Der Denkmalstreit in Düsseldorf und seine Gründe


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Denkmalstreit
2.1 Das Kunstwerk im Detail
2.2 Die drei Figuren
2.2.1 Die Lyrik
2.2.2 Die Satire
2.2.2 Die Melancholie

3. Heine und seine Kritiker

4. Heine und die Politik
4.1. „Deutschland ein Wintermärchen“
4.2. „Die schlesischen Weber“

5. Das Ende des Denkmalstreites

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Heinrich Heine gilt als einer der bekanntesten Dichter und Journalisten im 19. Jahrhundert. Von so vielen wurde er geliebt, von nicht weniger Menschen gehasst. Heines Schaffen war schon zu Lebzeiten äußerst umstritten. Für die einen war er der große Dichter, für die anderen ein Verräter am deutschen Volke. Deshalb ist es auch kaum verwunderlich, warum Heinrich Heine erst lange nach seinem Ableben die Ehrung zuteil wurde, welche ihm zustand. Eine Statue sollte es sein, ein Erinnerungsstück in seiner Geburtsstadt Düsseldorf. Doch der Dichter und sein Erbe waren besonders für Konservative, Nationalisten und Antisemiten ein Graus. Deshalb setzen sie nach jahrelanger Diskussion durch, dass Heine kein Denkmal in Düsseldorf geschaffen werden sollte. Mit der nun folgenden Hausarbeit möchte ich einen Blick auf die Frage werfen, warum Heine bis heute zu einem der umstrittensten Dichter und Denker seiner Zeit gehört, was seine Gegner gegen ihn aufbrachte, welche Überzeugungen er vertrat und wieso das alles dazu führte, dass Heine erst mehrere Jahrzehnte nach seinem Tode in Deutschland geehrt wurde. Hierzu ist es notwendig einige ausgewählte Werke des Dichters heranzuziehen, denn diese spiegeln in einer vortrefflichen Art und Weise Heines Denken und Weltanschauungen wieder. Auch ein kurzer Blick in Heines wechselhafte Biografie ist für diese Arbeit notwendig. Was verband den Dichter mit den kommunistischen Ideen von Karl Marx und Friedrich Engel? Und waren es nicht genau diese politischen Prägungen und Einflüsse, welche Heines Ehrung in einem Deutschland des endenden 19. Jahrhunderts unmöglich machten? Kritiker hatte er zu Lebzeiten und auch postum genug. Zu den bekanntesten zählt der Literaturkritiker Adolf Bartels, welcher die Idee zu einer Gedenkstatue in Düsseldorf in seinem Aufsatz „Heinrich Heine. Auch ein Denkmal“ als „Kotau vor dem Judentum“ bezeichnete. Heine selbst wurde von Bartels als „Decadence-Juden“ verunglimpft. Heines Gegner setzen vor allem an dessen jüdischer Herkunft an, worunter der Dichter zeitlebens zu leiden hatte, obwohl er sich im Jahre 1825 in Heiligenstadt protestantisch taufen ließ.

Dass Heine zu Lebzeiten leider viel zu oft verkannt wurde und sein wahres Schaffen erst lange nach seinem Tod deutlich wurde, beweißt ein Zitat des Literaturkritikers Marcel Reich Ranicki, aus seinem Werk „Der Fall Heine“.

„Der Wohlklang, der Scharfsinn und der Stil - und damit ist schon charakterisiert, was Heines bahnbrechendes Werk von beinahe allen seinen Vorgängern und beinahe allen seinen Nachfolgern unterscheidet. Bahnbrechend? Ist das nicht ein gar zu großes Wort? Nein, ich nehme es nicht zurück, ich werde es auch nicht abmildern […]. Ihm ist geglückt, was Europa den Deutschen kaum mehr zutraute: ein Stück Weltliteratur in deutscher Sprache.“(Ranicki, 13)

2. Denkmalstreit

2.2 Das Kunstwerk im Detail

Um den Streit zu verstehen ist es notwenig, eine kurze Erläuterung zum Denkmal selbst zu geben. Entworfen wurde von dem Berliner Bildhauer Ernst Herter. Das aus Tiroler Marmor geschaffene Werk zeigt eines von Heines berühmtesten Figuren, die Loreley. Wie schon in seinem Gedicht „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ wird die Loreley als wunderschöne junge Frau dargestellt, welche auf einem Stein sitzt und ihr goldenes Haar kämmt. Zu ihren Füßen sitzen drei Nixen, welche sich an die Säule des Brunnens lehnen. Alle drei Figuren stehen für wesentliche Strömungen in Heines Werken, die „Satire“, die „Lyrik“ und die „Melancholie“. (vgl. Schubert 267) Auf die einzelnen Bedeutungen der drei Nixen, werde ich zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer eingehen. Zudem zieren das Denkmal noch drei Reliefe. Eines davon zeigt Heinrich Heine selbst. Ein zweites zeigt einen kleinen nackten Jungen mit einer Narrenkappe, welcher mit einer Feder auf einen Drachen zielt. Die Nacktheit des Jungen symbolisiert meiner Meinung nach hierbei eine Art von Schutzlosigkeit gegenüber dem übermächtigen Drachen, welcher für den Staat stehen könnte. Die Feder ist ein Symbol für „das Wort als größte und einzige Waffe gegen den scheinbar unbezwingbaren Feind.“

Laut einer anderen Interpretation von Brigitte Hüfler, welche jedoch in eine ähnliche Richtung abzielt, steht dieses Relief für den Humor und die Satire Heines im Kampf gegen die öffentliche, Vorurteils beladene Meinung. (vgl. Hüfler 252f) Das dritte Relief zeigt eine Sphinx, welche einen ebenfalls nackten Mann einen Todeskuss gibt. Hüfler sieht darin den unnachgiebigen Drang Heines wiedergespiegelt, das Welträtsel zu lösen obwohl er dieses Ziel niemals erreichen kann. (Hüfler 252f)

2.2 Die drei Figuren

2.2.1 Die Lyrik

Auffallend ist das die Nixe, welche für die Lyrik steht, als einzige der Loreley hin zugewandt an der Säule sitzt. Diese lässt laut Hüfler Heines besonders enge Beziehung Lyrik zur erkennen. Typische verwendete Symbole dieser Kunst sind die Leier und ein schnäbelndes Taubenpärchen. (vgl. Hüfler 249)

2.2.2 Die Satire

Im Gegensatz zur Lyrik wird die Nixe der Satire laut Hüfler als eher agressives Wesen dargestellt. Sie trägt eine Geißel sowie zur Verdeutlichung ihrer Aggressivität Pflanzen wie beispielweise eine Teufelskralle. Diese kontrastreiche Darstellung der beiden Figuren ergibt auch einen eindeutigen Sinn, wenn man bedenkt, dass die Satire Heines stärkste Waffe gewesen ist. (vgl. Hüfler 251)

2.2.3 Die Melancholie

Die Nixe der Melancholie kommt im Gegensatz zu den anderen beiden Figuren ohne größere Ausschmückungen aus. Ihr Kopf ist gesengt, ihr Gesicht weist traurige Züge auf. Laut Hüfler soll diese Figur das tiefsinnige Wesen des Dichters wiederspiegeln. (vgl. Hüfler. 250)

Alle drei Figuren bilden meiner Meinung nach die drei wesentlichen Grundzüge Heinrich Heines ab, welche zueinander in Kontrast stehen und dennoch durch den Dichter vereint werden.

3. Heine und seine Kritiker

Es gibt zahlreiche Gründe, warum sich eine große Zahl von Leuten gegen die Pläne des Düsseldorfer Stadtrates richtete. Vor allem aber war es Heines jüdische Herkunft und dessen durchaus kritische Einstellung zur Religion, welche ihm viele Feine einbrachte. Am 6. März 1888 entschied sich der Stadtrat jedoch zunächst für ein Heine-Denkmal, was vor allem von konservativen Denkern auf das heftigste kritisiert wurde. Bereits im Vorfeld der Entscheidung entschieden sich selbsternannte „patriotische Studenten“ der Universität in Bonn keine Unterstützung für ein Denkmal zu leisten, mit folgender Begründung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Denkmalstreit in Düsseldorf und seine Gründe
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Institut für Germanistik, Medien-, Technik- und Interkulturelle Kommunikation)
Veranstaltung
Seminar: Heinrich Heine
Note
2,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V168405
ISBN (eBook)
9783640854509
ISBN (Buch)
9783640854844
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich Heine, Denkmalstreit, Düsseldorf, Die schlesischen Weber, Deutschland ein Wintermärchen
Arbeit zitieren
Robert Meyer (Autor), 2008, Der Denkmalstreit in Düsseldorf und seine Gründe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168405

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