„Der Herr der Ringe – Die zwei Türme“ als Genremix von Fantasy- und Kriegsfilm


Hausarbeit, 2009

13 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Material

3. Genre Fantasyfilm
3.1 Mittelerde als ‚Secondary World’
3.2 „Die zwei Türme“ und ‚The marvellous’
3.3 Die ‚Guten’ und die ‚Bösen’

4. Genre Kriegsfilm
4.1 Die Flucht der Rohirrim nach Helms Klamm
4.2 Die Schlacht von Helms Klamm
4,3 Die Zerstörung der Natur durch Saruman
4.4 Waffen und Rüstung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Ziel dieser Arbeit ist es, zu überprüfen, ob es sich bei „Der Herr der Ringe – Die zwei Türme“ um einen Genremix aus Fantasy- und Kriegsfilm handelt. Während einer Präsentation von Prof. Dr. Tanja Thomas, die im Rahmen einer Ringvorlesung im zweiten Semester stattfand, wurde auch die Frage nach Beispielen für das Genre Kriegsfilm gestellt. Neben Filmen wie „Im Westen nichts Neues“, „Apocalypse Now“ oder „Saving Private Ryan“, die auch in diesem Seminar behandelt wurden, schienen auch Filme wie „300“, „Troja“, „Starship Troopers“ oder „Star Wars“ diesem Genre zugehörig oder ihm zumindest verwandt anzumuten.

Auch die Trilogie von J.R.R. Tolkien in filmischer Umsetzung von Peter Jackson kam mir in den Sinn, da alle drei Teile epische Schlachten und Kämpfe zeigen. Die gesamte Trilogie in dieser Hinsicht zu bearbeiten ist aufgrund des begrenzten Rahmens, der ohnehin nur eine eher oberflächliche Analyse zulässt, nicht möglich. Daher beschränke ich mich auf den zweiten Teil. In „Die zwei Türme“ erscheinen sehr deutlich die Auswirkungen des Ringkrieges und vergangener Kriege, deutlicher als im ersten Teil „Die Gefährten“, der eher noch als Mix aus Fantasy- und Abenteuerfilm zu sehen ist. Aber auch dort lassen sich Bilder des Kampfes „Gut gegen Böse“ finden, wie etwa die Schlacht des „Letzten Bundes“, die am Anfang des Films gezeigt wird.

Vor der eigentlichen Analyse folgt noch eine Beschreibung des zugrunde liegenden Materials. Anschließend dann die Analyse der Merkmale von Fantasy- und Kriegsfilm, die sich in „Die zwei Türme“ finden lassen. Eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse schließt die Arbeit ab.

2. Material

Die Basis der folgenden Ausführungen bildet der Spielfilm „Die zwei Türme“[1], der im Dezember 2002 in Deutschland in die Kinos kam. Da es sich um den zweiten Teil einer Trilogie handelt, können Rückbezüge auf den ersten Teil notwendig sein. Eine gewisse Kenntnis der Filmtrilogie, natürlich besonders des zweiten Teils, wird vorausgesetzt. Informationen über den Autor erscheinen im Zusammenhang der Fragestellung nicht von Bedeutung und werden daher nicht gegeben.

Die herangezogene Literatur stammt sowohl aus dem Seminarapparat, als auch aus der Bibliothek der Universität Hamburg und dem Internet. Dazu wird aus einigen Filmkritiken zitiert, die sowohl deutscher, als auch englischer und amerikanischer Herkunft sind.

Für die Analyse des Fantasyanteils des Films wird als Grundlage die Genre-Studie von Ann Swinfen „In Defence of Fantasy“ herangezogen. Obwohl es sich dabei um eine Studie angloamerikanischer Literatur handelt, so können die dortigen Ergebnisse dennoch angewendet werden, da es sich bei der „Der Herr der Ringe“-Filmtrilogie um eine Literaturverfilmung handelt. Der Detailreichtum von Mittelerde, der verschiedenen Völker und Wesen sind in Tolkiens Büchern entstanden. So muss und will sich der Film so weit wie möglich an diese Vorlage halten und übernimmt zwangsläufig Gesetzmäßigkeiten der Fantasyliteratur. Zum Genre des Kriegsfilms war besonders „All Quiet on the Genre Front?“ eine Hilfe.

3. Genre Fantasyfilm

Dass die „Der Herr der Ringe“-Trilogie dem Fantasy-Genre zugeschrieben wird, sowohl in seiner filmischen und seiner literarischen Form, ist nicht verwunderlich. Mittelerde ist eine magische Welt mit einer langen Geschichte, bevölkert von verschiedensten Wesen und Schauplatz großer Kriege im Kampf Gut gegen Böse. Dieses Kapitel soll die unterschiedlichen Merkmale des Genres Fantasy in „Die zwei Türme“ zeigen und erläutern. Wie erwähnt, wird eine Kenntnis des Films vorausgesetzt, daher werden Namen, Orte und Szenen nicht oder nur sehr kurz beschrieben.

3.1 Mittelerde als Secondary World’

Mit Mittelerde hat Tolkien eine ‘Secondary World’ geschaffen, eine Zweitwelt, eine Nebenwelt, die Peter Jackson bildgewaltig umgesetzt hat. Sowohl die Bücher, als auch die Filme laden ein, den Alltag für ein paar Stunden zu vergessen. Nicht nur aus purem Eskapismus, sondern auch weil es bei diesen Werken möglich ist, die durch ihre Tiefe überzeugend und glaubhaft werden:

“The writer as sub-creator creates a complete and self-consistent ‘secondary world’, and if he is successful, the result is ‘secondary belief’ on the part of the reader: ‘He makes a Secondary World which your mind can enter. Inside it, what he relates is ‘true’: it accords with the laws of that world. You therefore believe it, while you are, as it were, inside’”.[2]

Dafür ist es allerdings nötig, sich dem Genre Fantasy mit eben Phantasie zu nähern, die vielen unterschiedlichen Völker und Wesen anzunehmen, die der Film zeigt. Dabei hilft das Hintergrundwissen des Zuschauers über Sagen, Legenden und

Mythen der eigenen Welt. Und, da „Die zwei Türme“ in einem mittelalterlich[3] anmutenden Setting spielt, auch das Wissen über die Geschichte derselben:

„This agreed-upon fantasy is the core truth of every medieval film. A world that lives in the imaginations of writers and directors is brought to the screen in such a way that it breaches the walls of our disbelief, and unconsciously we begin to contribute from our own experience, adapting the shared vision to create our own perception of the medieval world.”[4]

Hinzu kommt die erwähnte Tiefe des Hintergrundes und der Welt von Mittelerde, die in der gesamten Trilogie sichtbar wird. Auch in „Die zwei Türme“ sind viele Andeutungen auf eine lange Vergangenheit zu bemerken. Etwa als Frodo und Sam von Gollum durch die Totensümpfe geführt werden, wo die irrlichternden Geister von Elben und Menschen den Unvorsichtigen vom Weg abbringen können. Oder als Aragorn auf dem Weg in die Festung Helms Klamm Gimli erklärt, warum die Rohirrim ihre Hauptstadt aufgeben und fliehen: „ Helms Klamm hat sie schon früher gerettet.“ Auch die verschiedenen Sprachen, die vernommen werden können gehören dazu, etwa das alte Entisch von Baumbart, die elbische Sprache oder die Sprachen der Menschen[5].

Diese Details stammen natürlich aus der Vorlage, und, wie Ann Swinfen schreibt: “No other writer has produced the vast frame of reference which Tolkien created in his texts and his appendices […]”[6] Zusammen mit den Oscar-prämierten ‘Visual Effects’ wird es dem Zuschauer leicht gemacht, in die ‘Secondary World’ einzutauchen.

3.2 „Die zwei Türme“ und ‚The marvellous’

Ein weiterer wichtiger Begriff aus Ann Swinfens Genre-Studie. Da ‚marvellous’, ins Deutsche übersetzt, sowohl fabelhaft und wunderbar, als auch ausgezeichnet und fantastisch bedeuten kann, wird dieser Begriff weiterhin verwendet. ‚The marvellous ist ein grundlegender des Fantasy-Genres, wie Ann Swinfen schreibt:

“The essential ingredient of all fantasy is ‘the marvellous’, which will be regarded as anything outside the normal space-time continuum of the everyday world. […] The marvellous element which lies at the heart of all fantasy is composed of what can never exist in the world of empirical experience.”[7]

Zu diesen Elementen von ‚the marvellous’ gehört auf jeden Fall die Magie, die in „Herr der Ringe“ reichlich Verwendung findet. Ein eindrucksvolles Beispiel ist sicher die Ver- und Entzauberung von König Théoden, aber auch das künstliche ‚ins Leben rufen’ der Armee von Saruman. Außerdem ist der Zauberer im Besitz eines Palantìr, eines sehenden Steines, der es ihm ermöglicht direkt mit seinem körperlosen Gebieter zu kommunizieren. Auch die Mächtigen der Elben haben eine Möglichkeit der Fernunterhaltung durch Magie, denn Elrond und Galadriel befinden sich auf zwei verschiedenen Seiten des Nebelgebirges, als sie sich darüber besprechen, ob sie den Menschen von Rohan Hilfe zukommen lassen sollen.

Das mächtigste Artefakt ist aber der Eine Ring selbst, das Objekt der Begierde des dunklen Herrschers: „ Sauron intends to regain the ring, which will give him the power to throw Middle Earth into everlasting darkness and despair.“[8] Daher ist der Ring auch der Grund für den Krieg und für die Unternehmung der Gefährten. Er verlängert das Leben des Trägers, allerdings mit schrecklichen Auswirkungen, wie an der Figur von Gollum zu sehen ist. Auch Frodo beginnt an dieser Last zu leiden und hat immer wieder Anfälle von Umnachtung, besonders wenn die Ringgeister in der Nähe sind. Die Nazgul, auf ihren geflügelten Tieren besonders bedrohlich, sind Saurons mächtigste Diener und ständig auf der Suche nach dem Einen Ring. Doch auch unter den Menschen gibt es diejenigen, die anfällig für seine Macht sind, wie sich in „Die Gefährten“ an Isildur und Boromir zeigte und in „Die zwei Türme“ nun auch an seinem Bruder Faramir.

3.3 Die ‘Guten’ und die ‘Bösen’

Fantasy-Filme basieren fast immer auf Schwarz-Weiß-Malerei, zumeist steht ein Kampf des Guten gegen das Böse im Zentrum […].[9]

Die Rollen sind in der „Herr der Ringe“-Trilogie klar verteilt. Auf der einen Seite stehen die Völker der Hobbits, Elben, Zwerge, Ents und der Menschen von Rohan und Gondor, die sich im Angesicht der Übermacht des gemeinsamen Feindes Sauron zusammenschließen. Die andere Seite bilden Orks, Uruk-hai, Trolle, Haradrim und Wilde Menschen, aber auch der ehemals gute Zauberer Saruman und sein Spion Schlangenzunge. Wie in einer Kritik des Filmspiegels zu lesen ist:

[...]


[1] In der Kinoversion, präsentiert von New Line Cinema, produziert von Wingnut Films.

[2] Swinfen, 1984, S. 5. (Zitat im Text aus J.R.R. Tolkiens „Tree and Leaf“ (1964), London: Allen & Unwin).

[3] Der Begriff „mittelalterlich“ ist in dieser Arbeit als rein zeitliche, nicht normative Bezeichnung zu verstehen.

[4] Driver / Ray, 2004, S. 39.

[5] Am Grab von Théodens Sohn Théodred spricht Gandalf ein paar Worte in einer anderen menschlichen Sprache.

[6] Swinfen, 1984, S. 75.

[7] Swinfen, 1984, S. 5.

[8] Filmkritik der CNN, 2002.

[9] Devoucoux, 2007, S. 225.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
„Der Herr der Ringe – Die zwei Türme“ als Genremix von Fantasy- und Kriegsfilm
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Medienkulturgeschichte des Krieges im 20. Jahrhundert
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V168222
ISBN (eBook)
9783640852413
ISBN (Buch)
9783640852727
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herr der Ringe, Fantasy, Film, Krieg, Kriegsfilm, Antikriegsfilm, Die Zwei Türme
Arbeit zitieren
Katharine Pusch (Autor:in), 2009, „Der Herr der Ringe – Die zwei Türme“ als Genremix von Fantasy- und Kriegsfilm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168222

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