In dieser Bachelorarbeit werden verschiedene Definitionen, Konzepte, Perspektiven und Erkenntnisse zum Begriff der Gesundheit dargelegt und analysiert. Die WHO-Definition, die am 7. April 1948 für die Schweiz in Kraft getreten ist und die bekannteste Definition darstellt, ist Ausgangspunkt der Analyse. Diese Definition ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bahnbrechend gewesen und hat ein neues Bewusstsein eingeleitet. Da die Gesundheit oft als Gegensatz zur Krankheit dargestellt wird und uns die Krankheit auf besondere Weise verdeutlicht, was Gesundheit bedeutet, ist die WHO-Definition ein Perspektivenwechsel von der Krankheit auf die Gesundheit. Die WHO-Definition ist vor mehr als 75 Jahren entstanden und muss den verändernden gesellschaftlichen und ökologischen Bedingungen angepasst werden. Dazu werden bestehende Konzepte und Perspektiven, die in Folge der WHO-Definition entstanden sind, dargelegt und neue Punkte mit aufgenommen und die Definition der Gesundheit aktualisiert. Diese Bachelorarbeit soll zur Stärkung des Gesundheitsbegriffes beitragen, indem der Fokus darauf gelegt wird, dass der zu entwickelnde Vorschlag auch ohne die Referenzgröße Krankheit auskommen kann.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Einordnung der WHO-Definition und kritische Überlegungen
- 2.1 Überblick der Kategorien nach der Systematik von Göckenjan und Einordnung der WHO-Definition
- 2.2 Kritische Überlegungen zur WHO-Definition
- 3. Vergleich von Definitionen, Konzepten, Perspektiven und Erkenntnissen zum Begriff Gesundheit
- 3.1 Das Konzept der Salutogenese nach Antonovsky
- 3.1.1 Bewältigung von Spannungszuständen auf Basis von Widerstandsressourcen
- 3.1.2 Überlegungen zur Forschung zum Konzept der Salutogenese nach Antonovsky
- 3.2 Einblicke in die Positive Psychologie des Wohlbefindens und gelingenden Lebens
- 3.2.1 Einführung PERMA-Modell nach Seligman
- 3.2.2 Einführung des Sechs-Faktoren Modells des psychologischen Wohlbefindens bzw. der Ryff Skala
- 3.3 Das Sozialisationsmodell, maßgeblich entwickelt von K. Hurrelmann
- 3.3.1 Lebensstil und Gesundheitschancen
- 3.3.2. Definition von Gesundheit nach Hurrelmann
- 3.4 Gesundheit als funktionale Rollenerfüllung nach Parsons
- 3.1 Das Konzept der Salutogenese nach Antonovsky
- 4. Überlegungen zu einem Vorschlag der Definition der Gesundheit
- 4.1 Vorschlag Definition Gesundheit
- 5. Schluss
- Literaturverzeichnis
- Anhang
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, verschiedene Definitionen, Konzepte, Perspektiven und Erkenntnisse zum Begriff der Gesundheit darzulegen, zu analysieren und daraus einen neuen Vorschlag zu entwickeln, der den veränderten und verändernden gesellschaftlichen und ökologischen Bedingungen gerecht wird.
- Kritische Analyse der WHO-Definition von Gesundheit.
- Darstellung und Vergleich des Konzepts der Salutogenese nach Antonovsky.
- Erörterung der Positiven Psychologie, insbesondere des PERMA-Modells und der Ryff Skala.
- Analyse des Sozialisationsmodells nach K. Hurrelmann und der Gesundheit als funktionaler Rollenerfüllung nach Parsons.
- Entwicklung eines neuen, umfassenden Vorschlags für die Definition von Gesundheit.
- Betonung des dynamischen Charakters von Gesundheit und ihrer Abhängigkeit von sozialen und ökologischen Bedingungen.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Bewältigung von Spannungszuständen auf Basis von Widerstandsressourcen
Ein weiteres Feld, das Antonovsky in seinem Konzept der Salutogenese einführt ist die Bewäl- tigung von Spannungszuständen. Spannungszustände entstehen, wenn ein Mensch einem Stres- sor ausgesetzt ist und noch keine automatische Antwort oder Bewältigungsstrategie darauf hat. Gelingt diese Spannungsbewältigung einem Menschen, indem er eine Antwort findet in einem hohen Masse, dann hat dies eine gesund erhaltende bzw. gesundheitsentstehende Wirkung. Es ist offensichtlich, dass die Spannungsbewältigung nicht immer gelingen kann und daraus in der Folge Stress entsteht. Wie wir in unserem Leben, bei uns selbst und auch bei unseren Mitmen- schen, unschwer erkennen können ist die Stressreaktion ein allgegenwärtiges Phänomen. Die Widerstandsfähigkeit beschreibt das Potential zur Bewältigung eines Spannungszustandes und damit zur Erhaltung der Gesundheit. Das Wichtigste bei der salutogenetischen Orientierung ist für Antonovsky die philosophische Sichtweise, dass der Organismus sich prototypisch in einem dynamischen Fluss eines heterostatischen Ungleichgewichts bewegt. Unser tägliches Leben ist mit zahlreichen Reizen und Stressoren gefüllt auf die wir keine automatischen Antworten haben, aber auf die wir reagieren müssen. Der Mensch kann mit diesen Unsicherheiten umgehen und mit verschiedenen Bewältigungsstrategien wieder Ordnung schaffen (negative Entropie). Sind wir einem Reiz oder Stressor ausgesetzt, dann bekommt das Gehirn die Meldung: Ich habe ein
Problem. Ein Problem beinhaltet zwei Aspekte, den der Problemlösung und den der emotiona- len Regulation. „Spannung bedeutet damit das Erkennen im Gehirn, dass ein Bedürfnis uner- füllt ist, dass man einer Forderung nachkommen muss, dass man etwas tun muss, wenn man ein Ziel realisieren will.“ Zunächst wird von der betroffenen Person festgestellt, dass man in einen Spannungszustand geraten ist. Wird dieser Spannungszustand, in den man geraten ist, bewältigt, kommt man wieder in einen ausgeglichenen Normalzustand zurück und wir können damit erfahren, dass das Leben weder vernichtend noch sinnlos ist. Lazarus und Cohen definie- ren Stressoren mit einer Bedrohung und Überforderung des Systems des menschlichen Orga- nismus. Antonovsky schlägt aus seiner salutogenetischen Perspektive heraus vor, die Defini- tion von Stressoren auf alle Stimuli auszuweiten, auch wenn sie nicht als Bedrohung oder Über- forderung eingeschätzt werden, sondern lediglich herausfordern. Dadurch kann zwischen Span- nung und Stress unterschieden werden. Seiner Meinung nach leitet sich die Definition von La- zarus und Cohen aus einer pathogenen Orientierung ab. In Abbildung 2 können wir diese Kaskade der Spannungsregulierung auf der linken Seite verfolgen. Stressoren können einen Menschen in einen Spannungszustand versetzen (Pfeil E). Durch eine erfolgreiche Spannungs- bewältigung beobachten wir eine Stärkung des Kohärenzgefühls (sense of coherence, SOC), dargestellt durch Pfeil H, und gleichzeitig hat die Spannungsbewältigung einen positiven Ein- fluss auf die Gesundheit, dargestellt auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum (Pfeil I). Bleibt die Spannungsbewältigung jedoch erfolglos, dann entsteht Stress (Pfeil J) und dieser Stresszustand wiederum hat eine Verschiebung auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum zur Folge, nämlich in Richtung Krankheit. Die erfolgreiche Spannungsbewältigung hat auf der einen Seite einen positiven Einfluss auf das Kohärenzgefühl (SOC) und auf der anderen Seite aber auch auf die generalisierten Widerstandsressourcen (Pfeil K). Diese können durch eine positive Erfahrung und erfolgreiche Bewältigungsstrategien erweitert werden. Generalisierte Widerstandsressourcen bestehen unter anderem aus Bewältigungsstrategien, sozialer Unterstüt- zung, finanzieller Sicherheit, kulturellen Faktoren, körperlichen Faktoren und Intelligenz. Diese hängen wiederum vom soziokulturellen und historischen Kontext ab, sowie von der persönli- chen Einstellung (Pfeil C). Die generalisierten Widerstandsressourcen ermöglichen es Le- benserfahrungen zu machen (Pfeil B) und formen das Kohärenzgefühl (Pfeil A), die stimmige Verbundenheit mit dem Lebensverlauf. Je stärker das Kohärenzgefühl ausgebildet ist, umso
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die zunehmende Kritik am Gesundheitssystem und die dominierende mechanistische Sichtweise des Menschen dar, wobei die Notwendigkeit einer umfassenderen Gesundheitsdefinition jenseits der reinen Abwesenheit von Krankheit betont wird.
2. Einordnung der WHO-Definition und kritische Überlegungen: Hier wird die WHO-Definition von Gesundheit analysiert und in Göckenjans Kategorien (Abgrenzungskonzept, Funktionskonzept, Wertekonzept) eingeordnet, wobei kritisch die Aktualität der über 75 Jahre alten Definition und ihre Idealvorstellung des "vollkommenen Wohlergehens" hinterfragt werden.
3. Vergleich von Definitionen, Konzepten, Perspektiven und Erkenntnissen zum Begriff Gesundheit: Dieser Hauptteil präsentiert und vergleicht zentrale Konzepte wie Antonovskys Salutogenese, die Positive Psychologie (PERMA-Modell, Ryff Skala), Hurrelmanns Sozialisationsmodell und Parsons' funktionale Rollenerfüllung, um die Vielschichtigkeit des Gesundheitsbegriffs zu beleuchten.
4. Überlegungen zu einem Vorschlag der Definition der Gesundheit: In diesem Kapitel werden alle zuvor gewonnenen Erkenntnisse diskutiert und ein neuer, eigener Vorschlag für die Definition von Gesundheit gemacht, der den dynamischen, ganzheitlichen und interdependenten Charakter von Gesundheit, inklusive planetarer Biodiversität, betont.
5. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Vielschichtigkeit des Gesundheitsbegriffs zusammen, kritisiert die vorherrschende biomedizinische Perspektive und plädiert für die Integration der verschiedenen diskutierten Ansätze, um aktuellen Herausforderungen wie psychischen Erkrankungen zu begegnen und die Wichtigkeit sozialer Beziehungen nicht zu vernachlässigen.
Schlüsselwörter
Gesundheit, WHO-Definition, Salutogenese, Antonovsky, Kohärenzgefühl, Positive Psychologie, PERMA-Modell, Ryff Skala, Sozialisationsmodell, Hurrelmann, Wohlbefinden, Stressoren, Anpassungsfähigkeit, Selbstreflexion, Ganzheitlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit befasst sich grundsätzlich mit der kritischen Analyse und Neudefinition des Begriffs Gesundheit, indem sie verschiedene wissenschaftliche Perspektiven und Modelle integriert, um eine zeitgemäße und umfassende Auffassung von Gesundheit zu entwickeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die kritische Betrachtung der WHO-Definition, das Konzept der Salutogenese nach Antonovsky, die Positive Psychologie (PERMA-Modell und Ryff Skala), das Sozialisationsmodell nach Hurrelmann sowie die funktionale Rollenerfüllung nach Parsons.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, verschiedene Definitionen, Konzepte und Erkenntnisse zum Begriff der Gesundheit darzulegen und zu analysieren, um daraus einen neuen Vorschlag für eine Gesundheitsdefinition zu entwickeln, die den gesellschaftlichen und ökologischen Veränderungen gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine Methode der konzeptuellen Analyse und des theoretischen Vergleichs, basierend auf einer umfassenden Literaturrecherche aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die kritische Einordnung der WHO-Definition, vergleicht ausführlich das Konzept der Salutogenese, gibt Einblicke in die Positive Psychologie mit dem PERMA-Modell und der Ryff Skala, erläutert das Sozialisationsmodell von Hurrelmann und betrachtet Gesundheit als funktionale Rollenerfüllung nach Parsons.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter, die die Arbeit charakterisieren, sind: Gesundheit, WHO-Definition, Salutogenese, Antonovsky, Kohärenzgefühl, Positive Psychologie, PERMA-Modell, Ryff Skala, Sozialisationsmodell, Hurrelmann, Wohlbefinden, Stressoren, Anpassungsfähigkeit, Selbstreflexion, Ganzheitlichkeit.
Warum wird die WHO-Definition von Gesundheit kritisiert?
Die WHO-Definition wird kritisiert, weil sie über 75 Jahre alt ist und nicht an aktuelle Veränderungen wie chronische Krankheiten, Umweltbedingungen oder den Klimawandel angepasst wurde. Zudem wird der Ausdruck "vollkommenes Wohlergehen" als zu idealisiert und nicht praktikabel bemängelt, da er zur Medikalisierung der Gesellschaft beitragen kann.
Welche Rolle spielt das Kohärenzgefühl im Salutogenese-Modell?
Das Kohärenzgefühl ist das Schlüsselkonzept der Salutogenese und wird als eine globale Orientierung beschrieben, die ein durchdringendes, andauerndes und dynamisches Gefühl des Vertrauens vermittelt, dass die eigene interne und externe Umwelt vorhersagbar, verstehbar, sinnvoll und zu bewältigen ist.
Inwiefern unterscheidet sich die Ryff-Skala vom PERMA-Modell?
Die Ryff-Skala und das PERMA-Modell teilen Komponenten wie soziale Beziehungen, Sinn im Leben und persönliches Wachstum. Die Ryff-Skala erweitert dies jedoch um Selbstakzeptanz, Autonomie und die optimale Nutzung der Umwelt, was stärker auf das eudaimonische Konzept der Selbstverwirklichung ausgerichtet ist.
Welchen neuen Aspekt der Gesundheit führt der Vorschlag des Autors in Kapitel 4 ein?
Der Vorschlag des Autors erweitert den Gesundheitsbegriff um eine ontologische Verbundenheit und ein Ökosystem des Wohlbefindens, das die gesamte lebendige und unbelebte Welt als planetare Biodiversität einschließt, im Sinne der Nachhaltigkeit und sinnvollen Nutzung.
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- Gabriele Betz (Autor), 2025, Überlegungen zur Bestimmung des Begriffes Gesundheit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1684259