wie stark die Übermacht des Königs ist und wie klein demgegenüber ein jeder ist. Damit war die Hinrichtung mehr als nur ein Justizverfahren; sie war eine „Manifestation der Macht“.

Die besagten Offiziere hatten noch eine weitere Aufgabe: sie sollten den Verbrecher vor dem Volk schützen. Häufig wurden die Verbrecher bereits auf dem Gang zum Schafott angegriffen oder gar getötet. Um diesen Übergriffen vorzubeugen wurden Offiziere gezielt zum vorläufigen Schutz des Verbrechers benutzt. Also war das Volk auch eine Art Entscheidungsträger. Es konnte sich auf die Seite des Königs, oder auf die Seite des Verbrechers stellen. Es war also in der Lage die Hinrichtung abzulehnen, sie zu verhindern, oder gar dagegen zu rebellieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Wandel vom körperzentrierten Strafsystem zum modernen Freiheitsentzug und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Gründen dieser Transformation.

2. Marter: Dieses Kapitel analysiert die „Marter“ als peinliche, ritualisierte Strafe, ihre rechtlich-politischen Funktionen und ihre Bedeutung als Machtdemonstration des Souveräns.

2.1. Funktion der Marter: Der Fokus liegt auf der Rolle der öffentlichen Rache, der Abschreckung und der Bedeutung des Verbrechers als Feindbild innerhalb der Gesellschaft.

2.2. Organisation der Marter: Hier wird der zeremonielle Ablauf der Hinrichtungen und die organisatorische Einbindung verschiedener Akteure, wie des Schaf-Richters, detailliert beschrieben.

3. Disziplin: Das Kapitel erläutert, wie Macht subtil durch Disziplinierung, Überwachung und die räumliche sowie zeitliche Optimierung des Körpers ausgeübt wird.

4. Das Gefängnis als umfassende Strafe: Es wird die Ablösung der Marter durch das Gefängnis als modernes, administrativ organisiertes Strafsystem beschrieben, das auf die Besserung des Individuums abzielt.

5. Fazit: Das Fazit fasst den Wandel der Strafjustiz zusammen und reflektiert, dass die heutige Form der Strafe möglicherweise nicht das Ende eines kontinuierlichen Prozesses der gesellschaftlichen Kontrolle darstellt.

Schlüsselwörter

Marter, Strafe, Disziplin, Foucault, Souveränität, Macht, Gefängnis, Freiheitsentzug, Hinrichtung, Körperstrafrecht, Kontrolle, Überwachung, Gesellschaft, Besserung, Straftheater

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den historischen Wandel von körperzentrierten, grausamen Strafen hin zu modernen, disziplinierenden Strafsystemen wie dem Gefängnis.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die Soziologie der Bestrafung, die Ausübung von Macht durch den Souverän sowie die Mechanismen der Disziplinierung und sozialen Kontrolle.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es soll ergründet werden, warum sich das Strafsystem so grundlegend gewandelt hat und welche Rolle die Disziplinierung des menschlichen Körpers in diesem Prozess spielt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine theoretische Analyse, primär basierend auf Michel Foucaults Werk „Überwachen und Strafen“ sowie Wolfgang Sofskys „Traktat über die Gewalt“.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Marter als politisches Ritual, die Analyse von Disziplinierungsmechanismen und die Transformation zum Gefängnis als umfassender Strafe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Marter, Macht, Disziplin, Foucault, Kontrolle, Souveränität und die Transformation der Strafjustiz.

Warum spielt das Volk im Zusammenhang mit der Marter eine wichtige Rolle?

Das Volk fungierte als Zuschauer und Entscheidungsträger, dessen Anwesenheit und Unterstützung die Macht des Souveräns manifestierte und die abschreckende Wirkung der Hinrichtung verstärkte.

Inwiefern unterscheidet sich die Disziplin vom klassischen Martern?

Während die Marter direkte Gewalt gegen den Körper als Sühne ausübte, setzt die Disziplin auf subtile Techniken, wie Zeitplanung und Überwachung, um das Individuum zu formen und zu optimieren.

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Details

Title
Die Organisation der Marter
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Soziologie)
Course
Die organisierte Gesellschaft
Grade
1,5
Author
Sebastian Veit (Author)
Publication Year
2008
Pages
18
Catalog Number
V168069
ISBN (eBook)
9783640849758
ISBN (Book)
9783640850228
Language
German
Tags
Foucault Organisation Marter England Frankreich Bestrafung Strafen Überwachen Disziplin Verbrechen Soziologie Strafrecht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Veit (Author), 2008, Die Organisation der Marter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168069
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