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Von Feminismus bis femme fatale

Emanzipierte Frauenfiguren und ihr Werdegang in Heinrich von Kleists Dramen und Erzählungen

Titre: Von Feminismus bis femme fatale

Dossier / Travail , 2015 , 25 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Sascha Grylicki (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Die vorliegende Arbeit analysiert die Darstellung von Frauenfiguren und weiblicher Handlungsmacht im dramatischen und erzählerischen Werk Heinrich von Kleists unter dem Fokus von Emanzipation, Kontingenz und Machtverhältnissen. Ziel ist es, systematisch zu untersuchen, inwiefern Kleists weibliche Figuren als autonom handelnde Subjekte erscheinen oder ob ihre vermeintliche Emanzipation primär ein literarischer Effekt bleibt.

Ausgehend von einer theoretischen Einordnung zentraler Emanzipationsbegriffe beleuchtet die Arbeit unterschiedliche Formen weiblicher Selbstbestimmung in ausgewählten Dramen und Erzählungen Kleists. Analysiert werden dabei sowohl soziale, psychologische als auch narrative Konstellationen, in denen Frauenfiguren Handlungsspielräume gewinnen, verlieren oder bewusst überschreiten. Die Untersuchung macht deutlich, dass Kleists Texte einfache Fortschritts- oder Opfererzählungen unterlaufen und stattdessen ambivalente Macht- und Abhängigkeitsstrukturen inszenieren.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage nach Kontingenz: Weibliche Figuren agieren häufig an der Schnittstelle von Zufall, gesellschaftlicher Norm und individueller Entscheidung. Die Arbeit zeigt, wie Kleist Emanzipation nicht als linearen Prozess, sondern als fragiles, situationsabhängiges Moment literarisch gestaltet. Dadurch wird die Spannung zwischen Selbstermächtigung und struktureller Begrenzung sichtbar.

Abschließend erweitert die Arbeit die literarische Analyse um einen Blick auf Kleists Korrespondenz, um mögliche Bezüge zwischen literarischer Konstruktion und zeitgenössischem Frauenbild zu reflektieren. Die Studie richtet sich an Studierende und Forschende der Germanistik, Literatur- und Kulturwissenschaft und bietet eine fundierte, differenzierte Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen, Emanzipationsdiskursen und narrativer Komplexität im Werk Heinrich von Kleists.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

  • I. Wege zur Unabhängigkeit
  • II. Formen und Spielarten von Emanzipation
  • III. Kleists literarische Töchter
    • III. I. Die Schroffensteins - Eine schrecklich nette Familie
    • III. II. Die Ambivalenz der Ehen im Amphitryon
    • III. III. Die Amazonen – Emanzen des antiken Mythos?
    • III. IV. Kunigundens Kabale
    • III. V. Die „Lisbeth-Vendetta“ des Michael Kohlhaas
    • III. VI. „Mutter-Tochter-Emanzipation“ in Die Marquise von O....
  • IV. Kleists feminine Korrespondenz
  • V. Kontingenz und Kohärenz der Emanzipation bei Kleists Frauenfiguren
  • VI. Quellen- und Literaturverzeichnis
    • VI. I. Quellenverzeichnis
    • VI. II. Literaturverzeichnis
      • VI. II. I. Primärliteratur
      • VI. II. II. Sekundärliteratur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht detailliert die emanzipatorische Rolle ausgewählter Frauenfiguren in Heinrich von Kleists Dramen und Erzählungen, um zu beurteilen, wie Kleist emanzipiertes Denken und Handeln literarisch umsetzt und ob dies kohärent oder kontingent erfolgt.

  • Tiefgehende Analyse emanzipierter Frauenfiguren in Kleists dramatischem und erzählerischem Werk.
  • Erarbeitung verschiedener Formen und Spielarten von Emanzipation, vom Feminismus bis zur Femme Fatale.
  • Untersuchung von Frauencharakteren in "Die Familie Schroffenstein", "Amphitryon", "Penthesilea", "Das Käthchen von Heilbronn", "Michael Kohlhaas" und "Die Marquise von O....".
  • Beleuchtung von Kleists persönlichem Frauenbild anhand seiner Korrespondenz mit seiner Schwester Ulrike von Kleist.
  • Erörterung der Frage, ob Kleists Darstellung von Emanzipation einem durchgängigen Muster folgt oder zufällig erscheint.

Auszug aus dem Buch

I. Wege zur Unabhängigkeit

„Staub lieber, als ein Weib sein, das nicht reizt! “1
Penthesilea

Diese martialischen Worte der Amazonenkönigin Penthesilea, eigentlich der emanzipierten Frau des antiken Mythos schlechthin, wirken auf den heutigen Leser, in einer Zeit, in der sich Feminismus und Schönheitswahn feindselig gegenüberstehen, gewissermaßen paradox. Weshalb stört sich eine Amazone, deren Metier, wie das der kriegerischen Männer, die Feldschlacht ist, an der entstellenden Wunde, die ihr der Speer des Peleiden zugefügt hat? Sind Narben nicht sexy? Sicher, aber nur bei Männern!? Die Antwort liegt wohl in der Aufklärung eines Missverständnisses. Nur weil die Amazonen emanzipierte Kriegerinnen sind, die nicht der männlichen Herrschaft unterliegen, sich gegen diese sogar gewaltsam durchsetzten und nun ihrerseits ausüben, darf diese Tatsache ihnen nicht das Recht auf Weiblichkeit absprechen. Zu dieser typischen Weiblichkeit gehört, nach Penthesileas und somit wohl auch Kleists Verständnis, die natürlich vollkommene Schönheit und der Reiz, den diese auf das männliche Geschlecht ausübt. Letztlich führt diese Darstellung der Amazonen zu der Überlegung, was Emanzipation überhaupt bedeutet. Sollen die Frauen den Männern am Ende gleichen? Sicher nicht, denn es geht ja nicht darum, anzugleichen, was von Natur aus unterschiedlich geschaffen ist, sondern wieder auszugleichen, was durch Ausnutzung dieser natürlichen Unterschiede, künstlich zu Ungleichberechtigung geführt hat. Die Frage, die an dieser Stelle bis heute offen bleibt, ist, ob dies durch Veränderung gesellschaftlicher Normen mittels Gesetzen, aus eigener Kraft, oder durch den subtilen Einsatz der speziellen „Waffen der Frau" geschehen sollte. Herrscht Pallas Athene oder Aphrodite?

Betrachtet man die Frauenfiguren in Kleists dramatischem und erzählerischem Werk, kommt man nicht umhin festzustellen, dass dieser sich möglicherweise ausführliche Gedanken um den emanzipatorischen Gehalt dieser Figuren gemacht haben könnte. Es ist kurios, wie selbstständig und unabhängig diese Charaktere im Rahmen der epochalen oder fiktiven Gesellschaftsnormen denken und handeln. Diese Arbeit hat das Ziel, möglichst viele Frauenfiguren in ausgewählten Dramen und Erzählungen, so ausführlich wie angemessen, auf ihre emanzipatorische Rolle hin zu überprüfen, um festzustellen, wie Kleist das emanzipierte Denken und Handeln seiner Frauenfiguren literarisch umsetzt und ob dieses einem kohärenten Gang der Ereignisse folgt, oder völlig kontingent ist.

Hierzu sollen im ersten Teil kurz einige allgemeinere Überlegungen zu verschiedenen, möglichen Formen der Emanzipation erarbeitet werden. Die Ergebnisse bilden die strukturelle Basis für die nachfolgende Untersuchung der Frauenfiguren in Kleists einzelnen Werken, denen je ein Unterkapitel gewidmet ist. Zum sich möglicherweise bietenden weiteren Verständnis soll im letzten Teil auch ein Blick auf Kleists Korrespondenz mit einer real existierenden Frau, namentlich seiner „Lieblingsschwester“ Ulrike von Kleist, geworfen werden, um am Ende eine Aussage darüber treffen zu können, inwiefern die Emanzipation der Frau in Kleists Werk eine Rolle spielte, oder ob es sich lediglich „zufällig traf“, dass diese Figuren so emanzipiert in Erscheinung treten.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Wege zur Unabhängigkeit: Dieses Kapitel führt in das Thema der weiblichen Emanzipation in Kleists Werk ein, diskutiert verschiedene Zugänge zur Unabhängigkeit und skizziert das Forschungsziel der Arbeit, Kleists Frauenfiguren auf ihre emanzipatorische Rolle hin zu untersuchen.

II. Formen und Spielarten von Emanzipation: Hier wird der Begriff der Emanzipation der Frau definiert und unterschiedliche Formen aufgezeigt, insbesondere der Gegensatz zwischen Feminismus und der "femme fatale", als theoretische Grundlage für die Analyse.

III. I. Die Schroffensteins – Eine schrecklich nette Familie: Dieses Unterkapitel analysiert die Frauenfiguren Eustache und Agnes im Drama "Die Familie Schroffenstein" und zeigt, wie sie in einem patriarchalischen Kontext Selbstständigkeit und Urteilsvermögen beweisen.

III. II. Die Ambivalenz der Ehen im Amphitryon: Es werden die Eheverhältnisse von Alkmene und Charis in Kleists "Amphitryon" untersucht, wobei Alkmene die traditionelle, pflichtbewusste Frau verkörpert und Charis eine de facto emanzipierte, schlagfertige Xanthippe darstellt.

III. III. Die Amazonen – Emanzen des antiken Mythos?: Dieses Kapitel beleuchtet Penthesilea als extrem emanzipierte Figur, die männliche und weibliche Eigenschaften vereint und sogar die Bräuche ihres eigenen Volkes überwindet, wodurch sie eine radikale Form weiblicher Selbstbestimmung darstellt.

III. IV. Kunigundens Kabale: Hier wird Kunigunde von Thurneck aus "Das Käthchen von Heilbronn" als eine "femme fatale" vorgestellt, die durch Verführung und Intrige Macht erlangt, und Kleists kritische Haltung gegenüber "falscher" Emanzipation aufgezeigt.

III. V. Die „Lisbeth-Vendetta“ des Michael Kohlhaas: Die Figur der Lisbeth Kohlhaas wird analysiert, deren eigenständiges und mutiges Handeln im Dienste ihres Mannes tragisch endet und Michael Kohlhaas' Rachefeldzug maßgeblich motiviert.

III. VI. „Mutter-Tochter-Emanzipation“ in Die Marquise von O....: Dieses Unterkapitel konzentriert sich auf die Marquise von O...., die sich aus einer Situation extremer Unterdrückung heraus zu einer selbstbestimmten Frau entwickelt und in Allianz mit ihrer Mutter patriarchale Strukturen herausfordert.

IV. Kleists feminine Korrespondenz: Das Kapitel wirft einen Blick auf Kleists Briefe an seine Schwester Ulrike, um sein persönliches Frauenbild und seine Vorstellungen von weiblicher Unabhängigkeit, insbesondere im Kontext eines "Lebensplans", zu ergründen.

V. Kontingenz und Kohärenz der Emanzipation bei Kleists Frauenfiguren: Im Fazit wird die Frage beantwortet, ob Kleist ein "Feminist" war, und resümiert, dass seine Darstellung emanzipierter Frauen eher auf einer intuitiven Empfindung basiert und das zeitgenössische Rollenverständnis nicht gänzlich überwindet, jedoch eine "sanfte Kritik" übt.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Emanzipation, Frauenfiguren, Feminismus, Femme fatale, Dramen, Erzählungen, Penthesilea, Die Marquise von O...., Michael Kohlhaas, Amphitryon, Die Schroffensteins, Geschlechterrollen, 19. Jahrhundert, Selbstbestimmung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Diese Arbeit befasst sich mit der detaillierten Untersuchung emanzipierter Frauenfiguren in den Dramen und Erzählungen Heinrich von Kleists, um deren Rolle und Kleists literarische Umsetzung von Emanzipation zu analysieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die verschiedenen Formen weiblicher Emanzipation, die Analyse spezifischer Frauenfiguren in Kleists Hauptwerken, der Vergleich zwischen Feminismus und der "femme fatale" sowie die Frage nach der Kohärenz oder Kontingenz von Emanzipation in Kleists Werk.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die emanzipatorische Rolle von Kleists Frauenfiguren in ausgewählten Dramen und Erzählungen zu überprüfen und festzustellen, ob Kleists Umsetzung emanzipierten Denkens und Handelns einem kohärenten Gang der Ereignisse folgt oder völlig kontingent ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine tiefgehende Textanalyse von Kleists Dramen und Erzählungen und ergänzt diese durch die Untersuchung von Kleists persönlicher Korrespondenz, um ein umfassendes Bild seines Frauenbildes zu erhalten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden einzelne Frauenfiguren aus Kleists Werken wie Eustache und Agnes (Die Schroffensteins), Alkmene und Charis (Amphitryon), Penthesilea, Kunigunde (Das Käthchen von Heilbronn), Lisbeth Kohlhaas und die Marquise von O.... ausführlich analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Heinrich von Kleist, Emanzipation, Frauenfiguren, Feminismus, Femme fatale, Dramen und Erzählungen.

Wie grenzt die Arbeit "Feminismus" von "femme fatale" ab?

Die Arbeit versteht Feminismus als einen philosophisch-politischen Kampf für die Gleichberechtigung der Frau, während die "femme fatale" Macht und emanzipierten Status durch erotische Verführung oder die Ausnutzung männlicher Schwächen erlangt, was oft als Untugend von Feministinnen betrachtet wird.

Inwiefern beeinflusst Kleists persönliche Korrespondenz das Verständnis seiner Frauenfiguren?

Kleists Briefe an seine Schwester Ulrike offenbaren ein ambivalentes Frauenbild und seine Vorstellung eines "Lebensplans" für Frauen, was ein nicht-literarisches Gegenstück zu den Handlungen seiner emanzipierten literarischen Figuren bietet.

Welche paradoxen Aspekte der Emanzipation werden in "Die Marquise von O...." beleuchtet?

Die Marquise von O.... erfährt eine paradoxe Emanzipation, die aus einer Situation extremer Unterdrückung (Vergewaltigung, gesellschaftliche Ächtung) entsteht. Sie wird finanziell unabhängig, handelt selbstbestimmt und verbündet sich mit ihrer Mutter gegen patriarchale Normen, selbst wenn sie formell eine Ehe eingeht.

Warum gilt Penthesilea als extremste Form der Emanzipation bei Kleist?

Penthesilea wird als extremste Form der Emanzipation angesehen, da sie sowohl das "Mannweib" als auch die "femme fatale" in sich vereint, über Achilleus triumphiert und sich sogar von den traditionellen Bräuchen ihres eigenen Amazonenvolkes emanzipiert, was ihre Selbstbestimmung in einem mythischen und zeitlich entrückten Kontext auf die Spitze treibt.

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Résumé des informations

Titre
Von Feminismus bis femme fatale
Sous-titre
Emanzipierte Frauenfiguren und ihr Werdegang in Heinrich von Kleists Dramen und Erzählungen
Université
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Cours
Kontingenz und Kohärenz in Heinrich von Kleists Prosawerk
Note
1,7
Auteur
Sascha Grylicki (Auteur)
Année de publication
2015
Pages
25
N° de catalogue
V1681729
ISBN (PDF)
9783389170236
ISBN (Livre)
9783389170243
Langue
allemand
mots-clé
Heinrich von Kleist Feminismus Penthesileia Die Marquise von O
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Sascha Grylicki (Auteur), 2015, Von Feminismus bis femme fatale, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1681729
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Extrait de  25  pages
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