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Die Selbsttötung in Goethes "Die Leiden des jungen Werther". Eine psychoanalytische Untersuchung

Titre: Die Selbsttötung in Goethes "Die Leiden des jungen Werther". Eine psychoanalytische Untersuchung

Dossier / Travail de Séminaire , 2015 , 23 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Anonym (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Diese Arbeit unternimmt den Versuch einer psychoanalytischen Einordnung der Selbsttötung in Goethes "Die Leiden des jungen Werther". Ein Problem für das Vorgehen dieser Arbeit stellt die mangelnde Verifizierbarkeit der Interpretation dar, da sich die "Identifizier- und Dechiffrierbarkeit der unbewussten Zustände" auf Basis eines literarischen Untersuchungsgegenstands als kompliziert erweist. Dennoch können psychoanalytische Methoden auf den Werther (eingeschränkt) angewandt werden.

Im Vordergrund stehen daher die suizidthematisierenden theoretischen Überlegungen von Heinz Henseler und Erwin Ringel. Beide greifen in ihren Ausführungen häufiger auf Theorien von Sigmund Freud zurück. Dem Verständnis halber werden erklärende Parenthesen aus den Werken Freuds eingeschoben.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

  • Einleitung
  • 1.0 Einführende Definitionen
    • 1.1 Suizid
    • 1.2 Narzissmus
  • 2. Anamnese des jungen Werthers
  • 3. Präsuizidales Syndrom
    • 3.1 Einengung der persönlichen Möglichkeiten (situative Einengung)
    • 3.2 Einengung der Gefühlswelt (dynamische Einengung)
    • 3.3 Einengung der zwischenmenschlichen Beziehungen
    • 3.4 Einengung der Wertwelt
    • 3.5 Fazit
  • 4. Analyse des Suizids
  • 5. Werthers Haltung gegenüber dem Suizid kontra Werthers Suizidhandlung
    • 5.1 Vergleich Handlung mit Aussagen
  • Schlussbetrachtung
  • Literaturangaben

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit zielt darauf ab, die psychodynamischen Mechanismen zu untersuchen, die dem Suizid des jungen Werthers in Goethes Roman zugrunde liegen. Dabei wird insbesondere analysiert, inwiefern die Darstellung des Protagonisten mit den Konzepten des präsuizidalen Syndroms nach Ringel und den narzisstischen Fehlentwicklungen nach Henseler übereinstimmt.

  • Psychoanalytische Interpretation von Goethes „Die Leiden des jungen Werther“
  • Analyse des präsuizidalen Syndroms nach Erwin Ringel
  • Untersuchung narzisstischer Krisen und Fehlentwicklungen nach Heinz Henseler
  • Erörterung der Bedeutung von Sprache und unbewussten Dynamiken bei Suizidhandlungen
  • Vergleich von Werthers Haltung zum Suizid mit seiner tatsächlichen Handlung
  • Didaktische Funktion des Romans im Kontext des Suiziddiskurses

Auszug aus dem Buch

2. Anamnese des jungen Werthers

Nahezu traditionell wird dem Werther aufgrund seiner extrem subjektiven Wahrnehmung und der Art, wie er sein Erleben darstellt, eine narzisstische Persönlichkeit attestiert. Es ist falsch, diese Annahme aufgrund dieser Basis zu stellen. Über den Hauptadressaten seiner Ausführungen, Wilhelm, erhält der Leser keinerlei bis wenige Informationen, eine Vermittlung solcher hätte auf Fragen und Antworten Werthers zurückgehen müssen und dies findet nicht statt. Es ist die Geschichte Werthers, die erzählt werden soll und nur auf die Art und Weise der Erzählsituation kann dieser Roman seine volle Wirkungsmächtigkeit erzielen. Die Figur des Wilhelms dient als Werkzeug um die Geschichte zu erzählen, und nicht Werthers Narzissmus hervorzuheben. "Werthers Briefe vermitteln den Eindruck höchster Unmittelbarkeit und bieten dadurch eine gute Möglichkeit zur Identifikation mit dem Protagonisten."39

Schon einführend wird ein Schatten auf das Schicksal des jungen Werthers geworfen. Im ersten Brief des Romans, datiert auf dem 4. Mai 1771 steht geschrieben: "Wie froh bin ich, dass ich weg bin!"40 Ein Ausruf, welcher sich programmatisch mit dem drastischen Ende dieser Figur deckt. Interessant in Bezug auf den weiteren Romanverlauf sind die Ausführungen aus dem gleichen Brief. Dort berichtet der Werther von einer gescheiterten Beziehung zu einer Frau namens Leonore und dass er das "Gegenwärtige genießen und das Vergangene [...] vergangen sein"41 lassen wolle. Das erste Buch des jungen Werthers besticht durch seine überschwänglich poetischen Darstellungen von Mensch und Natur, in welchem sein Vorhaben, der Genuss, von Erfolg geprägt zu seien scheint. Andererseits wird sein problembehafteter Umgang mit Frauen, welcher ihn in den Rückzug veranlasste, charakterisiert und dieses Motiv sollte sich bekanntlich wiederholen.

Am 26. Mai 1771 berichtet der Werther seinem Freunde Wilhelm, der ihn von "alters her" kennt, dass er sich an "einem vertraulichen Orte" niederlassen wolle "und da mit aller Einschränkung zu herbergen" gedenke.42 Schon im Einstieg lässt der Werther Komplikationen im Umgang mit seinen Mitmenschen erkennen. Das "Fluchtmotiv" benennt Kerstin Scheler als "zentrales Strukturmerkmal" der Erzählung vom jungen Werther.43 Der Rückzug scheint eine bewährte Konfliktbewältigungsstrategie darzustellen. Der Umzug aus dem eigenen Wohnort wirkt extrem. Über beständige, intakte, soziale Kontakte wird werkimmanent wenig bekannt.

Nach Henseler lassen "[zum Suizid neigende Personen] in ihrer Vorgeschichte ziemlich regelmäßig Kontaktschwierigkeiten erkennen."44

Eine weitere bewährte Bewältigungsstrategie findet sich auch in dem Brief vom 21. August:
Wie man eine Hand umwendet, ist es anders mit mir. Manchmal will wohl ein freudiger
Blick des Lebens wieder aufdämmern, ach! nur für einen Augenblick! - Wenn ich mich
so in Träumen verliere, kann ich mich des Gedankens nicht erwehren: wie, wenn Albert
stürbe? Du würdest! ja, sie würde - und dann laufe ich dem Hirngespinste nach, bis es
mich an Abgründe führet, vor denen ich zurückbebe. Wenn ich zum Tor hinausgehe,
den Weg, den ich zum ersten Mal fuhr, Lotten zum Tanze zu holen, wie war das so ganz
anders! Alles, alles ist vorübergegangen! Kein Wink der vorigen Welt, kein Pulsschlag
meines damaligen Gefühles.45

Neben dem einführend erläuterten räumlichen Rückzug und totalen Kontaktabbruch, greift der junge Werther auch auf imaginäre Vorstellungen zurück, um den realen Begebenheiten zu entfliehen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Stellt frühere Interpretationen von Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ vor und führt die psychoanalytischen Theorien von Henseler und Ringel ein, um Werthers Suizidmotivationen zu analysieren.

1.0 Einführende Definitionen: Definiert zentrale Begriffe wie Suizid und Narzissmus im Kontext wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Diskurse und stellt Freuds sowie Henselers Theorien zum Narzissmus vor.

2. Anamnese des jungen Werthers: Analysiert Werthers Persönlichkeit und Verhaltensmuster, wie soziale Isolation, Fluchtmotiv und narzisstische Objektbeziehungen, anhand seiner Briefe.

3. Präsuizidales Syndrom: Untersucht, wie Werthers Verhalten die Merkmale von Ringels präsuizidalem Syndrom erfüllt, insbesondere die Einengung persönlicher Möglichkeiten, der Gefühlswelt, der zwischenmenschlichen Beziehungen und der Wertwelt.

4. Analyse des Suizids: Erörtert Werthers fatalistische Entscheidung zum Suizid als Liebesbeweis und heldenhafte Tat, beleuchtet die Rolle seines Über-Ichs und die unbewussten Dynamiken, die zum Suizid führen.

5. Werthers Haltung gegenüber dem Suizid kontra Werthers Suizidhandlung: Vergleicht Werthers Ansichten zum Suizid mit seiner tatsächlichen Handlung und diskutiert theologische, moralische und psychologische Interpretationen seiner Selbsttötung.

Schlussbetrachtung: Fasst die verschiedenen Interpretationsansätze zu Werthers Suizid zusammen und betont den Wert des Romans für die Erforschung psychischer Mechanismen und die fortschrittliche Darstellung einer Krankheit.

Schlüsselwörter

Werther, Suizid, Narzissmus, Psychoanalyse, Präsuizidales Syndrom, Einengung, Freud, Ringel, Henseler, Selbsttötung, Melancholie, Objektbeziehung, Ich, Über-Ich, Die Leiden des jungen Werther

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ aus psychoanalytischer Sicht, um die psychischen Mechanismen und Motivationen hinter Werthers Suizid zu beleuchten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die Analyse von Suizid und Narzissmus, das präsuizidale Syndrom, die psychodynamische Interpretation literarischer Werke sowie die Wechselwirkung zwischen Literatur und Psychologie.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zu eruieren, inwiefern die Darstellung des Protagonisten Werther kongruent zu fachlich fundierten psychologischen Überlegungen zum Suizidverhalten, insbesondere denen von Henseler und Ringel, verläuft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine literaturtheoretisch-psychoanalytische Methode, die auf den Theorien von Sigmund Freud, Jacques Lacan, Heinz Henseler und Erwin Ringel basiert, um den Roman und die Handlungen des Protagonisten zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden einführende Definitionen zu Suizid und Narzissmus gegeben, die Anamnese des jungen Werthers detailliert analysiert, das präsuizidale Syndrom auf Werther angewendet und schließlich der Suizid sowie Werthers Haltung dazu interpretiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Werther, Suizid, Narzissmus, Psychoanalyse, Präsuizidales Syndrom, Einengung, Freud, Ringel, Henseler, Selbsttötung, Melancholie, Objektbeziehung, Ich, Über-Ich.

Warum ist der Begriff "Selbstmord" in dieser Studie problematisch?

Der Begriff "Selbstmord" ist problematisch, da er, historisch durch die christliche Kirche beeinflusst, mit negativen moralischen Werturteilen belegt ist und daher für eine neutrale wissenschaftliche Analyse ungeeignet erscheint. Bevorzugt werden "Selbsttötung" oder "Suizid".

Wie äußern sich "Größenphantasien" in Werthers Liebe zu Lotte?

Werther entwickelt Größenphantasien, indem er annimmt, für seine Mitmenschen, insbesondere Lotte, eine Quelle der Glückseligkeit zu sein und seine Existenz von der ihm entgegengebrachten Liebe abhängig macht. Er idealisiert seine eigene Rolle und Lottes Bedeutung für sein Leben über die Realität hinaus.

Welche Kernelemente von Ringels präsuizidalem Syndrom werden bei Werther identifiziert?

Bei Werther werden die Kernelemente "Einengung" (der persönlichen Möglichkeiten, der Gefühlswelt, der zwischenmenschlichen Beziehungen und der Wertwelt), "gehemmte und gegen die eigene Person gerichtete Aggression" und "Selbstmordfantasien" festgestellt.

Wie interpretiert die Arbeit Werthers Suizid im Kontext der freudschen Triebtheorie (Eros vs. Thanatos)?

Im Kontext der freudschen Triebtheorie wird Werthers Suizid als eine Situation interpretiert, in der Eros durch den Wegfall des narzisstischen Objekts (Lotte) seine Bedeutung verliert, wodurch Thanatos Einfluss gewinnt. Die angestaute Aggression richtet sich gegen die eigene Person, was in der Selbsttötung mündet.

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Résumé des informations

Titre
Die Selbsttötung in Goethes "Die Leiden des jungen Werther". Eine psychoanalytische Untersuchung
Université
University of Augsburg  (Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
Cours
Ethik und Ästhetik des Tabubruchs in der Literatur
Note
1,3
Auteur
Anonym (Auteur)
Année de publication
2015
Pages
23
N° de catalogue
V1684342
ISBN (PDF)
9783389172681
ISBN (Livre)
9783389172698
Langue
allemand
mots-clé
Goethe Werther Suizid Psychoanalyse
Sécurité des produits
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Citation du texte
Anonym (Auteur), 2015, Die Selbsttötung in Goethes "Die Leiden des jungen Werther". Eine psychoanalytische Untersuchung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1684342
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Extrait de  23  pages
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