Seit Januar 1998 ist die Schweizer Post in die beiden voneinander unabhängigen Teilbereiche Telekommunikation und Postdienst getrennt, die seitdem als selbständige Unternehmen operieren.
Überdies wurde das Postmonopol gelockert: Päckchen mit einem Gewicht größer als 2 kg dürfen ab 1.1.1998 auch von Privatdiensten befördert werden, die Grenze wurde dabei von 5 kg herabgesetzt.
Die Post sah sich somit dem Dilemma gegenüber, einerseits einer kostenintensiven flächendeckenden Grundversorgung verpflichtet zu sein, andererseits aber aufgrund des Wegfalls der Telekomsparte keine Subventionen aus diesem Bereich mehr zu erhalten und trotzdem in intensivem Wettbewerb mit Privatanbietern zu stehen.
Um all diese Herausforderungen bewältigen zu können, musste die Schweizer Post ihr Unternehmen restrukturieren. Unter dem Schlagwort „Paketpost 2000“ wollte die Post bis zum Jahr 2000 wettbewerbsfähig werden und in die Gewinnzone kommen, was sie mit einem Unternehmensgewinn von 194 Mio. Franken in 2001 und 204 Mio. Franken in 2002 auch geschafft hat.
Um dieses Ziel zu erreichen, wurden etliche Maßnahmen durchgeführt. Weiterhin wurde die Paketauslieferung zentralisiert, indem Pakete über insgesamt 66 Zustellbasen (ZB) an die Kunden ausgeliefert werden.
Die im Vorfeld zu lösende Problemstellung umfasste folgende Bereiche:
- Anzahl, Standorte und Kapazitäten der Paketzentren PZ
- Anzahl, Standorte und Kapazitäten der ZB
- Zuordnung der ZB und Poststellen (PS) zu den PZ
- Zuordnung Kundenregionen zu ZB
Um mögliche Lösungen für dieses Problem zu ermitteln, wurde ein einstufiges, unkapazitiertes Standortmodell benutzt, welches im Folgenden detailliert beschrieben wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Struktur des Systems der Paketauslieferung
2.1 Fluss von den Poststellen zu und zwischen den PZ
2.2 Fluss von den PZ zu den ZB
2.3 Fluss von den PZ und ZB zu den Kunden
3. Das unkapazitierte, einstufige Standortmodell (Warehouse-Location-Problem WLP)
3.1 Fluss von den Poststellen zu den PZ
3.2 Fluss von den PZ zu den ZB und Kapazitätsrestriktionen
3.3 Fahrzeugrouten
4. Schätzung der auftretenden Kosten
4.1 (Betriebs-)Kosten einer ZB
4.2 Zuordnungskosten cij
4.2.1 Transportkosten vom PZ zu den ZB
4.2.1.1 Transport per Bahn
4.2.1.2 Transport per LKW
4.2.1.3 Gesamtkosten:
4.2.2 Kostenkomponenten „Pakethandling“ in den PZ
4.2.3 Kostenkomponente Transport von der ZB zur Kundenregion gij
4.2.4 Handlingkosten in der ZB
4.2.5 Zusammenfassen der Einzel-Kosten zu den gesamten Zuordnungskosten cij
5. Ergebnisse
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Restrukturierung der Schweizer Paketpost vor dem Hintergrund einer Marktliberalisierung. Das primäre Ziel ist die Optimierung der Standortwahl für Zustellbasen durch die Anwendung mathematischer Modelle des Operations Research, um trotz gestiegenem Wettbewerbsdruck und Wegfall von Subventionen die Wirtschaftlichkeit und den Kundenservice zu sichern.
- Analyse der Logistikstruktur und Paketflüsse der Schweizer Post.
- Mathematische Modellierung eines unkapazitierten Warehouse-Location-Problems (WLP).
- Detaillierte Kostenmodellierung für Transport, Handling und Betrieb.
- Durchführung von Szenarioanalysen und Sensitivitätsprüfungen zur Standortsicherung.
- Entwicklung von unterstützenden Software-Tools für die strategische Entscheidungsfindung.
Auszug aus dem Buch
3. Das unkapazitierte, einstufige Standortmodell (Warehouse-Location-Problem WLP)
Die Studie ergab Folgendes: Zu den gegebenen Standorten der PZ mussten aus der Menge der potentiellen ZB die geeignetsten gefunden werden sowie das Problem der Zuordnung der Kundengebiete zu den PZ und den ZB gelöst werden. Dabei galt es, die Gesamtkosten zu minimieren. Diese bestehen aus den Betriebskosten der ZB sowie den Transportkosten im entstehenden Netzwerk.
Dieses Problem konnte zu einem unkapazitierten, einstufigen Standortmodell (unkapazitiertes WLP) reduziert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Beschreibt den Kontext der Liberalisierung des Schweizer Postmarktes und die daraus resultierende Notwendigkeit der Restrukturierung sowie der Effizienzsteigerung durch das Projekt „Paketpost 2000“.
2. Struktur des Systems der Paketauslieferung: Erläutert die logistische Kette, bestehend aus Paketzentren (PZ), Zustellbasen (ZB) und den verschiedenen Flussrichtungen der Sendungen von den Poststellen bis zum Kunden.
3. Das unkapazitierte, einstufige Standortmodell (Warehouse-Location-Problem WLP): Führt das mathematische Optimierungsmodell ein, das zur Minimierung der Gesamtkosten unter Berücksichtigung von Standort- und Zuordnungsentscheidungen eingesetzt wird.
4. Schätzung der auftretenden Kosten: Detailliert die komplexen Kostenkomponenten wie Betriebskosten, Handling und verschiedene Transportarten, die als Parameter in das Optimierungsmodell einfließen.
5. Ergebnisse: Präsentiert die Lösungen der Szenarioanalysen und zeigt auf, wie durch die mathematische Modellierung die optimale Anzahl von Zustellbasen ermittelt werden konnte.
6. Zusammenfassung: Reflektiert den Prozess der Restrukturierung und betont die Bedeutung von Sensitivitätsanalysen als Brücke zwischen mathematischer Theorie und strategischer Unternehmensentscheidung.
Schlüsselwörter
Schweizer Post, Restrukturierung, Operations Research, Standortplanung, Warehouse-Location-Problem, Paketlogistik, Transportkosten, Zustellbasen, Netzwerkoptimierung, Szenarioanalyse, Sensitivitätsanalyse, Marktliberalisierung, Supply Chain Management.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Restrukturierung der logistischen Prozesse der Schweizer Paketpost, um in einem zunehmend liberalisierten Marktumfeld wettbewerbsfähig und profitabel zu bleiben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die logistische Netzwerkstruktur, die mathematische Standortplanung von Zustellbasen sowie die detaillierte Modellierung von Betriebskosten im Postwesen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, mittels eines Standortmodells die kostenminimale Anzahl und Verteilung von Zustellbasen zu bestimmen, um eine flächendeckende Versorgung effizient sicherzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein unkapazitiertes, einstufiges Warehouse-Location-Problem (WLP) verwendet, welches mit einem Branch-and-Bound-Algorithmus zur Kostenminimierung gelöst wird.
Welche Aspekte werden im Hauptteil vertieft?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung der Standortwahl, die Herleitung der Kostenparameter für Transport und Handling sowie die Auswertung verschiedener Zukunftsszenarien.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Standortplanung, Netzwerkoptimierung, Paketlogistik und Kostenmodellierung definiert.
Wie gehen die Autoren mit den Unsicherheiten der Kostenparameter um?
Da viele Werte auf Schätzungen beruhen, wurden umfangreiche Sensitivitätsanalysen durchgeführt, um die Robustheit der optimalen Lösung gegenüber Änderungen der Fix- und variablen Kosten zu prüfen.
Welche Rolle spielt das Nachtfahrverbot für die Standortentscheidung?
Das Nachtfahrverbot erzwingt eine Differenzierung zwischen LKW- und Bahntransport, was dazu führt, dass Standorte bevorzugt werden, die hohe Umladekosten vermeiden, selbst wenn dies längere Auslieferungsrouten zur Folge hat.
- Quote paper
- Christian Ferber (Author), 2003, Restrukturierung der Schweizer Paketpost, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16809