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Qualitative Analyse der Kommunikationskompetenz deutscher Intensivpflegekräfte im Kontext der Angehörigenarbeit

Summary Excerpt Details

Eine intensivmedizinische Behandlung stellt ein extremes Lebensereignis dar, das die psychische Gesundheit sowohl der Patienten, als auch ihrer Angehörigen stark beeinträchtigen kann. Neben der hochkomplexen medizinischen Versorgung der Patienten erfordert die Situation daher auch eine psychosoziale Begleitung der Angehörigen während ihrer Besuche. Die Kommunikation am Krankenbett ist dabei eine zentrale Aufgabe der Intensivpflegekraft (IPK). Sie soll den Besuchern die Situation verständlich vermitteln und sie emotional unterstützen. Die Gesprächsführung der stark beanspruchten IPK mit den hoch emotionalisierten Angehörigen ist jedoch ein neuralgischer Punkt. Angehörige befinden sich in einem psychischen Ausnahmezustand, wodurch ihre kognitive Aufnahme-, Verarbeitungs- und Handlungsfähigkeit meist eingeschränkt ist. Gleichzeitig besteht ein hohes Bedürfnis nach Information und Orientierung, da den Angehörigen als Bezugspersonen und patientenrechtliche Stellvertreter eine wichtige Rolle zukommt.
Um den Angehörigen gerecht zu werden, benötigen IPK ausgeprägte sozial-kommunikative Kompetenzen, die sowohl im Rahmen curriculärer Ausbildung, als auch durch Berufserfahrung entwickelt und gefestigt werden. Zahlreiche Studien zur Angehörigenarbeit zeigen jedoch, dass Defizite in der Gesprächsführung mitverantwortlich für traumatische Erfahrungen sind, die zur Entwicklung posttraumatischer Belastungsstörungen beitragen können. Quantitative Aussagen zu den konkreten Ausprägungen kommunikativer Kompetenz in der deutschen Intensivpflege liegen bislang kaum vor.
Zur Schließung dieser Forschungslücke wurde eine qualitative Inhaltsanalyse durchgeführt, bei der in drei strukturierten Fokusgruppeninterviews 14 berufserfahrene deutsche IPK zu ihren Erfahrungen in der Angehörigenkommunikation befragt wurden. Ergänzend wurden sie gebeten, ihre kommunikative Kompetenz auf einer zehnstufigen Likert-Skala einzuschätzen. Die Selbsteinschätzungen wurden im Anschluss systematisch mit den inhaltlichen Aussagen im Interview trianguliert und kontextbezogen analysiert, um Rückschlüsse auf deren Aussagekraft zu schließen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Tabellenverzeichnis

Vorwort

1 Zusammenfassung

2 Einleitung
2.1 Problemstellung und Relevanz
2.2 Zielsetzung der Arbeit
2.3 Forschungsfragen
2.4 Aufbau der Arbeit

3 Theoretischer Hintergrund
3.1 Kommunikation im System Krankenhaus
3.1.1 Schwerpunkte der pflegerischen Kommunikation auf ITS – ein schrittweiser Aufbau der kommunikativen Kompetenz in der Aus- und Weiterbildung
3.2 Merkmale einer förderlichen Kommunikation
3.2.1 Kompetenz als leistungsdefinierender Begriff
3.2.2 Kompetente und effiziente Angehörigenarbeit am Bett
3.2.3 Anwendung des relationalen Kommunikationsmodells auf IPK
3.3 Konzeptuelle Ausrichtung der Angehörigenarbeit
3.3.1 Reglementierung von Kontakt und Auskunft
3.3.2 Angehörigenfreundliche Intensivstationen
3.4 Angehörige von Intensivpatienten – emotionale Unterstützer, stellvertretende Mitentscheider und gefährdete (Mit)Betroffene
3.4.1 Die Konfrontation der AvIP mit dem Setting
3.4.2 Die psychische Belastung und typische Reaktionsmuster der AvIP
3.4.3 Die besondere Atmosphäre von Warteräumen und ihre implizite Wirkung auf die Kommunikation
3.4.4 Bedürfnisse der Angehörigen
3.5 Angehörigenpartizipation in medizinischen Entscheidungsprozessen
3.5.1 Rechtliche Grundlage und Belastungssituation
3.5.2 Kommunikation im Shared Decision Making: Anforderungen an IPK
3.5.3 Theoretische Einbettung des Facilitated Sensemaking Model

4 Methodik
4.1 Erhebungsmethode
4.1.1 Konstruktion des Interviewleitfadens
4.2 Forschungsdesign
4.3 Rekrutierung der Teilnehmenden
4.3.1 Stichprobenbeschreibung
4.4 Datenerhebung und Verarbeitung
4.4.1 Transkription
4.4.2 Erstellung eines Kodierleitfadens
4.4.3 Kodierprozess
4.5 Qualitative Datenauswertung nach Mayring
4.5.1 Gütekriterien qualitativer Forschung nach Mayring
4.6 Ethische Überlegungen und Datenschutz

5 Ergebnisse
5.1 Selbsteinschätzungen
5.2 Inhaltsanalyse
5.2.1 HK 1: Beziehungsaufbau und Nähe herstellen
5.2.2 HK 2: Verständliche und angepasste Informationsweitergabe
5.2.3 HK 3: Angehörigenbegleitung ermöglichen und fördern
5.2.4 HK 4: Unterstützung zur Selbstregulation und Coping
5.2.5 HK 5: Reflexion und wahrgenommene Kompetenz
5.3 Herausforderungen in der Erfüllung der FSM-Bereiche aus Sicht der IPK
5.4 Angewandte Strategien zur Kommunikation mit Angehörigen
5.5 Externale Einflussfaktoren

6 Diskussion
6.1 Interpretation der Ergebnisse im Kontext der Theorie
6.2 Vergleich mit bisherigen Studien
6.3 Implikationen für die Praxis
6.4 Limitationen der Studie
6.5 Vorschläge für zukünftige Forschung

7 Fazit

8 Ausblick

9 Literaturverzeichnis

Anhang
A Vorabinformation FSM
B Interviewleitfaden
C Kodierleitfaden und Auszüge relevanter Transkriptionen (Ankerbeispiele)
D Gesamtübersicht der erfassten Merkmale

I. Abkürzungsverzeichnis

AvIP Angehörige(r) von Intensivpatient(en)

BAEK Bundesärztekammer

BE Berufserfahrung

BfJ Bundesministerium für Justiz

BGB Bürgerliches Gesetzbuch

DGF Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e.V.

DIVI Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensivmedizin und Notfallmedizin

EfCCNa European Federation of Critical Care Nursing Associations

EoL End of Life Situation

FICUS Familiy Intensiv Care Syndrom

FSM Facilitated Sensemaking Model

FWB Fachweiterbildung

GK Gesundheitskompetenz

HK Hauptkategorie

ICD-10 Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten 10. Version

ICN International Council of Nurses

ICU Intensiv Care Unit / Intensivstation

IPK Intensivpflegekraft / Intensivpflegekräfte

ITS Intensivstation / Intensiv Care Unit

KK Kommunikative Kompetenz / Kommunikationskompetenz

LOC I-III Level of Care Schweregrad I-III

MAXQDA-24 Software für qualitative Daten- und Textanalyse

MBO-Ä Muster-Berufsordnung der Bundesärtzekammer

PflBG Pflegeberufegesetz

PICS-F Post Intensiv Care Syndrom - Family

PpUGV Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung

PTBS Posttraumatische Belastungsstörung

QUEM Qualifikations-Entwicklungs-Management

RAM Roy Adaptation Model

rKKM relationalen Kommunikationskompetenz Modell

SDM Shared Decision Making

SK Subkategorie

SPSS Datenverarbeitungsformel

SWE Selbstwirksamkeitserwartung

UKHD Universitätsklinikum Heidelberg

VALUE Sensitive Gesprächsstrategie

WOST Weick’s Organizational Sensemaking Theory

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Typische Kommunikationskanäle und -richtungen eines interagierenden stationären Behandlungsteams.

Abbildung 2: Relationales Kommunikationskompetenzmodell

Abbildung 3: Komplexe Rolle eines AvIP

Abbildung 4: Gewöhnliche Versorgungssituation von zwei beatmeten Patienten [Die Abbildung 4 ist nicht im Lieferumfang enthalten.]

Abbildung 5: Auswirkungen auf Pflegequalitäten je nach IPK-Patienten-Verhältnis

Abbildung 6: Konzeptionell modifiziertes Modell des ITS-Syndrom der Angehörigen, in Anlehnung an das FICUS von Netzer und Sullivan (2014)

Abbildung 7: ITS Wartebereiche von unterschiedlichen Krankenhäusern

Abbildung 8: Typischer Eingangsbereich einer ITS

Abbildung 9: Dankesschreiben einer Ehefrau

Abbildung 10: Prozess und Ausrichtung des FSM

Abbildung 11: Studienprozess

Abbildung 12: Verteilung Qualifikation und Berufserfahrung

Abbildung 13: Standortverteilung der jeweiligen Arbeitsorte der IPK

III. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: VALUE-Strategie nach Curtis und White (2008), eigene Darstellung in Anlehnung an Pelz und Odenthal (2022, S. 250).

Tabelle 2: Ableitung der Basis-Kommunikation und Zuordnung des jeweiligen Grundbedürfnisses.

Tabelle 3: Zusammenführung der Bedürfnisse nach Mayer et al., der Grundbedürfnisse nach Grawe und kommunikativer Ansätze nach Hansen und Zech.

Tabelle 4: Zuordnung Merkmale und Selbsteinschätzung FSM und KK.

Tabelle 5: Gegenüberstellung ausgewählter Beispiele mit erfüllten und defizitär erfüllten FSM-Bereichen (Auswahl aus n = 14).

Tabelle 6: Vergleich der Ergebnisse von Jin et al. (2022) mit der eigenen Untersuchung.

Vorwort

Die Auswahl dieser Bachelor-Thesis ergibt sich aus dem Hintergrund meiner langjährigen Tätigkeit als Intensivpflegekraft, mit dem Schwerpunkt auf neurologische und neurochirurgische Intensivpflege im Bereich der Akut-/ Maximalversorgung sowie Teilen der Neurorehabilitation. Meine Vita in stark verkürzter Form:

- 1993 Krankenpflegeexamen am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD)
- 1999 Fachweiterbildung (FWB) für Anästhesie und Intensivpflege am UKHD
- Hauptsächliche Arbeitsfelder 1995 bis dato:
Neurologische Intensivstation UKHD
Außerklinische Intensivpflege SRH-Berufliche Rehabilitation HD
Neurologische Intensivstation SRH-Kurpfalzkrankenhaus HD
- 2019 Bachelorstudium der Klinischen Psychologie und Rehabilitationspsychologie an der SRH Fernhochschule - The Mobile University – Riedlingen.

Zu meinen Aufgaben während eines üblichen Spätdienstes gehört es, dass ich zwei beatmete Patienten versorge, im Rahmen der Schichtleitung administrative Belange und organisatorische Abläufe sicherstelle, für Fragen unerfahrener Kollegen zur Verfügung stehe und während der vierstündigen Besuchszeit mit Angehörigen förderliche Gespräche am Patientenbett führe. Darüber hinaus können Angehörige auch jederzeit anrufen, sodass ich auch Angehörigenarbeit telefonisch umsetze. Im Fall einer Palliativversorgung fallen Besucherreglementierungen weg, sodass sich meine Sterbebegleitung an alle Abschied nehmenden Anwesenden / Familienmitglieder richtet.

Damals – zu Beginn meiner Fachweiterbildung wurde meine Mutter wegen einer 90% Hauptstammstenose auf eine Kardiologische Intensivstation, die etwa 80km entfernt von meinem Wohnort lag, eingewiesen. Vor Ort musste ich wie alle anderen auch, ein paar Minuten warten, bis mich eine Intensivpflegekraft empfing und mich zu meiner Mutter führte. Sie erklärte mir etwas über die Überwachung, Schläuche und Händedesinfektion – bis ich ihr erwiderte, dass ich Intensivpflegekraft bin. Sie wirkte dann entspannter und meinte: „… ach sie sind die Intensivschwester - die Tochter aus Heidelberg – dann brauche ich ihnen ja nichts weiter erklären. “ Ich bemerkte die am Bett baumelnden Handfixierungen und fragte, ob meine Mutter nachts unruhig war – „Ja sie hat etwas randaliert – sie hat wohl paradox auf Bromazepam reagiert. Sie hat jetzt einen Diazepam Perfusor, mit dem ist sie viel ruhiger und verschläft den Tag.“

Als ich dann mit dem Stationsarzt sprach, erklärte der mir, dass er „(Ich) habe bereits mit der Schwiegertochter (Internistin) telefoniert und das Procedere besprochen – [und er] jetzt eigentlich nicht noch einmal Zeit für Angehörige habe. Der Transport in die UKHD ist für morgen 8 Uhr bestellt […] wollen wir hoffen, dass sie den Transport gut übersteht.“ Dann hat der Arzt mir zu verstehen gegeben, dass unsere Unterhaltung beendet ist.

In der UKHD wurde sie kurz darauf postoperativ auf die Kardiochirurgische Intensivstation verlegt, wo ich sie besuchte. Mir öffnete ein fröhlicher Pfleger die Türe: „ Ich bin der Pfleger […], du bist die Kollegin im I-Kurs – welche Station arbeitest du gerade? […] ach ja, dann liegt der Herr […] bei euch? – der war ewig bei uns – dann kommst du ja bald auch zu uns [...]. Ich zeig dir wo deine Mutter liegt, […] setz dich zu ihr so lange du willst, du störst mich ja nicht. OP ist gut gelaufen, sie bleibt heute noch intubiert - ist besser so. Einstellungen siehst du ja, läuft alles nach Autopilot. Ich schau mal wo der Doc rum rennt, ich schick ihn zu dir, ich bin gleich wieder da.“ Ab da war ich entspannter – seine lockere Art half mir sehr dabei.

Ein paar Monate später wurde der Sohn (15) aus erster Ehe meines Ehemannes (Intensivpflegekraft) mit schwersten Verbrennungen an Oberkörper, Händen und Gesicht in einer speziellen Unfallklinik intensivmedizinisch versorgt. Mein Mann und ich waren Angehörige „zweiter Klasse“ – ohne Recht auf Auskunft, da die Mutter (Landschaftsgärtnerin) das alleinige Sorgerecht hatte. Das Pflegepersonal gewährte uns zwar Zutritt und sie ließen uns auch „aus Versehen“ die Akten zur Einsicht liegen, weil sie wussten, dass wir vom „Fach“ sind – aber Mitspracherecht hatte mein Mann nicht. Er hatte nicht das Sorgerecht und die Kindsmutter hatte Auskünfte an den Vater und seine Einmischung an Entscheidungen untersagt. Als sich mein Mann über bestimmte Behandlungsprozesse und über das Auskunftsverbot beim Stationsarzt beschwerte, wurde ihm ein Hausverbot angedroht.

Ein gutes Jahr später wurden die koronaren Bypässe meiner Mutter revidiert. Wie geplant, lag sie wieder zur Nachbeatmung auf die mir inzwischen sehr bekannte Kardiochirurgische Intensivstation. Ich wollte meine Mutter vor meinem Nachtdienst noch kurz besuchen, den ehemaligen Kollegen „Hallo“ sagen und dann als frisch weitergebildete Fachkraft zum Dienst auf die Neuro-Intensiv. Als ich nachmittags kam, war meine Mutter zur Überraschung wieder im OP – sie musste wegen einer Nachblutung notfallmäßig „erneut aufgelegt“ werden. Ich saß konfus im Personal Aufenthaltsraum und habe versucht mich selbst zu beruhigen. Eine Kollegin kam zu mir und sagte: „ Du kannst in dieser Situation nicht arbeiten gehen – ich rufe auf der Neuro-Intensiv an und melde dich krank […] – frag mich bitte nicht – aber ich habe kein gutes Gefühl. “ Vier Stunden später erhielt ich die Nachricht, dass sie meine Mutter nicht retten konnten - sie verstarb noch im OP.

Erst nach vielen Jahren Psychotherapie habe ich verstanden, dass meine Panikattacken auf der Grundlage einer Posttraumatischen Belastungsreaktion basieren. Heute weiß ich, dass die Traumatisierung weniger darin bestand, dass meine Mutter gestorben ist – sondern eher, dass ich nicht ihre Hand gehalten habe – während sie starb.

Heute – viele Jahre später – sitze hier an meiner Bachelor-Thesis und betrachte die Angehörigenarbeit nun von einer dritten Perspektive heraus. Dass ich das kann, habe ich in erster Linie Beate zu verdanken – einer Meisterschülerin von Carl Rogers und Trägerin des Ordens für Aktives Zuhören. Ebenso haben mir sehr viele lieben Kollegen geholfen, die sich für meine Forschung zur Verfügung gestellt haben sowie mir beratend zur Seite standen.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit überwiegend auf gendergerechte Doppelnennungen verzichtet. Alle geschlechtlichen Identitäten sind selbstverständlich mitgemeint.

1 Zusammenfassung

Eine intensivmedizinische Behandlung stellt ein extremes Lebensereignis dar, das die psychische Gesundheit sowohl der Patienten, als auch ihrer Angehörigen stark beeinträchtigen kann. Neben der hochkomplexen medizinischen Versorgung der Patienten erfordert die Situation daher auch eine psychosoziale Begleitung der Angehörigen während ihrer Besuche. Die Kommunikation am Krankenbett ist dabei eine zentrale Aufgabe der Intensivpflegekraft (IPK). Sie soll den Besuchern die Situation verständlich vermitteln und sie emotional unterstützen. Die Gesprächsführung der stark beanspruchten IPK mit den hoch emotionalisierten Angehörigen ist jedoch ein neuralgischer Punkt. Angehörige befinden sich in einem psychischen Ausnahmezustand, wodurch ihre kognitive Aufnahme-, Verarbeitungs- und Handlungsfähigkeit meist eingeschränkt ist. Gleichzeitig besteht ein hohes Bedürfnis nach Information und Orientierung, da den Angehörigen als Bezugspersonen und patientenrechtliche Stellvertreter eine wichtige Rolle zukommt.

Um den Angehörigen gerecht zu werden, benötigen IPK ausgeprägte sozial-kommunikative Kompetenzen, die sowohl im Rahmen curriculärer Ausbildung, als auch durch Berufserfahrung entwickelt und gefestigt werden. Zahlreiche Studien zur Angehörigenarbeit zeigen jedoch, dass Defizite in der Gesprächsführung mitverantwortlich für traumatische Erfahrungen sind, die zur Entwicklung posttraumatischer Belastungsstörungen beitragen können. Quantitative Aussagen zu den konkreten Ausprägungen kommunikativer Kompetenz in der deutschen Intensivpflege liegen bislang kaum vor.

Zur Schließung dieser Forschungslücke wurde eine qualitative Inhaltsanalyse durchgeführt, bei der in drei strukturierten Fokusgruppeninterviews 14 berufserfahrene deutsche IPK zu ihren Erfahrungen in der Angehörigenkommunikation befragt wurden. Ergänzend wurden sie gebeten, ihre kommunikative Kompetenz auf einer zehnstufigen Likert-Skala einzuschätzen. Die Selbsteinschätzungen wurden im Anschluss systematisch mit den inhaltlichen Aussagen im Interview trianguliert und kontextbezogen analysiert, um Rückschlüsse auf deren Aussagekraft zu schließen.

„ This is the crux of the matter. The question is not whether people have the skills, but whether they deploy them appropriately. “ Skelton, J. R.

2 Einleitung

Die Kommunikation mit Angehörigen1 von komatösen oder schwer interaktionsgestörten Intensivpatienten (AvIP) ist eine besonders anspruchsvolle Aufgabe. AvIP befinden sich nicht zuletzt durch den dramatischen Zustand des Patienten in einer emotionalen Ausnahmesituation, die geprägt von Unsicherheit, Angst und Kontrollverlust ist(Hartog, 2022, S. 235). In dieser vulnerablen Phase kommt der kommunikativen Kompetenz (KK) von IPK eine zentrale Bedeutung zu – nicht nur für das Verstehen medizinischer Sachverhalte, sondern auch für die psychosoziale Stabilisierung der AvIP und deren Einbindung in den Behandlungsprozess. Obwohl die Angehörigenarbeit als wesentlicher Bestandteil professioneller Intensivpflege verstanden wird(Müller-Wolff, 2022, S. 35), existieren bislang nur wenige empirische Untersuchungen, die die KK von IPK im deutschsprachigen Raum systematisch analysieren – insbesondere im Hinblick auf Selbsteinschätzung, handlungsleitende Prinzipien und mögliche Defizitbereiche. Ziel der vorliegenden qualitativen Studie ist es daher, zu untersuchen, wie erfahrene IPK ihre eigene KK im Umgang mit AvIP einschätzen und welche Aussagekraft diese Selbsteinschätzung für die tatsächliche Qualität der Angehörigenarbeit besitzt. Dabei wird auch geprüft, ob aus diesen Einschätzungen Rückschlüsse auf effiziente oder defizitäre Kommunikation gezogen und ggf. Schwellenwerte (Cut-Off-Werte) identifiziert werden können.

Die Auswertung basiert auf drei Fokusgruppeninterviews mit 14 berufserfahrenen deutschen IPK. Die Analyse erfolgt theoriegeleitet entlang zwei valider Modelle, die einen geeigneten Bezugsrahmen für die umfassende Betrachtung der kommunikativen Prozesse in diesem Akutpflegekontext stellen. Die Ergebnisse dieser Arbeit leisten einen Beitrag zur theoretischen Fundierung, praktischen Weiterentwicklung und kritisch-reflexiven Bewertung der Angehörigenkommunikation auf Intensivstationen im deutschsprachigen Raum.

2.1 Problemstellung und Relevanz

Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 2022, wurden in Deutschland von 2021 bis 2022 rund 1,6 Millionen erwachsene Intensivpatienten behandelt(Statistisches Bundesamt [Destatis], 2023). Zusätzlich kommen etwa 17.000 Kinder auf pädiatrischen Intensivstationen hinzu(Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensivmedizin und Notfallmedizin [DIVI], 2024, S. 1); die in der vorliegenden Arbeit jedoch nicht berücksichtigt werden. Bei der Annahme, dass pro Intensivpatient zwei nahestehende Angehörige regelmäßig in Kontakt mit dem Behandlungsteam stehen(Hierundar, 2022a, S. 269), ergibt sich eine geschätzte Zahl von über 3,2 Millionen Angehörigen, denen eine besondere Aufmerksamkeit im Versorgungsprozess zukommt.

Die Intensivmedizin ist ein besonders geschützter und hochkomplexer Versorgungsbereich mit spezifischen strukturellen Anforderungen. AvIP erhalten in der Regel nur einen durch die IPK begleiteten Zugang auf die Intensivstation / Intensiv Care Unit (ITS / ICU). Diese Kontaktaufnahme zu einer nahestehenden Person, steht im Kontrast zu einem familiären Beziehungsleben. Studien belegen, dass das Besuchserleben große Auswirkungen auf das Belastungserleben der AvIP hat, sodass die Art und Weise wie sich der Besuch gestaltet, eine besondere Relevanz in der Angehörigenarbeit hat(Hartog, 2022, S. 235; Mayer, Nagl-Cupal, Hager & Puchebner, 2010, S. 8; Niecke, Schneider, Hartog & Michels, 2017, S. 612–613; Teigeler & Walther, 2022, S. 72).

Die IPK trägt durch ihre patientennahe Arbeitsweise bei der Angehörigenarbeit am Bett innerhalb der interprofessionellen Versorgung eine Hauptrolle, wobei diese meist im Rahmen von ungeplanten Gesprächen bzw. spontanen Begegnungen am Patientenbett ablaufen(Janssens et al., 2017, S. 641). Auch wenn diese Angehörigenarbeit häufig unter Zeitdruck, bei laufendem Betrieb und ohne vorherige Struktur stattfindet, wurde nachgewiesen, dass die AvIP die IPK oft als wichtigste Ansprechpartner wahrnehmen(Jöbges, Denke & Seidlein, 2022, S. 577; Niecke et al., 2017, S. 615–616; Teigeler & Walther, 2022, S. 72).

Die Zahl der derzeit beschäftigten IPK in Deutschland lässt sich nicht exakt bestimmen, da sie im statistischen Sinn, in die Gruppe der Experten / Spezialisten2 fallen. Demnach waren im Jahr 2023 etwa 9% der knapp 700.000 Krankenhauspflegekräfte auf ITS tätig(Singer & Fleischer, 2024, S. 6). Legt man die Zahlen von Simon (2022) zum Pflegenotstand auf Intensivstationen zu Grunde, standen 2022 ca. 28.000 Vollzeitäquivalente zur Verfügung, wobei für eine angemessene Versorgung (max. 2 Pat. pro IPK) mind. 3000 Vollzeitstellen mehr erforderlich gewesen wären. Die Personalsituation der etwa 63.000 Pflegekräfte mit intensivmedizinischer Qualifikation ist prekär(Simon, 2022, S. 27–28; Teigeler & Walther, 2022, S. 57). Viele Kliniken können aufgrund von Personalmangel – bzw. aufgrund der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV), vorhandene Intensivbetten nicht vollständig oder angemessen betreiben(Simon, 2022, S. 8). Eine Unterbesetzung wirkt sich unmittelbar auf die Angehörigenarbeit aus, da sie nicht priorisiert ist(Teigeler & Walther, 2022, S. 198). Hinzu kommt, dass sich heute eine übliche Schicht aus den zahlreichen Teilzeit-/ und rudimentär eingearbeiteten Leasingkräften3 zusammensetzt und eine kontinuierliche oder tief eingearbeitete Pflege, kaum noch stattfindet(Teigeler & Walther, 2022, S. 58).

Führt man die Untersuchungen von Isfort (2017) und Singer & Fleischer zusammen, unterscheidet sich die höhere Altersstruktur und die Geschlechtsverteilung der IPK von der allgemeinen Pflege. 28,7 % der IPK waren zwischen 31 und 40 Jahre alt, gefolgt von 21,7 % im Alter von 41 bis 50 Jahren sowie 20,5 % im Alter von 26 bis 30 Jahren. Der Männeranteil ist deutlich höher, als in der Normalpflege, wobei viele weibliche IPK in Teilzeit arbeiten und sich hierdurch pro Schicht, eine annähernd ausgeglichene Geschlechterverteilung ergibt(Singer & Fleischer, 2024, S. 13). Bedingt durch den Fachkräftemangel, erfolgt ein stetiger Zustrom ausländischer IPK (davon hauptsächlich balkanische Länder), sodass der Ausländeranteil 2023 auf etwa 16% anstieg(Singer & Fleischer, 2024, S. 17).

Die Untersuchung der KK von IPK erfolgt im Kontext spontaner Gesprächssituationen am Bett mit Angehörigen von erwachsenen Intensivpatienten vor dem Hintergrund der oben aufgeführten strukturellen und arbeitsorganisatorischen Rahmenbedingungen.

2.2 Zielsetzung der Arbeit

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, eine systematische Erfassung der KK deutscher IPK im Kontext der Angehörigenarbeit durchzuführen. Der Fokus liegt dabei auf der Selbsteinschätzung der IPK hinsichtlich ihrer kommunikativen Fähigkeiten im alltäglichen Umgang mit Angehörigen von beatmeten, bewusstlosen bzw. interaktions-/ kommunikationsgestörten Intensivpatienten am Bett4 bzw. inmitten der Betriebsamkeit einer ITS.

Internationale Studien von Jin et al. (2022), Edward et al. (2020) und Krimshtein et al. (2011) liefern empirische Belege, dass die KK von IPK ein zentraler Faktor für eine gelungene Angehörigenkommunikation ist(Edward, Galletti & Huynh, 2020, S. 23–24; Jin, Son, Tate & Choi, 2022, S. 411–412; Krimshtein et al., 2011, S. 1325–1326). In diesen Untersuchungen wurde die KK jeweils über die Selbsteinschätzung der Pflegekräfte erfasst, die sich als ausreichend valides Instrument erwiesen hat, um zielgerichtete Schulungsmaßnahmen abzuleiten. Die Studien verdeutlichen, dass bereits durch die Sensibilisierung für den eigenen Kommunikationsstil Schulungen angestoßen und die Interaktion mit AvIP nachhaltig verbessert werden können(Jöbges et al., 2022, S. 578).

Demgegenüber fehlen vergleichbare Studien im deutschsprachigen Raum, die eine systematische Erhebungen zur KK von IPK im Kontext der alltäglichen Angehörigenarbeit durchführten. Diese Forschungslücke ist besonders relevant, da sich die Struktur der intensivpflegerischen bzw. sich die nachstationäre Versorgung in Deutschland – insbesondere im Hinblick auf Rehabilitationsangebote und Unterstützungsformate im internationalen Vergleich, tlw. erheblich unterscheidet(Behar, Eisenbeiß, Löscher & Salfeld, 2022, S. 1–2; Egen & Beyer, 2022, S. 761).

Durch das Fehlen einer national systematischen und repräsentativen Datenerhebungen, liegen für Deutschland zwar keine (bzw. öffentlich zugänglichen) statistischen Daten über das quantitative Auftreten von posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) oder Post Intensive Care Syndrome – Family (PICS-F) im Angehörigenkontext eines intensivstationären Aufenthaltes in Deutschland vor. Gleichwohl liefern zahlreiche nationale und internationale Studien umfangreiche Daten darüber, dass AvIP akute psychische Belastungsreaktionen zeigen, die im Zusammenhang mit PTBS und PICS-F Entwicklungen stehen(Hartog, 2022, S. 237; Teigeler & Walther, 2022, S. 192–193).

Die Erläuterungen verdeutlichen, dass AvIP einer Risikogruppe angehören schwere somatische und psychische Störungen zu entwickeln, die Langzeitschäden hinterlassen(Hoffmann et al., 2022, S. 350–351). Ebenso findet sich in der Literatur häufig der Hinweis, dass die Kommunikation mit AvIP schwierig, herausfordernd oder belastend ist und damit Bedarfe für Kommunikationsschulungen oder Schulungen zur Konflikt- oder Stressbewältigung für IPK abgeleitet werden(Jöbges et al., 2022, S. 577; Kropp & Hierundar, 2022, S. 295–296).

Vor diesem Hintergrund verfolgt die Arbeit das Ziel, auf der Grundlage der Selbsteinschätzungen erfahrener deutscher IPK eine erste empirische Standortbestimmung vorzunehmen.

2.3 Forschungsfragen

Zentrale Forschungsfrage zur Selbsteinschätzung der Kommunikationskompetenz:

>> Wie schätzen die interviewten Intensivpflegekräfte ihre eigene Kommunikationskompetenz in Gesprächen mit Angehörigen von beatmeten / kommunikationsgestörten Intensivpatienten ein? <<

Untergeordnete Forschungsfragen zur Validierung der Selbsteinschätzung:

- Spiegelt die Selbsteinschätzung der Kommunikationskompetenz von Intensivpflegekräften die von ihnen angegebenen Erfahrungen in der Angehörigenarbeit wider und können bestimmte Merkmale (z.B. Berufserfahrung, Engagement, Fachwissen) ausgemacht werden, die eine Diskrepanz zwischen selbsteingeschätzten Schwierigkeiten und der nach dem Facilitated Sensemaking Model auszulegenden Defiziten vergrößern oder verkleinern?
- Welche Cut-off-Werte lassen sich aus der Selbsteinschätzung der Kommunikationskompetenz ableiten, um Unterschiede in der Effizienz von Angehörigengesprächen zu identifizieren?
- Kann ein Schwellenwert bei der Ausprägung der Kommunikationskompetenz definiert werden, bei dem eine defizitäre Angehörigenarbeit vorliegt?

In diesem Zusammenhang zielt die Arbeit darauf ab, die Schilderungen der befragten deutschen IPK hinsichtlich ihrer eigenen Erfahrungen mit AvIP, im Kontext der selbsteingeschätzten KK zu analysieren. Hierbei wird untersucht, inwieweit die im Interview abgegebenen Schilderungen zur Angehörigenarbeit und zur Selbsteinschätzung der eigenen KK passende Rückschlüsse auf eine gelungene oder defizitäre Angehörigenarbeit zulässt. Sowie weiter, ob darüber hinaus generalisierbare Cut-Off-Werte der KK abgeleitet werden können, die Hinweise dazu geben, welches Ausmaß der KK gebraucht wird, um eine effiziente Angehörigenarbeit zu performen. Die qualitative Untersuchung basiert auf drei Fokusgruppeninterviews mit insgesamt 14 IPK, deren Aussagen mithilfe eines theoriegeleiteten Kodierleitfadens ausgewertet werden. Der Leitfaden kombiniert zentrale Elemente des relationalen Kommunikationskompetenz Modell (rKKM) nach Cupach und Spitzberg (1984), mit dem Facilitated Sensemaking Model (FSM) von Davidson et al. (2010), um sowohl beziehungsbezogene als auch orientierungsstiftende Aspekte der Angehörigenkommunikation adäquat abbilden zu können.

2.4 Aufbau der Arbeit

Diese Bachelor-Thesis gliedert sich in fünf Hauptkapitel. Nach der Einleitung und Darstellung der Problemstellung, der Relevanz des Themas sowie der Zielsetzung der Arbeit, werden die zentralen Forschungsfragen dargestellt. Im zweiten Kapitel folgt der theoretische Rahmen. Dort werden grundlegende Konzepte der intensivpflegerischen Angehörigenarbeit und deren konzeptionelle Ausrichtung erläutert. Zudem werden zentrale Merkmale der kommunikativen Kultur im Gesundheitswesen sowie die Besonderheiten im Umgang mit komatösen, nicht kommunikationsfähigen Intensivpatienten und ihren Angehörigen exponiert betrachtet. Relevante Modelle, Strategien und Empfehlungen zur Umsetzung gelingender Kommunikation bilden die theoretische Basis. Darüber hinaus werden zentrale Herausforderungen und Barrieren aufgezeigt sowie Kriterien einer effektiven Angehörigenarbeit und die Merkmale einer kompetenten Kommunikation erörtert – die insbesondere im Hinblick auf die Qualität einer kompetenten Angehörigenkommunikation, Rückschlüsse zulassen.

Das dritte Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Hier werden die Datengrundlage, das Vorgehen bei der Datenerhebung sowie die angewandte Kodierstrategie und die einzelnen Auswertungsschritte detailliert offengelegt.

Kapitel vier widmet sich der Darstellung der Ergebnisse. Im Fokus stehen die Selbsteinschätzungen der IPK hinsichtlich ihrer KK im Rahmen der Angehörigenarbeit. Zudem wird untersucht, ob sich bedeutsame Diskrepanzen zwischen der analogen Selbsteinschätzung und den narrativen Aussagen in Verbindung mit dem theoretischen Bezugsrahmen zeigen. Ergänzend wird analysiert, welche externen, nicht durch die IPK beeinflussbaren Faktoren genannt werden, die jedoch einen unmittelbaren Einfluss auf die Qualität der Angehörigenkommunikation haben.

Im abschließenden fünften Kapitel werden die Ergebnisse interpretiert und mit bestehenden Forschungsergebnissen verglichen. Es folgt eine Diskussion der praktischen Implikationen sowie der Limitationen der Studie. Abschließend werden konkrete Handlungsempfehlungen für die pflegerische Praxis abgeleitet. Die Arbeit endet mit einem Fazit und einem Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.

3 Theoretischer Hintergrund

Die Kommunikation im Gesundheitswesen lässt sich in zwei Arten unterteilen:

Ä Sachlich-institutionelle Kommunikation:

Sie dient dazu über Patienten zu reden (interprofessioneller Informationsaustausch zur Koordination und Kooperation von Behandlung) - z.B. bei Visite, Arztbrief, Gutachten.

Ä Gefühlsbetonte – transparente Kommunikation:

Sie dient dazu mit dem Patienten / Angehörigen angemessen und verständlich zu reden. Sie hat das vordergründige Ziel Hilfe, Verständnis und Mitgefühl zu vermitteln sowie hintergründig therapeutisch gestaltend einzuwirken bzw. Vertrauen aufzubauen.

(Koerfer & Albus, 2018, S. 16; Kröger & Altmeyer, 2023, S. 452).

Gerade die gefühlsbetonte – transparente Kommunikation mit Patienten und deren Angehörigen stellt einen essenziellen Bestandteil professioneller Krankenversorgung dar. Das klassische Arztgespräch gilt als grundlegendes Instrument des gegenseitigen Informationsaustauschs und als einer der wichtigsten Wirkfaktoren jeder Behandlung. Neben dem Ziel, die Anliegen bzw. die Problematik des Patienten zu verstehen, ist es Aufgabe des medizinischen Personal, eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung aufzubauen und den Patienten auf eine mitentscheidungsfähige Ebene zu bringen. Diese komplementäre / symmetrische Beziehung gilt als zentrale Voraussetzung für die Compliance (Therapietreue) und beeinflusst als genereller Wirkfaktor, maßgeblich den Behandlungserfolg(Brenk-Franz, Strauß & B., 2022, S. 97; Hofmeister & Büche, 2019, S. 6).

Die therapeutische Beziehung umfasst dabei sämtliche bewussten und unbewussten Erlebens- und Verhaltensprozesse, die das interpersonale Verhältnis zwischen Therapeut5 und Patient sowie deren Angehörigen prägen. Es wird angenommen, dass diese Beziehung aktiv, prozessbezogen und flexibel durch den Therapeuten gestaltet werden muss, wobei eine individuelle Passung im Zentrum steht(Brenk-Franz et al., 2022, S. 100–101; W. Senf, Broda & Wilms, 2012, S. 105).

Im intensivmedizinischen Kontext erfüllt die Beziehungsgestaltung zwischen dem Arzt bzw. der IPK und dem AvIP ähnliche Anforderungen im Vergleich zur klassischen Therapeut-Patient-Beziehung. Im Kontakt mit AvIP steht auch eine gefühlsbetonte, verständliche, mitfühlende sowie mental unterstützende und verhaltenssteuernde Kommunikation im Zentrum – jedoch immer im Kontext zum Patienten. Die emotionale Regulation bzw. die Hilfe zur Stressbewältigung, dient in erster Linie zur mentalen Stärkung der AvIP und dass sie als soziale Unterstützung fungieren können (Brenk-Franz et al., 2022, S. 97–98). AvIP sind durch ihre Mitbetroffenheit gefährdete Personen, die einen besonderen Schutz benötigen und auf extrem viel Hilfe angewiesen sind. Gleichwohl sie selbst im Krisenmodus sind, spielen sie für Patienten, sowie für den Behandlungskontext, eine extrem wichtige stellvertretende bzw. mitwirkende Rolle, sodass die Beziehungsgestaltung insbesondere darauf abzielt, ihre Funktionalität schnellstmöglich wiederherzustellen, zu erhalten, zu unterstützen oder zu stärken(Brenk-Franz et al., 2022, S. 97–98).

3.1 Kommunikation im System Krankenhaus

Kommunikation im Krankenhaus ist eine zentrale berufliche Handlungskompetenz, die weit über die reine Informationsweitergabe hinausgeht und in diesem Kontext eine herausragende Rolle in der fremd- sowie selbstbezogenen Stressbewältigung hat. Die interne Kommunikation ist zugunsten der Effizienz stark sach- und prozessorientiert und häufig entemotionalisiert. Die Benutzung eines entemotionalisierten Fachjargon auf ITS ist enorm wichtig, da er zur Sicherung der Leistungsfähigkeit insbesondere in Notfällen dient und somit ein integraler Bestandteil der Professionalität darstellt(Heer & Kluge, 2012, S. 252–253).

Das sehr bekannte Kommunikationsmodell von Schulz von Thun (2012) verdeutlicht, dass die Kommunikation zwischen „Sender“ und „Empfänger“ stets auf mehreren Ebenen stattfindet. Neben dem Sachinhalt (z. B. Informationen über Erkrankungen und Behandlungsprozesse) transportiert jede Aussage auch eine Selbstoffenbarung (Haltung, Werte, Emotionen der sprechenden Person), einen Appell (implizite oder explizite Handlungsaufforderungen) sowie einen Beziehungsaspekt, der beeinflusst, wie Botschaften beim Empfänger aufgenommen und bewertet werden (Baller & Schaller, 2017, S. 23).

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1:Typische Kommunikationskanäle und -richtungen eines interagierenden stationären Behandlungsteams(Wagener, Lossin & Kraus, 2020, S. 30).

Ein stationäres Behandlungsteam ist wie die Abbildung 1 schematisch darstellt, ein hochkomplexes System aus Sendern und Empfängern, in dem die zwei wichtigsten Berufsgruppen (Ärzte und Pflege) miteinander, sowie in einer weiteren Abstimmung mit weiteren Berufsgruppen, mit jeweils eigenen Routinen, Fachsprachen und professionellen Logiken – im Sinne von Patientenversorgung interagieren. Im Kontrast dazu gesellen sich die sehr informationsbedürftigen AvIP dazu. Sie befinden sich jedoch inmitten eines Spannungsfeldes aus stressinduzierter kognitiver Blockade und einem hohen Lernanspruch, der eine unaufgeregte Rezeptivität voraussetzt(Heitmann & Bohr, 2020, S. 60; Jöbges et al., 2022, S. 576). Die externe Kommunikation mit AvIP soll verständlich, empathisch und wertschätzend ausfallen. Allerdings erweist sich vor dem Hintergrund dieser Vielschichtigkeit und der stark agitierenden Umgebung einer ITS, die Kommunikation am Krankenbett als besonders anfällig für Missverständnisse(M. Brauchle & Wildbahner, 2020, S. 241; Kröger & Altmeyer, 2023, S. 451–452). Passend hierzu kann das 2019 durchgeführte kleine Forschungsprojekt mit 42 Beteiligten an einer deutschen Unfallklinik herangezogen werden, bei dem auch die interprofessionelle Kommunikation zwischen Pflegekräften und Ärzten untersucht wurde. Ein zentrales Ergebnis war die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild und das dahinterstehende hohe Ausmaß einer unbemerkten Miss-Verständigung. Nach den Autoren ist eine verstandene Kommunikation allerdings nicht von mehr Gesprächszeit abhängig, sondern vielmehr von einer ausgeprägten Fähigkeit empathisch zuzuhören und empfängerorientiert zu sprechen (Wagener et al., 2020, S. 31–32) .

AvIP müssen während sie Krisenbewältigung leisten, gleichzeitig ad hoc hochkomplexes Fachwissen angemessen aufnehmen, verarbeiten, beurteilen und anwenden, um ihrer unterstützenden Rolle gerecht zu werden(Heitmann & Bohr, 2020, S. 60; Jöbges et al., 2022, S. 576). Gleichwohl verweist die Studie zur Gesundheitskompetenz der deutschen Bevölkerung durch Schaeffer et al. (2021) auf die Problematik, dass ärztliche Gespräche als schwer verständlich sowie als zu kurz empfunden werden. Der medizinische Fachjargon, Zeitmangel und komplexe Inhalte erschweren nicht nur das Verstehen, sondern auch die aktive Mitgestaltung medizinischer Entscheidungen. Über 30 % der Befragten gaben an, Schwierigkeiten zu haben, eigene Wünsche oder Bedenken zu äußern(Schaeffer, Vogt, Berens & Hurrelmann, 2016, S. 82). In diesem Kontext ist es für die IPK eine besondere Aufgabe, eine Brücke zwischen dem Arzt bzw. dem von ihm vermittelten Informationen und dem vom AvIP verstandenen Inhalten herzustellen und relevante Defizite oder Missverständnisse auszuräumen(Heitmann & Bohr, 2020, S. 60)

3.1.1 Schwerpunkte der pflegerischen Kommunikation auf ITS – ein schrittweiser Aufbau der kommunikativen Kompetenz in der Aus- und Weiterbildung

Die Axiome von Watzlawick – etwa die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren oder die Gleichzeitigkeit vom Übermitteln von Inhalts- und Beziehungsaspekten – lassen sich direkt auf den Pflegekontext übertragen(Baller & Schaller, 2017, S. 26). Pflege ist stets auch Beziehungsarbeit und Kommunikation - kein bloßes Mittel, sondern der integrale Bestandteil professionellen Handelns(Wright, 2023, S. 43).

Gerade in der Intensivpflege, wo existenziell bedrohliche Situationen zum Alltag gehören, braucht es eine umfassende Berufserfahrung und eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung (SWE), um unerschrocken arbeiten und beruhigend auf andere wirken zu können. Für die Fähigkeit, auch unter Stress ein empathisches, souveränes Beziehungsangebot machen zu können, braucht es ein besonderes Verständnis über die Situation, ein breites Bewältigungsrepertoire, ein flexibles Anpassungsvermögen sowie eine Bereitschaft zur Reflexion, um aus den gemachten Erlebnissen konstruktiv zu lernen. Diese „Sattelfestigkeit“ tritt in der Intensivpflege erfahrungsgemäß erst nach einigen Jahren Praxis ein und ist zudem disziplinbezogen bzw. davon abhängig wie routiniert die jeweils für diese Behandlung eingesetzte Medizintechnik bedient werden kann. Dieses „personale Phänomen“ der sozial zugewandten Pflege erfordert in der Intensivpflege also auch eine hohe fachliche und fertigkeitsbezogene Erfahrung, um den Blick weiten zu können(Hülsken-Giesler, 2014, S. 97; Teigeler & Walther, 2022, S. 60–61).

Um demnach eine kompetente Kommunikation in der Intensivpflege umsetzen zu können, muss zunächst eine dynamische Balance aus Regelwissen, situativer Flexibilität und Einfühlung erlernt werden, die hauptsächlich durch praktische Erfahrung („Übungswissen“) erfolgen kann. Um mit Belastungen wie Zeitdruck, Krisen oder emotionalen Spannungen umgehen zu können, erlernen Pflegekräfte in der Aus-/Weiterbildung sowie furch Praxisanleiter Techniken der Selbstregulation (z. B. Impulskontrolle bei Reanimationen) und der Fremdbeeinflussung (z. B. Deeskalation durch aktives Zuhören, Spiegeln)(Denzel, 2019, 17-18, 106; Koerfer & Albus, 2018, S. 110–111). Die Schwierigkeit von Routine besteht darin, dass zwar eine funktionale emotionale Dissonanz entstehen soll, die es ermöglicht auch bei innerem Stress oder negativen Emotionen konzentriert zu handeln, aber gleichzeitig die Gefahr entsteht, dass Empathie, Respekt oder Perspektivwechsel in den Hintergrund treten(Denzel, 2019, S. 153–154; Kröger & Altmeyer, 2023, S. 453–454). Für viele unerfahrene IPK stellt diese Kombination einer instabilen Patientenverfassung und hochkomplexen Patientenversorgung und der Interaktion mit AvIP sowie die konstruktive Auseinandersetzung mit den Ärzten, eine große energieraubende Herausforderung dar, wodurch jede Normabweichung schnell zur Überforderung wird(Teigeler & Walther, 2022, S. 60).

In diesem Spannungsfeld aus Standardisierung und individueller Anpassung nimmt die Kommunikation eine zentrale Rolle ein, nicht zuletzt zur Wahrung patientenzentrierter Pflege(Mohr & Reiber, 2024, S. 29; Reiber, 2024, S. 67). Der Kompetenzrahmen der European Federation of Critical Care Nursing Associations (EfCCNa) beschreibt die KK deshalb als systematisch aufzubauende Schlüsselqualifikation, die sich auf das gesamte Leistungsspektrum bezieht(European federation of Critical Care Nursing associations [EfCCNa], 2013, S. 3). Die KK wird als eine sich durch die einzelnen Kompetenzfelder durchziehende Fähigkeit gesehen, die sich bspw. auf die kompetente Informationsweitergabe während der Visite oder Übergabe, sowie die professionelle Gesprächsführung unter Zeitdruck oder beim Überbringen schlechter Nachrichten oder der Angehörigenintegration bezieht. Kommunikation gilt hier als tragende Säule multiprofessioneller Zusammenarbeit, ethischer Entscheidungen und sicherer Versorgung(EfCCNa, 2013, S. 15–16).

Dabei ist klar, dass die KK nicht allein theoretisch vermittelt wachsen kann. Reflexion, Feedback und praktische Erfahrungen sind für eine hohe Ausprägung entscheidend(EfCCNa, 2013, S. 6; Koerfer & Albus, 2018, S. 23). Zugleich ist es wichtig, dass bereits junge IPK über ausgeprägte sozial-kommunikative Fähigkeiten verfügen, da auch sie eigenverantwortlich handeln. Dies spiegelt sich auch in der Prüfungsordnung des Pflegeberufegesetz (§ 5 PflBG) wider: Dort wird die berufliche Handlungskompetenz ausdrücklich um die personen- und situationsbezogene Kommunikation ergänzt – insbesondere in herausfordernden Situationen sowie im Rahmen interprofessioneller Zusammenarbeit(Bundesamt für Justiz [BfJ], 2018, S. 3).

Zunehmend arbeiten auch ausländische Pflegekräfte auf deutschen ITS, sehr häufig mit einem akademischen Abschluss (B.Sc./M.Sc. Nursing), da die Krankenpflege in vielen Ländern hochschulisch organisiert ist. Sie bringen oft wertvolle interkulturelle Kompetenzen mit, stehen aber vor sprachlichen Herausforderungen, etwa bei Dialekten. Zwar sind Deutschkenntnisse auf mindestens B1-Niveau vorgeschrieben, doch die kreative Ressourcennutzung – etwa durch Mehrsprachigkeit – kann gerade in multikulturellen Behandlungskontexten von Vorteil sein(Thomas, Hauss & Lux, 2020, S. 2).

Obwohl die KK also als Schlüsselqualifikation gilt und im Rahmen von Aus- und Weiterbildungsplänen adressiert wird, existieren bislang keine standardisierten Messinstrumente oder öffentlich zugänglichen Daten zur tatsächlichen KK von IPK im Berufsalltag. Auch bei der Personalgewinnung erfolgt - in der Regel keine systematische Einschätzung kommunikativer Fähigkeiten. Vor diesem Hintergrund erhält die in dieser Arbeit vorgenommene qualitative Analyse der kommunikativen Kompetenzeinschätzung von IPK bezüglich der Angehörigenkommunikation eine besondere Relevanz, um einen praxisnahen Einblick in diese zentrale, aber bislang wenig untersuchte Dimension der Pflegequalität zu geben.

3.2 Merkmale einer förderlichen Kommunikation

Es besteht weitgehend Konsens darüber, dass gelingende pflegerische Beratungsgespräche auf der Überzeugung beruhen, dass Menschen über eine innewohnende Motivation zur Krankheitsbewältigung verfügen, die durch eine wertschätzende und unterstützende Umgebung gefördert werden kann(Schieron, 2021a, S. 181). Die Unterstützung durch IPK basiert dabei auf einer empathischen, akzeptierenden und authentischen Grundhaltung. Diese zeigt sich in einer dialogischen Beziehungsgestaltung, die ressourcenorientiert ist und zur Selbstbefähigung (Empowerment) beiträgt. AvIP sollen in ihrer subjektiven Lage abgeholt und zur Entwicklung passgenauer Lösungsstrategien sowie zur kreativen Nutzung eigener Ressourcen angeregt werden – anstatt ihnen standardisierte Handlungsanweisungen vorzugeben. Dies erfordert von IPK eine klare professionelle Haltung, kommunikative Präsenz und situatives Feingefühl – auch unter Zeitdruck und emotionaler Belastung(Hofmeister & Büche, 2019, S. 6–7; Schieron, 2021a, S. 178–179).

In den vorangegangenen Abschnitten wurden zentrale Herausforderungen der Kommunikation am Bett sowie die damit verknüpften Besonderheiten skizziert. In Aufnahmesituationen sind IPK oft die ersten Ansprechpersonen für AvIP. Sie können nicht als Informationsvermittler und Übersetzer medizinischer Sachverhalte fungieren, solange AvIP kein aufklärendes Arztgespräch hatten(Michels & Taupitz, 2017, S. 182). Die IPK kann dann nur zugewandt vertrösten und emotional stabilisieren. Um Vertrauen aufzubauen bzw. Konflikten vorzubeugen vermittelt sie ein „Gesehen werden“, das wiederrum die Fähigkeit zum Perspektivwechsel impliziert und das Verharren in Unwissenheit als Potential für psychischen Stress anerkennt. Diese kommunikative Präsenz kann besonders herausfordernd sein, wenn die IPK unter großem Stress steht oder eine ungünstige innere Haltung vorliegt. Bei AvIP, die sofort unsympathisch / unfreundlich sind oder Vorurteile oder bestehende Ressentiments nähren, sind IPK gegen maladaptive Reaktionen - trotz ihrer zugewandten Grundhaltung - nicht immun(G. Michels & Taupitz, 2017, S. 182).

Um auch unter ungünstigen Konstellationen eine hilfreiche bzw. deeskalierende Beratungsatmosphäre zu schaffen, verweist Schieron (2021) auf vier zentrale Merkmale einer positiven Kommunikationsatmosphäre, die auf die klientenzentrierte Beratung nach Rogers (1985) zurückgehen und heute Bestandteil vieler pflegepädagogischer Curricula sind:

1. Wärme und Empfänglichkeit: Pflegende sollen eine emotionale Beziehung ermöglichen, die sie professionell kontrollieren, und dabei dem Gegenüber echtes Interesse entgegenbringen.
2. Akzeptanz emotionaler Ausdrucksformen: Der Ausdruck von Gefühlen und Einstellungen soll aktiv – nicht moralisierend – ermöglicht werden, um Vertrauen zu fördern und Reflexion zu ermöglichen.
3. Verzicht auf Druck oder Beeinflussung: Pflegende sollen auf Zwang und übergriffige Ratschläge verzichten. Bei gesundheitsgefährdendem Verhalten kann es jedoch erforderlich sein, pflegerisches Handeln so zu gestalten, dass es nicht bevormundend wirkt, sondern als unterstützender Kompromiss.
4. Setzen klarer Grenzen: Auch bei Offenheit und Druckfreiheit müssen Pflegende Orientierung bieten, indem sie professionell Grenzen wahren.

(BfJ, 2018, S. 42; Schieron, 2021a, S. 182)

3.2.1 Kompetenz als leistungsdefinierender Begriff

Der Begriff „Kompetenz“ ist vielschichtig und in der wissenschaftlichen Literatur unterschiedlich definiert. Im weitesten Sinne bezeichnet Kompetenz die Fähigkeit, in komplexen, unübersichtlichen oder neuartigen Situationen angemessen und erfolgreich zu handeln(Blickle, 2019, S. 238; Schaper, 2019, S. 512). Dieses Verständnis knüpft an die Arbeiten von Erpenbeck und die QUEM6 -Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung an und betont die enge Verbindung zwischen Wissen, Fertigkeiten, Erfahrung und situativem Handeln(Hasebrook, Zinn & Schletz, 2018, S. 2).

Auch aus kommunikationstheoretischer Sicht wird Kompetenz umfassend betrachtet. Hymes (1972) führte den Begriff der „kommunikativen Kompetenz“ als Fähigkeit ein, Sprache situationsangemessen und regelkonform zu verwenden. Cupach und Spitzberg (1984) entwickelten darauf aufbauend ein relationales Kompetenzmodell, das „Angemessenheit“ und „Effektivität“ in kommunikativen Interaktionen als zentrale Kriterien benennt. KK wird hier nicht nur als individuelles Können, sondern als kontextabhängige, dynamische Leistung verstanden(Koerfer, Albus & Christian, 2018, S. 84; Spitzberg, 2013, S. 127–128).

Im intensivpflegerischen Kontext der Angehörigenarbeit geht die KK über rein fachliche Qualifikation hinaus. Sie umfasst sowohl die Fähigkeit zur emotionalen Selbstregulation als auch zur empathischen Kommunikation mit AvIP und zum proaktiven Handeln in Krisensituationen. Insofern beinhaltet pflegerische KK neben funktionalem Wissen auch soziale, emotionale, volitionale und motivationale Aspekte(Hasebrook et al., 2018, S. 6). Diese integrative Perspektive ist essenziell für die professionelle Beziehungsgestaltung im Umfeld vulnerabler Patienten und deren Angehörigen(Santana-Padilla, Bernat-Adell & Santana-Cabrera, 2022, S. 350).

3.2.2 Kompetente und effiziente Angehörigenarbeit am Bett

AvIP sind zentrale Bezugspersonen, die dem Patienten emotionale Nähe und Orientierung bieten sowie wichtige Informationen über die Lebenswelten an die IPK geben können. Die Pflegekräfte übertragen aus dem vorherigen Familienleben, die offensichtlichen Veränderungen des jetzigen Beziehungserleben, die AvIP verunsichert (z.B. „ Mein Mann reagiert nicht auf mich.“). Die IPK vermittelt den AvIP den medizinischen Zustand und die daraus entstehenden Konsequenzen (z.B. Verbrennung verursacht Schmerzen und Stress). Die Behandlung (z.B. Analgosedierung) bzw. der befremdliche Zustand (Koma) kann mit diesem Wissen dann als sinn- und zweckvoll betrachtet werden. Der ungewohnten Reaktion kommt so eine neue Deutung zu, die nicht mehr beunruhigt, sondern eine Neuorientierung ermöglicht. Gleichzeitig werden Verhaltensweisen aufzeigt, die dem Leistungsvermögen des AvIP und der Situation entspricht („ Wenn Sie seine Hand halten und mit ihm sprechen, kann sein Unterbewusstsein spüren, dass sie da sind. “). AvIP bekommen so eine situative Entlastung und ein neues Kontrollgefühl, das sich auf die Selbstwirksamkeit auswirkt(G. Brauchle & Mehl, 2022, S. 241–242; DIVI, 2022a, S. 42; Waydhas et al., 2024, S. 402–403).

Strukturierte Angehörigenarbeit am Bett – wie sie etwa von der DIVI (2022b) oder von Davidson et al. (2007) empfohlen wird – fördert nachweislich die emotionale Entlastung und das Verstehen komplexer Situationen(Davidson et al., 2007, S. 2–3; DIVI, 2022b, S. 25–26). Auch die EfCCNa hebt die strukturierte Kommunikation mit Angehörigen als Qualitätskriterium pflegerischen Handelns hervor(EfCCNa, 2013, S. 16).

Effizienz meint in diesem Kontext nicht ökonomische Optimierung, sondern eine zielgerichtete, beziehungsorientierte Kommunikation. Wie Staudhammer (2018) betont, kann bereits eine kurze, aber emotional stimmige Interaktion effektiver sein als ein langes, aber wenig strukturiertes Gespräch(Staudhammer, 2018, S. 48–49).

Im Sinne eines sich durch Aus- und Weiterbildung sowie Berufserfahrung entwickelnden professionellen Pflegehandelns umfasst die KK in der Angehörigenarbeit mehrere Teilbereiche, die sich an ganzheitlichen Kompetenzmodellen orientieren:

- Fachlich-inhaltliche Kompetenz: Die Fähigkeit, medizinisch-pflegerische Sachverhalte adressatengerecht und verständlich zu erklären (z. B. Sedierung, Beatmung).
- Methodische Kompetenz: Die angemessene Vermittlung (einfacher) pflegerischer Fertigkeiten durch Mikroschulungen (z.B. Eincremen der Füße).
- Soziale und emotionale Kompetenz: Situativ angemessene, vertrauensfördernde Interaktionen, die sich an den sozialen und kulturellen Hintergründen orientieren.
- Situative Anpassungsfähigkeit: Die Reaktionen der IPK sind flexibel auf die emotionalen und kognitiven Defizite der AvIP ausgerichtet, um ein Gefühl von Sicherheit und innerer Stabilität (Homöostase) herzustellen.
- Selbstregulation: Der bewusste, reflektierte Umgang mit eigenen Emotionen, um in der Kommunikation authentisch und kongruent zu bleiben.

Angemessene Kommunikation in der Intensivpflege achtet auf eine Balance zwischen Nähe und Klarheit, zwischen Orientierung und Beteiligung. Sie ist effektiv, wenn nicht nur dem Informationstransfer dient, sondern zugleich Beziehung, Sicherheit und Mitverantwortung fördert (Schaper, 2019, S. 512; Teigeler & Walther, 2022, S. 60–61).

3.2.3 Anwendung des relationalen Kommunikationsmodells auf IPK

Das relationale Kommunikationskompetenzmodell (rKKM) von Spitzberg & Cupach (1984, 2013) zählt zu den einflussreichsten Theorien interpersonaler Kommunikation. Es definiert KK als ein messbares Maß, bei dem Verhalten im sozialen Kontext als angemessen und effektiv betrachtet wird. Das Ausmaß der KK wird dabei nicht objektiv festgestellt, sondern subjektiv zugeschrieben, da es sich aus dem passenden und effektiven Zusammenspiel von Motivation , Wissen und Fähigkeiten ergibt (Hertzsch, 2017, S. 179; Kämäräinen, Mikkola, Nurmeksela, Wright & Kvist, 2024, S. 4373) .

Spitzberg (2013) betont, dass die KK stets kontextabhängig ist. Sie wird beeinflusst durch kulturelle, relationale, funktionale, situative und zeitliche Faktoren. Daraus ergibt sich ein dynamischer, mehrdimensionaler Bewertungsrahmen , der sich gut auf die Kommunikation von IPK mit AvIP übertragen lässt.

Im rKKM stellen Motivation , Wissen und Fähigkeiten drei Kernbereiche dar:

- Motivation betrifft das Interesse, sich kommunikativ einzubringen, sowie die SWE, also die Überzeugung, Gespräche auch in belastenden Situationen professionell führen zu können.
- Wissen umfasst sowohl das deklarative Wissen über pflegerische und medizinische Inhalte als auch das prozedurale Wissen darüber, wie diese adressatengerecht vermittelt werden können.
- Fähigkeiten bezeichnen die tatsächliche Umsetzung dieses Wissens im Gespräch – z. B. empathisches Zuhören, Perspektivübernahme, Strukturierung, Ausdrucksvermögen und Deeskalation.

(Hertzsch, 2017, S. 180; Spitzberg, 2013, S. 130).

In der komplexen Angehörigenarbeit am Bett durch die IPK – inmitten einer stark beeinflussenden Umgebung – ermöglicht das rKKM eine differenzierte Betrachtung kommunikativer Anforderungen. Dies betrifft unter anderem das Erklären technischer Zusammenhänge, den Umgang mit Schockreaktionen oder den gezielten Einbezug der AvIP in die Pflege. Das Modell eignet sich daher als theoretischer Bezugsrahmen, um die KK von IPK im Hinblick auf Angemessenheit und Effizienz in der Angehörigenarbeit zu analysieren.

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Relationales Kommunikationskompetenzmodell. Eigene Darstellung in Anlehnung an Spitzberg (2013, S. 130), sinngemäß übersetzt und inhaltlich modifiziert.

Die Abbildung 4 zeigt die eigene Darstellung in Anlehnung an Spitzberg (2013, S. 130), mit sinngemäßer Übersetzung und inhaltlicher Modifizierung an die Kommunikation der IPK. Sie veranschaulicht, wie Motivation, Wissen und Fähigkeiten im Kommunikationsprozess zusammenwirken und hinsichtlich ihrer Angemessenheit und Effizienz analysiert werden können. Das rKKM baut auf der Annahme auf, dass kommunikative Kompetenz nicht angeboren, sondern erlernbar und durch gezielte Schulung, Reflexion und Übung verbesserbar ist – wie es Hannawa & Spitzberg(2015, zitert nach Kämäräinen et al., 2024, S. 4373)formulieren. In diesem Sinne eignet sich das Modell auch für Follow-up-Messungen und greift die Idee auf, dass Expertise in der Kommunikation mit Angehörigen durch wiederholtes, erfahrungsbasiertes Handeln in komplexen Pflegesituationen reift(Kämäräinen et al., 2024, S. 4373).

Die Anwendung des rKKM zeigt, dass die KK von IPK nicht auf Gesprächstechniken oder -strategien reduzierbar ist. Vielmehr geht es um ein beziehungsorientiertes, professionelles Handeln , das emotionale Sicherheit schafft, Orientierung gibt und Vertrauen aufbaut. Damit erfüllt die Kommunikation nicht nur eine Informations-, sondern auch eine ethisch fundierte Führungsfunktion – gerade in einem hochasymmetrischen Setting wie dem Bettplatzgespräch mit AvIP(Kämäräinen et al., 2024, S. 4389). Wie aus der Studienlage von Hertzsch und Kämäräinen et al. hervorgeht, eignet sich das rKKM nicht nur zur theoretischen Einordnung der KK in sozialen Berufen, sodass es auch als Bewertungsrahmen für die qualitative Einschätzung kommunikativen Handelns der interviewten IPK genutzt wird. Die Gesprächsaussagen werden dabei unter den Kriterien Angemessenheit und Effizienz analysiert und das Modell dient als Grundlage für die Kodierung.

3.3 Konzeptuelle Ausrichtung der Angehörigenarbeit

Das aktuelle DIVI7 Positionspapier von Waydhas et al. (2024) zur intensivmedizinischen Versorgung betont, dass die patienten-/ angehörigenzentrierte Betreuung zu den originären pflegerischen Aufgaben der Intensivmedizin zählt. Dazu gehört auch, dass IPK eine proaktive Einbindung von AvIP als Mitbetroffene unterstützen und deren partizipative Rolle im Versorgungsprozess fördern(Waydhas et al., 2024, S. 405). Diese Zuordnung stützt sich auf pflegeethische und pflegetheoretische Grundlagen, insbesondere auf den ICN8 --Ethikkodex für professionell Pflegende (ICN, 2012), der eine professionelle Verantwortung gegenüber den betreuten Menschen und ihren Bezugspersonen formuliert(Schieron, 2021b, S. 81). Mit dem Verständnis einer ganzheitlichen Pflege ist die Angehörigenpflege untrennbar verbunden – insbesondere in herausfordernden Situationen wie der intensivstationären Sterbe-/ Krisenbegleitung, bei der die Familie in besonderer Weise im Mittelpunkt steht(Büker, 2021, S. 81; Schieron, 2021b, S. 62–63; Wright, 2023, S. 43–44).

Derzeit beschränkt sich die psychosoziale Versorgung von AvIP auf deutschen ITS auf halbformalisierte oder paraprofessionelle Beratungsformen (vgl. Kap. 2.1.2), die meist handlungsorientiert im Patientenzimmer stattfinden und nur selten ausgiebig strukturiert sind oder von speziell pädagogisch geschulten Fachkräften (z.B. Praxisanleiter) umgesetzt wird. IPK übernehmen beratende Aufgaben, sei es durch situative Informationsweitergabe oder durch spontane Mikroschulungen während der Patientenversorgung. Diese Leistungen beruhen zumeist auf der persönlichen Erfahrung, dem individuellen Engagement und den Kompetenzen der Pflegekräfte, wodurch die Angehörigenedukation in hohem Maße heterogen ausfällt(Schieron, 2021a, S. 171).

3.3.1 Reglementierung von Kontakt und Auskunft

Juristische Perspektive:

Prinzipiell kann jede Person, die mit dem Patienten in einer zwischenmenschlich bedeutsamen Beziehung steht, (also auch Freunde, Kollege) als AvIP bezeichnet werden. Unberührt davon, muss jedoch zunächst die juristische Perspektive betrachtet werden, wenn der Patient komatös / auskunftsunfähig ist und die persönlichen Rechte des Patienten vor Dritten geschützt werden müssen(Hierundar, 2022b, S. 30). Seit 2023 haben Ärzte die Möglichkeit, selbst eine Online-Abfrage beim Zentralen Vorsorgeregister vorzunehmen und damit unverzüglich Informationen über registrierte Vorsorgevollmachten bzw. Widersprüche zum Ehegattennotvertretungsrecht einzuholen(Bundesnotarkammer, 2025).

Der Jurist Wolfgang Putz betont: „Ohne eine entsprechende Vollmacht oder vorherige Einverständniserklärung, haben Angehörige – mit Ausnahme von Ehepartnern[9] oder Sorgeberechtigte – kein automatisches Recht auf ärztliche Auskünfte, Akteneinsicht, Mitbestimmung oder Besuch! (Teigeler & Walther, 2022, S. 85).

Obwohl die ärztliche Schweigepflicht eine Weitergabe von medizinischen Informationen verbietet, sieht § 9 Abs. 2 der (Muster-)Berufsordnung der Bundesärztekammer (MBO-Ä) vor, dass eine Informationsweitergabe an Dritte erlaubt ist, wenn ein mutmaßlicher Patientenwille ermittelt werden soll oder ein anderer triftiger Grund vorliegt(Bundesärztekammer [BAEK], 2024, S. 4; G. Michels & Taupitz, 2017, S. 184). In solchen Fällen darf der Arzt auch ohne ausdrückliche Schweigepflichtentbindung mit Bezugspersonen sprechen, wenn dies im Interesse des Patienten geschieht bzw. er dadurch relevante Informationen zum mutmaßlichen Patientenwillen, zur Lebensweise, Motivation oder Einstellung erhält. Solche Informationen sind für die ärztliche Therapiefindung essentiell(G. Michels & Taupitz, 2017, S. 184–185; Teigeler & Walther, 2022, S. 85).

Erstgespräche:

Die Erwartung der AvIP, eine ärztliche Auskunft zu erhalten ist zu Anfang enorm. Erstauskünfte dürfen jedoch nur vom Arzt erfolgen und er darf dies auch nicht an die IPK delegieren(Pelz & Odenthal, 2022, S. 250–251). Entsprechend ist es angemessen, wenn die IPK die AvIP zunächst nur vertröstet und deren Unsicherheit lediglich anerkennt. Ungeachtet davon empfiehlt die DIVI Gespräche grundsätzlich nach der VALUE - Strategie durchzuführen (siehe Tabelle 1), die auf der Arbeit von Curtis und White (2008) basieren.

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: VALUE-Strategie nach Curtis und White (2008), eigene Darstellung in Anlehnung an Pelz und Odenthal (2022, S. 250).

Die fünf herausgestellten VALUE Kompetenten ermöglichen eine Gesprächsführung, die emotionalen Eskalationen, massiven Missverständnissen oder Konflikten mit hochbesorgten Angehörigen nachweislich entgegenwirkt(Pelz & Odenthal, 2022, S. 250). Die Studienlage belegt eindrücklich, dass sich Angehörige dadurch besser verstanden fühlten und hierdurch im Verlauf deutlich weniger psychische Belastungssymptome zeigten(Maria Brauchle & Ufelmann, 2022, S. 264; Pelz & Odenthal, 2022, S. 250; Teigeler & Walther, 2022, S. 73).

Organisatorische Perspektive bei wiederholten Besuchen:

AvIP werden häufig als „Störfaktoren“ für Patienten, Personal oder Arbeitsabläufe angesehen(Staudhammer, 2018, S. 101), sodass AvIP gemeinhin mit restriktiven Besuchsregelungen konfrontiert werden(Teigeler & Walther, 2022, S. 198). Deutschlandweit gibt es keine ITS, die barrierefrei betreten werden kann. Besuchsregelungen deutscher ITS variieren stark – unabhängig von Fachrichtung, Größe oder Trägerschaft. Mitunter werden lediglich 30 Minuten Besuchszeit pro Tag zugestanden. Andere gestatten bis zu zwölf Stunden oder verzichten vollständig auf zeitliche Begrenzungen. Manche Einrichtungen bestehen auf Terminabsprachen, andere erlauben spontanes Kommen innerhalb der Besuchszeiten oder gewähren individuelle Zeitabsprachen(Teigeler & Walther, 2022, S. 64–65). Fast immer werden palliative Fälle / Sterbebegleitungen weitestgehend von Reglementierungen befreit(Hierundar, 2022a, S. 269).

Institutionell werden Restriktionen durch das Hausrecht, der Wahrung von reibungslosen Arbeitsabläufen und den besonderen Schutzauftrag gegenüber den Patienten gerechtfertigt. Generelle Besuchsverbote, wie bspw. während der COVID-19-Pandemie oder in den Anfängen deutscher Intensivmedizin, werden mittlerweile als unsinnig bewertet, wobei das Besuchsverbot von Kinder unter 12 Jahren, weiterhin üblich ist(Teigeler & Walther, 2022, S. 58). Zwar können sich ITS – genauso wie Operations- oder Funktionsbereiche, nie gänzlich öffnen, jedoch werden zunehmend liberalere Besuchsregelungen umgesetzt oder Ausnahmen gewährt, die auch Kinderbesuche einräumen. Meist wird mit einer Ausdehnung von festen Besuchszeiträumen (z.B. tägl. 14-20 Uhr) oder das Kommen ohne Termin, mit Angehörigenfreundlichkeit assoziiert(Teigeler & Walther, 2022, S. 64–65).

Die meisten Reglementierungen hängen laut Latour (2022) mit der räumlichen Situation (z. B. Mehrbettzimmer), der hygienischen und mentalen Vulnerabilität der Patienten sowie mit der angespannten Personalsituation bzw. der Arbeitssicherheit zusammen(Teigeler & Walther, 2022, S. 198–199). Zur Sicherstellung einer ungestörten Durchführung pflegerischer, medizinischer oder therapeutischer Maßnahmen (z.B. Visite, Intimpflege, Mobilisation) müssen Angehörige das Patientenzimmer bzw. die ITS verlassen. Bei kritischen Notfällen wie Reanimation oder Intubation wird in der Regel auf die ärztliche Verantwortung nach § 7 Abs. 5 MBO-Ä (1997) oder auf den Schutz vor Traumatisierung verwiesen, wenn Angehörige ausgeschlossen werden(BAEK, 2024, S. 3). Die Studienlage zeigt jedoch, dass herausgeführte Angehörige – unabhängig vom Ausgang, signifikant häufiger posttraumatische Symptome zeigten als jene, die dabei bleiben durften(Strotmann, 2021, S. 35).

Der Besuch durch „schwierige“ oder besonders vulnerable AvIP ist mit zusätzlichen Aufwänden verbunden (z.B. deeskalierende, längere, sensiblere Zuwendung). Einschränkungen (z.B. max. zwei Besucher pro Pat.) werden vielfach als probates Mittel zur Sicherung von Arbeitsabläufen (z.B. freier Zugang zum Bett) und Stressabschirmung des Patienten betrachtet(Hoffmann, Exl, Brauchle, Amrein & Jeitziner, 2025, S. 2; Teigeler & Walther, 2022, S. 66–67). Berechtigterweise sind „schwierige“ AvIP als Störfaktoren zu bezeichnen, wenn sie sich nicht innerhalb der ihnen zugewiesenen Bereiche aufhalten, sie sich unsensibel gegenüber anderen Patienten zeigen oder Anweisungen bewusst bzw. permanent ignorieren oder sogar das Personal bedrohen. Solche Situationen können jederzeit entstehen, insbesondere, wenn starke Emotionen im Spiel sind oder deeskalierende Maßnahmen oder freundlich-bestimmte Grenzsetzungen nicht ausreichen(Koll-Krüsmann, 2022, S. 245–246; Staudhammer, 2018, S. 101).

3.3.2 Angehörigenfreundliche Intensivstationen

Um die Sinnhaftigkeit und negativen Auswirkungen von Besuchsreglementierungen besser verstehen zu können, hilft ein Blick auf sogenannte „angehörigenfreundliche ITS“. Hinter dieser konzeptionellen Ausrichtung steht zunächst eine institutionelle Haltung, AvIP effektiv in den Versorgungsalltag zu integrieren. Dafür braucht es Rahmenbedingungen, die nach der DGF10 (überwiegend) erfüllt werden müssen:

- Besuchszeiten: täglich flexibel gestaltbar, mind. 12 Std. Zeitfenster.
- Wartebereiche: möglichst exklusiv und (ansprechend) gestaltet.
- Prozess: z.B. proaktive Anrufe, leitfadengestützte Gespräche, Dokumentation der Besuche (Anzahl, Gesprächsinhalte), Videotelefonate
- Kinderbesuche: z.B. erwünscht, kindgerechte Information und Begleitung
- Schriftliche Konzepte: z.B. Konzept zur Informationskoordinierung, Informationsbroschüren (auch in Fremdsprachen), Feedbackbögen.
- Unterstützungs- und Integrationsangebote: z.B. dokumentierte Einbeziehung, Intensiv-Tagebuch, Anwesenheit während med. Interventionen.
- Bildungsmaßnahmen im Team: z.B. mind. 1 oder 2 Fortbildungen bzgl. Kommunikativer Konzepte und Strategien, Kurzfortbildungen.
- Die Intensivstation: z.B. bauliche Situation (barrierefrei, Einzelzimmer), eigener Ruhe-/ Aufenthaltsraum, orientierungsgebende Architektur.
- Versorgung von Bezugspersonen: z.B. Verpflegung / Selbstverpflegungsmöglichkeit, Übernachtungsmöglichkeit, WC / Waschgelegenheit in der Nähe.
- Sonstiges: DIVI Peer-Interview in den letzten zwei Jahren durchgeführt.
- Zusätzliche Leistungen ( keine Vorgabe ): z.B. Internetzugang, Spint, tiergestützte Assistenz, Angehörigen-Nachsorgegruppe.

(Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e.V. [DGF], 2025, S. 1–3).

Mit einer angehörigenfreundlichen Versorgung müssen strukturelle, organisatorische und personelle Kriterien erfüllt werden, die nicht jede Klinik umsetzen kann (z.B. Einzelzimmer). Neben den baulichen Unwägbarkeiten, sind es jedoch vorwiegend obsolete oder stereotypische Gründe, an denen Verantwortliche festhalten(Teigeler & Walther, 2022, S. 210–211). Da angehörigenfreundliche ITS noch die Ausnahme sind und zudem keiner der hier untersuchten IPK bisher auf einer angehörigenfreundlichen ITS gearbeitet hat, bezieht sich das Nachfolgende auf Versorgungsprozesse mit traditionellen Reglementierungen (vgl. Kap. 2.3.1), bei der die Angehörigenarbeit hauptsächlich intuitiv am Bett abläuft und deren Effektivität im Wesentlichen mit der KK der IPK assoziiert ist.

3.4 Angehörige von Intensivpatienten – emotionale Unterstützer, stellvertretende Mitentscheider und gefährdete (Mit)Betroffene

Wie im vorangegangenen Abschnitt erläutert wurde, ist die Angehörigenarbeit ebenso eine fürsorgebezogene Beziehungsarbeit, bei der eine vertraute (familiäre / freundschaftliche) Patient-Angehörigen-Beziehung zu Grunde gelegt wird. Die Abbildung 5 zeigt die Mehrfachrolle von AvIP anschaulich.

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Komplexe Rolle eines AvIP(Hoffmann et al., 2022, S. 351).

Der dramatische Zustand des Patienten, der plötzliche Verlust der innerfamiliären Kommunikation und Organisation und das Setting führt bei den AvIP zu dem Gefühl von Kontrollverlust, Überforderung und Hilflosigkeit. Demzufolge wird diese Reaktion nach dem ICD-1011 Erlebensweisen einer akuten Belastungsreaktion (F43.0) aufgefasst(Hannich, 2022, S. 67). Wie in den vorherigen Abschnitten aufgeführt, dient die Angehörigenarbeit zur Herstellung einer situativen Transparenz, die es den AvIP ermöglicht den Zustand des Patienten zu verstehen sowie die traumatische Wirkung abzumildern. AvIP wird dadurch beim Erleben, bei der psychoemotionalen Verarbeitung und bei der Anpassung geholfen(G. Brauchle & Mehl, 2022, S. 4; Hartog, 2022, S. 235–236; Jöbges et al., 2022, S. 576).

Vor diesem Hintergrund steht die Angehörigenarbeit auch in einem Kontext der indizierten Prävention, bei der die Förderung zur Gesundheitskompetenz (GK) – also die Empowerung zur gesundheitsdienlichen Selbstmanagement dient und auf bewährte psychoedukative Verfahren zurückgreift(Brinkmann, 2014, S. 254–255; DIVI, 2024, S. 2). Der präventive Grundgedanke ist tief mit der Ottawa-Charta der WHO12 (1986) verwurzelt, welche die Stärkung der individuellen GK fordert(Brinkmann, 2014, S. 265–266). Gesundheitskompetente Personen können laut Brandes und Stark (2010) mit gesundheitsbezogenen Informationen besser umgehen, treffen angemessenere Entscheidungen und können Ressourcen besser erschließen bzw. nutzen(Brinkmann, 2014, S. 267). Im intensivstationären Kontext bedeutet das: Die Angehörigenarbeit am Bett dient einer ganzheitlichen Versorgung und dem schrittweisen Wissenstransfer, der Beratung und Befähigung zum Supporter - sowie auch zur Krankheitsbewältigung bzw. Gesundheitsförderung im eigenen Sinn(Büker, 2021, S. 80–81; DIVI, 2022a, S. 2–3).

3.4.1 Die Konfrontation der AvIP mit dem Setting

Die Besuchsbegleitung der IPK ist weit mehr als ein Heranführen ans richtige Bett. Die Erstbegegnung mit Medizintechnik und dem vollkommen veränderten Aussehen der Patienten ist für viele AvIP zunächst ein Schock. Insbesondere in der Anfangsphase oder wenn in Folge eine offensichtliche Veränderung stattfand, steht die Beruhigung und das sensible Heranführen der AvIP durch die IPK im Vordergrund(Hartog, 2022, S. 235). Die Abbildung 2 zeigt eine charakteristische Belegungs- und Versorgungssituation mit zwei beatmeten Patienten, die offensichtlich „nur“ einen basalen intensivmedizinischen Geräteeinsatz bedürfen, wie er auf jeder ITS üblich ist.

[Die Abbildung 4 ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht im Lieferumfang enthalten.]

Abbildung 4: Gewöhnliche Versorgungssituation von zwei beatmeten Patienten (Foto: Anne Orthen)(Kensbock, 2021).

Dabei unterdrückt das Bild vollkommen die enorme Geräuschkulisse, die sich der Leser vorstellen muss. In dieser Szenerie könnte die nicht ungewöhnliche Situation entstehen, dass die Gesprächsinhalte von Mitpatienten bzw. deren AvIP mitgehört werden oder die Gesprächsgestaltung der IPK durch äußere Reize gestört, beeinflusst oder unterbrochen wird. In dieser Situation hochkonzentriert – aber emotional zugewandt bzw. regulierend zu arbeiten, ist mit einer großen Anstrengung der IPK verbunden.

Zeigen AvIP eine kognitive Zugänglichkeit bzw. emotionale Gefasstheit, kann die IPK eine beratende und erklärende Haltung einnehmen. Im Unterschied zu strukturierten, zeitlich terminierten Gesprächen anderer Berufsgruppen (z.B. Arzt, Psychologe), muss die IPK dies „nebenher“ gestalten – also während sie priorisierte Pflegehandlungen (z.B. Patientenüberwachung) nicht vernachlässigt. Der Umstand der anwesenden AvIP versetzt die IPK gleichsam in eine Interaktion, der sie sich nicht entziehen kann bzw. die sie bewältigen muss und potentiell von der eigentlichen Patientenarbeit ablenkt. Diese oktroyierte „Beratung zwischen Tür und Angel“ hat einen stark handlungsgeleiteten Bezug. Gespräche zwischen IPK und AvIP werden sehr häufig durch die Situation oder von den AvIP initiiert – etwa dass sie die IPK etwas Fragen oder die IPK sich während einer Pflegehandlung erklärt. Ebenso kann die IPK proaktiv auf AvIP zugehen, um bspw. Angelegenheiten rund um den Patienten zu klären oder AvIP zur Mithilfe zu animieren(Schieron, 2021a, S. 168). Hierzu benötigt die IPK jedoch intrapersonale Ressourcen, wie bspw. Engagement und eine niedrige Schüchternheit, eine positive SWE und Handlungsergebniserwartung(Arndt, 2022, S. 288). Generell sind alle diese Gespräche meist von kurzer Dauer und intuitiv. Solche informellen Kurzgesprächssituationen umfassen teilweise nur einige Sekunden, gleichwohl erfordern sie von der IPK eine hohe Sensibilität, Aufmerksamkeit und Handlungskompetenz, um den „pädagogisch günstigen Moment“ zu erkennen und wirksam zu nutzen(Schieron, 2021a, S. 167–168).

Nach der Befragungsstudie von Isfort (2017) sind die IPK der Ansicht, dass vor allem die Rahmenbedingungen einer ITS die förderliche Kommunikation erschweren. Isfort konnte den Zusammenhang von enormen Arbeitsaufkommen - insbesondere bei Unterbesetzung und einer defizitären Versorgung - belegen (siehe Abbildung 3). Die befragten IPK gaben eine deutliche Negativverschiebung bei der Qualität ihrer Angehörigenarbeit an, wenn sie mehr als zwei Patienten versorgen müssten(Isfort, 2017, S. 25–26). Hinter der Befragung von Isfort steht jedoch auch, dass die IPK mit der Angehörigenarbeit Qualitätsansprüche verknüpfen, die sie defizitär erfüllt sehen, auch wenn sie nicht durch die Patientenanzahl überlastet sind(Isfort, 2017, S. 24).

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Auswirkungen auf Pflegemängel je nach IPK-Patienten-Verhältnis(Isfort, 2017, S. 25).

3.4.2 Die psychische Belastung und typische Reaktionsmuster der AvIP

Wie in Kap. 2.4.1 erwähnt, ist die bedrohliche Erkrankung für die AvIP eine Ausnahmesituation. Die Konfrontation mit dem stark veränderten Patienten, der mit Schläuchen und Kabeln versehen ist, löst bei vielen AvIP ein Schock aus, der durch die Furcht auslösenden medizinischen Geräte, verstärkt werden kann. AvIP, die zum ersten Mal den Patienten sehen, geraten in einen anhaltenden psychischen Krisenmodus, der ihre kognitive Leistungsfähigkeit, ihre Wahrnehmung und ihre soziale Interaktions- und Bewältigungskompetenz hochgradig stört(Hoffmann et al., 2022, S. 350).

Netzer und Sullivan (2014) beschrieben in ihren Untersuchungen das Schockerleben der AvIP und ermöglichen damit, alle AvIP als schwierige Gesprächspartner zu verstehen. Sie unterscheiden vier übergeordnete Reaktionsmuster, denen typische Erlebens- und Verhaltensweisen zugeordnet werden und als Family Intensiv Care Unit Syndrom (FICUS) zusammengefasst werden. Das FICUS vereint die häufigsten Folgereaktionen und maladaptiven Bewältigungsstrategien, wodurch ein Verständnis über die Beeinflussung bzw. Störung der sozialen Interaktionen und Leistungsfähigkeit geschaffen wird(Hoffmann et al., 2022, S. 350). Hartog (2022) übersetzte das FICUS auf den deutschen Kontext als ITS-Syndrom der Angehörigen, welches in der Erstellung der Abbildung 6 als Grundlage diente(Hartog, 2022, S. 237).

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Eigene, inhaltlich modifizierte Darstellung des FICUS-Modells (Netzer & Sullivan, 2014), basierend auf der grafischen Darstellung bei Hartog (2022, S. 237).

Ergänzend zu den Erkenntnissen von Netzer und Sullivan, sollten auch die Untersuchungen von Stellmacher (2012) berücksichtigt werden, die das Stresserleben der AvIP weit vor dem eigentlichen Patientenkontakt beschreibt. Demnach haben viele AvIP eine grundsätzliche Abneigung ein Krankenhaus zu betreten oder geben katastrophisierende Gedanken in Wartesituationen an oder empfinden Zurechtweisungen durch das Personal als Angriff und Besucher-Reglementierungen als Schikane(Hartog, 2022, S. 235–236).

3.4.3 Die besondere Atmosphäre von Warteräumen und ihre implizite Wirkung auf die Kommunikation

In Abbildung 7 und 8 sind Wartebereiche deutscher Intensivstationen zu sehen, die beispielhaft demonstrieren, welche räumliche Bedingungen typischerweise für wartende AvIP vorgesehen sind.

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: ITS Wartebereiche von unterschiedlichen Krankenhäusern (eigene Fotos).

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Typischer Eingangsbereich einer ITS - mit abgestellten Inventar (eigenes Foto).

Die Einrichtung ist meist funktional, Sitzgelegenheiten oft eng gestellt, die Räume wirken meist kühl, nüchtern und unpersönlich. Manchmal verfügen ITS über separate Wartezimmer. Oftmals jedoch besteht der Wartebereich aus Stuhlreihen im vorgelagerten Eingangsbereich – ohne Abtrennung zum Hausflur oder „Liegendeingang“. Hierbei können AvIP unmittelbar mit vorbeigefahrenen Patienten oder abgestelltem medizinischen Inventar konfrontiert werden. Solche sterilen Umgebungen mit verschlossenen Türen senden keine Willkommenskultur aus. Umfragestudie belegen, dass Besucher die Atmosphäre vor ITS als wenig einladend und attraktiv erleben und ihre subjektiv empfundene Orientierungslosigkeit, Unsicherheit und emotionale Belastung verstärkt wird(Hartog, 2022, S. 235; Teigeler & Walther, 2022, S. 37). AvIP sind insbesondere beim ersten Eintreffen mit einfachsten Handlungen oder Hinweisen überfordert. Meist übersehen sie Informationen, wie sie in Form von Aushängen oder Broschüren zur Verfügung gestellt werden. Häufig verlassen sie den Wartebereich auch bei Durst nicht.(G. Brauchle & Mehl, 2022, S. 241; Hartog, 2022, S. 237).

3.4.4 Bedürfnisse der Angehörigen

Nach Grawe (1987, 1998) bestehen vier psychische Grundbedürfnisse, die eine innere Dynamik besitzen und im Sinne psychischer Gesundheit befriedigt bzw. bewahrt werden wollen(Bockwyt, 2020, S. 4). Diese Grundbedürfnisse – Bindung/Zugehörigkeit, Lustgewinn/Unlustvermeidung, Orientierung/Kontrolle sowie Selbstwerterhöhung/Selbstschutz – stellen universelle psychologische Konstanten dar, die auch in extrem belastenden Situationen wirksam bleiben. Durch das Miterleben existenzieller

Bedrohung, können diese Bedürfnisse jedoch gravierend verletzt werden. Daraus ergeben sich spezifische Auslösefaktoren – sogenannte traumatische Stressoren –, die sich den Grundbedürfnissen zuordnen lassen und nach Hansen und Zech (2022) in der traumasensiblen Kommunikation entsprechende Themen ableiten und in der Tabelle 2 aufgelistet werden. Die Aufstellung von Hansen und Zech zeigt, welche Basisthemen abgeleitet werden können, um im Rahmen einer traumasensiblen Beziehungsgestaltung gezielt auf die verletzten Grundbedürfnisse traumatisierter Angehöriger eingehen zu können(Hansen & Zech, 2022, S. 111–112).

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Ableitung der Basis-Kommunikation und Zuordnung des jeweiligen Grundbedürfnisses.(Hansen & Zech, 2022, S. 112).

Ergänzend zu dieser theoriegeleiteten Herleitung existieren auch empirisch gestützte Erhebungen über die wahrgenommenen Bedürfnisse von Angehörigen im intensivmedizinischen Kontext. Eine Umfrageauswertung von Mayer et al. (2010), die knapp 300 Angehörige zu ihren Erfahrungen während Besuchen auf Intensivstationen befragte, identifizierte sechs zentrale Bedürfnisse, die insbesondere in der Anfangsphase eines Intensivaufenthaltes von hoher Bedeutung sind(Mayer et al., 2010, S. 22). Zum besseren Verständnis, welche kommunikativen Reaktionen in der Begegnung förderlich sind, werden die Bedürfnisse von Mayer et al. mit dem jeweiligen Grundbedürfnis nach Grawe und einem entsprechenden Beispiel einer traumasensiblen Kommunikation nach Hansen und Zech in der Tabelle 3 aufgelistet.

Die ermittelten Bedürfnisse von AvIP durch die Studie von Mayer et al. spiegeln zentrale Elemente der oben dargestellten psychischen Grundbedürfnisse wider. Die Bedürfnisse und die empfundene Erfüllung bleibt jedoch höchst subjektiv. Eine empathische Anerkennung und adäquate Berücksichtigung geben den AvIP jedoch die Möglichkeit zur selbstmitfühlenden Wahrnehmung (Self-Compassion) und damit den Grundstein zur Selbstreflexion und einer angemessenen Anpassung an die Rolle. Vor diesem Hintergrund belegen zahlreiche Studien, dass die Bedürfniserfüllung eng mit der Verarbeitung des intensivmedizinischen Settings und der Prävention psychischer Langzeitfolgen – wie etwa einer PTBS oder eines PICS-F-Syndroms – verknüpft werden muss(G. Brauchle & Mehl, 2022, S. 241; Hönig & Gündel, 2016, S. 270; Rosendahl & Gawlytta, 2022, S. 273).

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Zusammenführung der Bedürfnisse nach Mayer et al., der Grundbedürfnisse nach Grawe und kommunikativer Ansätze nach Hansen und Zech. Eigene Darstellung mit selbst formulierten Ankerbeispielen in Anlehnung an Hansen und Zech.

Passend hierzu bestätigt die Metaanalyse von Kynoch et al. (2016) diese Zusammenhänge: Angehörige, die ihre Bedürfnisse als erfüllt wahrnahmen, berichteten eine deutlich konstruktivere Bewältigungssituation sowie höhere Zufriedenheit mit dem Versorgungsprozess – auch wenn der Patient verstorben ist. Entscheidenden Einfluss auf diese Wahrnehmung hatte vor allem die Qualität der kommunikativen Beziehung zur Pflege, die von den Angehörigen häufig als primäre Anlaufstelle für die Übersetzung vorangegangener ärztlicher Informationen und zur emotionalen Unterstützung erlebt wurden(Kynoch, Chang, Coyer & McArdle, 2016, S. 181–182; Mayer et al., 2010, S. 107).

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Dankschreiben einer Ehefrau (eigenes Foto).

Die Abbildung 9 zeigt ein persönliches Dankesschreiben, bei dem beispielhaft zum Ausdruck kommt, was Angehörige in der Sterbebegleitung wertschätzen.

Die Literatur gibt hinreichende Belege dafür, dass die Angehörigenarbeit nicht nur ein Teil der Patientenversorgung, sondern eine eigenständige Tätigkeit, mit eigenem Wert ist(Hönig & Gündel, 2016, S. 271–272).

3.5 Angehörigenpartizipation in medizinischen Entscheidungsprozessen

Die aktive Mitbeteiligung von Angehörigen an medizinischen Entscheidungsprozessen ist ein zentrales Element der patienten- und familienzentrierten Versorgung sowie der partizipativen Rolle der AvIP. Gleichwohl ist sie mit hohen kommunikativen, rechtlichen und emotionalen Anforderungen verbunden(Winkler, 2008, S. 200).

3.5.1 Rechtliche Grundlage und Belastungssituation

Mit der Partizipation werden zentrale psychologische Grundbedürfnisse der AvIP angesprochen, wie sie in Kap. 2.4.4 dargestellt. Im internationalen Vergleich gilt die Angehörigenintegration auf deutschen ITS trotz gewisser Fortschritte als ausbaufähig. Nach Latour (2022) gelingt eine vorbildliche Umsetzung familienzentrierter Versorgung jedoch bislang nur in wenigen Ländern systematisch(Teigeler & Walther, 2022, S. 220). Neben ihrer Funktion als emotionale Unterstützer (vgl. Kap. 2.4, Abbildung 5) übernehmen bevollmächtigte AvIP die Rolle des gesetzlichen oder informellen Stellvertreters im Rahmen medizinischer Entscheidungsprozesse – im Sinne eines Shared Decision Making (SDM)(Hoffmann et al., 2022, S. 351). Wie bereits in Kap. 2.3.1 erläutert, ist eine Informationsweitergabe an AvIP ohne Schweigepflichtentbindung nur bedingt zulässig. Diese juristischen Rahmenbedingungen bestimmen maßgeblich die Kommunikation im Vorfeld gemeinsamer Entscheidungsprozesse. Gemäß §§ 630a–h BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) ist die Einwilligung in eine medizinische Behandlung sowie die entsprechende Aufklärung über deren Inhalte ein verpflichtender Bestandteil des Behandlungsvertrags. Bei nicht einwilligungsfähigen Patienten wird dieses Recht durch eine Vorsorgevollmacht auf den betreuenden AvIP übertragen. Die Zustimmung erfolgt dabei stellvertretend und soll sich am mutmaßlichen Willen des Patienten orientieren(Bundesministerium für Justiz [BfJ], 2025; Hierundar, 2022b, S. 21; Jöbges et al., 2022, S. 576).

3.5.2 Kommunikation im Shared Decision Making: Anforderungen an IPK

Die stellvertretende SDM wird für viele AvIP erfahrungsgemäß dann zur erheblichen psychischen Belastung, wenn Entscheidungen von existenzieller Tragweite mitgetroffen werden müssen, wie etwa eine Amputation, ein Therapiezielwechsel oder die Zustimmung zu einer Organspende bzw. Therapieeinstellung(Winkler, 2008, S. 200). Solche Situationen verlangen eine gute Kooperation zwischen Team und AvIP und dem Vermögen, gemeinsam (z.B. in „Familienkonferenzen“) in einer zwischen medizinischer Prognose, zu erwartendem Leid, Nutzen der Maßnahme sowie dem mutmaßlichen Willen des Patienten abzuwägen(Hartog, 2022, S. 235; Rosendahl & Gawlytta, 2022, S. 274; Teigeler & Walther, 2022, S. 42).

Wie Teufert und Bercker (2015) beschreiben, erschweren dynamische Krankheitsverläufe, wechselnde Teamkonstellationen im Schichtdienst, divergierende kurative Erwartungen von Team und AvIP sowie unzureichende strukturelle Rahmenbedingungen die Kommunikation zwischen Behandler und AvIP(Hierundar, 2022a, S. 267). Zwar können Leitlinien wie die der European Society of Intensive Care Medicine Orientierung bieten, dennoch erleben viele AvIP ihre Verantwortung als überfordernd(Kesecioglu et al., 2024, S. 1740). Die Erläuterungen zum FICUS in 2.4.2 stellt die Problematik des schwierigen bzw. sehr herausfordernden Gesprächspartners dar, mit dem die IPK – wie es in 2.2 und 2.2.2 dargestellt wird, umgehen soll.

Hönig und Gündel beschreiben (2016), dass das Personal mit deeskalierendem Verhalten schnell unterschwellige oder offene Konflikte bewältigen kann. Jedoch langfristig mit großen kommunikativen Herausforderung konfrontiert wird, wenn der Auslöser nicht beseitigt wurde bzw. die Schlichtung auf einer unangemessenen Kommunikation beruht (vgl. Kap. 2.2.3, Abbildung 5)(Hönig & Gündel, 2016, S. 274). Insbesondere bei weitreichenden SDM oder endgültigen End of Life Situation (EoL), benötigen AvIP ein Bewusstsein dafür, dass sie nicht in einer (allein) verantwortlichen Entscheidungsrolle stehen und das Behandlungsteam (allen voran die ärztlichen Vertreter) bei der Umsetzung des Patientenwillens kommunikative Führungsstärke zeigt(Hierundar, 2022a, S. 267; Jöbges et al., 2022, S. 580; Kesecioglu et al., 2024, S. 1741).

3.5.3 Theoretische Einbettung des Facilitated Sensemaking Model

Das Facilitated Sensemaking Model (FSM) wurde von Davidson et al. (2010) entwickelt, um eine theoretisch fundierte Grundlage für familienzentrierte Intensivpflege zu schaffen. Es zielt darauf ab, patientennahe Interventionen gezielt auf die Angehörigenarbeit am Bett auszurichten, um das FICUS (vgl. Kap. 2.4.2) zu mildern und negativen Langzeitfolgen wie PICS-Family und PTBS vorzubeugen(Davidson, McDuffie & Mitchell, 2017, S. 103).

Das Modell wurde sowohl induktiv als auch theoriegeleitet entwickelt und im Rahmen eines Literaturreviews unter Einbezug von Experten, Angehörigen und klinisch tätigen Pflegefachpersonen konzipiert und validiert. Es basiert auf der Integration zweier theoretischer Modelle:

· Roy Adaptation Model (RAM) nach Roy (1976) beschreibt den Menschen als bio-psycho-soziales System, das auf krankheitsbedingte Störungen mit adaptiven Bewältigungsstrategien reagieren muss. Im Zentrum steht der pflegerisch unterstützte Anpassungsprozess, der auf Ressourcennutzung, Rollenklärung und Sinnstiftung (im Sinne von Sinn und Zweck verstehen) abzielt(Roy, 2018, zitiert nach Shin, Tate & Happ, 2020, S. 10). Davidson überträgt diesen Kompensationsprozess auf die Familienangehörigen, da auch sie als „Mitbetroffene“ gezielte Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung benötigen(Shin et al., 2020, S. 10).

· Weick’s Organizational Sensemaking Theory (WOST)(1995): Diese Theorie beschreibt Kommunikation als aktiven, sinnstiftenden Prozess unter Unsicherheitsbedingungen, insbesondere durch „kommunikative Führung“. Die Nähe zur Salutogenese nach Antonovsky ist insbesondere durch die Betonung von Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit erkennbar. Im FSM übernehmen die IPK in diesem Sinne eine Lotsenfunktion: Sie führen die Angehörigen durch komplexe Situationen, bauen Berührungsängste ab, wirken pädagogisch und schaffen Orientierung sowie Handlungsfähigkeit(Czarniawska, 1997, S. 113; Shin et al., 2020, S. 10–11).

Eine theoretische Erweiterung erfuhr das FSM durch Shin, Tate und Happ (2020), die es mit der Selbstregulationstheorie nach Kanfer et al. (1973, 1986) verknüpften(vgl. Wassmann & Batra, 2013, S. 36). Diese Erweiterung hebt die kognitive und emotionale Regulationsleistung hervor, die IPK erbringen müssen, um AvIP empathisch und zugleich professionell zu begleiten. Die Ergänzung von Shin et al. ist dadurch sinnvoll, da die Rolle der Perzeption als Voraussetzung für kognitive Verarbeitung und emotionsreguliertes Handeln im Rahmen des SDM betont wird(Shin et al., 2020, S. 11–12).

Dem FSM liegt die Annahme zugrunde, dass die kritische Erkrankung eines Intensivpatienten auch die Angehörigen schwer belastet. Diese psychosoziale Krise verlangt eine phasenbezogene Bewältigung, bei der emotionale, kognitive und praktische Ressourcen mobilisiert werden müssen, um mit der komplexen Rolle (vgl. 2.4, Abb. 5) konstruktiv umgehen zu können. Das FSM setzt hier mit gezielten intensivpflegerischen Interventionen an, um diesen Adaptationsprozess zu fördern(Davidson, Daly, Agan, Brady & Higgins, 2010, S. 34). Es ist bislang das einzige theoretische Modell, das spezifisch für die intensivpflegerische Angehörigenarbeit am Bett konzipiert wurde.

Obwohl die „ Guidelines for Family-Centered Care in the Neonatal, Pediatric, and Adult ICU “ von Davidson et al. (2017) auch in der deutschen Literatur (z. B. Waydhas et al., 2024) rezipiert werden, ist das FSM in der deutschsprachigen Intensivpflege bislang weder als strukturiertes Verfahren implementiert noch in Leitlinien verankert. Da das Modell jedoch anschlussfähig an den Kontext des rKKM ist (vgl. Kap. 2.2.3, Abb. 4), wurde der Interviewleitfaden dieser Arbeit am FSM orientiert. Damit wird eine theoriegeleitete Operationalisierung der Angehörigenarbeit ermöglicht.

Struktur des FSM

Das FSM beschreibt drei Phasen des Anpassungsprozesses, die auf zwei grundlegende Ziele ausgerichtet sind:

1. Den AvIP helfen zu verstehen, was passiert.

(„ Make sense out of what happened “).

2. Die AvIP anleiten, ihre neue Rolle zu verstehen und auszufüllen.

(„ Make sense out of the new role “).

Daraus ergeben sich vier zentrale Interventionsbereiche, die den Pflegeprozess strukturieren (Davidson et al., 2010, 2017):

- Beziehungsgestaltung: Authentizität vorleben, empathisch zuhören, Werte und Präferenzen erfassen, Fürsprache bei Zielkonflikten leisten, respektvoll kommunizieren.
- Effektive Kommunikation: Orientierung in der ungewohnten Umgebung geben, Bedürfnisse ermitteln, Erfahrungen mit dem Besuch reflektieren, Intensiv-Tagebuch führen, unterstützende Kommunikationsmittel anbieten.
- Instruierende Präsenz: Begrüßung und Willkommenskultur fördern, Partizipationswünsche erkennen, in pflegerische Aufgaben einführen, Coaching anpassen, Erholungsphasen vorschlagen.
- Entscheidungsfindung: gewünschten Beteiligungsgrad am SDM klären, Teilhabe an Visiten ermöglichen, Sicherheit in Entscheidungen fördern, Behandlungsziele besprechen, Familienkonferenzen initiieren.

Damit das FSM prozessual – wie in der Abbildung 10 dargestellt - umgesetzt werden kann, bedarf es klarer Rollendefinitionen, einer offenen Haltung im Team sowie einer strukturell ermöglichenden Umgebung. Nur wenn familiäre Integrität gewahrt bleibt und Angehörige emotional entlastet werden, können sie auf die weitere Versorgung vorbereitet werden – und das Risiko für psychische Folgeerkrankungen wie PICS-Family oder PTBS wird signifikant reduziert(Davidson et al., 2017, S. 104).

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Prozess und Ausrichtung des FSM(Davidson et al., 2017, S. 104).

4 Methodik

Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der empirischen Untersuchung. Dabei wird dargelegt, welche Erhebungsmethode zur Beantwortung der Forschungsfrage gewählt wurde, wie die Stichprobe ausgewählt wurde und nach welchem Verfahren die Auswertung der erhobenen Daten erfolgte. Die methodischen Entscheidungen orientieren sich dabei sowohl an den forschungspraktischen Zielsetzungen, als auch an den theoretischen Grundannahmen des rKKM sowie des FSM. Diese Modelle betonen die subjektive Bedeutungszuschreibung und die interaktive Aushandlung von Beziehung und Kommunikation in emotional hochbelasteten Kontexten – wie sie in der Angehörigenarbeit auf ITS typisch sind. Bezugnehmend auf die Ausführungen von Döring und Bortz (2016) wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, das sich besonders gut eignet, individuelle Wahrnehmungen, kommunikationsbezogene Erfahrungen und Deutungsmuster intensiv zu beleuchten(Döring & Bortz, 2016, S. 63–64).

4.1 Erhebungsmethode

Qualitative Forschung zielt darauf ab, die soziale Wirklichkeit aus der Sicht der beteiligten Personen zu erfassen und zu verstehen. Anstelle einer quantitativen Messung vordefinierter Variablen steht hier die umfassende Rekonstruktion individueller Bedeutungen, subjektiver Erfahrungen und kommunikativer Interaktionsprozesse im Vordergrund(Döring & Bortz, 2016, S. 14). Insbesondere in komplexen sozialen Situationen wie der Kommunikation zwischen IPK und AvIP lassen sich relevante Aspekte wie Empathie, Beziehungsgestaltung, Informationsvermittlung oder auch Rollenkonflikte nicht vollständig mit standardisierten Instrumenten erfassen. Stattdessen ist ein flexibler, gegenstandsangemessener Zugang erforderlich, wie ihn die qualitative Forschung bietet(Kuckartz & Rädiker, 2022, S. 18; Mayring, 2022, S. 13).

Ziel ist es, die subjektiven Sichtweisen der interviewten IPK in ihren professionellen Rollen in Bezug auf ihre KK in der Angehörigenarbeit zu rekonstruieren, ihre Einschätzung der eigenen Interaktionen mit AvIP sowie ihre Wahrnehmung von Herausforderungen und gelingenden Gesprächsmustern. Der qualitative Zugang erlaubt es zudem, das in den theoretischen Bezugsrahmen angelegte Verständnis von Beziehung, Rollenverhalten und emotionaler Responsivität zu reflektieren(Döring & Bortz, 2016, S. 70). Als Methode der Datenerhebung wurde das expertenbasierte Leitfadeninterview gewählt, das in drei Fokusgruppen zur Anwendung kam. Die spezielle Zielgruppe der IPK verfügt über praxisbasiertes Erfahrungswissen, das sie im Interviewprozess durch ihre Schilderungen zugänglich machen. Damit eröffnen sie Einblick in ihren spezifischen Wissensbereich. In Anlehnung an Helfferich(2014, S. 560–561)kann ihre Perspektive – aufgrund ihrer kommunikativen Routinen, Reflexionsfähigkeit und beruflichen Sozialisation – als Expertenwissen verstanden werden, das sich für ein Experteninterview im Sinne qualitativer Forschung eignet.

Um die Experteninterviews zu strukturieren, wurde ein Leitfaden verwendet (siehe Anhang B). Das Leitfadeninterview ist eine halbstandardisierte Interviewform, die eine theoretisch geleitete Struktur mit der Offenheit für unerwartete oder vertiefende Gesprächsaspekte kombiniert(Döring & Bortz, 2016, S. 322). Der verwendete Interviewleitfaden wurde auf Grundlage der theoretischen Konzepte des FSM und des rKKM entwickelt. Er umfasst offene Fragen zu zentralen Themenfeldern wie Informationsvermittlung, Beziehungsarbeit, Umgang mit Emotionen, sprachlicher Anpassung, Belastungserleben sowie der Selbsteinschätzung der eigenen KK. Die Struktur und Offenheit der Fragen orientieren sich methodisch an den Empfehlungen zur Interviewleitfadenerstellung bei Kuckartz und Rädiker(2022, S. 51). Die Erfassung subjektiver Selbsteinschätzungen stellt dabei ein zentrales methodisches Element als Form reflexiver Selbstwahrnehmung dar und ermöglicht sie einen Zugang zur Innenperspektive der IPK auf ihre KK und ihre professionellen Routinen im Umgang mit AvIP. Gleichzeitig unterliegt die Selbsteinschätzung methodischen Einschränkungen, etwa im Hinblick auf soziale Erwünschtheit oder habituelle Verzerrungen. In der qualitativen Forschung wird sie dennoch als wertvolle Quelle für professionelles Erfahrungswissen und zur Rekonstruktion berufsbezogener Haltungsmuster genutzt. In Anlehnung an Konrad (2012) kann die Erhebung von Selbsteinschätzungen unter kontrollierten Bedingungen auch als Variante des „Lauten Denkens“ eingeordnet werden, bei dem die Versuchsperson aufgefordert ist, ihre Gedanken, Gefühle und Intentionen zu verbalisieren. Diese introspektive Erhebungsmethode ermöglicht einen unmittelbaren Zugang zu mentalen Repräsentationen und kognitiven Verarbeitungsprozessen, insbesondere dann, wenn – wie hier – Reflexionen zum eigenen Handeln im Fokus stehen(Konrad, 2020, S. 374–375).

Neben der direkten Abfrage von Selbsteinschätzungen wurde ein besonderes Augenmerk auf die narrativen Aussagen der IPK gelegt, die sich im Verlauf der Interviews in freieren Erzählungen über konkrete Kommunikationssituationen mit AvIP ergaben. Diese narrativen Passagen bieten – über die formale Selbsteinschätzung hinaus – einen vertieften Einblick in routinierte Handlungsmuster, sprachliche Strategien und implizite Haltungen der IPK. Durch die Kombination beider Aussageformen – der expliziten Selbsteinschätzung und der biografisch-narrativen Selbstdarstellung – ergibt sich die Möglichkeit, Diskrepanzen, Übereinstimmungen oder blinde Flecken im Selbstbild zu identifizieren. In methodischer Hinsicht eröffnet dieser Abgleich ein reflexives Erkenntnispotenzial. Während die explizite Selbsteinschätzung stärker durch bewusste Selbstwahrnehmung und möglicherweise auch soziale Erwünschtheit beeinflusst ist, lässt die narrative Beschreibung beruflicher Praxis Rückschlüsse auf habitualisierte, weniger reflektierte Kommunikationsroutinen zu. Dadurch kann die Aussagekraft der Selbsteinschätzungen kritisch eingeordnet und im Sinne einer theoretisch gestützten Plausibilisierung analysiert werden. Diese narrativen Passagen bieten – über die formale Selbsteinschätzung hinaus – einen vertieften Einblick in routinierte Handlungsmuster, sprachliche Strategien und implizite Haltungen der IPK. Solche Erzählpassagen gelten in der qualitativen Forschung als besonders erkenntnisreich, da sie häufig weniger bewusst gesteuert sind und habitualisiertes Wissen sichtbar machen(vgl.Helfferich, 2014, S. 564). Durch den qualitativen Zugang, das Experteninterview als Methode und die theoriegeleitete Entwicklung des Leitfadens wird sichergestellt, dass die empirische Erhebung sowohl der Komplexität des Forschungsgegenstands als auch den zugrunde liegenden theoretischen Konzepten gerecht wird(Kuckartz & Rädiker, 2022, S. 72).

4.1.1 Konstruktion des Interviewleitfadens

Die Fragenformulierung orientierte sich an den Empfehlungen von Helfferich (2014), wonach konkrete Handlungs- und Erlebensweisen in alltagsnaher Sprache thematisiert werden sollen, um abstrakte Konstrukte zugunsten authentischer und reflektierter Aussagen zu vermeiden. Die Konzeption des Leitfadens folgt dabei der systematischen SPSS-Formel nach Helfferich: Zunächst wurden thematisch relevante Fragen gesammelt (S), anschließend auf ihre Passung und Erkenntnispotenziale geprüft (P), sinnvoll sortiert (S) und schließlich durch offene Erzählaufforderungen ergänzt (S)(Helfferich, 2014, S. 64–65). Im Unterschied zu frei entwickelten, rein erfahrungsbasierten Leitfäden basiert die Leitfadenentwicklung in dieser Arbeit auf einem klar definierten theoretischen Rahmen. Die Fragen wurden entlang der fünf zentralen Dimensionen des FSM (vgl. Kap. 2.5.3) sowie den relevanten Aspekten des rKKM (vgl. Kap. 2.2.3) theoriegeleitet entwickelt und strukturiert und stehen in Anlehnung an die methodischen Empfehlungen zur Leitfadenkonstruktion nach Helfferich(2014, S. 563).

Der Interviewleitfaden beginnt mit einer standardisierten Begrüßung und Einführung in das Forschungsvorhaben, inklusive rechtlicher Hinweise zum Datenschutz. Es folgen offene Einstiegsfragen, die den Teilnehmenden ermöglichen sollen, zunächst frei über typische Kommunikationssituationen mit Angehörigen zu berichten. Damit wird ein narratives Fenster geöffnet, das frühe thematische Akzentsetzungen durch die Befragten selbst zulässt.

Im anschließenden Hauptteil wurde das Interview in thematische Blöcke gegliedert, um eine klare Orientierung an den Untersuchungszielen zu gewährleisten. Die insgesamt 16 Leitfragen decken dabei die folgenden Bereiche ab:

- Einschätzung bzgl. der Erfüllung der fünf FSM-Bereiche (Selbstreflexion),
- Einschätzung der eigenen KK als Gesamtwert (Selbsteinstufung),
- fachlich-kommunikative Fähigkeiten im Umgang mit Angehörigen,
- soziale Fertigkeiten in der Deeskalation und Konfliktbewältigung,
- motivationale Aspekte wie Freude an der Angehörigenarbeit oder die Bedeutung von Feedback,
- sowie eine abschließende offene Frage zur Benennung weiterer Problembereiche.

Letztere wurde in Anlehnung an die Ergebnisse von Jin et al.(2022, S. 413)formuliert, die aufzeigen, dass IPK häufig strukturelle Hürden wie Zeitmangel, häufige Unterbrechungen durch Alarme oder organisatorische Rahmenbedingungen als Hemmnisse für gelingende Angehörigengespräche erleben.

Obwohl Gläser und Laudel(zit. nach Mey & Mruck, 2020, S. 327)eine Begrenzung auf etwa 15 Fragen im Leitfadeninterview empfehlen, wurde in dieser Arbeit bewusst ein umfassenderer Leitfaden mit insgesamt 16 Fragen verwendet, um die zentralen Dimensionen des FSM und des rKKM vollständig abzudecken. Der Leitfaden enthielt dabei sowohl offene als auch strukturierte Elemente: Während die Frage 4 eine narrative Selbsteinschätzung der IPK zur Qualität ihrer Angehörigenarbeit im Sinne des FSM ermöglichte, wurde die Frage 5 in Anlehnung an Themenfelder aus Jin et al.(2022, S. 413)entwickelt und als geschlossene Likert-Skala zur Einschätzung der eigenen rKKM operationalisiert. Diese beiden Selbsteinschätzungsfragen wurden bewusst in der Mitte des Interviews platziert, da sie den Gesprächsfluss auflockerten und eine authentische Reflexion in einer entspannten Interviewatmosphäre begünstigten.

Die Interviews wurden in allen drei Fokusgruppen strikt leitfadenbasiert durchgeführt. Keine der Fragen wurde ausgelassen oder umformuliert, um eine konsistente und systematisch vergleichbare Datenerhebung sicherzustellen. Dabei stand nicht die Gegenüberstellung der Gruppen im Vordergrund, sondern ihre gemeinsame Betrachtung als unterschiedliche, sich ergänzende Perspektiven auf dasselbe Themenfeld. Auf diese Weise konnte sowohl dem qualitativen Anspruch an theoriegeleitete Systematik als auch dem Ziel methodischer Einheitlichkeit entsprochen werden.

4.2 Forschungsdesign

Die qualitative Methodologie zielt darauf ab, subjektive Perspektiven, individuelle Deutungsmuster und soziale Wirklichkeiten im jeweiligen Kontext zu erfassen. Anders als quantitative Verfahren, die auf Generalisierbarkeit und Messbarkeit ausgerichtet sind, rekonstruiert qualitative Forschung sinnstiftende Erfahrungen und alltagspraktisches Wissen

Im Rahmen dieser Arbeit wurden im März 2025 drei leitfadengestützte Online-Fokusgruppeninterviews mit insgesamt 14 IPK durchgeführt. Fokusgruppeninterviews ermöglichen den Austausch über berufliche Erfahrungen, fördern Perspektivenvielfalt und lassen kollektive Orientierungen sichtbar werden(Döring & Bortz, 2016, S. 602; Helfferich, 2014, S. 562). Die Durchführung per WhatsApp-Videokonferenz erleichterte die Organisation, erhöhte die Teilnahmebereitschaft und ermöglichte eine größere geografische Streuung der Teilnehmenden. Zudem entfielen Anreiseaufwand und betriebliche Genehmigungsverfahren. Da die Teilnahme außerhalb des Arbeitsplatzes erfolgte, blieb der Beschäftigungsort anonym, was potenziell negative Rückwirkungen auf Klinik oder IPK ausschließen konnte.

Die Studie folgt dem interpretativen Paradigma qualitativer Sozialforschung. Ziel ist nicht die Erklärung kausaler Zusammenhänge, sondern ein vertieftes Verständnis kommunikativer Herausforderungen und Kompetenzen im Umgang mit AvIP. Die IPK gelten als Experten ihres Praxisfeldes und liefern erfahrungsbasiertes Wissen, das in standardisierten Befragungen nicht in vergleichbarer Tiefe zugänglich wäre(vgl. Helfferich, 2014, S. 651). Die Abbildung 5 zeigt den schematischen Prozess des Forschungsdesigns.

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Studienprozess (eigene Darstellung).

4.3 Rekrutierung der Teilnehmenden

Die Rekrutierung der IPK erfolgte im Zeitraum Februar bis März 2025 über die Online-Plattform LinkedIn sowie über das private Netzwerk der Autorin. Alle Teilnehmenden wurden im Vorfeld über die Freiwilligkeit ihrer Teilnahme sowie über die geltenden Datenschutzbestimmungen informiert.

Teilnahmekriterien:

- Patientennahes Tätigkeitsfeld als IPK mit regelmäßigem Angehörigenkontakt.
- Keine Leitungsposition, keine freigestellte oder patientenferne Schichtleitung.
- Mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in der intensivmedizinischen Maximal-, Regel- oder Basisversorgung.
- Versorgungsschwerpunkt auf akuten oder länger andauernden Behandlungsprozessen erwachsener Patienten mit LOC I–II13 und schweren Interaktions- oder Bewusstseinsstörungen (z. B. Beatmung, Analgosedierung).
- Keine Schwerpunktversorgung geplanter Kurzaufenthalte (z. B. postoperative Nachbeatmung unter 3 Tagen) oder pädiatrischer Patienten.
- Verfügbarkeit von videofähiger Hard- und Software (z. B. Tablet, Smartphone) mit installierter WhatsApp-Anwendung und stabilem Internetzugang.

Während vergleichbare Studien – etwa Jin et al. (2022) – die Perspektiven intensivpflegerischer Kommunikation innerhalb eines einzigen Klinikstandorts untersuchen, zielt die vorliegende Rekrutierung bewusst auf eine standortunabhängige Zusammensetzung. So sollen mögliche Verzerrungen durch einrichtungs- oder stationsspezifische Praktiken reduziert und stattdessen übergreifende, professionsbezogene Erfahrungen erhoben werden.

4.3.1 Stichprobenbeschreibung

An der Studie nahmen insgesamt 14 IPK teil (n = 14), davon acht männliche und sechs weibliche. Das Alter der Befragten lag zwischen 30 und 55 Jahren. Die geringste Berufserfahrung betrug fünf Jahre und reichte bis über 30 Jahre.

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12: Verteilung Qualifikation und Berufserfahrung.

Wie die Abbildung 12 zeigt, verfügte die Mehrheit über eine Fachweiterbildung in Intensiv- und Anästhesiepflege oder ein pflegebezogenes Studium. Zwei IPK hatten ausschließlich eine Grundausbildung, wiesen jedoch mehr als 20 Jahre Berufserfahrung auf, sodass in dieser Stichprobe von einem homogenen Kompetenzstand ausgegangen werden kann. Acht der Teilnehmenden waren langjährig als Leasingkräfte tätig und arbeiteten in wechselnden Einrichtungen und Fachdisziplinen in ganz Deutschland, wodurch indirekt eine hohe Streuung erzeugt wird.

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 13: Standortverteilung der jeweiligen Arbeitsorte der IPK (eigene Darstellung).

Für die deskriptive Darstellung wurde jedoch nur jeweils der zum Zeitpunkt des Interviews aktuelle Einsatzort berücksichtigt, sodass insgesamt 14 verschiedene ITS, von 14 verschiedenen Kliniken und 6 verschiedene Bundesländer (siehe Abbildung 13), vertreten waren. Alle IPK erfüllten die Einschlusskriterien. Eine komplette Übersicht der erfassten Merkmale befindet sich in Anhang D.

Ein ergänzendes Augenmerk galt den Fremdsprachenkenntnissen: Alle IPK beherrschten mindestens eine Fremdsprache gut in Wort und Schrift, die Mehrheit sogar zwei oder mehr. Eine IPK gab Kenntnisse in fünf Sprachen an. Drei IPK sprachen Serbisch oder Kroatisch als Muttersprache; ihre Deutschkenntnisse wurden von der Autorin als ausreichend für eine valide Teilnahme bewertet.

4.4 Datenerhebung und Verarbeitung

Die Datenerhebung erfolgte im April 2025 im Rahmen von drei leitfadengestützten Fokusgruppeninterviews. Ziel war es, ein differenziertes Verständnis kommunikativer Kompetenzen im Umgang mit AvIP zu gewinnen. Im Fokus stand dabei, inwieweit die fünf Kernprinzipien des FSM in der pflegerischen Alltagspraxis am Patientenbett Anwendung finden.

Da das FSM im deutschsprachigen Raum bislang kaum rezipiert wurde, erhielten alle IPK im Vorfeld ein einheitliches schriftliches Briefing (vgl. Anhang A). Dieses enthielt Informationen zur Studienzielsetzung, zum Interviewablauf und zu den Gesprächsregeln sowie eine verständlich formulierte Einführung in die Prinzipien des FSM. So konnte ein gemeinsamer Verständnishintergrund geschaffen werden, ohne die Offenheit und Spontaneität der Gruppendiskussionen einzuschränken.

Durchführung der Interviews:

- Format: Drei Fokusgruppeninterviews mit 5 / 4 / 5 IPK.
- Dauer: Jeweils ca. 90 Minuten
- Zeitpunkt: Alle Interviews fanden am frühen Abend statt
- Ort: Online per WhatsApp-Audiokonferenz
- Moderation: Durch die Autorin (selbst erfahrene IPK mit über 25 Jahren Berufserfahrung). Alle Teilnehmer zeigten großes Interesse und Auskunftsfreude.
- Leitfaden: Standardisiert, mit offenen, narrativ orientierten Fragen + je eine Frage zur Selbsteinschätzung bzgl. FSM und Kommunikativer Kompetenz in identischer Reihenfolge für alle Gruppen (vgl. Anhang B).
- Technik: Audioaufzeichnung per Smartphone-Diktierfunktion mit Einverständnis der Teilnehmenden; keine Videoaufzeichnung.
- Tonqualität: Die Tonqualität erwies sich als durchweg gut und für die Teilnehmer als angenehm. Die anschließende Digitalisierung der Audiodateien gestaltete sich unkompliziert
- Datenschutz: Personenbezogene Angaben (Alter, Berufserfahrung, Fachweiterbildung, aktueller Einsatzort) wurden im Vorfeld erhoben. Während der Interviews wurden keine Klarnamen oder Klinikbezeichnungen genannt. Die Teilnehmenden wurden ausschließlich mit Vornamen angesprochen
- Einverständnis: Die Zustimmung zur Teilnahme, Aufzeichnung und wissenschaftlichen Nutzung der Daten wurde im Vorfeld eingeholt und mit Teilnahme am Interview als erteilt gewertet.

Die Gruppendiskussionen waren durch eine lebendige Gesprächsdynamik und hohe Interaktivität geprägt. Die Teilnehmenden bezogen sich aktiv aufeinander, bestätigten, ergänzten oder relativierten Aussagen. Dies ermöglichte eine facettenreiche Rekonstruktion kollektiver Deutungsmuster und kommunikativer Routinen im Stationsalltag.

Thematisch rückten insbesondere folgende Aspekte in den Mittelpunkt:

- der Kontrast zwischen idealtypischer Angehörigenkommunikation und pragmatischen Kompromissen unter Zeitdruck,
- der Umgang mit emotional belasteten Angehörigen in akuten Ausnahmesituationen,
- sowie die Bedeutung empathischer Präsenz trotz struktureller Engpässe.

Die fachliche Nähe der Interviewerin zur Intensivpflege ermöglichte ein vertieftes Verständnis impliziter Kontexte – etwa organisatorischer Abläufe, palliativer Besuchsregelungen oder der ärztlichen Vorrangstellung bei Aufklärungsgesprächen. Diese Nähe erleichterte es, auch unausgesprochene oder nur angedeutete Aspekte korrekt einzuordnen und die kommunikativen Inhalte differenziert zu erfassen.

Im Rahmen der Datenerhebung und -auswertung wurde neben den expliziten Aussagen auch gezielt auf das Nichtgesagte geachtet – etwa auf fehlende Hinweise zu einer grundsätzlichen Ablehnung der Angehörigenarbeit oder auf das Ausbleiben negativer Zuschreibungen gegenüber herausfordernden AvIP. Darüber hinaus wurde auch der sprachliche Ausdruck der IPK hinsichtlich möglicher despektierlicher, abwertender oder umgekehrt wertschätzender und versöhnlicher Formulierungen systematisch beobachtet. So konnten auch implizite Haltungen und habitualisierte Kommunikationsmuster in die Analyse einbezogen werden.

Die geschilderten Erfahrungen bezogen sich auf unterschiedliche klinische Settings und Typen von Intensivstationen und wurden im Lichte der theoretischen Konzepte des FSM und des rKKM kontextualisiert.

4.4.1 Transkription

Die Transkription der drei Interviews erfolgte zunächst automatisiert mithilfe der webbasierten Software Turboscribe.ai. Anschließend wurden die Transkripte manuell überprüft, überarbeitet und vereinheitlicht. Dabei orientierte sich die Nachbearbeitung an den Empfehlungen zur inhaltlich strukturierten Transkription und Qualitätssicherung qualitativer Interviewdaten nach Döring und Bortz(2016, S. 365–366).

Personenbezogene Daten sowie Klarnamen von Kliniken oder ITS wurden anonymisiert (z. B. P1-2 für die zweite IPK der ersten Fokusgruppe; „Stuttgarter Klinikum“ bzw. „Uni“ als neutrale Bezeichnungen). Semantisch irrelevante Gesprächselemente – etwa Füllwörter, redundante Pausen oder durch technische Verzögerungen bedingte Missverständnisse – wurden entfernt, sofern der Sinngehalt der Aussagen nicht beeinträchtigt wurde. Ausschmückende Wiederholungen, erläuternde Rückfragen sowie übermäßig elaborierte oder abschweifende Antworten wurden behutsam gekürzt, um die Lesbarkeit und Auswertbarkeit zu verbessern. Die inhaltliche Substanz und ursprüngliche Intention der Aussagen blieben bei der Bearbeitung erhalten. Sprachliche Besonderheiten einzelner Teilnehmender – etwa ungebräuchliche Formulierungen wie „Gesprächsbereitschaft bereitstellen“ statt „signalisieren“ oder „Ärger besprechen“ statt „Verärgerung ansprechen“ – wurden stilistisch geglättet, ohne die Bedeutung zu verändern. Offensichtliche Transkriptionsfehler der automatisierten Software – z. B. „Teekanne“ statt „TK“ [teːˈkaː] – wurden manuell korrigiert. In diesem fachlichen Zusammenhang war eindeutig, dass mit „TK“ die Trachealkanüle und nicht etwa die Trikuspidalklappe oder ein Thrombozytenkonzentrat gemeint war. Die finalen Transkripte liegen in gekürzter, anonymisierter Form mit fortlaufender Zeilennummerierung und Seitenangabe vor. Jede Fokusgruppe wurde in einer separaten Transkriptdatei dokumentiert, um eine differenzierte Auswertung und eindeutige Quellenangabe einzelner Aussagen zu ermöglichen. Die Transkripte werden als separate PDF-Dateien der Bachelorarbeit beigefügt und stehen der SRH Fernhochschule bzw. dem betreuenden Prüfungsgremium zur internen Einsicht zur Verfügung.

4.4.2 Erstellung eines Kodierleitfadens

Die Erstellung des Kodierleitfadens orientierte sich methodisch an der zusammenfassenden Inhaltsanalyse nach Mayring und wurde durch ein deduktiv fundiertes Kategoriensystem begründet, das zugleich offen für empirische Nuancen gehalten wurde. Nähere methodische Details zur Inhaltsanalyse sind in Kapitel 3.5 dargestellt. Ziel war, ein strukturiertes, theoriegeleitetes System zu entwickeln, das den Umgang der IPK mit AvIP differenziert abbildet und ihre kommunikative Kompetenz bewertbar macht. Der Kodierprozess wurde in Anlehnung an Breuer(2020, S. 36–37), der Kodierung als theoriebezogenen Interpretationsakt begreift, reflektiert und bewusst nachvollziehbar gestaltet. Breuer weist darauf hin, dass Kodierungen keine objektiv eindeutigen Zuordnungen darstellen, sondern stets an die Perspektive der Forschenden gebunden bleiben. Ergänzend betont Mayring(2022, S. 64–65), dass Kategoriensysteme theoriegeleitet, aber zugleich flexibel und reflexiv an das Material angepasst werden müssen – dies wurde durch iterative Kodierdurchgänge sichergestellt.

Untersucht wurde, inwiefern die von den IPK vorgenommenen Selbsteinschätzungen (Skala: 1 = niedrig bis 10 = hoch) durch ihre konkreten Aussagen im Interview gestützt werden können – insbesondere im Hinblick auf Effektivität und Angemessenheit ihres kommunikativen Handelns.

Die Konzeption der fünf Hauptkategorien (HK) und fünfzehn Subkategorien (SK) basiert auf einem kombinierten theoretischen Bezugsrahmen des FSM und des rKKM. Das rKKM dient der Bewertung kommunikativer Performanz anhand der Kriterien Effektivität und Angemessenheit, während das FSM den spezifischen Kontext der Angehörigenarbeit auf ITS strukturiert.

Kernziele des FSM:

a) Gefühl der Verbundenheit herstellen;
b) Verstehbarkeit der Situation erzeugen;
c) Zugehörigkeitsgefühl schaffen;
d) emotionale Unterstützung geben und konstruktiv Einfluss nehmen;
e) Präsenz und Verbindlichkeit zeigen.

Kernziele des rKKM:

a) prozedurales und strukturelles Wissen über situativ angemessene Äußerungen;
b) Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Verständigung;
c) Rollenverständnis und konstruktives Interaktionsmanagement;
d) sozial erwünschte Umsetzung auch unter Widerstand;
e) Self-Compassion, Mindfulness und SWE.

Analog zur SPSS-Formel nach Helfferich(2014, S. 567)wurde ein systematischer Entwicklungsprozess eingehalten:

1. S ammeln und Clustern relevanter theoretischer Konzepte sowie erster Eindrücke aus dem Interviewmaterial (explorative Phase),
2. P rüfen und Systematisieren dieser Konzepte hinsichtlich Trennschärfe und Relevanz,
3. S ortieren zu fünf Hauptkategorien (HK) mit jeweils drei Subkategorien (SK),
4. S ubsumieren und Präzisieren der Definitionen und Kodierregeln anhand konkreter Ankerbeispiele aus dem Material.

4.4.3 Kodierprozess

Jede Haupt- und Subkategorie wurde mit einer klaren Definition, einer Kodierregel („Kodierung erfolgt, wenn …“) und mindestens einem originalsprachlichen Ankerbeispiel versehen. Eine Kodierung erfolgte auch dann, wenn sich die IPK zustimmend auf Vorredner bezogen oder sich in deren Aussagen wiederfanden („… da bin ich d’accord / das mache ich auch genauso / ach ja stimmt – das passiert mir auch “).

Auch implizit gemeinte Aussagen – etwa zur Beziehungsgestaltung – wurden auf Basis des vorherigen Kontextes kodiert, sofern sie aus der Interviewstruktur und der Perspektive der Forscherin nachvollziehbar ableitbar waren. Damit wurde der partizipative und interpretative Charakter qualitativer Analyse berücksichtigt(Kardorff & Schönberger, 2020, S. 146–147).

Die Zuordnung der Kategorien zum FSM und rKKM wurde jeweils explizit kenntlich gemacht, um die theoretische Fundierung und analytische Schärfe zu gewährleisten. Zur Sicherstellung inhaltlicher Validität und Reliabilität wurde der Kodierleitfaden mehrfach überarbeitet. Eine erste Pilotkodierung führte zur Revision einzelner Kategorien, Kodierregeln und Ankerbeispiele. Ergänzend wurden Kollegen (IPK, Ärzte) als Reflexionspartner genutzt – ausschließlich zur theoretischen Klärung von Konzepten und zur Diskussion methodischer Entscheidungen. Die Verantwortung für alle Interpretationen verblieb dabei bei der Autorin, die durch ihre doppelte Rolle als IPK und ehemals mehrfach AvIP über ein tiefgehendes Verständnis der Gesprächssituation verfügt. Mit dem Ziel eine ausbalancierte Operationalisierung zu erreichen, wurde eine theoriegeleitete, aber materialnahe Analyse subjektiver Perspektiven auf die eigene Kommunikationspraxis erlaubt. Das FSM und rKKM wurden mit typischen Gesprächssequenzen aus der Intensivpflege verknüpft und in fünf HK mit insgesamt fünfzehn SK überführt. Die Kategorien wurden zunächst konzeptionell entwickelt und anschließend durch Ankerbeispiele aus den Transkriptionen konkretisiert.

In MAXQDA 24 wurde das Kategoriensystem direkt im Codesystem angelegt, um eine strukturierte Zuordnung während der Analysephase zu gewährleisten. Jede Kategorie wurde mit Definition, Kodieranweisung und Zitat dokumentiert. Diese Struktur dient der Transparenz und intersubjektiven Nachvollziehbarkeit(Döring & Bortz, 2016, S. 608–609). Die Kategorien wurden mehrstufig überarbeitet, bis eine theoriegeleitete, trennscharfe und praxisnahe Differenzierung erreicht war. Das Vorgehen sichert die enge Verzahnung von theoretischem Rahmen, forschungsleitender Fragestellung und methodischer Umsetzung. Ziel war es, typische Kommunikationsmuster der IPK im Umgang mit AvIP differenziert zu erfassen – sowohl in Bezug auf ihre funktionale Wirkung als auch hinsichtlich Hinweise auf professionelle Entwicklung oder potenzielle Defizite. Döring und Bortz(2016, S. 599)betonen diese differenzierte Betrachtung.

Zur systematischen Bewertung der KK und der Angehörigenarbeit im Sinne des FSM wurden zusätzlich zwei Bewertungsskalen entwickelt. Die KK wurde über eine analoge 10-Punkte-Selbsteinschätzung der IPK erfasst (vgl. Frage 5, Anhang B), die FSM-Umsetzung über eine qualitative Selbstauskunft zur Abdeckung der fünf FSM-Kernbereiche (vgl. Frage 4, Anhang B).

Die Einordnung in Bewertungsstufen für die KK („ hoch / mittel / niedrig “) und das FSM („ optimal / gut / defizitär “) erfolgte auf Basis operationalisierter Kriterien und wurde im Rahmen der Auswertung systematisch angewendet (vgl. Kap. 5.1).

4.5 Qualitative Datenauswertung nach Mayring

Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2022) ist ein methodisch fundiertes Verfahren zur systematischen Analyse von Kommunikation in Form fixierter Materialien. Ziel ist es, auf Grundlage einer theoriegeleiteten Fragestellung Rückschlüsse auf bestimmte Aspekte der Kommunikation zu ziehen, etwa auf Einstellungen, Deutungsmuster oder implizite Bedeutungsgehalte der Sprechenden. Mayring(2022)betont, dass der Begriff „Inhaltsanalyse“ ungenau ist, da sich die Methode nicht allein auf manifeste Inhalte beschränkt, sondern auch latente Strukturen sowie formale Aspekte der Kommunikation berücksichtigt (S. 11). In dieser Studie wird die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung der transkribierten Experteninterviews herangezogen, da sie ein systematisches und nachvollziehbares Vorgehen erlaubt, das theoriegeleitet mit den jeweiligen Kategorien arbeitet.

In dieser Studie wird die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung der transkribierten Experteninterviews eingesetzt, da sie ein systematisches und nachvollziehbares Vorgehen ermöglicht, das theoriegeleitet mit vorab definierten Kategorien arbeitet. Ein zentrales Merkmal der qualitativen Inhaltsanalyse besteht darin, dass sie sich explizit gegen freie, impressionistische Interpretation abgrenzt und stattdessen auf ein regelgeleitetes, transparentes Verfahren abzielt(vgl. 2022siehe auch Mayring, 2015). Die einzelnen Analyseschritte erfolgen nach festgelegten Kodierregeln, die eine intersubjektive Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse ermöglichen. Die Kommunikation wird dabei nicht im Moment ihres Geschehens, sondern in fixierter Form analysiert – etwa anhand von Transkriptionen, Protokollen oder anderen dokumentierten Materialien(Mayring, 2022, S. 500–501).

Ein weiteres konstitutives Merkmal der qualitativen Inhaltsanalyse ist ihre Theoriegeleitetheit. Fragestellung, Kategoriendefinition und Interpretation der Ergebnisse basieren auf theoretischen Vorannahmen. Diese steuern die Auswahl und Ausformulierung der Kategorien sowie deren Anwendung auf das Textmaterial. In der vorliegenden Arbeit geschieht dies durch Rückgriff auf das FSM und das rKKM, die als konzeptuelle Basis für den deduktiv erstellten Kodierleitfaden dienen. Mayring(2022, S. 23)weist zudem darauf hin, dass qualitative Inhaltsanalyse eine schlussfolgernde Methode ist. Sie ermöglicht Aussagen, die über das analysierte Material hinausgehen, etwa über die Perspektive des Senders (Intention, Haltung) oder über wahrscheinliche Wirkungen auf den Empfänger. Dabei handelt es sich stets um kontrollierte Interpretationen, die argumentativ begründet und idealerweise mit alternativen Deutungen abgeglichen werden (argumentative Interpretationsabsicherung). Zudem strebt die Methode eine Verknüpfung formaler, inhaltlicher und kontextueller Elemente an, indem neben inhaltlichen Aussagen auch formale Merkmale (z. B. Wiederholungen, Satzabbrüche, Emotionsausdrücke) systematisch berücksichtigt werden. Dies ist besonders relevant, wenn – wie im vorliegenden Fall – kommunikative Kompetenz und Beziehungsgestaltung zum Forschungsgegenstand gehören.

Zusammenfassend zeichnet sich die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring durch folgende Prinzipien aus:

- Analyse von Kommunikation als Gegenstand,
- Analyse fixierter Kommunikation (z. B. Transkripte),
- systematisches und regelgeleitetes Vorgehen,
- theoriegeleitete Kategoriensysteme,
- intersubjektive Nachvollziehbarkeit,
- argumentativ gestützte Interpretation mit möglichen Rückschlüssen auf den Kommunikationsprozess.

(Akremi, 2014, S. 279; Mayring, 2022, S. 12–13).

Die Methode eignet sich somit besonders zur Auswertung offener Interviews, in denen komplexe subjektive Wahrnehmungen und professionelle Deutungsmuster erfasst werden sollen. Sie verbindet Struktur und Interpretationsspielraum in einer Weise, die sowohl empirische Fundierung als auch theoretische Tiefenschärfe erlaubt.

4.5.1 Gütekriterien qualitativer Forschung nach Mayring

Die Qualität qualitativer Forschung kann nicht nach klassischen quantitativen Maßstäben wie Objektivität, Reliabilität oder Validität bewertet werden. Stattdessen gelten eigene, dem qualitativen Paradigma entsprechende Gütekriterien. Mayring benennt sechs zentrale Kriterien(Mayring, 2022, S. 112), die auch in dieser Studie berücksichtigt wurden(vgl. Döring & Bortz, 2016, S. 111–114):

- Verfahrensdokumentation: Der gesamte Forschungsprozess – von der Auswahl der Teilnehmenden bis zur Codierung und Interpretation – wurde systematisch dokumentiert. Dazu zählen die theoretische Fundierung, die Methodenauswahl sowie das detaillierte Kodierverfahren.
- Argumentative Interpretationsabsicherung : Alle Deutungen des Materials wurden auf das Textmaterial zurückgeführt, logisch begründet und im Sinne möglicher Alternativdeutungen reflektiert. Die Interpretation erfolgte im Austausch mit Kollegen (vgl. Kap. 5).
- Regelgeleitetheit: Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring folgt einem regelbasierten Vorgehen. Ein theoriebasierter Kodierleitfaden strukturierte die Analyse; alle Kodierregeln wurden vorab festgelegt und dokumentiert (vgl. Kap. 3.5 und Anhang C).
- Nähe zum Gegenstand: Durch die Befragung berufserfahrener IPK und Ärzte im kollegialen Umfeld konnte eine forschungspraktische Nähe hergestellt werden, was ein kontextbezogenes Verständnis der Aussagen ermöglichte.
- Kommunikative Validierung: Einige Teilnehmende standen durch kollegiale Beziehungen für Rückfragen zur Verfügung. Interpretationen konnten somit im Verlauf der Analyse kommuniziert und diskutiert werden.
- Triangulation : Eine methodische Triangulation wurde in dieser Studie aus Ressourcengründen nicht realisiert. Für künftige Forschung wäre eine Erweiterung durch zusätzliche Perspektiven, etwa von AvIP oder Ärzten, wünschenswert.

Durch die Orientierung an diesen sechs Gütekriterien wurde die methodische Strenge und Nachvollziehbarkeit im Sinne qualitativer Forschung gesichert. Ziel war eine theoriegeleitete, zugleich aber datennahe Analyse.

4.6 Ethische Überlegungen und Datenschutz

Die Durchführung wissenschaftlicher Studien mit menschlichen Untersuchungspersonen unterliegt strengen ethischen Anforderungen, die dem Schutz der Menschenwürde, Autonomie und Integrität der Teilnehmenden dienen (Sales & Folkman, 2000). Die einschlägigen Ethikrichtlinien – insbesondere die der Deutschen Gesellschaft für Psychologie(2004, zitiert nach Döring & Bortz, 2016, S. 130–131)– wurden dabei eingehalten:

1. Freiwilligkeit und informierte Einwilligung
2. Schutz vor Schädigung oder Beeinträchtigung
3. Anonymisierung und Vertraulichkeit

Die erhobenen Daten basieren auf Audioaufnahmen und zuvor erhobenen Angaben persönlicher Daten (Alter, aktueller Arbeitsort, Qualifikationen, Bildungsstand, Beschäftigungsart/-ort). Die Daten wurden anonymisiert und vertraulich behandelt. Der Zugriff auf die Rohdaten war ausschließlich der Autorin vorbehalten. Nach der Datenaufbereitung wurden die Rohdaten gelöscht, um den Datenschutz sicherzustellen.

Umsetzung in der vorliegenden Studie

Für die vorliegende qualitative Untersuchung wurden alle relevanten forschungsethischen Standards eingehalten:

- Die Teilnahme an den Interviews erfolgte freiwillig und mit vorheriger schriftlicher und mündlicher Aufklärung über Ziel, Ablauf und Datenschutzaspekte.
- Die Interviewteilnehmer wurden darüber informiert, dass ihre Aussagen pseudonymisiert verarbeitet und ausschließlich von der Autorin verwendet werden.
- Die drei Transkripte wurden im Zuge der Auswertung anonymisiert, personenbezogene Daten entfernt und durch neutrale Kürzel ersetzt. Sie liegen der Bachelor-Thesis als beigefügte PDFs der SRH-Fernhochschule vor.
- Die Audioaufzeichnungen wurden nach erfolgter Transkription gelöscht.

Die Teilnehmenden wurden vorab über die Sozial-Media Plattform LinkedIn oder über private Kanäle der Autorin kontaktiert und frühzeitig, umfassend und wiederholt über Ziel, Zweck und Methode der Studie informiert (vgl. Anhang A). Es wurde deutlich gemacht, dass die Teilnahme freiwillig ist, jederzeit ohne Angabe von Gründen beendet werden kann und den Teilnehmenden daraus keinerlei Nachteile entstehen. Zu Beginn des Interviews wurden die Teilnehmenden über den Start der Audioaufnahme informiert – ebenso am Ende der Aufzeichnung. Die Originalaufnahmen werden unmittelbar nach Abschluss der Datenanalyse vernichtet. Dritte erhielten keinen Zugriff auf die Audiomitschnitte.

5 Ergebnisse

Im Folgenden werden zunächst die Ergebnisse zu den Fragen 4 und 5 dargestellt, die sich auf die Selbsteinschätzung der IPK hinsichtlich ihrer KK und der Abdeckung der fünf Bereiche des FSM beziehen. Dann folgen die Ergebnisse sortiert nach den jeweiligen HK.

5.1 Selbsteinschätzungen

Die Einschätzungen des FSM erfolgte narrativ, die KK mittels Selbstzuordnung auf einer analogen 10-Punkte-Likert-Skala. Die Werteverteilungen sind in Tabelle 5 systematisch zusammengeführt. In Frage 4 sollten die IPK angeben, inwiefern sie die fünf Kernbereiche des FSM in ihrer Arbeit mit AvIP abdecken. Wurden alle fünf Bereiche als gut umgesetzt eingeschätzt, erfolgte die Kategorisierung als „optimal“. Häufig wurde von den Befragten jedoch angegeben, dass eine kontinuierliche oder langfristige Angehörigenbegleitung nicht möglich sei – diese Einschränkung wurde als „gut (–1)“ bewertet. Wurden weitere erhebliche Einschränkungen genannt, wurde dies als „defizitär (–2)“ eingeordnet. In Frage 5 sollten die Teilnehmenden ihre eigene KK auf einer Skala von 1 (niedrig) bis 10 (hoch) einschätzen. Von den 14 Befragten stuften 10 ihre KK mit Werten zwischen 7 und 9 ein, drei weitere mit 6, und eine IPK mit 5. Auf Grundlage dieser Verteilung wurde die Skala in drei Bewertungsbereiche unterteilt: hoch (7–10), mittel (5–6) und niedrig (1–4) . Diese Einteilung orientiert sich an den Kommentaren der Befragten sowie an Nachbesprechungen der Autorin mit ärztlichen und pflegerischen Kollegen. So wurden etwa Aussagen wie „ eigentlich schlage ich mich gut, aber es ist immer Luft nach oben – also 8 “ oder „ ich muss mein schlechtes Deutsch berücksichtigen – also 6 “ oder „ du kannst dich viel besser ausdrücken, als ich - also 5 “ zur Validierung der Einordnung herangezogen.

Die Tabelle 5 stellt eine Gegenüberstellung der beiden Einschätzungsdimensionen dar. Grün markierte Felder zeigen eine Übereinstimmung zwischen der qualitativen Einschätzung der Angehörigenarbeit gemäß FSM und dem numerischen KK-Wert. Rosafarbene Felder heben Diskrepanzen hervor – etwa bei Personen mit hoher KK-Einschätzung, aber defizitärer FSM-Bewertung (z. B. P2-2), oder bei optimaler FSM-Einschätzung bei gleichzeitig mittlerem KK-Wert (z. B. P2-4).

Der Median der Berufserfahrung innerhalb der Stichprobe liegt bei mindestens 20 Jahren, basierend auf den gemachten Mindestangaben. Insgesamt nahmen 8 Männer und 6 Frauen an den Fokusgruppen teil (n = 14), was einer relativ ausgewogenen Geschlechterverteilung auf deutschen Intensivstationen entspricht.

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Zuordnung Merkmale und Selbsteinschätzung FSM und KK.

5.2 Inhaltsanalyse

Die Ergebnisse der Inhaltsanalyse werden zwar nach den einzelnen Hauptkategorien (HK) dargestellt, die sich aus dem Kodierleitfaden ergeben. Jedoch sollten sie komplementär verstanden werden.

5.2.1 HK 1: Beziehungsaufbau und Nähe herstellen

(SK1: Persönliche Ansprache und Nähe).

Über alle Interviewzeiten hinweg zeigte sich, dass die IPK eine proaktive Beziehungsgestaltung umsetzen, die in der Regel von AvIP als Hilfe verstanden, angenommen oder als förderlich erlebt wird: „ Die meisten Angehörigen sind zugänglich, dankbar und lernfähig …“ (P3-3, S. 57). Der Vertrauensaufbau gelingt üblicherweise, indem die IPK offen, auskunftsfreudig und empathisch auf die Angehörigen zugehen. Häufig wird berichtet, dass Angehörige dort abgeholt werden, wo sie sich mental befinden, und sie mit viel Verständnis und Freundlichkeit während ihres Besuchs begleitet werden (vgl. P2-4, S. 29; P1-2, S. 1)

(SK2: Verträgliche Haltung und Anpassungsfähigkeit).

Die Fähigkeit, in hochsensiblen Situationen eine vertrauensvolle Beziehung zu meist emotional aufgewühlten und zunächst fremden Personen aufzubauen, wurde von allen IPK als zentrale Kompetenz beschrieben. In den Aussagen zeigt sich ein hohes Maß an kommunikativer Feinfühligkeit, Präsenz und Anpassungsfähigkeit, das zur schnellen Etablierung eines tragfähigen Kontakts beiträgt (z. B. P2-2, S. 36).

(SK3: Vertrauensförderndes Verhalten).

Der Erfolg dieser Beziehungsgestaltung wird entweder aktiv erfragt oder anhand des Verhaltens bzw. der Reaktionen der Angehörigen eingeschätzt (P1-5, S. 7; P3-3, S. 75; P3-2, S. 76). Dies zeigte sich etwa daran, dass AvIP rückmelden, sich gut aufgehoben zu fühlen (P1-2, S. 20) oder sich nach längerer Zurückhaltung öffnen (P1-5, S. 19) Durch persönliche Ansprache und die Bereitschaft zuzuhören konnten Unsicherheiten adressiert und familiäre Spannungen gemildert werden, z. B. durch ausführliche Gespräche mit einer verzweifelten Tochter (P1-4, S. 20) oder einem überforderten Sohn (P1-1, S. 21), wodurch ein Gefühl der Entlastung und Zustimmung zur palliativen Therapie entstand ( SK1 & SK3 ). Diese Situationen verdeutlichen, dass eine vertrauensvolle Beziehung entscheidend ist, um AvIP emotional zu stabilisieren und sie im Entscheidungsprozess zu begleiten (SK3).

Neben der Haltung ist auch das aktive Vermitteln von Sicherheit ein wiederkehrendes Muster in den Aussagen (SK3). Viele IPK bringen zum Ausdruck, dass sie den AvIP nicht nur Orientierung bieten wollen, sondern gezielt versuchen, Vertrauen zu stärken und Unsicherheiten abzubauen. Durch proaktive Information und empathische Kommunikation wird vermittelt, dass die Situation professionell kontrolliert wird, ohne die emotionale Lage der AvIP zu übergehen:

„Man muss den Angehörigen das Gefühl geben, dass sie gesehen, beachtet und verstanden werden und gleichzeitig, dass sie die Dinge uns überlassen müssen und wir die Verantwortung tragen […] und dass sie den Schock erstmal verdauen müssen.“ ( P3-5, S. 65 ) (SK3).

Viele IPK betonen, dass sie durch individuelle Präsenz und eine gezielte persönliche Ansprache ein bewusstes Beziehungsangebot machen (SK1). Häufig beginnt dies bereits an der Stationstür, wo Angehörige aktiv abgeholt und in ihrer Emotionalität wahrgenommen werden (P3-1, S. 52; P1-2, S. 1). Durch erklärende Hinweise zu technischen Alarmen, hygienischen Vorschriften oder dem Verhalten auf der Intensivstation werden Unsicherheiten frühzeitig abgebaut (P1-4, S. 2) (SK3). Die IPK positionieren sich dabei als freundliche und offene Ansprechpartner, die mit institutionellen Rahmenbedingungen transparent umgehen und Barrieren (z. B. sprachlicher Art) möglichst niedrig halten (SK2 & SK3).

„Ich hole die Angehörigen immer persönlich an der Türe ab, um mir einen ersten Eindruck von ihrer Stimmung machen zu können […] Ich frage, ob sie schon mal auf einer Intensivstation waren und dass viele Alarme zu hören sind, die andere Patienten betreffen können […]. Ich erkläre, wie sie sich zu verhalten haben […]“ (P1-5, S. 2–3) ( SK1 & SK3 ).

Ein zentrales Element gelingender Beziehungsgestaltung liegt in der situativen Anpassungsfähigkeit der IPK (SK2), die alle zeigen. Je nach Bedarf und Situation reagieren sie flexibel und mit hoher Empathie. Ihre verbale und nonverbale Kommunikation beschreiben sie als kongruent, deeskalierend und respektvoll. Gleichzeitig übernehmen die Pflegekräfte eine Führungsrolle, die eine Balance zwischen Nähe und professioneller Distanz ermöglicht und von Wertschätzung geprägt ist (SK2 & SK3).

„ Es kommt voll auf die Situation und die Angehörigen an, wie ich reagiere oder agiere und dass ich sehr flexibel bin bei Empathie, Respekt usw. “ (P1-1, S. 12) (SK2) „ Man muss innerhalb kürzester Zeit Vertrauen, eine Verlässlichkeit und eine Gemeinschaft aufbauen und gleichzeitig die Rollenverhältnisse festlegen, ohne die Angehörigen zu verschrecken, zu traumatisieren oder zu überfordern. “ (P3-5, S. 65) (SK3)

Die IPK zeigten in ihren Aussagen, dass sie insbesondere bei sehr emotionalisierten AvIP sehr sensibel und empathisch vorgehen (SK2 & SK3). Die Fähigkeit, mit emotionalisierten und zunächst fremden Angehörigen in sensiblen Situationen angemessen in Kontakt zu treten, ihre Bedürfnisse und Erwartungen ad hoc zu erkennen und kontextsensibel in die eigene Kommunikation und Beziehungsgestaltung einzubinden, zeigte sich in allen Aussagen. Dabei spielte die persönliche Ansprache und Präsenz, also auch die nonverbale Kommunikation, eine große Rolle (SK1 & SK3) – diese wurde zwar nicht explizit benannt, war aber im Tonfall und in der Wortwahl wahrnehmbar. Die IPK begegnen den AvIP auf Augenhöhe (SK2). Gleichzeitig übernehmen sie Verantwortung für angemessenes Verhalten auf der ITS, etwa im Hinblick auf Hygienevorschriften, und gehen dabei meist sehr sensibel und geduldig vor (SK2 & SK3).

5.2.2 HK 2: Verständliche und angepasste Informationsweitergabe

(SK 4: Laiengerechter Transfer notwendiger Inhalte)

In den Aussagen der IPK zeigt sich ein durchweg klares und empathisches Verständnis für die besondere psychische Situation der AvIP. Sie beschreiben diese übereinstimmend als häufig konfus, überfordert und nur eingeschränkt aufnahmefähig. Daraus leiten sie ein besonders sensibles und vorsichtiges Kommunikationsverhalten ab. Eine IPK berichtet beispielhaft, das der zugeordnet werden kann: „… eine Essenz aus dem Ganzen ziehen und dann erklären […] Unnötiges und Verwirrendes weglassen […] Der Arzt ( macht ) die Aufklärung, aber sehr oft kommen die Angehörigen hinterher zur Pflege und fragen nach. […] Wir sind quasi die Übersetzer und Nachhilfelehrer […] zeichne es auf ( Papier ) […] benutze Metaphern… “ (P2-1, S. 36).

(SK 5: Wiederholen und nachfragen ermöglichen).

Dieses Wissen prägt erkennbar das kommunikative Vorgehen der IPK: Trotz hoher Arbeitsbelastung bringen alle bewusst Geduld und Verständnis entgegen, wiederholen Informationen bei Bedarf mehrfach und regen zum Nachfragen an

„(Trotz Stress)… Hilfe […] proaktiv anbiete […] Geduld und Aufmerksamkeit ( nonverbal ) signalisieren.“ (P3-1, S. 63).

(SK 6: Authentizität und Glaubwürdigkeit).

Die IPK konzedieren das Spannungsverhältnis zwischen und dem hohen Informationsbedürfnis der Angehörigen und deren gleichzeitig eingeschränkter Informationsverarbeitung. Sie passen alle ihre Kommunikation in Verbindung mit einem selbst empfundenen hohen Sach- und Handlungsverstand angemessen an (hohe Sensibilität, Flexibilität gegenüber Sprach- und Verarbeitungsvermögen). Mehrere IPK beschreiben ihr kommunikatives Selbstverständnis als umfassend informiert und situationssensibel. Sie berichten, dass sie komplexe Inhalte adressatengerecht vermitteln, dabei aber auf mögliche Konflikte (z. B. widersprüchliche Aussagen oder juristische Grenzen) achten „… defizitäre Arztgespräche ausbügeln …“ (P3-2, S. 85)

Die IPK betonen dieses Vorgehen als notwendige rechtliche Absicherung (vor Konflikten) und Reaktion auf Negativerfahrung.

„… genau das […] was der Arzt gesagt hatte […] man nicht unerlaubt Informationen rausgibt oder falsche Schlüsse zieht.“ (P3-5, S. 55)

Erst im Anschluss an das ärztliche Gespräch übernehmen die IPK die Rolle der Nachfragestelle, die Informationen klärt und verständlich macht – jedoch stets innerhalb der pflegerischen Zuständigkeit und ohne die Grenze zur ärztlichen Verantwortung zu überschreiten. So gelingt es ihnen, einerseits niederschwellige Ansprechbarkeit und Entlastung anzubieten, andererseits aber auch die juristische Zuständigkeitsverteilung zu wahren.

(SK4-6)

Mehrere IPK berichten, dass sie durch gezielte Information zur Beruhigung, Orientierung und Unterstützung der Angehörigen beitragen konnten (auch SK3 und HK4). Dieses Vorgehen wird von allen IPK als zentraler Teil in der Angehörigenarbeit betrachtet, keine der IPK gab an, am Bett zu arbeiten - ohne sich oder die Umstände dabei zu erklären. Die gezielte Aufklärung und Erklärung komplexer medizinischer oder rechtlicher Sachverhalte wird als sehr häufig eingesetztes Mittel zur Verhaltensänderung gesehen (z.B. werden Wartezeiten erklärt oder warum AvIP vor die Türe sollen). So äußerten die IPK z. B., dass AvIP bei Therapieeinstellungen über ihre Rolle informiert sein müssen (P2-4, S.43-44). Einige IPK berichten, dass erklärende Gespräche über Verantwortlichkeiten und Prognosen von Angehörigen als entlastend erlebt wurden. Auch der Einsatz als kultureller Dolmetscher (P2-3, S.43; P1-3, S.19) verbesserte das Verständnis und führte unmittelbar zu positiverem Verhalten gegenüber dem Team. Wiederholt schilderten Pflegekräfte, dass Missverständnisse – etwa über ärztliche Aussagen oder Prognosen – durch ihre Vermittlung geklärt werden konnten, was zu sichtbarer Erleichterung bei den Angehörigen führte (P1-4, S.2; P3-3, S.53).

5.2.3 HK 3: Angehörigenbegleitung ermöglichen und fördern

(SK 7 Aktivierende Einbindung)

Viele IPK beschreiben, wie sie AvIP helfen konnten, ihre Rolle zu finden, Handlungsspielräume zu erkennen und sich aktiv, aber nicht überfordert, zu beteiligen. So ermutigten sie z. B. Angehörige, ihre Besuche kreativ zu gestalten (P1-5, S.16-17) oder bereiteten sie behutsam auf den möglichen Tod eines Patienten vor, sodass ein geordneter Abschied mit der gesamten Familie möglich wurde (P2-1; S. 44-45). Einige IPK berichten, dass sie bei bestimmten Angehörigenverhaltensweisen – etwa bei intensivem Aktionismus – klare Regeln benennen mussten (P1-2, S. 6; P1-4, S. 7, P3-1, S.55). Andere AvIP benötigen eine Ermutigung oder einen Weckruf sich einzubringen und Therapieentscheidungen unter dem Deckmantel des „Vertrauen“ gänzlich an das Behandlungsteam delegieren (P3-4, S.54; P3-3, S.55). Die Pflegekräfte zeigten auf diese Weise, wie wichtig es ist, das Mitspracherecht der Angehörigen nicht nur zu benennen, sondern auch mit realistischen Optionen zu unterfüttern, um eine Überforderung zu vermeiden.

Die Textpassagen von Frage 9 bieten sich besonders zur Erfassung der HK3 und deren SK an und verdeutlichen die handlungs-, situations- und ressourcenorientierte Kommunikation der IPK am Bett. AvIP werden abhängig von der Situation pädagogisch-instruierend und mit motivationalen Strategien einbezogen und spontan Momente aufgegriffen. Die IPK verweisen in diesem Zusammenhang deutlich auf ihre berufliche Erfahrung und auf die Bedeutung guter Zeitstrukturierung. Alle IPK zeigen ein ausgeprägtes Gespür für „günstige Situation“ oder günstige Konstellationen, um AvIP an Handlungen zu beteiligen, aufzumuntern und einzubinden, die den Kontakt zum Patienten verbessern bzw. so die SWE und Zuversicht bei den AvIP zu erhöhen.

„… wenn (sich) Angehörige [sich] eingewöhnt haben, […] suche ich proaktiv nach passenden Möglichkeiten […] sie miteinzubinden“ (P3-4, S. 75). Ist weniger passend „Ich ermuntere […] vorlesen, die Hand halten […] anschmiegen“ (P3-3, S. 69). Die IPK verdeutlichen alle, dass sie nicht nur körperliche Nähe, sondern auch emotionale Teilhabe und Beziehungskontinuität fördern, was nach Aussage der IPK von den Angehörigen als hilfreich und unterstützend erlebt wurde „… wie der Patient reagiert, ob sich etwas anbietet und was Angehörige leisten können“ (P2-4, S. 41).

( SK 8 : Beteiligung an Entscheidungen)

Diese SK konnte sehr häufig kodiert werden, etwa wenn schwerwiegende EoL-Situationen beschrieben werden, bei denen AvIP gezielt ermuntert werden loszulassen. „Die Tochter konnte, nachdem ich mir für sie lange Zeit nehmen konnte […], die Entscheidung würdevoll mittragen“ (P1-4, S. 20). Mehrere IPK berichten, dass sie wiederholt beobachteten, wie Angehörige bei schwierigen Entscheidungen (z. B. Therapieabbruch) Unterstützung benötigten „… habe ich mir ein Herz gefasst […] (warum er) so vehement auf eine Therapieerweiterung besteht […[ dass er nicht für den Tod seiner Mutter verantwortlich sein will […] wir gemeinsam über die Therapie der Mutter entscheiden, natürlich die Ärzte hauptsächlich, aber im Sinn ihrer Mutter […] diese Qualen […] der war so erleichtert und […] haben die Therapie eingestellt, die Frau durfte endlich friedlich sterben. (P1-1, S21). “

(SK 9: Stärkung der Rolle der Angehörigen “)

Die IPK betonen mehrfach, dass sie es als wichtig erachten, die Rolle der Angehörigen sichtbar zu machen und in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Einige IPK berichten, dass sie sich auch bei internen Widerständen aktiv für die Bedürfnisse von Angehörigen eingesetzt haben. So schildert eine IPK, dass sie dafür gesorgt habe, dass Angehörige trotz Kritik bleiben durften: „… ich mich […] durchgesetzt […] mich dafür eingesetzt, dass die Angehörigen bleiben durften […] Anschiss kassiert, …“ (P1-1, S.13-14). „ Angehörige trauen sich oft nicht dem Arzt zu widersprechen […] ich die Fragen oder die Aussagen der Angehörigen, ganz anders interpretiert habe“ (P2-4, S.43-44). Einige IPK berichten, dass sie sich bewusst machen, dass viele Angehörige medizinisch unerfahren sind oder Situationen missverstehen. Daraus ergeben sich aus Sicht der IPK Gesprächsbedarfe, um Unklarheiten zu klären. Eine IPK beschreibt: „… ich versuche mir das bewusst zu machen, dass ich jemanden vor mir habe, der überhaupt keine Ahnung hat… “ (P2-2, S.35).

5.2.4 HK 4: Unterstützung zur Selbstregulation und Coping

(SK 10: Entemotionalisierung / Emotionalen Angemessenheit verbessern)

Mehrere IPK berichten von Situationen, in denen sie durch kleine Gesten (z. B. Stuhl, Wasser oder Tee) das emotionale Gleichgewicht der AvIP stabilisieren konnten . Ebenso lassen m ehrere Aussagen erkennen, dass IPK versuchen, emotionale Eskalationen bei AvIP mit einfachen Maßnahmen und situativ passend zu vermeiden oder abzumildern . „ Angehörige stehen oft neben sich und überbewerten vieles. Sie fühlen sich schnell angegriffen, beleidigt oder unterstellen dass man sie übersieht, nicht respektiert oder ignoriert [..] mit einfachen Dingen am besten beruhigen […] Stuhl, Wasser oder Tee reichen …“ (P3-5, S.56).

In den Antworten zu den Fragen 10 und 11 berichten e inige IPK, dass sie mit herausforderndem Verhalten von AvIP umgehen, indem sie Konflikte aktiv ansprechen oder deeskalierende Maßnahmen ergreifen. Einige IPK beschreiben, dass sie AvIP gezielt auf deren Verhalten ansprechen und versuchen, über Gespräche Verhaltensänderungen anzustoßen : „ Ich nutze einen assertiven Kommunikationsstil […] selbstbewusst Grenzen setze […] aber immer Verständnis und Kompromissbereitschaft signalisiere.“ (P3-4, S.70; vgl. P2-1, S.42).

(SK 11: Die Perspektivübernahme)

In mehreren Aussagen berichten IPK von Situationen, in denen Gespräche zur Beruhigung, Klärung oder Entlastung der AvIP beitrugen. wird deutlich, wenn mehrere IPK schildern, auch in Situationen mit schlechter Prognose oder am Lebensende zu versuchen, Perspektivübernahme zu zeigen und empathisch zu kommunizieren (vgl. P3-2, S.70; P1-4 & P1-2, S.17).

(SK 12 Bewältigungsorientierung)

Alle IPK geben an, gezielt Gespräche zu führen, anzustoßen oder zu ermöglichen, wenn sie den AvIP konkret helfen wollen, eine innere Akzeptanz zu entwickeln „ Ab dem Zeitpunkt …“ (P3-4, S.74) oder eine Bewältigung zu unterstützen (P1-2, S.17).

Einige IPK berichten, dass bestimmte Gespräche oder Entscheidungen für sie in Erinnerung geblieben sind – etwa, wenn Angehörige erleichtert reagierten oder eine Entscheidung getroffen werden konnte (P1-2, S.20; P3-2, S.74), wenn eine Entscheidung erleichtert bzw. ungünstiges Verhalten positiv beeinflusst werden konnte (P3-5, S.73-74; P3-3, S.74; P1-3, S.19).

5.2.5 HK 5: Reflexion und wahrgenommene Kompetenz

(SK13: Wachstumsorientierung)

Gespräche mit Angehörigen werden von mehreren IPK als emotional herausfordernd bezeichnet. Einige sehen darin zugleich eine Möglichkeit, ihre fachliche Kompetenz zu zeigen und Beziehungen aufzubauen, die sie als persönlich bedeutsam erleben (P1-4 & P1-5, S.23; P3-4, S.82). Besonders bei verständnisvollen oder dankbaren AvIP beschreiben IPK die Kommunikation als positiv (P3-5, S.81–82). In solchen Situationen empfinden sie ihre Rolle als sinnvoll und berichten, dass ihre Bemühungen um einen gelingenden Austausch wahrgenommen und gewürdigt werden (P2-2, S.47). Diese Aussagen würden ihnen zeigen, dass sie ihren Beitrag als wirksam erleben können und bestärkt fühlen. In ihren Beschreibungen der beruflichen Rolle verwenden einige IPK Begriffe wie „ Brückenbauer “, „ Lehrer “ oder „ Anwalt “ (P1-5, S.23). Zugleich reflektieren sie, welche Voraussetzungen aus ihrer Sicht notwendig sind, um dieser Rolle gerecht zu werden. Neben fehlenden Fortbildungsangeboten benennen sie auch eigenes Versäumnis, etwa mangelnde Initiative oder fehlende Motivation, an Schulungen teilzunehmen (P1-4, S.26; P3-1, S.83; P1-3, S.26). Aussagen über institutionelle Defizite und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten wurden im Sinne einer wachstumsorientierten Haltung der SK13 zugeordnet.

(SK14: Dialogverantwortung)

Mehrere IPK berichten, dass ihre offene Haltung, Erfahrung und die Bereitschaft, auch schwierige Themen anzusprechen, zur Lösung konflikthafter Situationen beigetragen haben (z. B. P1-1, S.4; P2-2, S.46; P3-3, S.77). Angehörigenarbeit wird in den Interviews sowohl als bereichernd als auch als belastend beschrieben. Sie wird häufig als zusätzliche Aufgabe erlebt, die Zeit und persönliches Engagement erfordert, gleichzeitig jedoch auch als sinnvoll empfunden wird (z. B. Z.2327–2330; P3-5, S.79). Auch hier wird die Übernahme von Verantwortung im Dialog sowie die reflektierte Haltung gegenüber der eigenen Rolle thematisiert (SK14). Einige berichten zudem vom Wunsch nach Rückmeldung, um die eigene Kommunikation besser einschätzen zu können (P1-1, S.25; P2-2, S.48). In der Regel erfolgt diese Rückmeldung jedoch eher passiv über nonverbale Reaktionen oder Dankbarkeit der AvIP, selten wird aktiv nach Feedback gefragt (P2-1, S.48; P3-4, S.80). Diese Aussagen wurden der SK14 zugeordnet, da hier das Bedürfnis deutlich wird, die Wirkung der eigenen Kommunikation zu prüfen und gegebenenfalls zu verbessern. Der Wunsch, Missverständnisse frühzeitig zu erkennen und zu klären, wurde ebenfalls dieser Subkategorie zugeordnet.

Zugleich äußern einige IPK, dass die Angehörigenarbeit nicht unbedingt mit Freude verbunden sei, jedoch zum professionellen Alltag gehöre und von ihnen umgesetzt werde (P2-1, S.47; P1-1, S.23–24). In mehreren Aussagen wird auf ambivalente Erlebnisse verwiesen, etwa bei als fordernd erlebten AvIP oder in Situationen, in denen Angehörige den Patienten zu stressen scheinen (P3-1, S.55; P3-3, S.58). Missverständnisse mit AvIP werden von den Befragten häufig auf die belastende Situation oder unklare ärztliche Informationen zurückgeführt (P1-5, S.18; P3-1, S.63; P2-2, S.35).

(SK15: Selbstwahrnehmung und Reflexionsfähigkeit)

Die IPK zeigen alle eine differenzierte Wahrnehmung der Gesprächssituation und denken über die Interaktionen nach.

Einzelne IPK betonen, dass es ihnen wichtig sei, die Reaktionen der AvIP bewusst wahrzunehmen, ohne sich emotional überwältigen zu lassen (P3-1, S.71; P1-4, S.17). Die IPK zeigen einen bewussten Umgang mit der eigenen emotionalen Reaktion.

Ein wiederkehrendes Thema ist die Einschätzung, dass es kaum praxisnahe Weiterbildungen zur Angehörigenkommunikation gebe. Einige IPK beschreiben, dass sie den Umgang mit AvIP hauptsächlich durch Erfahrung und wiederholtes Handeln erlernt haben („… einfach durchs Machen …“, P1-2, S.25). Sie äußern das Vertrauen, auch in schwierigen Situationen eine angemessene Gesprächsform zu finden, und sehen sich selbst als in hohem Maß eigenständig und professionell handelnd. Diese Aussagen wurden sowohl der SK13 als auch der SK15 zugeordnet, da sie sowohl das Vertrauen in die eigene Kompetenz als auch die Fähigkeit zur kritischen Rückschau enthalten.

Obwohl alle Befragten den Besuch von Angehörigen grundsätzlich befürworten, zeigen die Aussagen Unterschiede in der persönlichen Haltung. Einige IPK berichten, dass sie Freude an der Kommunikation mit AvIP empfinden, während andere die Tätigkeit als belastend oder energieraubend beschreiben (P1-3, S.53; P2-2, S.28). Einige geben an, ihre emotionale Unterstützung selektiv einzusetzen, etwa aus Gründen des Selbstschutzes oder bei besonders fordernden Angehörigen (P3-1, S.78). In mehreren Aussagen wird deutlich, dass sich die Befragten ihrer eigenen Grenzen bewusst sind und Strategien entwickelt haben, damit umzugehen, ohne ihre professionelle Haltung aufzugeben. Diese Passagen wurden der SK15 zugeordnet, da IPK hier ihre innere Haltung und ihr Verhalten in emotional belastenden Situationen reflektieren.

5.3 Herausforderungen in der Erfüllung der FSM-Bereiche aus Sicht der IPK

In Bezug auf die Bereiche des FSM, folgt ein Auszug von typischen Angaben und Abweichungen in Tabelle 5:

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Gegenüberstellung ausgewählter Beispiele mit erfüllten und defizitär erfüllten FSM-Bereichen (Auswahl aus n = 14).

Auch wenn das FSM in Deutschland unbekannt bzw. konzeptionell nicht implementiert ist, zeigen die IPK, dass sie wesentliche Prinzipien des FSM intuitiv und praxisnah umsetzen. Insbesondere durch empathisches Zuhören, Informationsvermittlung, Präsenz, Beziehungsgestaltung und proaktive Einbindung.

5.4 Angewandte Strategien zur Kommunikation mit Angehörigen

Allen IPK gemein ist, dass sie ihre Angehörigenarbeit intuitiv initiieren (P3-1, S.65) und situativ kreativ umsetzen und sie im engeren Sinn dafür keine Strategie (z.B. VALUE) benutzen „… Angehörige […] beobachten […] dann reagieren […] nach den Angehörigen richten…“ (P1-1, S.13-14 ) oder nur einzelne auf Materialien oder Metaphern ausweichen (P2-1, S.36; P1-5, S.11) . Gleichwohl werden in kritischen Situationen oder Konflikten typische Verhaltensmuster gezeigt, die einfach und schnell umsetzbar sind (z.B. Beschwichtigen, Spiegeln, Delegieren oder Entfernen) und dem Schutz der AvIP, Konfliktmanagement oder der Arbeitssicherheit dient (P2-2, S.42.; P3-3, S.72). So zeigen fast alle IPK in kritischen Situationen, die gleichen Verhaltensmuster und dass AvIP zu ihrem eigenen Schutz oder zur Wahrung der Arbeitssicherheit entfernt werden. „ Die Kommunikation während einer Reanimation […] müssen Angehörige nicht mitbekommen.“ (P2-1, S.38, vgl. P3-4 & P3-3, S.66) ; „… draußen warten […] unsere volle Konzentration brauchen und sie raus müssen.“ (P2-3, S.38, vgl. P3-1, S.65-66) . Seltener werden individuelle Verhaltensweisen im Vorfeld mit den Angehörigen „… abgesprochen oder kenne ihre Meinung […] bei kritischen Situationen […] mitanwesend […] oder […] nicht […]. “ (P3-5, S.66).

5.5 Externale Einflussfaktoren

Die IPK geben alle an, dass sie der Angehörigenarbeit nicht nachkommen können, wenn bzw. weil sie keine Zeit haben „… unser kommunikative Fähigkeiten irrelevant (sind), wenn wir keine Zeit für Gespräche haben.“ (P2-1, S.51). Diesen Umstand begründen alle damit, dass die patientennahe Leistungen oder organisatorische Prozesse priorisiert werden müssen (vgl. 3.4.1). Darüber hinaus zeigen alle ein großes Verständnis für AvIP auch in Aufnahme-/ Notfallsituationen mit oberster Priorität und das trotz enormen Arbeitsdruck und maximaler Personalbindung, Angehörige so gut wie möglich bedacht werden. Umstände von Personalmangel, die Ermangelung eines ärztlichen Erstgesprächs oder eine defizitären Arzt-IPK-Kommunikation werden häufig berichtet „ … wenn schon der vorangehende Informationsaustausch zwischen Arzt und Pflege defizitär ist “ (P3-3, S.84). „ Wenn es noch kein Arztgespräch gab, gebe ich nur grundsätzliche Informationen über den Zustand weiter.“ (P2-3, S.29); „… können wir Angehörige nur vertrösten.“ (P3-5, S.55).

Der Zeitmangel oder das (noch) nicht reden dürfen wird als größter externaler Einflussfaktor in der Angehörigenkommunikation betrachtet, „… dass ich ein umfassendes Angehörigengespräch, erst nach der ärztlichen Erstauskunft führen darf oder dass ich oft keine ausreichende Zeit für ein vernünftiges Angehörigengespräch zur Verfügung habe.“ (P3-3, S.84) oder „… sind mir die Hände gebunden …“ (P2-1, 51).

Hinzu kommen belastende Arbeitsbedingungen und Störfaktoren (P3-1 & P3-4, S.85; P1-5, S.12) sowie die geringere kognitive Flexibilität im Nachtdienst oder die persönliche Erschöpfung nach mehreren Tagen Dienst (P2-4 & P2-2, S.51), die die IPK kaum beeinflussen können, jedoch überwiegend selbstwertdienlich verarbeiten.

Dass die IPK „… Angehörigengespräche immer zwischen Tür und Angel führen müssen und häufig unterbrochen werden … “ (P1-5, S.12), ist für sie ein Problem der Rahmenbedingungen und insbesondere dann ins Gewicht fallen würde, wenn die kollegiale Entlastung fehlt (P2-1, S.49) oder keine strukturellen Vorgaben über wer macht wann was oder Unterstützungsmechanismen vorliegen (P2-4, S.51, P3-5, S.85; P3-3, S.84; P1-1 - P1-5, S. 27-28). Ebenso werden durchgehend besonders Großfamilien, fremdsprachige / kulturfremde Angehörige (P1-1 & P1-2, S.6) oder innerfamiliäre Konflikte genannt (P1-5, S.18). Alle sehen darin eine Gefährdung oder Erschwerung von Arbeitsabläufen. Viele bevorzugen einen laissez-fairen oder intuitiven Umgang mit AvIP, können sehen sich alle in der Lage auch strenger zu werden oder sich durchzusetzen. Ebenso wird angegeben, dass man zunehmend mit falsch informierten oder unverbesserlichen AvIP konfrontiert wird, die sich bspw. über „Dr. Google“ falsch oder unpassend informieren oder Verschwörungstheorien anhängen. Alle berichten, dass sie zum Selbstschutz den Arzt oder Kollegen hinzuholen oder auch aufgegeben bzw. nur rudimentär begleiten, wenn sie ihre Möglichkeiten als erschöpft ansehen (vgl. P1-5, S.18; P1-2, S.2; 2-1, S.31).

6 Diskussion

Die Ergebnisse der qualitativen Analyse zeichnen ein vielschichtiges Bild der kommunikativen Praxis von IPK im Kontakt mit AvIP. In diesem Kapitel werden die zentralen Befunde in den Kontext der zugrunde liegenden theoretischen Modelle (FSM und rKKM) gestellt und im Lichte bisheriger Forschung reflektiert. Im Fokus steht dabei die Beantwortung der Forschungsfrage, wie die befragten IPK ihre eigene KK in Bezug auf die Angehörigenarbeit einschätzen – und in welchem Maße diese Selbsteinschätzung als valide Grundlage zur Bewertung tatsächlicher KK verstanden werden kann.

Ziel ist es daher nicht nur, zentrale Muster, Spannungsfelder und Entwicklungspotenziale zu benennen, sondern auch zu prüfen, ob und inwieweit sich sogenannte Cut-Off -Werte identifizieren lassen – also Schwellen, ab denen Selbstaussagen Hinweise auf eine defizitäre Angehörigenarbeit oder Unterstützungsbedarfe geben. Dabei steht weniger eine abschließende Bewertung als vielmehr eine kontextualisierende Deutung im Vordergrund.

Trotz der von allen befragten IPK thematisierten Herausforderungen im Umgang mit AvIP – insbesondere wenn diese aggressives Verhalten, inadäquate Reaktionen oder eine hohe emotionale Aufgeladenheit zeigten – deutet alles darauf hin, dass alle IPK durchgängig einen professionellen, kontrollierten und sehr empathischen Umgang mit AvIP praktizieren. Zwar äußerten einige IPK Unmut oder Überforderung angesichts eskalierender Situationen, jedoch ließ sich keine längerfristige affektive Distanzierung oder Abwertung der AvIP beobachten. Vielmehr gelang es den Befragten, sich rasch wieder in eine verstehende, professionelle Perspektive zu begeben.

6.1 Interpretation der Ergebnisse im Kontext der Theorie

Mithilfe des FSM sowie des rKKM lassen sich die Ergebnisse der vorliegenden Analyse als durchweg kompetenzstark interpretieren. Alle befragten IPK zeigen – unabhängig von ihrer numerischen Selbsteinschätzung – ausgeprägte und konstant abrufbare kommunikative Fähigkeiten im Umgang mit AvIP, was eine umfassende Sattelfestigkeit beschreibt. Dies äußert sich in reflektierten Aussagen zu emotionalen Belastungen, Perspektivübernahme, selbstkritischer Haltung und der bewussten Gestaltung von Beziehungsmomenten – zentrale Merkmale beider Theoriekonzepte.

Hervorstechend ist, dass auch jene IPK mit mittlerer KK -Selbsteinschätzung, inhaltlich sehr differenzierte, empathische und achtsame Kommunikationsstrategien beschreiben und sich deren Ergebnisse problemlos in ein homogenes Gesamtbild einreiht. Die Diskrepanz lässt sich als Hinweis auf eine verzerrte Selbsteinschätzung deuten, die weniger auf tatsächliche Kompetenzdefizite, als vielmehr auf eine persönlichkeitsmerkmalgestützte Bescheidenheit oder auf das Vermeiden einer Selbstdarstellung, die als überheblich oder unangemessen wahrgenommen werden könnte (unerwünschte soziale Attribuierung), zurückzuführen ist. Es handelt sich möglicherweise um eine Form der „bescheidenheitsinduzierten Unterbewertung“ (Bias) (vgl. Döring & Bortz, 2016, S. 252), bei der kompetenzstarke Personen ihre Fähigkeiten bewusst abmildern. Auch das rKKM betont, dass kommunikative Kompetenz nicht nur performativ, sondern ebenso motivational und volitional eingebettet ist und sich Menschen als „ ewig lernend“ verstehen sollten(Spitzberg, 2013, S. 132).

Vor diesem Hintergrund erscheint die Selbsteinschätzung – insbesondere wenn sie wie in der vorliegenden Untersuchung, mit qualitativen Reflexionen angereichert ist – als probates Instrument zur Erfassung der KK. Die Selbsteinschätzung und die Aussagen der IPK sind stimmig mit ihren konkreten Beispielen, handlungsleitenden Prinzipien und ihrer emotionalen Selbstwahrnehmung. Die Selbstauskunft erweist sich somit als valide, sofern sie kritisch kontextualisiert und in ihrer Tiefe gewürdigt wird.

Das rKKM verweist auf zwei zentrale Bewertungskriterien der KK: Angemessenheit und Effektivität. Beide sind jedoch nicht objektiv oder universell definierbar, sondern immer abhängig vom situativen Kontext. Dieser kann jedoch nur unvollständig durch das FSM eingerahmt werden, da das subjektive Erleben beider Kommunikationspartner einwirkt. Was im Rahmen des FSM als effektiv (z. B. beruhigend oder aufklärend) und angemessen (z. B. sachlich oder empathisch) gilt, muss nicht zwangsläufig auch von AvIP so empfunden werden (vgl. Kap. 2.1).

Ebenso bleibt insbesondere der Zeitfaktor im FSM unkonkret. Welchen Zeitrahmen benötigt eine effektive Angehörigenarbeit, wie lange muss eine IPK mindestens mit dem AvIP kommunizieren, wie viel Zeit braucht es, um bspw. eine Analogosedierung oder den Weaningprozess oder die Phasen der Neurorehabilitation zu erklären? Wie lange sollte eine Angehörigenedukation sein, wie viele unterschiedliche Informationen können gleichzeitig vermittelt und verarbeitet werden?

Sicherlich ist es unzureichend, KK ausschließlich anhand von Selbstauskünften oder einseitiger Perspektivenbewertung zu bestimmen oder eine gelungene Angehörigenarbeit nur an der KK einer einzelnen IPK festzumachen, zumal die Pflegepersonen – aber auch besuchende Angehörige wechseln und somit völlig neue Konstellationen entstehen. Eine fundierte Einschätzung wäre theoretisch nur als Längsschnittstudie möglich, wenn sowohl jede inkludierte IPK, als auch AvIP gemeinsam über den gesamten Prozess der Angehörigenarbeit hinweg befragt und ggf. durch neutrale Dritte beobachtet würden. Ebenso müsste zwischen Angehörigen unterschieden werden, die trotz Besuch - nicht berechtigt sind, Informationen zu erhalten oder im Fall von Großfamilien nur zwei Angehörige eine Einbindung nach dem FSM erhalten.

In der Diskussion um mögliche Cut-Off-Werte für defizitäre Kommunikation zeigt sich entsprechend, dass eine rein numerische Grenze (z. B. unterhalb von 7) nicht ausreichend ist. Qualitative Hinweise wie fehlende Selbstreflexion, mangelnde Empathie oder Beziehungslosigkeit in belastenden Situationen sollten stärker gewichtet werden, als technisches Sprachwissen oder formalisierte Gesprächsregeln. Eine niedrige Selbsteinschätzung kann Ausdruck von Unsicherheit, aber auch von hoher professioneller Verantwortung sein. Deshalb ist für die Bewertung der KK stets ein mehrdimensionales Verständnis notwendig, das sowohl subjektive als auch interaktionale und kontextbezogene Faktoren berücksichtigt und bspw. bei Mitarbeitergesprächen zur Standortbestimmung durchgeführt wird.

6.2 Vergleich mit bisherigen Studien

Ein zentraler Vergleichspunkt ergibt sich zur Studie von Jin et al. (2022), die die KK von IPK in einem ähnlichen Kontext untersucht. Hierbei wurde die KK ebenfalls über eine Selbsteinschätzung auf einer Skala von 1 bis 10 erfasst. Der Median der KK lag bei 5,6 niedriger, als bei den aktuell untersuchten IPK. Die Unterschiede zur vorliegenden Untersuchung sind besonders bei der Berufserfahrung deutlich. Ebenso werden viele Schwierigkeiten und ungünstige Verhaltensmuster beschrieben, die mit einer geringen SWE und einem geringen praxisbezogenen Bewältigungsrepertoire assoziiert werden können. Die Tabelle 6 zeigt die Unterschiede zwischen der Studie von Jin et al. (2022) und der vorliegenden Untersuchung in einer Übersicht auf.

Ein offensichtlicher Erklärungsansatz liegt im beruflichen Erfahrungsniveau der beiden Gruppen. Während der Median der Berufserfahrung in der Stichprobe von Jin et al. lediglich bei knapp 3 Jahren lag, beträgt er in der vorliegenden Untersuchung 20 Jahre – ein signifikanter Unterschied, der in mehrfacher Hinsicht relevant für das situativ angemessene Coping in diesem komplexen Kontext erscheint. Gleichwohl ein gutes Drittel der südkoreanischen IPK bereits Kommunikationsschulungen erhalten hatten und alle eine akademische Pflegeausbildung durchlaufen, deutet vieles darauf hin, dass die Verbesserung der KK sehr viel effektiver mit interaktiven Lernmethoden (z.B. Rollenspiele) und Peer-Support (Erfahrungs- und Reflexionsaustausch) erreicht wird. Auch wenn in der vorliegenden Untersuchung keine der 14 IPK eine zertifizierte Fortbildung / Schulung in spezieller Gesprächsführung absolviert hatte, zeigten sie eine hohe Resilienz gegenüber Frust sowie eine hohe SWE in der Interaktion. Dies legt nahe, dass sich die KK im Kontext mit der Angehörigenarbeit vorrangig – durch Berufsroutine und Reflexionsfähigkeit entwickelt.

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: Vergleich der Ergebnisse von Jin et al. (2022) mit der eigenen Untersuchung.

Auch hinsichtlich der Stichprobenzusammensetzung zeigen sich Unterschiede: Während Jin et al. eine überwiegend weibliche Stichprobe mit nur zwei männlichen IPK bei N = 27 aufweisen, war das Geschlechterverhältnis in der vorliegenden Untersuchung ausgewogener. Zudem waren die Befragten an verschiedenen Einrichtungen tätig, was die Generalisierbarkeit der Ergebnisse verbessert und monoinstitutionelle Einflüsse aufhebt. Der multiperspektivische Blick aus unterschiedlichen Versorgungssettings (z. B. Regelversorger, Uniklinik) ermöglicht eine realitätsnähere Einschätzung kommunikativer Anforderungen und Umsetzungsstrategien.

Ein verbindendes Element beider Studien sind die geschilderten strukturellen Schwierigkeiten, etwa durch Zeitdruck, Personalnot und organisatorische Rahmenbedingungen. Sowohl in der Studie von Jin et al. als auch in der vorliegenden Untersuchung wird deutlich, dass IPK regelmäßig mit einer defizitären Arzt-IPK-Kommunikation, einer Nichtteilnahme an Arzt-AvIP-Gesprächen oder mit Personal- oder Zeitmangel konfrontiert werden. Gespräche werden unter den gleichen störenden Rahmenbedingungen geführt und die Arbeit mit den emotionalisierten AvIP wird als sehr anstrengend empfunden (vgl. Jin et al, 2022, S.413). Diese Aspekte scheinen weniger individuellen Kompetenzunterschieden geschuldet zu sein, sondern systemimmanente Rahmenbedingungen abzubilden. In beiden Studien wird deutlich, dass IPK ihr Verständnis über den Patientenzustand aktiv nutzen, um eine Brückenfunktion auch unter Erschwernissen gegenüber den AvIP zu übernehmen. Die Kunst besteht dabei offenbar darin, dass die AvIP förderlich begleitet und empowert wird - ohne dass sich die IPK verausgabt bzw. dysfunktional anpasst.

Insgesamt bestätigt der Vergleich, dass die KK im Kontext betrachtet werden muss und mit den Bedingungen hoher emotionaler und struktureller Belastung assoziiert ist, die in dieser Form von keiner anderen Berufsgruppe geleistet wird. Die vorliegenden Ergebnisse legen nahe, dass nur routinierte, selbstsichere und selbstreflexierte IPK eine hohe KK erreichen können, die für eine effektive Angehörigenarbeit benötigt wird. Fortlaufende Übung / Praxis erweist sich damit als ein potenziell entscheidender Schutz- und Entwicklungsfaktor der KK in der Angehörigenarbeit.

Im Gegensatz zu den Ergebnissen der Studie von Jin et al. (2022), in der insbesondere weniger erfahrene IPK unter hoher emotionaler Belastung zu maladaptiven Copingstrategien tendierten (z. B. Vermeidung, Rückzug, Desensibilisierung), zeigen die hier interviewten – durchweg sehr erfahrenen – IPK ein deutlich resilienteres Reaktionsmuster. Die Fähigkeit, sich nicht dauerhaft in Groll oder Ärger über „schwierige“ AvIP zu verfangen, sondern durch Perspektivwechsel und Empathie den Kontakt dennoch offen und respektvoll zu gestalten, kann als Ausdruck von beruflicher Reife und emotionaler Regulation gewertet werden.

Dies spricht dafür, dass ein funktionaler Umgang mit belastenden Angehörigeninteraktionen in hohem Maße von Erfahrung, persönlicher Reife und der Fähigkeit zur emotionalen Selbststeuerung abhängt. Einige IPK machten explizit deutlich, dass sie in jüngeren Berufsjahren anders reagiert hätten, heute aber durch ihre Lebenserfahrung und ihr berufliches Rollenverständnis gelassener bzw. angemessener und effektiver agieren können.

6.3 Implikationen für die Praxis

Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung unterstreichen die zentrale Rolle einer hohen KK in der Angehörigenarbeit auf ITS – und damit auch den dringenden Handlungsbedarf im Hinblick auf praxisorientierte Rahmenbedingungen und strukturelle Weiterentwicklungen im klinischen Alltag. Zwar zeigten die erfahrenen IPK ein hohes Maß an kommunikativer Sensibilität und Reflexionsfähigkeit, doch bleibt diese Kompetenz häufig implizit, wenig systematisiert und abhängig von individueller Erfahrung und Haltung. Daraus ergeben sich mehrere konkrete Implikationen für die pflegerische Praxis und die Organisation der Angehörigenkommunikation.

Die verankerten curriculären kommunikativen Schulungsangebote in der Aus-, Fort- und Weiterbildung müssen durch praxisnahe bzw. fortlaufende interaktive Lernformate und Reflexionsangebote weiter gefestigt werden. Entsprechend der Forderung nach einer strukturell ausgerichteten Angehörigenarbeit wie sie auf „angehörigenfreundlichen ITS“ vorgeschrieben sind, sollten Handlungsempfehlungen, Gesprächsleitfäden und fallbezogene Simulationstrainings flächendeckend etabliert werden. Die Entwicklung eines evidenzbasierten, interprofessionell abgestimmten Handlungskonzepts – analog zu bestehenden Leitlinien in anderen klinischen Bereichen – könnte hier als strukturgebender Rahmen dienen und gleichzeitig zur Entlastung der Pflegekräfte beitragen. Weiter sollte insbesondere bei besonders aufwendigen AvIP (z.B. Kinder, Großfamilien) oder bei Langzeitversorgungen wie sie bspw. in der Neurologie häufig vorkommen, pädagogisch ausgebildete IPK eingesetzt werden, die nur für die Angehörigenedukation zuständig sind und bspw. von IPK übernommen werden, die aus gesundheitlichen Gründen, eine allein verantwortliche Patientenversorgung nicht mehr bewerkstelligen können.

Darüber hinaus zeigen die Aussagen der befragten IPK, dass bauliche und organisatorische Rahmenbedingungen – wie bspw. Einzelzimmer, freundlich gestaltete Rückzugsorte für AvIP und tolerante Besuchszeiten – nicht nur humane Standards darstellen, sondern auch konkrete Auswirkungen auf die Qualität der Kommunikation, die Beziehungsgestaltung und das Wohlbefinden der AvIP haben. Ebenso zeichnet sich Angehörigenfreundlichkeit dadurch aus, dass man dem Gegenüber eine entsprechende Aufmerksamkeit schenken kann. Für die Pflegenden wäre das nicht allein ein ethisches Ideal, sondern eine Notwendigkeit, um Interaktionen mit Angehörigen als eigenständige (Hoch)Leistung wahrzunehmen und anzuerkennen.

Die von der DIVI empfohlene Vollintegration von Psychologen in ITS-Behandlungsteams (Liaison Anstellung), ist ein begrüßenswerter Schritt hin zur Professionalisierung der psychosozialen Versorgung und Nachsorge(DIVI, 2024, S. 1–2). Dennoch bleibt festzuhalten, dass die IPK die essentielle Berufsgruppe am Patientenbett ist. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, pflegerische KK nicht nur als ergänzendes, sondern als fundamentales Element psychosozialer Versorgung zu begreifen und systematisch und prozessorientiert zu stärken.

Insgesamt wird deutlich: Für eine nachhaltige Verbesserung der Angehörigenarbeit braucht es ein Zusammenwirken aus strukturellen, personellen und bildungspolitischen Maßnahmen.

6.4 Limitationen der Studie

Die Studie basiert auf qualitativen Interviews mit einer begrenzten Stichprobe (n=14), was die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränkt. Zudem erfolgt die Einschätzung der KK ausschließlich durch die Selbstauskunft von berufserfahrenen und sehr auskunftsfreudigen IPK, was potenzielle Verzerrungen und personenbezogene Bias einschließt. Ebenso wird durch das Format die Angemessenheit der nonverbalen Kommunikation und die Tonalität nur rudimentär oder implizit erfasst (z.B. Augenkontakt, ruhige Sprache). Zudem wird die Zuschreibung der Kodierung durch das tiefe Praxisverständnis der Forscherin beeinflusst, sodass eine Inhaltsanalyse berufsfremder Forscher andere Ergebnisse extrahieren kann. Eine objektive Überprüfung der Aussagen fehlt, sodass die Glaubwürdigkeit der Forscherin sowie der IPK eine große Gewichtung zukommt. Auch fehlen Fremdeinschätzungen durch Experten oder AvIP, sodass ein kritischer Abgleich mit der tatsächlich gezeigten Performance oder der Wirkung ausbleibt. Methodisch könnten zudem die Interviewführung, Transkription und Codierung unbeabsichtigt Einfluss auf die Interpretation genommen haben – trotz sorgfältiger Anwendung qualitativer Standards nach Mayring.

6.5 Vorschläge für zukünftige Forschung

Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass sich die Selbsteinschätzung von IPK als aussagekräftiges Instrument zur Einschätzung ihrer KK insbesondere dann erweisen kann, wenn sie mit qualitativen Reflexionen und Beispielen angereichert ist. Künftige Forschung sollte jedoch systematisch überprüfen, wie valide diese Einschätzungen im Abgleich mit Fremdwahrnehmungen tatsächlich sind. Dazu wären Feldstudien nötig, die zeitgleich IPK und AvIP befragen sowie deren Interaktion neutral beobachten. Nur so kann die Angemessenheit und Effektivität im Sinne des rKKM belastbar beurteilt werden. Ebenso braucht es dringend nationale Langzeitstudien zur Inzidenz von PTBS und PICS-F bei AvIP, um die Prävalenz und die Morbidität auf deutscher Ebene zu kennen.

Ein weiterer wichtiger Forschungsbereich betrifft die Frage nach Cut-Off-Werten (Schwellenwerten) für defizitäre (uneffektive / unangemessene) Angehörigenkommunikation. Hier wäre zu klären, ob sich aus bestimmten Verhaltens- oder Haltungsmerkmalen verlässlich Indikatoren für Unterstützungsbedarf ableiten lassen – und wie diese in der Praxis handhabbar gemacht werden können.

Zudem sollte untersucht werden, welchen konkreten Einfluss berufliche Erfahrung, strukturelle Rahmenbedingungen und interaktive Schulungen auf die KK nehmen. Gerade weil in der vorliegenden Studie keiner der Befragten gezielt an Fortbildungen zur Angehörigenkommunikation teilgenommen hatte, aber dennoch hohe Kompetenzausprägungen sichtbar wurden, wäre die isolierte Wirkung solcher Schulungsmaßnahmen zu evaluieren.

Nicht zuletzt wäre es wünschenswert, interdisziplinäre Forschungsprojekte durchzuführen, in denen Pflege, Psychologie und Kommunikationswissenschaft gemeinsam neue Handlungsmodelle entwickeln und deren Wirksamkeit in der realen Intensivpraxis evaluieren – etwa im Rahmen von Pilotstationen mit systematisch verankerter Angehörigenarbeit.

7 Fazit

Die qualitative Analyse zeigt deutlich, dass die befragten IPK über eine hohe KK im Umgang mit AvIP verfügen. Ihre Aussagen belegen ein reflektiertes, empathisches und beziehungsorientiertes Kommunikationsverhalten, das sich stark an den Dimensionen des FSM und des rKKM orientiert.

Auch wenn einzelne IPK ihre KK in der Selbsteinschätzung eher zurückhaltend bewerten, ergab die qualitative Auswertung keine gravierenden Defizite. Vielmehr wurde deutlich, dass fast alle Aspekte des FSM in den Gesprächsbeschreibungen ohne nennenswerte Lücken abgedeckt wurden. Diskrepanzen zwischen Selbsteinschätzung und tatsächlicher kommunikativer Performance traten nur vereinzelt auf. Daraus lässt sich schließen, dass die Selbsteinschätzung der IPK – sofern sie theoriegeleitet und qualitativ kontextualisiert erfolgt – eine realitätsnahe Aussagekraft besitzt.

Im Vergleich zur Studien von Jin et al., in denen IPK ihre kommunikativen Fähigkeiten im Umgang mit Angehörigen deutlich kritischer einschätzten und größere Schwierigkeiten angaben, zeigen sich bei den hier befragten IPK durchweg höhere Einschätzungen und kaum nicht zu bewältigende Probleme. Diese Differenz lässt sich vermutlich auf Unterschiede im Erfahrungsniveau, im Interviewsetting sowie auf den qualitativen Fokus dieser Untersuchung zurückführen. Zugleich stützt der Vergleich die Plausibilität der vorliegenden Ergebnisse und unterstreicht den Wert theoriegeleiteter, tiefenanalytischer Auswertungen zur Einschätzung der KK.

Gleichzeitig macht die Analyse deutlich, dass gelingende Angehörigenkommunikation nicht allein auf individueller Kompetenz beruht. Strukturelle, organisatorische und institutionelle Rahmenbedingungen beeinflussen die Kommunikation wesentlich – teils hemmend. So wurde beispielsweise das Intensivtagebuch von keiner der befragten IPK aktiv genutzt, obwohl dessen Nutzen für Angehörige allgemein anerkannt ist. Die Ergebnisse unterstreichen daher die Notwendigkeit, sowohl praxisnahe Fortbildungen als auch interdisziplinäre Austauschformate zu fördern – flankiert von strukturellen Veränderungen, die Angehörigenarbeit im intensivpflegerischen Alltag sichtbarer, verlässlicher und wirksamer verankern.

Diese Arbeit liefert damit nicht nur empirische Hinweise auf die Aussagekraft pflegerischer Selbsteinschätzungen zur KK, sondern eröffnet auch Perspektiven für zukünftige Forschung – etwa im Hinblick auf die Fremdwahrnehmung, geeignete Evaluationsinstrumente sowie die Zusammenhänge zwischen Berufserfahrung, Fortbildung und Kompetenzentwicklung.

8 Ausblick

Die Ergebnisse dieser Arbeit unterstreichen, dass erfahrende IPK – auch ohne Schulungen - über eine hohe KK in Bezug auf die Angehörigenarbeit verfügen können und einen Ausbau der tiefergehenden Angehörigenarbeit begrüßen würden (z.B. das Mitwirken von „Angehörigen-Cafés“ oder manualisierte Angehörigenedukation). Zukünftig sollte der Fokus stärker darauf liegen, wie diese Fähigkeiten systematisch bei jungen bzw. unerfahrenen IPK gefördert, strukturell eingebettet und multiprofessionell ergänzt werden können. Ebenso sollte überlegt werden, die Angehörigenarbeit vermehrt Kollegen zu überlassen, die Freude daran haben und diese IPK als Multiplikatoren zu fördern.

Dazu zählt die Entwicklung praxistauglicher Fortbildungskonzepte ebenso wie die Integration angehörigenfreundlicher Strukturen in den Stationsalltag. Eine verstärkte Nutzung von digitalen Medien, künstlicher Intelligenz und gruppenbasierter Methoden zur Angehörigenedukation (z.B. erklärende Videoclips, Modelle, Chatberatung) sind schnell umsetzbare Konzepte, um autodidaktische Lernprozesse zu ermöglichen und zu fördern, die AvIP auch im familiär-vertrauten Umfeld umsetzen können und sämtliche Familienmitglieder erreicht. Standardisierte Handlungsempfehlungen / Manuale, räumliche Rahmenbedingungen und Supervisionsangebote sind langfristige Forderungen. Universelle Bevölkerungsaufklärung über das intensivmedizinische Setting oder die proaktive Familienberatung durch die Sozialversicherer, wären ein präventiver Ansatz, der durch andere Akteure im Gesundheitssystem aufgegriffen werden muss. Ein Anfang wäre die Einführung der Negativverfügung bei der Organspende, sodass AvIP und ITS-Teams aus dem Dilemma der ad hoc SDM herauskommen.

Ein bisher vernachlässigter Forschungsbereich betrifft die psychosozialen Folgen für Angehörige – insbesondere im Hinblick auf PICS-F oder PTBS nach extrem belastenden Intensiverfahrungen. Der Großteil der bisherigen Evidenz stammt aus dem amerikanischen Raum und lässt sich nur eingeschränkt auf das deutsche Versorgungssystem übertragen. Dabei ist bekannt, dass Faktoren wie Armut, fehlende Sozialversicherung, eine ambulante Laienversorgung oder ein arbeitgeberfreundlicher Kündigungsschutz, die Existenz bzw. das Wohlbefinden bedrohen und dies insbesondere auf US-amerikanische Lebenswelten zutrifft – Umstände, die so in Deutschland undenkbar sind. Um belastbare Aussagen für den hiesigen Kontext zu treffen, braucht es dringend mehr deutschsprachige, kontextsensitive Studien, die auch soziale Sicherung, kulturelle Prägung und institutionelle Versorgungslogiken berücksichtigen.

Langfristig könnte so ein praxisnahes, evidenzbasiertes Modell entstehen, das auf dem Prinzip der förderlichen Umgebung und der innewohnenden Dynamik der Selbstaktualisierung beruht.

„ Der Mensch ist kein Ding, sondern ein Lebewesen, das in einem fortlaufenden Entwicklungsprozess begriffen ist. An jedem Punkt seines Lebens ist er noch nicht das, was er sein kann und was er möglicherweise werden kann.“ Erich Fromm

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Anhang

A Vorabinformation FSM

Interview Vorabinformationen über die Thematik und das FSM

Das Gruppeninterview dient der Untersuchung der Kommunikationskompetenz von Intensivpflegekräften in Hinblick auf die Angehörigenarbeit am Bett. Insbesondere wird betrachtet, wie die Prinzipien des Facilitated Sensemaking Model (FSM) nach Davidson während der Pflegetätigkeit im Patientenzimmer angewendet werden und wie ihr euerer Erfahrung nach, mit Angehörigen am Patientenbett umgeht. Mein Ziel ist es, durch Eure Erfahrungen, Meinungen und Einschätzungen, wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen, die der Allgemeinheit zukommt. Damit alle gleichermaßen zum FSM informiert sind, hier eine Zusammenfassung:

Das amerikanische FSM beschreibt, wie Intensivpflegekräfte die Angehörigen von Intensivpatienten in kritischen Situationen unterstützen können. Ziel ist es, den Angehörigen dabei zu helfen, die Situation ihres geliebten Menschen zu verstehen, zu akzeptieren und in den Entscheidungsprozess einzubinden.

FSM betont fünf zentrale Prinzipien einer förderlichen Angehörigenkommunikation:

1. Proaktive Information: Angehörige sollten ohne nachfragen zu müssen, kontinuierlich, verständlich und empathisch über den Zustand des Patienten und den Behandlungsprozess informiert werden.
2. Emotionale Unterstützung: Pflegekräfte sollten auf emotionale Bedürfnisse eingehen und empathisch auf Ängste und Sorgen reagieren.
3. Partizipation ermöglichen: Angehörige sollten, wenn möglich bzw. entsprechend ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten, aktiv in die Versorgung einbezogen werden.
4. Individuelle Anpassung: Kommunikation sollte an die individuellen Bedürfnisse, Hintergründe und Fähigkeiten der Angehörigen angepasst sein.
5. Langfristige Begleitung: Die Unterstützung endet nicht abrupt , sondern sollte Angehörigen helfen, die veränderte Realität zu bewältigen.

Informationen zum Ablauf des Gruppeninterviews

Das Gruppeninterview mit 4-5 TeilnehmerInnen wird von Frauke Nierlein online moderiert und dauert etwa 45 Min. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Ihre ehrlichen Einschätzungen und Erfahrungen sind von großer Bedeutung für die Untersuchung. Ich bitte alle Teilnehmer, sich aktiv am Gespräch zu beteiligen und gegenseitig ausreden zu lassen.

Hinweise zum Verhalten und zur Vertraulichkeit:

I. Vertraulichkeit: Alle persönlichen Aussagen, die während des Interviews getroffen werden, bleiben innerhalb der Gruppe und dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden.

II. Respekt: Jeder Teilnehmer hat das Recht auf seine eigene Meinung. Gegenseitiger Respekt und eine wertschätzende Kommunikation sind besonders wichtig.

III. Freiwilligkeit: Ihre Teilnahme ist freiwillig. Falls Sie eine Frage nicht beantworten möchten, können Sie dies jederzeit mitteilen.

IV. Anonymität: Die gewonnenen Daten werden anonymisiert und nur für wissenschaftliche Zwecke genutzt.

Falls Sie Fragen haben oder weitere Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte an Frauke Nierlein, * frauke.nierlein@stud.mobile-university.de.

Ich freue mich auf Ihre Teilnahme und bedanke mich für Ihre Mithilfe an meiner Bachelorarbeit in Klinischer Psychologie und Rehabilitationspsychologie.

Mit freundlichen Grüßen Frauke Nierlein, SRH-Fernhochschule

B Interviewleitfaden

Strukturierter Interviewleitfaden

Begrüßung und Einleitung:

- Ich will eure Sichtweise der Dinge hören.
- Es gibt keine falschen oder richtigen Antworten.
- Habt ihr alle die Info zum FSM gelesen?
- Als Kurzinfo wiederhole ich das FSM noch einmal, bevor wir mit dem Interview beginne.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Um Fehler in der Sprachaufzeichnung zu reduzieren, bitte ich euch möglichst nicht durcheinander zu reden.
- Jeder von euch hat eine Datenschutzerklärung von mir erhalten. Mit eurer Teilnahme stimmt ihr einer Audioaufzeichnung zu. Wer das nicht möchte, kann sich jetzt aus dem Chat ausschalten.

Gut danke, die Aufzeichnung wird jetzt gestartet und ich beginne mit meinen Fragen.

Einstiegsfragen

1. Bitte erzählt mir nacheinander, wie für euch ein typisches Angehörigengespräch abläuft und welche Ziele ihr damit verfolgt?

>>Ok, danke nächste Frage

2. Welche Situation tritt dabei sehr häufig auf und worauf führt ihr das zurück?

>>Ok, danke, nächste Frage

3. Was sind für euch schwierige Angehörige?

>>Ok, danke (wiederholt sich nach jeder beendeten Antwortrunde)

>>Ich frage euch jetzt direkt nach eurer eigenen Einschätzung:

4. In welchem der fünf FSM-Bereiche fühlt ihr euch besonders kompetent und in welchem am wenigsten?

- proaktive Information,
- emotionale Unterstützung,
- Partizipation,
- individuelle Anpassung,
- langfristige Begleitung

Und jetzt die Selbsteinschätzung der Kommunikationskompetenz

5. Nachdem ihr euch selbst in den einzelnen FSM Bereichen eingeschätzt habt, würde ich jetzt gerne wissen, wie ihr eure Kommunikationskompetenz als Gesamtwert auf einer Skala von 1 (niedrig) bis 10 (optimal) einstufen würdet?

>>Danke und nun befrage ich euch zu den einzelnen Bereichen, die für Angehörigengespräche relevant sind.

Fachwissen

6. „Welchen Stellenwert hat für euch das fachliche Wissen, bei der Vermittlung des Patientenzustandes?

7. „Welche kommunikativen Fähigkeiten sind eurer Ansicht nach, in der Anfangsphase am wichtigsten?“

8. „Woran orientiert sich in kritischen Situationen euer Vorgehen, wenn Angehörige am Bett stehen?“

9. „Wie gelingt es euch, die Kommunikation zwischen einem intubierten Patient und dem Angehörigen zu verbessern?“

Soziale Fähigkeiten

10. „Woran erkennt ihr „schwierige Angehörige“ und welche deeskalierenden Möglichkeiten nutzt ihr?“

11. „Habt ihr eine schwierige Situation erlebt, bei der ihr das Angehörigenverhalten nachhaltig beeinflussen konntet?“

12. „Welche Strategien nutzt ihr gerne und was nervt euch besonders, wenn Angehörige zu Besuch sind“?“

Motivation

13. „In welchem Maß bereitet euch die Angehörigenarbeit Freude?“

14. „Wie wichtig sind für euch Rückmeldungen von Angehörigen?“

15. „Inwiefern macht ihr euch für eine Erweiterung von kommunikativen Fähigkeiten stark?“

(16.) Schlussfrage: „Welches Defizit oder welche Schwierigkeiten in der Angehörigenarbeit wurde hier nicht angesprochen, dass ihr jedoch als sehr wichtig betrachtet?“

Ok, danke >Stopp der Aufzeichnung<

Verabschiedung und Danke für eure Hilfe

C Kodierleitfaden und Auszüge relevanter Transkriptionen (Ankerbeispiele)

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

D Gesamtübersicht der erfassten Merkmale

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Legende:

- Name: Gruppe 1-3 und Anonymisierte IPK (1-5)
- Alter der IPK in Jahren
- BE: Berufserfahrung größer als (Jahre);
- Qualifikation: FWB (Fachweiterbildung) / GA (Allgemeine Krankenpflegeausbildung) / B.Sc.N., M.Sc.N, M.Sc.ICU (Pflegebezogenes Studium).
- SK: Sprachenkenntnisse (inkl. Muttersprache) A2-Niveau / alltägliche Verständigung möglich.
- FSM: optimal (alle 4 Bereiche) / gut (-1): exkl. langfristige Begleitung / defizitär (-2): exkl. langfristige Begleitung + weiterer Bereich.
- KK: Kommunikative Kompetenz zwischen 1 (niedrig) und 10 (hoch).
- ITS aktuell: aktuelle Disziplin der ITS:

Internistisch = Kardiologie, Gastroenterologie, Pulmonologie;

Interdisziplinär = Internistisch & Chirurgie gemischt;

KardioChg.= Kardiochirurgie; Neurologie = (inkl. Neurochirurgie);

Wean = Weaningstation Neurologie, Paraplegie, Pulmonologie

UnfallChg. = spezialisierte Unfallchirurgie /

Verbrennung = spezialisierte Verbrennungsstation.

- Bundesland: BW (Baden-Württemberg), BY (Bayern), HE (Hessen), RP (Rheinland-Pfalz), NRW (Nordrhein-Westfalen), SH (Schleswig-Holstein).
- VS = Versorgungstyp (Maximal / Uni 4; Regel + Spezialdisziplinen 3; Regel 2; Grund 1).
- BA = Beschäftigungsart (Leasing = deutschlandweiter Einsatz mit wechselnden Einsatzorten oder Fest-Anstellung bei einem Krankenhausanbieter).

[...]


1 Unter Angehörigen werden alle nahestehenden Bezugspersonen sowie alternativen Lebenspartnerschaften einbezogen und deren Beziehung hier vereinfacht als familiär verstanden.

2 Weitergebildete IPK, sowie akademische Intensivpflege Abschlüsse sind gleichgestellt. Sie haben weitreichendere Kompetenzen als Kollegen ohne Weiterbildung, die sie legitimieren bestimmte ärztliche Handlungen vorwegzunehmen bzw. zu übernehmen.Waydhas et al. (2024, S. 402).

3 IPK in Leiharbeit. Sie werden im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung kurzzeitig vom Krankenhausbetreiber gebucht. Ihre Qualifikation ist gleichwertig, jedoch sind sie meist weniger umfassend eingearbeitet. Laut DKG (2023) waren 2021 auf deutschen ITS etwa 5,2 Vollzeitstellen durch Leasingkräfte besetzt. (Deutsche Krankenhaus Gesellschaft [DKG] (2023, S. 4).

4 „Am Bett“ meint hier eine überwiegend bettseitige Präsenz / patientennahe Arbeit der IPK. Ihre originäre Aufgabe ist die Sicherung / Versorgung des Patienten. Eine Unterbrechung (z.B. Aufenthalt im Wartebereich, Besprechungsraum) darf nicht zur Minderversorgung des Patienten führen.

5 In diesem Kontext ist mit Therapeut auch Arzt oder Pflegekraft gemeint.

6 Qualifikations-Entwicklungs-Management

7 DIVI: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensivmedizin und Notfallmedizin

8 ICN: International Council of Nurses

9 Für Ehepartner gilt seit 2023 das Notvertretungsrecht nach § 1358 BGB. Alle anderen Angehörigen bedürfen eine Vorsorgevollmacht oder einen richterlichen BetreuungsbeschlussBundesamt für Justiz und Verbraucherschutz [BfJ] (2023).

10 DGF: Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e.V.

11 ICD-10: Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten 10. Version

12 WHO: Weltgesundheitsorganisation

13 LOC (Level of Care) I-II mind. eine Vitalorganfunktion (z.B. Respiration) ausgefallen oder insuffizient.

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Title: Qualitative Analyse der Kommunikationskompetenz deutscher Intensivpflegekräfte im Kontext der Angehörigenarbeit

Bachelor Thesis , 2025 , 116 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Frauke Nierlein (Author)

Psychology - Miscellaneous
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Details

Title
Qualitative Analyse der Kommunikationskompetenz deutscher Intensivpflegekräfte im Kontext der Angehörigenarbeit
College
SRH - Mobile University  (SRH)
Grade
1,0
Author
Frauke Nierlein (Author)
Publication Year
2025
Pages
116
Catalog Number
V1682630
ISBN (PDF)
9783389171240
ISBN (Book)
9783389171257
Language
German
Tags
Intensivpflege Kommunikationskompetenz Angehörigenarbeit Emotionale Arbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Frauke Nierlein (Author), 2025, Qualitative Analyse der Kommunikationskompetenz deutscher Intensivpflegekräfte im Kontext der Angehörigenarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1682630
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