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Lessings "Nathan der Weise" und der Antisemitismus. Welche Rolle kann das Drama in der schulischen Präventionsarbeit spielen?

Título: Lessings "Nathan der Weise" und der Antisemitismus. Welche Rolle kann das Drama in der schulischen Präventionsarbeit spielen?

Texto Academico , 2025 , 23 Páginas

Autor:in: Anonym (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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Der Text zeigt auf, welche Relevanz der Antisemitismus für die Figurenkonstellation und die Handlung des Dramas "Nathan der Weise" hat. Davon ausgehend werden Überlegungen angestellt, wie das Stück im Rahmen der Antisemitismusprävention im Fach Deutsch unterrichtet werden könnte.

Lessings „Nathan der Weise“ gehört auch heute noch zu den Lektüreklassikern der gymnasialen Oberstufe. Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig, aber ein maßgeblicher ist seine als „zeitlos“ empfundene Aktualität. Darauf deuten auch die gängigen Unterrichtsmodelle für den Deutschunterricht hin, deren didaktisches Kernanliegen nach wie vor darin besteht, die aufklärerische Toleranzbotschaft des Stücks und das vorbildlich vorurteilsfreie Verhalten seiner jüdischen Hauptfigur zu vermitteln. Doch ist diese Lesart heute überhaupt noch zeitgemäß – nach Auschwitz und in Zeiten grassierender Judenfeindschaft? Konterkariert nicht der positive Bezug auf Toleranz und Aufklärung die wissenschaftlichen Einsichten in die Schattenseiten und die Dialektik der Aufklärung? Und mit Blick auf den Gehalt des Stücks: Ist Lessings Drama überhaupt von der Sorte didaktischer Erbauungsliteratur, als die es Generationen von Schülerinnen und Schüler bis heute kennenlernen?

Extracto


Inhaltsverzeichnis

  • I. Einleitung
  • II. Judenfeindschaft als Thema und Gehalt des Stücks
  • III. Ein Drama der Aufklärung?
  • IV. Konsequenzen für einen antisemitismuskritischen Literaturunterricht – ein Ausblick

Zielsetzung & Themen

Dieser Text hinterfragt die traditionelle Lesart von Lessings „Nathan der Weise“ als bloßes Toleranzdrama der Aufklärung. Angesichts des historischen und aktuellen Antisemitismus untersucht die Arbeit, wie das Drama in der schulischen Präventionsarbeit genutzt werden kann, um eine differenzierte und antisemitismuskritische Perspektive zu vermitteln, anstatt eine vereinfachte Darstellung der Aufklärung zu perpetuieren.

  • Kritische Neubewertung von Lessings „Nathan der Weise“.
  • Antisemitismus in Lessings Drama und seiner Rezeption.
  • Widersprüche der Aufklärung hinsichtlich der Judenemanzipation.
  • Aktuelle Rezeptionssituation und die virulente Gefahr des Antisemitismus.
  • Konsequenzen für einen antisemitismuskritischen Literaturunterricht.
  • Entwicklung didaktischer Strategien zur Thematisierung von Judenfeindschaft im Schulkontext.

Auszug aus dem Buch

Lessings „Nathan der Weise“ und der Antisemitismus: Welche Rolle kann das Drama in der schulischen Präventionsarbeit spielen?

Lessings „Nathan der Weise“ gehört auch heute noch zu den Lektüreklassikern der gymnasialen Oberstufe. Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig, aber ein maßgeblicher ist seine als „zeitlos" empfundene Aktualität.¹ Darauf deuten auch die gängigen Unterrichtsmodelle für den Deutschunterricht hin, deren didaktisches Kernanliegen nach wie vor darin besteht, die aufklärerische Toleranzbotschaft des Stücks und das vorbildlich vorurteilsfreie Verhalten seiner jüdischen Hauptfigur zu vermitteln. Doch ist diese Lesart heute überhaupt noch zeitgemäß - nach Auschwitz und in Zeiten grassierender Judenfeindschaft? Konterkariert nicht der positive Bezug auf Toleranz und Aufklärung die wissenschaftlichen Einsichten in die Schattenseiten und die Dialektik der Aufklärung? Und mit Blick auf den Gehalt des Stücks: Ist Lessings Drama überhaupt von der Sorte didaktischer Erbauungsliteratur, als die es Generationen von Schülerinnen und Schüler bis heute kennenlernen?

Es sind vor allem drei Einwände, die gegen die Reduktion des Klassikers auf ein Stück aufklärerische Tendenzliteratur sprechen. Der erste folgt aus dem Werk selbst, das einer allzu glatten, harmonisierenden Lesart widerstrebt. Ganz im Gegenteil, es ist bis zum Ende von ungelösten Konflikten durchzogen. So inszeniert etwa das Schlusstableaux keineswegs die Apotheose einer allgemeinen Menschheitsverbrüderung, wie eine weit verbreitete, didaktisch verkürzte Interpretation glauben machen möchte. Gegen sie hat Ruth Klüger zu Recht eingewandt: „Nathan steht am Ende allein da.“² Und diese Einsamkeit der Hauptfigur hängt eng mit der grundlegenden Konfliktstruktur des Stückes zusammen, wie sie im Lessing-Handbuch beschrieben wird: „Bei den christlichen Figuren seiner Stücke lösen Lessings Juden [...] die ganze Palette antijüdischer Ressentiments aus, die über Jahrhunderte die Einstellung der Christen gegenüber den Juden prägten.“³ Offensichtlich sind diese Vorurteile zu tief verwurzelt, um am Ende gänzlich überwunden zu werden – vielmehr bleiben sie wohl nur vorläufig suspendiert.

Aus dieser Sonderstellung Nathans, der immer wieder durch gesellschaftliche Isolierung und der damit verbundenen Gefahr für Leib und Leben bedroht ist, folgt ein zweiter Einwand: Lessings Drama lässt sich nicht widerspruchslos der Epoche der Aufklärung zuordnen. Denn bereits die frühe Rezeption des Stücks zeigt ein erhebliches Spannungspotenzial im Hinblick auf Nathans jüdische Identität. So lehnte etwa Lessings Zeitgenosse Immanuel Kant das Stück aufgrund eigener antijüdischer Vorurteile ab. In einem Brief an Johann Gottfried Herder berichtet Johann Georg Hamann 1776, Kant habe Lessings Stück „bloß als der 2 Theil der Juden beurtheilt“ und könne „keinen Helden aus diesem Volk leiden“.⁴ Kants Invektive zeigt: Lessing rührt an eine Wunde der Aufklärung, die sich in der Frage der Judenemanzipation keineswegs eindeutig tolerant positionierte. Im Gegenteil, sie hatte in ihren Reihen eine erkleckliche Zahl an Judenfeinden. Zwar bildete die Bewegung der Aufklärung eine wichtige Voraussetzung für die Forderung nach der Emanzipation der Juden – in Frankreich wurde ihre bürgerliche Gleichstellung 1789 realisiert –, aber ihre herausragenden Denker waren mitnichten frei von antijüdischen Vorurteilen.⁵ Zudem haben verschiedene Forschungsbeiträge wiederholt darauf hingewiesen, dass die Philosophie der Aufklärung oft genug die „Ablösung einer ,mosaischen‘ Welt der Sklaverei von Gesetz und Buchstabe durch eine von Wahrheit und menschlicher Freiheit geprägte“ als ihr Ziel ansah, und damit die Vorurteile des christlichen Antijudaismus fortschrieb. Dass Kants und Lessings Haltung gegenüber dem Judentum und der Toleranz dabei überaus widersprüchlich ist, haben mittlerweile zahlreiche Publikationen aufgezeigt. Dies betrifft auch Lessings pluralistischen Begriff von Wahrheit, der die drei monotheistischen Religionen als gleichrangig anerkennt und untrennbar mit der Forderung nach politischer Emanzipation der Juden in der Aufklärung verbunden ist. Die verbreitete Rezeption von Lessings Werk als Toleranzdrama der Aufklärung birgt somit die Gefahr, zur Mythisierung dieser Epoche beizutragen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die traditionelle Rezeption von Lessings „Nathan der Weise“ als Toleranzdrama infrage und identifiziert drei zentrale Einwände, darunter die interne Konfliktstruktur des Dramas, die ambivalente Haltung der Aufklärung zum Judentum und die aktuelle Virulenz des Antisemitismus.

II. Judenfeindschaft als Thema und Gehalt des Stücks: Hier wird die kontroverse Rolle des Antisemitismus in „Nathan der Weise“ beleuchtet, indem die Darstellung Nathans und die antijüdischen Ressentiments der christlichen Figuren analysiert werden, die Lessings Werk eine tiefere, oft missverstandene Dimension verleihen.

III. Ein Drama der Aufklärung?: Das Kapitel kritisiert die undifferenzierte Einordnung von „Nathan der Weise“ als reines Aufklärungsdrama, indem es Kants eigene judenfeindliche Haltung beleuchtet und Lessings differenzierteren Toleranzbegriff hervorhebt, der die Widersprüche der Aufklärung explizit thematisiert.

IV. Konsequenzen für einen antisemitismuskritischen Literaturunterricht – ein Ausblick: Dieses Kapitel schlägt konkrete didaktische Wege vor, um Lessings Drama im Deutschunterricht antisemitismuskritisch zu behandeln, aktuelle Bezüge herzustellen und eine reflektierte Auseinandersetzung mit der Geschichte und den modernen Formen des Antisemitismus zu ermöglichen.

Schlüsselwörter

Lessing, Nathan der Weise, Antisemitismus, Aufklärung, Toleranz, Literaturunterricht, Judenemanzipation, Rezeption, Didaktik, Stereotype, Judenfeindschaft, Präventionsarbeit, Kontextualisierung, Kritische Lesart, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Diese Arbeit kritisiert die herkömmliche Auffassung von Lessings „Nathan der Weise“ als unproblematisches Toleranzdrama der Aufklärung und untersucht, wie das Stück im schulischen Kontext genutzt werden kann, um eine differenzierte Auseinandersetzung mit Antisemitismus zu fördern.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder sind die Rezeption von Lessings „Nathan der Weise“, die Darstellung des Antisemitismus im Stück selbst, die Widersprüche der Aufklärung in Bezug auf die Judenemanzipation und die didaktischen Implikationen für einen antisemitismuskritischen Literaturunterricht.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die herrschende Lesart des Stücks zu hinterfragen und Vorschläge zu erarbeiten, welche Rolle das Drama in der schulischen Präventionsarbeit gegen Antisemitismus spielen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer kritischen Analyse literaturwissenschaftlicher Forschung, historischen Kontextualisierung und fachdidaktischen Reflexion, um die Rezeption und Vermittlung von Lessings Werk neu zu bewerten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Judenfeindschaft als zentrales Thema des Stücks und die Problematik der Einordnung Lessings in die Epoche der Aufklärung detailliert erörtert, wobei Kants Haltung zum Judentum Lessings differenzierterer Position gegenübergestellt wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Lessing, Nathan der Weise, Antisemitismus, Aufklärung, Toleranz, Literaturunterricht und Präventionsarbeit.

Warum wird die „zeitlose“ Aktualität von Lessings „Nathan der Weise“ in Frage gestellt?

Die „zeitlose“ Aktualität wird infrage gestellt, da eine rein positive Lesart der Toleranzbotschaft nach den historischen Ereignissen des Holocaust und angesichts des aktuell grassierenden Antisemitismus als nicht mehr zeitgemäß und potenziell verharmlosend betrachtet wird.

Welche Rolle spielen Immanuel Kants Ansichten über das Judentum im Kontext dieser Arbeit?

Kants Ansichten sind zentral, um die Widersprüche innerhalb der Aufklärung aufzuzeigen. Obwohl Kant als großer Aufklärer gilt, hatte er selbst tief sitzende antijüdische Vorurteile, die seinen Toleranzbegriff einschränkten und sich deutlich von Lessings differenzierterer Haltung unterschieden.

Was versteht die Arbeit unter „exkulpierender Traditionsbildung deutscher Schriftsteller nach 1945“?

Dies bezieht sich auf die Tendenz einiger deutscher Schriftsteller nach 1945, Nathan als einen „edlen Juden“ zu stilisieren, um eine Instanz der Humanität zu schaffen, die dem „verführten deutschen Volk“ Absolution gewähren sollte, anstatt sich kritisch mit den antisemitischen Implikationen des Stücks und der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen.

Inwiefern beeinflusst die traumatische Erfahrung Nathans seine Identität und Handlungen?

Nathans Identität und Handlungen sind tiefgreifend von der traumatischen Erfahrung der Ermordung seiner Familie in einem Pogrom geprägt. Dies führt zu seiner gesellschaftlichen Isolation und beeinflusst seine vorsichtige, auf Prävention bedachte Art im Umgang mit seiner Umgebung.

Final del extracto de 23 páginas  - subir

Detalles

Título
Lessings "Nathan der Weise" und der Antisemitismus. Welche Rolle kann das Drama in der schulischen Präventionsarbeit spielen?
Autor
Anonym (Autor)
Año de publicación
2025
Páginas
23
No. de catálogo
V1681322
ISBN (PDF)
9783389169698
ISBN (Libro)
9783389169704
Idioma
Alemán
Etiqueta
lessings nathan weise antisemitismus welche rolle drama präventionsarbeit
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Anonym (Autor), 2025, Lessings "Nathan der Weise" und der Antisemitismus. Welche Rolle kann das Drama in der schulischen Präventionsarbeit spielen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1681322
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