Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Soziologie - Sonstiges

Schwellen des Sagbaren. Eine diskursanalytische Untersuchung meta-kommunikativer Debatten

Titel: Schwellen des Sagbaren. Eine diskursanalytische Untersuchung meta-kommunikativer Debatten

Masterarbeit , 2022 , 91 Seiten , Note: 1,65

Autor:in: Alexander Strunz (Autor:in)

Soziologie - Sonstiges
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Masterarbeit „Schwellen des Sagbaren“ untersucht, wie deutschsprachige Massenmedien und digitale Öffentlichkeiten die Grenzen legitimer Meinungsäußerung und Meinungsfreiheit (Art. 5 GG) verhandeln („Das wird man wohl noch sagen dürfen“, „Cancel Culture“, „Lügenpresse“). Auf Basis von Öffentlichkeit sowie Teil- und Gegenöffentlichkeiten wird „mediale Sagbarkeit“ als Kommunikationsraum beschrieben. Methodisch kombiniert die Arbeit Wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA) und Grounded Theory (theoretisches Sampling, Kodierung). Die Analyse rekonstruiert Deutungsmuster, Klassifikationen diskursiver Grenzüberschreitungen, Phänomenstrukturen und narrative Krisenerzählungen des Alltags.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung
  • 2. Thematisch-theoretischer Rahmen
    • 2.1 Forschungsstand zu Meinungsäußerungen im digitalen Zeitalter.
    • 2.2 Öffentlichkeit, Teil- und Gegenöffentlichkeiten
    • 2.3 Die digitale Funktion der Sagbarkeit.
  • 3. Der methodologisch-methodischer Rahmen gemäß der Wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA) in Kombination mit der Grounded Theory.
    • 3.1 Die Grounded Theory-Methodologie: Das „Theoretische Samplingʻ, die Bildung eines Untersuchungskorpus und Kodierungstechniken.
    • 3.2 Das methodische Vorgehen nach dem Interpretationsrepertoire der Wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA)
  • 4. Die Analyse
    • 4.1 Deutungsmuster: Diskurse zur Versprachlichung sozialer Wirklichkeit.
    • 4.2 Klassifikationen: Eine Taxonomie diskursiver Grenzüberschreitungen.
    • 4.3 Phänomenstrukturen: Konfligierende Dimensionen von diskursiven Feldern.
    • 4.4 Narrative Strukturen: Krisenhafte Erzählungen des Alltags
  • 5. Fazit
  • Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Diese Masterarbeit untersucht, wie sich die gegenwärtige diskursive Aushandlung von Grenzen der legitimen Meinungsäußerung in deutschsprachigen Massenmedien gestaltet. Dabei wird das Konzept der medialen Sagbarkeit genutzt, um die Dynamiken öffentlicher Kommunikationskonflikte im digitalen Zeitalter zu verstehen.

  • Aushandlung von Grenzen legitimer Meinungsäußerung
  • Diskurse und meta-kommunikative Debatten in Massenmedien
  • Einfluss der Digitalisierung auf Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeiten
  • Rolle von Schlagwörtern und Frames wie „Empörungsindustrie“, „Cancel Culture“ und „Lügenpresse“
  • Anwendung der Wissenssoziologischen Diskursanalyse und Grounded Theory
  • Mechanismen von Hate Speech, Desinformation und Polarisierung im Netz

Auszug aus dem Buch

Deutungsmuster „Empörungsindustrie“

„Die Welt' titelte im Jahr 2019 „Meinungsfaschismus und Empörungsindustrie“ (vgl. welt.de 21.09.2019), wodurch das Deutungsmuster der Empörungsindustrie journalistisch institutionalisiert wurde. Die verwendeten Komposita verweisen auf überzeichnete Reaktionsmuster, und die Vorstellung, dass Meinungen über Publikationsorgane gesteuert oder reguliert würden. Wenngleich nicht repräsentativ, so erscheint auch ein Artikel der Online-Version der Bild-Zeitung bezeichnend für den beleuchteten Diskurs um das medial Sagbare: In Bezug auf die jüngeren Krisenerscheinungen wurden verschiedene Personen der Öffentlichkeit interviewt. Der Psychologe Ahmad Mansour zeichnet ein Bild, in dem die mediale Berichterstattung einem ökonomischen Produktionsverhältnis folgt. Demzufolge führt die teils skandalierende Rezeption von Themen, wie Migration, Klima oder Corona zu einem regelmäßigen Echauffieren der Öffentlichkeit. Eine solche Reaktion des Publikums wird ebenso im Sinne des Deutungsmusters interpretiert, wonach sich Mediendiskurse anpassen würden: „Die Empörungsindustrie bestimmt den Diskurs“ (bild-online 19.06.2021). Es werden hier boulevardeske Tendenzen der Berichterstattung aufgeworfen, bei denen gesellschaftliche Komplexitäten typischerweise auf Emotionen reduziert werden. Mansur etwa präsentiert vermeintlich eindeutige Kausalitäten, die zu einer sozialen Polarisierung führen sollen: Dafür verantwortlich gemacht werden sowohl ein angeblich „radikale[s] Political-Correctness-Regime" (ebd.) als auch die Neue Rechte, die beide in einem Atemzug genannt werden. Durch den Einsatz von öffentlichen Sprecher:innen, wie Mansour, kann einerseits die Popularität öffentlicher Expert:innen genutzt werden, um das Gesagte zu plausibilisieren. Prägnante Begriffe wie die Empörungsindustrie finden sich andererseits auch in anderen Medienbeiträgen (vgl. welt.de 21.09.2019) oder alternativ in Form einer „Aufmerksamkeitsökonomie“ (t-online 15.09.2020). Letztlich verweist eine solche Vorstellung der Reproduktion von öffentlichen Empörungswellen auf die Kopplung zwischen Medienunternehmen und den zu erwarteten emotionalen Reaktionen seitens des Publikums.

Das Evozieren öffentlicher Empörung scheint im direkten Zusammenhang mit der Funktion von Massenmedien zu stehen. Die Schwelle des Sagbaren wird zu einem großen Teil über emotionalisierte Kommunikationen hervorgebracht. Emotionsmedien, wie es Eisenegger (2021a) als Symbol des dritten Strukturwandels der Öffentlichkeit beschreibt, erscheinen als prägender Faktor des aktuellen Mediensystems. Als kausal wird hierbei oft die Digitaltechnik genannt, denn diese solle als Katalysator sozialer Dynamiken dienen. Durch die potenzielle Sichtbarkeit und die typische Symbiose von Privatheit und Öffentlichkeit im Netz kann davon ausgegangen werden, dass Stoppregeln gegen ungewollte Veröffentlichungen kaum effektiv greifen: Der Diskurs um die (Re-)Produktion von öffentlichen Skandalen funktioniert daher reflexiv, insofern dabei Anknüpfungspunkte bereitstellt werden, durch die Empörungen über die öffentliche Empörung angebahnt werden. Betrachtet man wiederauftretende Empörungswellen aus einer solchen reflexiven Warten, dann finden sich Konsument:innen fast zwangsläufig als passive Opfer „im Auge des Orkans“ wieder, „wenn sich wieder einmal ein Shitstorm der Empörung entlädt“ (focus online 28.07.2021).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Forschungsfrage nach der diskursiven Aushandlung legitimer Meinungsäußerungsgrenzen in deutschsprachigen Massenmedien vor und kontextualisiert aktuelle Debatten um das Sagbare im digitalen Zeitalter.

2. Thematisch-theoretischer Rahmen: Hier wird der aktuelle Forschungsstand zu Meinungsäußerungen im digitalen Zeitalter diskutiert, Konzepte von Öffentlichkeit, Teil- und Gegenöffentlichkeiten vorgestellt sowie die digitale Funktion der Sagbarkeit theoretisch beleuchtet.

3. Der methodologisch-methodischer Rahmen gemäß der Wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA) in Kombination mit der Grounded Theory: Das Kapitel erläutert das angewandte Forschungsdesign, das die Wissenssoziologische Diskursanalyse mit der Grounded Theory Methodologie kombiniert, um eine zyklische und offene Analyse empirischer Daten zu gewährleisten.

4. Die Analyse: In diesem Hauptteil werden die gesammelten Mediendokumente interpretiert und anhand von Deutungsmustern, Klassifikationen, Phänomenstrukturen und narrativen Strukturen analysiert, um die Regeln des Diskurses um öffentliche Äußerungsgrenzen zu identifizieren.

5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, rekurriert auf die Forschungsfrage und beleuchtet die Rolle von Massenmedien, digitalen Plattformen und reflexiven Beobachtungen bei der Konstitution von Sagbarkeitsgrenzen.

Schlüsselwörter

Diskursanalyse, Sagbarkeit, Meinungsfreiheit, Digitale Öffentlichkeit, Social Media, Hate Speech, Cancel Culture, Grounded Theory, Wissenssoziologie, Plattform-Kapitalismus, Gegenöffentlichkeiten, Desinformation, Empörungsindustrie, Medienkritik, Polarisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie in den deutschsprachigen Massenmedien die Grenzen dessen, was als legitime Meinungsäußerung gilt, diskursiv ausgehandelt und geformt werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die digitale Öffentlichkeit, die freie Meinungsäußerung und ihre Grenzen, die Dynamiken von Hate Speech und Desinformation sowie die Rolle von Plattformen und sozialen Medien bei der Konstitution von Sagbarkeitsräumen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, wie sich die gegenwärtige diskursive Aushandlung von Grenzen der legitimen Meinungsäußerung in deutschsprachigen Massenmedien gestaltet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine Kombination aus Wissenssoziologischer Diskursanalyse (WDA) und der Grounded Theory Methodologie (GTM), um mediale Dokumente qualitativ zu analysieren und theoretische Erkenntnisse zyklisch zu entwickeln.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Analyse der erhobenen Mediendokumente anhand von Deutungsmustern, Klassifikationen, Phänomenstrukturen und narrativen Strukturen, die die Regeln und Prinzipien des Diskurses um öffentliche Äußerungsgrenzen herausarbeiten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Diskursanalyse, Sagbarkeit, Meinungsfreiheit, Digitale Öffentlichkeit, Social Media, Hate Speech, Cancel Culture und Plattform-Kapitalismus.

Welche Rolle spielen digitale Plattformen und Algorithmen bei der Aushandlung von Sagbarkeitsgrenzen?

Digitale Plattformen und Algorithmen beeinflussen die Sagbarkeitsgrenzen maßgeblich, indem sie die Verbreitung von Informationen steuern, Filterblasen und Echokammern bilden und eine Plattform-Kapitalismus-Logik der Aufmerksamkeitsökonomie fördern, die emotionalisierte Inhalte bevorzugt.

Wie wird das Konzept der „Empörungsindustrie“ im Kontext der medialen Diskussionen über Sagbarkeit verstanden?

Das Konzept der „Empörungsindustrie“ beschreibt die journalistische Praxis, überzeichnete Reaktionsmuster zu nutzen und Meinungen über Publikationsorgane zu steuern, wobei die Aufregung des Publikums zu einem ökonomischen Produktionsverhältnis wird.

Inwiefern unterscheiden sich „Filterblasen“ und „Echokammern“ und wie beeinflussen sie die öffentliche Meinung?

„Filterblasen“ werden als automatisierte Isolation durch Algorithmen verstanden, während „Echokammern“ auf der gegenseitigen Bestätigung von Akteur:innen basieren. Beide Konzepte beschreiben geschlossene Kommunikationsräume, die die öffentliche Meinung fragmentieren und Polarisierung verstärken können.

Wie trägt die Arbeit zum Verständnis von "Cancel Culture" im deutschsprachigen Raum bei?

Die Arbeit analysiert "Cancel Culture" als einen zentralen Begriff im Diskurs über Sagbarkeitsgrenzen, der entweder als Vorwurf der Meinungsbeschränkung oder als Kritik an deren Ausreizung dient und oft mit politischen Kampagnen oder dem Konzept der "Political Correctness" vermengt wird.

Ende der Leseprobe aus 91 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Schwellen des Sagbaren. Eine diskursanalytische Untersuchung meta-kommunikativer Debatten
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich Gesellschaftswissenschaften)
Note
1,65
Autor
Alexander Strunz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
91
Katalognummer
V1683227
ISBN (PDF)
9783389173572
ISBN (Buch)
9783389173589
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schwellen sagbaren eine untersuchung debatten
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Alexander Strunz (Autor:in), 2022, Schwellen des Sagbaren. Eine diskursanalytische Untersuchung meta-kommunikativer Debatten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1683227
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  91  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum