Schulverweigerung - ein Thema, das gerade im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen in Heimbetreuung häufig genannt und diskutiert wird. Doch wie äußern sich schulverweigernde Verhaltensweisen bei heimbetreuten Kindern und Jugendlichen im Einzelnen? Welche Auftretensformen, möglichen Hintergründe und Ursachen gibt es? Wie könnten Lösungsansätze bzw. pädagogische Handlungsperspektiven aussehen? Mit dem Versuch einer Beantwortung dieser Fragen beschäftigt sich vorliegendes Buch.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Teil I PHÄNOMEN SCHULAVERSION
1 Schulabsentismus (RICKING/NEUKÄTER)
1.1 Erscheinungsformen und Ursachen
1.1.1 Schulschwänzen
1.1.2 Schulverweigerung als Subkategorie
1.1.3 Zurückhalten
1.2 Theoretischer Zugang: Schulabsentismus im Rahmen einer ökolo gischen Erziehungswissenschaft – ein heuristisches Modell
1.2.1 Einflussfaktoren
1.2.2 Das ökologische Bedingungsfeld von Schulabsentismus
2 Schulaversion und Unterrichtsmeidende Verhaltensweisen (SCHULZE/WITTROCK)
2.1 Erscheinungsformen und Ursachen
2.1.1 Abzugrenzende, angrenzende Erscheinungsformen
2.1.2 Schulabsentismus als Subkategorie
2.1.3 Unterrichtsabsentismus
2.1.4 Unterrichtsverweigerung
2.2 Theoretischer Zugang: Unterrichtsmeidende Verhaltensweisen im feldtheoretischen Modell LEWINS
2.2.1 Die Feldtheorie nach Kurt LEWIN
2.2.2 Wirkfaktoren im Lebensraum eines Schülers mit unterrichtsmeidenden Verhaltensweisen
2.2.3 Schulvermeidendes Verhalten als Konsequenz ungelöster Konfliktsituationen
3 Schulverweigerung (THIMM)
3.1 Erscheinungsformen und Ursachen
3.1.1 Schulverdrossenheit
3.1.2 Aktionistische Schulverweigerung
3.1.3 Vermeidende Schulverweigerung (Absentismus)
3.1.4 Schulabbruch
3.2 Theoretischer Zugang: Schulverweigerung in einem multiperspektivischen Modell
3.2.1 Risikofaktoren im Zusammenhang mit der Entstehung von Schulverweigerung
3.2.2 Schulverweigerung in subjekt- und prozesstheoretischer Bewältigungsperspektive
4 Fazit
Teil II Schulverweigerung bei Kindern und Jugendlichen in Heimbetreuung
5 Das Heimkind als Schulkind
5.1 Zugang zur Heimerziehung
5.2 Schulschwierigkeiten und Heimunterbringung
5.3 Schule aus der Sicht von heimbetreuten Kindern/Jugendlichen
6 Erscheinungsformen und Ursachen von Schulaverweigerung bei heimbetreuten Kinder und Jugendlichen
6.1 Auftretensformen
6.2 Hintergründe der schulverweigernden Verhaltensweisen
6.2.1 Schulverweigerung und Familie
6.2.2 Schulverweigerung und Einrichtung
6.2.3 Schulverweigerung und peer-group
6.2.4 Schulverweigerung und Schule
7 Zusammenfassung
Teil III Handlungsperspektiven für Heim und Schule beim Umgang mit schulverweigernden Kindern und Jugendlichen
8 Prävention
8.1 Möglichkeiten für Heimeinrichtungen
8.2 Möglichkeiten für Schulen
9 Kooperation zwischen Heim und Schule
9.1 Schwierigkeiten in der Kooperation
9.1.1 Schule und sozialpädagogische Jugendhilfe als funktionsdifferenzierte Systeme
9.1.2 Unterschiede zwischen Heim und Schule
9.2 Fallbezogene Kooperation – Sozialpädagogisches Fallverstehen
10 Interventionsmöglichkeiten bei massiver Schulverweigerung – Angebote außerhalb des Regelschulsystems
10.1 Projekt Schulstation „Robinson“
10.1.1 Zielgruppe
10.1.2 Ziele
10.1.3 Anforderungen an die Lehrer und Erzieher
10.1.4 Inhaltliche Ausgestaltung
10.2 SCHULTZ – HENCKE – HEIME
10.2.1 Zielgruppe
10.2.2 Ziele
10.2.3 Theoretischer Hintergrund: Lernpsychotherapie
10.2.4 Inhaltliche Ausgestaltung
11 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auftretensformen und Hintergründe von schulaversivem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen in stationären Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung und erarbeitet sozialpädagogische Handlungsperspektiven.
- Analyse wissenschaftlicher Erklärungsmodelle (Ricking/Neukäter, Schulze/Wittrock, Thimm)
- Untersuchung der spezifischen Lebenswelt heimbetreuter Kinder
- Herausarbeitung von Schwierigkeiten in der Kooperation zwischen Heim und Schule
- Vorstellung von Interventionsangeboten wie der Schulstation „Robinson“ und den „Schultz-Hencke-Heimen“
Auszug aus dem Buch
Die Feldtheorie nach Kurt LEWIN
Im Mittelpunkt der feldtheoretischen Betrachtung steht der Mensch in seinem Lebensraum. Das von LEWIN entwickelte Konstrukt Lebensraum ist die subjektiv erlebte Umwelt einer Person, deren „vielfältige Einflußfaktoren in Form von Sinn- und Bedeutungsqualitäten Verhalten steuern“. Folglich besteht der Lebensraum aus Bedürfnissen, Zielen, Einflüssen, Wünschen etc. – Faktoren, von denen das menschliche Verhalten unmittelbar abhängig ist. Die sich im Laufe des Lebens ändernden Faktoren bewirken somit ebenfalls eine Änderung des Lebensraumes.
Die Beziehungen zwischen der Person und ihrer Umwelt wird durch die universelle Gleichung Verhalten (V) ist eine Funktion (f) von der Person (P) und ihrer Umwelt (U) beschrieben (V = f (P, U)).
Innerhalb des Lebensraumes existieren die verschiedensten Räume, die subjektiv sowohl positiv als auch negativ besetzt sein können. LEWIN nennt dies Valenz bzw. Aufforderungscharakter eines Raumes. Menschen handeln immer in unmittelbarer Abhängigkeit zu diesen Valenzen, d.h. besitzt z.B. ein Raum eine negative Valenz, ist die Person bestrebt, diesen zu meiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Schulabsentismus (RICKING/NEUKÄTER): Die Autoren bieten einen Überblick über das Phänomen durch verschiedene Kategorien des Fernbleibens von der Schule und führen einen ökologischen Erziehungsansatz ein.
2 Schulaversion und Unterrichtsmeidende Verhaltensweisen (SCHULZE/WITTROCK): Dieses Kapitel nutzt Kurt Lewins Feldtheorie, um zu erklären, wie unterschiedliche Wirkfaktoren im Lebensraum eines Schülers zu unterrichtsmeidendem Verhalten führen.
3 Schulverweigerung (THIMM): Hier wird Schulverweigerung als komplexes Bewältigungshandeln in einem multiperspektivischen Modell dargestellt, das die subjektive Sicht des Schülers in den Vordergrund rückt.
5 Das Heimkind als Schulkind: Dieses Kapitel beleuchtet den Zugang zur Heimerziehung und die spezifischen Schulprobleme, die viele Kinder bei ihrer Fremdunterbringung bereits mitbringen.
6 Erscheinungsformen und Ursachen von Schulaverweigerung bei heimbetreuten Kinder und Jugendlichen: Hier werden die Auftretensformen von Schulverweigerung in Heimeinrichtungen analysiert und die Rolle von Familie, Einrichtung und Peer-Group untersucht.
8 Prävention: Dieses Kapitel schlägt konkrete Möglichkeiten für Heimeinrichtungen und Schulen vor, um der Entstehung von Schulverweigerung entgegenzuwirken.
9 Kooperation zwischen Heim und Schule: Es werden die systemischen Unterschiede zwischen Schule und Jugendhilfe dargelegt und fallbezogene Kooperationsmodelle empfohlen.
10 Interventionsmöglichkeiten bei massiver Schulverweigerung – Angebote außerhalb des Regelschulsystems: Dieses Kapitel stellt Praxisbeispiele vor, wie etwa die Schulstation „Robinson“ oder die Schultz-Hencke-Heime, die als Übergangslösungen für massiv schulverweigernde Jugendliche fungieren.
Schlüsselwörter
Schulaversion, Schulverweigerung, Schulabsentismus, Heimerziehung, Unterrichtsmeidung, ökologisches Modell, Feldtheorie, Bewältigungshandeln, Kooperation, Jugendhilfe, Interventionsmöglichkeiten, Schulfähigkeit, Sozialpädagogik, Schüler, Lernpsychotherapie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem schulaversiven Verhalten von Kindern und Jugendlichen, die in stationären Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung (§ 34 SGB VIII) leben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretische Erfassung von Schulaversion, die Analyse der Ursachen für dieses Verhalten bei Heimkindern sowie die Erarbeitung von Handlungsperspektiven für eine gelingende Kooperation zwischen Heim und Schule.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, den wissenschaftlichen Forschungsstand zu Schulaversion aufzuarbeiten und pädagogische Lösungsansätze zu identifizieren, die Schülern bei der Reintegration in den Schulalltag helfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Aufarbeitung verschiedener Forschungsansätze (u.a. Ricking/Neukäter, Schulze/Wittrock, Thimm) sowie der Einbeziehung von Praxisbeispielen aus der Heimerziehung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Zugänge zum Phänomen Schulverweigerung definiert, danach die Situation von Heimkindern analysiert und abschließend Interventionsmöglichkeiten und Kooperationsmodelle diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Schulverweigerung, Heimerziehung, Sozialpädagogik, Interventionsangebote und Kooperationsmodelle charakterisieren.
Was versteht man unter dem in der Arbeit genannten Projekt „Robinson“?
Das Projekt „Robinson“ ist eine Schulstation im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, die als Angebot außerhalb des Regelschulsystems massiv schulverweigernde Jugendliche bei ihrer Reintegration unterstützt.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von Heim und Schule laut der Untersuchung von Thimm?
Thimm stellt dar, dass Schule stark durch Leistungsnormen und Pflicht geprägt ist, während die Jugendhilfe einen dialogischen, beziehungsorientierten und am Individuum ausgerichteten Ansatz verfolgt, was eine Kooperation strukturell erschwert.
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- Evelyn Pluta (Author), 2003, Schulverweigerung bei Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung nach § 34 SGB VIII, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16833