Seit Veröffentlichung der PISA-Studie 2000 Ende des Jahres 2001, finden in ganz
Deutschland heftige Diskussionen bezüglich des hiesigen Bildungssystems statt. Der Grund
dafür ist das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler beim internationalen
Schülerleistungsvergleich. Auch der innerdeutsche Leistungsvergleich (PISA-E) brachte teils
erschreckende Ergebnisse hervor.
Die neuesten Veröffentlichungen dieses Jahres zum Thema Lehrerwillkür bei der
Notenvergabe haben die Diskussionen über das Schulwesen in Deutschland und vor allem
über das Verhalten und die Qualifikation der Lehrer abermals entfacht.
In all diesen Gesprächen werden nicht nur die vorliegenden Ergebnisse bewertet, beurteilt
bzw. kommentiert und Kritik am gesamten innerdeutschen Bildungssystem geäußert, sondern
es werden auch viele Vorschläge zu Reformen des Systems dargestellt.. Die Rolle des Lehrers
wird dabei ebenso betrachtet wie die Schüler, die Schule als Institution und das Schul- und
Bildungssystem im Ganzen. Es zeigt sich derzeit, dass es unterschiedlichste Ansichten bzw.
Ansatzpunkte gibt, um ein Muster für eine grundlegende Reform des deutschen
Bildungssystems zu entwickeln. Ein Ziel haben alle gemeinsam: die Leistung der deutschen
Schüler soll verbessert und den internationalen Standards angeglichen werden; die Qualität
deutscher Schulen soll gesteigert werden. Doch welche dieser Änderungen sind tatsächlich
notwendig bzw. realisierbar und vor allem, welche spezielle Rolle spielt dabei der Lehrer?
Zu Beginn meiner Ausführungen werde ich kurz PISA, deren Untersuchungsschwerpunkte
und die entsprechenden Ergebnisse erläutern. Dann werde ich kurz auf einige Interpretationen
der PISA-Ergebnisse und auf aktuelle Reformvorschläge zum deutschen Bildungssystem
eingehen.
Einige der möglichen Reformen basieren besonders auf der Rolle des Lehrers. Diese werde
ich näher betrachten und dabei insbesondere auf die Frage eingehen, welche Bedeutung
Lehrer heutzutage an deutschen Schulen und in der Gesellschaft haben und welche
Auswirkungen das Lehrerverhalten auf die Leistung und die Motivation von Schülern haben
kann.
Vier Verhaltenstypen werde ich auf Grundlage der Lehrertypologie von Caselmann genauer
erläutern und dabei die Möglichkeit einer Lehrerevaluation beschreiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. PISA 2000 und die Folgen
2.1 Was ist PISA?
2.2 Ergebnisse der PISA-Studie 2000
2.2.1 Lesekompetenz
2.2.2 Mathematische Grundbildung
2.2.3 Naturwissenschaftliche Grundbildung
2.3 Diskutierte Vorschläge zur Verbesserung der Schülerleistungen in Deutschland
2.3.1 Sozialer Hintergrund
2.3.2 Kinder zugewanderter Familien
2.3.3 Institutionelle Kritikpunkte
2.3.4 Lehrer und Lehrerausbildung
2.4 Zusammenfassung des ersten Themenkomplexes
3. Lehrerverhalten und Auswirkungen
3.1 Der Beruf (die Berufung) des Lehrers
3.1.1 Das Modell Lehrertypologie nach Christian Caselmann
3.1.2 Verhaltensformen und Interaktionsdimensionen als Modelle nach R. und A.-M. Tausch
3.2 Zusammenfassung des zweiten Themenkomplexes
4. Abschließende Schlussfolgerungen
5. Anlagen
5.1 Anlage 1: An PISA 2000 teilnehmende Staaten
5.2 Anlage 2: Die PISA-Studie im Überblick
5.3 Anlage 3: Das Modell Lehrertypologie nach Caselmann
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen dem Lehrerverhalten und den Leistungen von Schülern vor dem Hintergrund der PISA-Studie 2000. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, inwieweit das Lehrerverhalten die schulischen Leistungen und die Motivation beeinflussen kann und welche Bedeutung dem Lehrer in einem reformbedürftigen Bildungssystem zukommt.
- Analyse der PISA 2000 Ergebnisse und deren Implikationen für das deutsche Schulsystem
- Diskussion aktueller bildungspolitischer Reformvorschläge
- Untersuchung der Rolle des Lehrers und der Bedeutung des Berufsfeldes
- Erläuterung der Lehrertypologie nach Christian Caselmann
- Darstellung von Interaktionsmodellen nach R. und A.-M. Tausch
Auszug aus dem Buch
1.1 Das Modell Lehrertypologie nach Christian Caselmann
Typologie und Lehrertypen haben eine lange Tradition, dennoch beinhalten sie auch Nachteile. Bestimmte Handlungs- und Verhaltensweisen, Persönlichkeitsmerkmale und Eigenschaften werden unter einem Begriff zusammengefasst. Dadurch wird zwar eine schnelle Zuordnung von Personen möglich, doch der Nachteil besteht eindeutig in der mangelhaften Differenzierung. In der modernen Forschung werden daher die Typologien weitgehend von den Dimensionen der Persönlichkeit abgelöst. Auch Caselmann nimmt deshalb eine Erweiterung seines Modells durch eine Merkmalsdimension vor.
Die von dem Bildungstheoretiker Christian Caselmanns (1889-1979) bereits in den 50er Jahren entwickelte Lehrertypologie wird als idealtypisch angesehen. Er geht davon aus, „dass die Lehrerpersönlichkeit im Unterrichtsprozess als eine zentrale Figur anzusehen ist“ (Kron, Friedrich W. 1994, S. 207) Zwei, die Persönlichkeitsstruktur bestimmende, Grundqualifikationen werden von ihm als sogenannte „must haves“ eines jeden Lehrers angesehen – die „fachliche Qualifikation“ sowie die „erzieherische Kompetenz“. „Eine sachliche, d.h. fachbezogene, und eine persönliche, d.h. wertorientierte Grunddimension bilden die Gesamtpersönlichkeit“ (Kron, Friedrich W. 1994, S. 207). Deshalb müssen beide Dimensionen in der Lehrerbildung ausgebildet werden. Damit jeder Lehrer angemessen unterrichten kann, ist es notwendig, dass er sich selbst kennt und seinen individuellen Schwerpunkt bezüglich der genannten Grunddimensionen einzuordnen weiß. Genau dies ist auch die Motivation bzw. das Ziel, das Caselmann mit seiner Lehrertypologie-Forschung verfolgt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die bildungspolitische Diskussion in Deutschland nach der PISA-Studie 2000 und skizziert die Fragestellung nach der Rolle des Lehrers.
2. PISA 2000 und die Folgen: Dieses Kapitel liefert eine grundlegende Einführung in PISA, erläutert die Testergebnisse in den verschiedenen Kompetenzbereichen und diskutiert strukturelle Reformansätze.
3. Lehrerverhalten und Auswirkungen: Das Kapitel widmet sich dem Lehrerberuf und nutzt theoretische Modelle von Caselmann sowie Tausch/Tausch, um Zusammenhänge zwischen Lehrerpersönlichkeit, Verhalten und Schülerleistung zu erklären.
4. Abschließende Schlussfolgerungen: Hier wird resümiert, dass dem Lehrer eine Teilverantwortung für die Schülerleistungen zukommt, wobei die Komplexität des Bildungssystems die Suche nach einfachen Lösungen erschwert.
Schlüsselwörter
PISA 2000, Lehrerverhalten, Schülerleistung, Bildungssystem, Lehrertypologie, Christian Caselmann, Unterrichtsforschung, Lehrer-Schüler-Beziehung, Erziehungswissenschaft, Professionalität, Didaktik, Schulentwicklung, Leistungsspreizung, Interaktionsdimensionen, pädagogische Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des Lehrerverhaltens auf die Leistungen und die Motivation von Schülern im Kontext der deutschen Bildungsdebatte nach der PISA-Studie 2000.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentrale Themen sind die PISA-Ergebnisse, die Kritik am deutschen Schulsystem, das professionelle Selbstverständnis von Lehrkräften sowie wissenschaftliche Modelle zur Lehrerpersönlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Lehrkräften auf den Lernerfolg zu analysieren und zu klären, inwieweit professionelles Lehrerverhalten als Hebel zur Verbesserung der Schülerleistungen dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender pädagogischer Theorien und empirischer Forschungsansätze, insbesondere durch die Typologien von Caselmann und die Interaktionsmodelle von Tausch/Tausch.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die PISA-Ergebnisse, Reformvorschläge, die Definition des Lehrerberufs sowie spezifische psychologische Modelle, die das Lehrerverhalten und dessen Wirkung auf Schüler klassifizieren.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind PISA 2000, Lehrerverhalten, Schülerleistung, Lehrertypologie, pädagogische Kompetenz und Lehrer-Schüler-Interaktion.
Wie unterscheidet Caselmann zwischen Lehrertypen?
Caselmann unterscheidet primär zwischen logotropen (wissensorientierten) und paidotropen (kindorientierten) Lehrertypen, die jeweils durch weitere Merkmalsdimensionen differenziert werden.
Was besagt das Modell von R. und A.-M. Tausch?
Das Modell postuliert, dass die Lehrer-Schüler-Beziehung eine Interaktion ist, bei der das Lehrerverhalten maßgeblich die sozial-emotionale Entwicklung und das Verhalten der Schüler prägt.
- Quote paper
- Dajana Kneifel (Author), 2003, Der Lehrer und seine Schüler nach PISA 2000 - Wechselwirkungen zwischen dem Lehrerverhalten und den Schülerleistungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16837