Eine intensivmedizinische Behandlung stellt ein extremes Lebensereignis dar, das die psychische Gesundheit sowohl der Patienten, als auch ihrer Angehörigen stark beeinträchtigen kann. Neben der hochkomplexen medizinischen Versorgung der Patienten erfordert die Situation daher auch eine psychosoziale Begleitung der Angehörigen während ihrer Besuche. Die Kommunikation am Krankenbett ist dabei eine zentrale Aufgabe der Intensivpflegekraft (IPK). Sie soll den Besuchern die Situation verständlich vermitteln und sie emotional unterstützen. Die Gesprächsführung der stark beanspruchten IPK mit den hoch emotionalisierten Angehörigen ist jedoch ein neuralgischer Punkt. Angehörige befinden sich in einem psychischen Ausnahmezustand, wodurch ihre kognitive Aufnahme-, Verarbeitungs- und Handlungsfähigkeit meist eingeschränkt ist. Gleichzeitig besteht ein hohes Bedürfnis nach Information und Orientierung, da den Angehörigen als Bezugspersonen und patientenrechtliche Stellvertreter eine wichtige Rolle zukommt.
Um den Angehörigen gerecht zu werden, benötigen IPK ausgeprägte sozial-kommunikative Kompetenzen, die sowohl im Rahmen curriculärer Ausbildung, als auch durch Berufserfahrung entwickelt und gefestigt werden. Zahlreiche Studien zur Angehörigenarbeit zeigen jedoch, dass Defizite in der Gesprächsführung mitverantwortlich für traumatische Erfahrungen sind, die zur Entwicklung posttraumatischer Belastungsstörungen beitragen können. Quantitative Aussagen zu den konkreten Ausprägungen kommunikativer Kompetenz in der deutschen Intensivpflege liegen bislang kaum vor.
Zur Schließung dieser Forschungslücke wurde eine qualitative Inhaltsanalyse durchgeführt, bei der in drei strukturierten Fokusgruppeninterviews 14 berufserfahrene deutsche IPK zu ihren Erfahrungen in der Angehörigenkommunikation befragt wurden. Ergänzend wurden sie gebeten, ihre kommunikative Kompetenz auf einer zehnstufigen Likert-Skala einzuschätzen. Die Selbsteinschätzungen wurden im Anschluss systematisch mit den inhaltlichen Aussagen im Interview trianguliert und kontextbezogen analysiert, um Rückschlüsse auf deren Aussagekraft zu schließen.
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- Frauke Nierlein (Author), 2025, Qualitative Analyse der Kommunikationskompetenz deutscher Intensivpflegekräfte im Kontext der Angehörigenarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1682630