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Zur Bedeutung der Ambiguitätstoleranz für zentrale psychologische Konstrukte

Zusammenhänge zwischen Ambiguitätstoleranz, Perfektionismus, Stresserleben und kognitiver Flexibilität. Eine empirische Studie.

Titre: Zur Bedeutung der Ambiguitätstoleranz für zentrale psychologische Konstrukte

Thèse de Master , 2025 , 97 Pages , Note: 1,1

Autor:in: Marie Unverzagt (Auteur)

Psychologie - Divers
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Résumé Extrait Résumé des informations

Wie gehen Menschen mit Unsicherheit, Widersprüchen und doppeldeutigen Situationen um?

In einer Welt zunehmender Komplexität wird Ambiguitätstoleranz zu einer zentralen psychologischen Ressource. Sie beschreibt die Fähigkeit, Mehrdeutigkeit auszuhalten, ohne vorschnell nach Eindeutigkeit zu verlangen oder alternative Sichtweisen auszublenden.

In dieser Arbeit wird untersucht, inwiefern Ambiguitätstoleranz mit zentralen psychologischen Konstrukten zusammenhängt. Im Fokus stehen Perfektionismus, subjektives Stresserleben und kognitive Flexibilität. Grundlage der Untersuchung bildet eine Querschnittsstudie mit 467 erwachsenen Teilnehmenden aus dem deutschsprachigen Raum. Zur Erhebung der relevanten Variablen wurden etablierte Selbstberichtsverfahren eingesetzt, darunter das Inventar zur Messung von Ambiguitätstoleranz (Reis, 1997), die Almost Perfect Scale - Revised (Slaney et al., 2001; deutsche Version nach Altstötter-Gleich & Bergemann, 2006), der Perceived Stress Questionnaire in der Kurzversion PSQ-20 (Fliege et al., 2009) sowie das Cognitive Flexibility Inventory (Dennis & Vander Wal, 2010).

Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster. Eine höhere Ambiguitätstoleranz geht mit einem geringeren Stresserleben und einer höheren kognitiven Flexibilität einher. Personen, die flexibel zwischen Perspektiven wechseln können, erleben Mehrdeutigkeit als weniger belastend. Perfektionismus leistet hingegen keinen eigenständigen Beitrag zur Erklärung von Ambiguitätstoleranz, auch wenn er stark mit erhöhtem Stresserleben verbunden ist.

In einer multiplen Regressionsanalyse erweisen sich kognitive Flexibilität als positiver und Stresserleben als negativer Prädiktor der Ambiguitätstoleranz. Diese Ergebnisse zeigen, dass nicht Selbstkontrolle oder das Streben nach Perfektion ausschlaggebend sind, sondern Anpassungsfähigkeit sowie ein konstruktiver Umgang mit Unsicherheit oder Mehrdeutigkeit.

Die Arbeit verbindet theoretische Fundierung mit empirischer Präzision und leitet praxisrelevante Schlussfolgerungen für die Bereiche psychologische Prävention, Psychotherapie und Beratung ab. Ambiguitätstoleranz ist eine zentrale psychologische Ressource, die beschreibt, wie Menschen mit Mehrdeutigkeit, Widersprüchen und unklaren Anforderungen umgehen, ohne ihre Handlungsfähigkeit zu verlieren. Das Konstrukt ist grundlegend für den Umgang mit der Vielschichtigkeit unserer Welt.

Extrait


Inhaltsverzeichnis des Buches

  • Danksagung
  • Abstract
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis
  • 1 Einleitung
    • 1.1 Ambiguitätstoleranz
    • 1.2 Perfektionismus
    • 1.3 Stresserleben
    • 1.4 Kognitive Flexibilität
    • 1.5 Aktueller Forschungsstand
      • 1.5.1 Ambiguitätstoleranz und Perfektionismus
      • 1.5.2 Ambiguitätstoleranz und Stresserleben
      • 1.5.3 Ambiguitätstoleranz und kognitive Flexibilität
      • 1.5.4 Perfektionismus und Stresserleben
      • 1.5.5 Perfektionismus und kognitive Flexibilität
      • 1.5.6 Stresserleben und kognitive Flexibilität
    • 1.6 Forschungsfrage & Hypothesen
  • 2 Methode
    • 2.1 Stichprobenbeschreibung
    • 2.2 Untersuchungsdesign
    • 2.3 Operationalisierung
      • 2.3.1 Inventar zur Messung von Ambiguitätstoleranz/-intoleranz
      • 2.3.2 Perceived Stress Questionnaire
      • 2.3.3 Almost Perfect Scale - Revised
      • 2.3.4 Cognitive Flexibility Inventory
    • 2.4 Untersuchungsdurchführung
    • 2.5 Auswertungsmethode
  • 3 Ergebnisse
    • 3.1 Deskriptive Ergebnisse
    • 3.2 Inferenzstatistische Ergebnisse
    • 3.3 Weiterführende Ergebnisse
  • 4 Diskussion
    • 4.1 Zusammenfassung
    • 4.2 Inhaltliche Einordnung
    • 4.3 Bewertung der Methode und Stichprobe
    • 4.4 Fazit und Ausblick
  • Literaturverzeichnis
  • Anhang

Zielsetzung & Themen dieser Arbeit

Diese Master-Thesis untersucht die komplexen Zusammenhänge zwischen Ambiguitätstoleranz, Perfektionismus, Stresserleben und kognitiver Flexibilität. Das primäre Ziel ist es, diese Beziehungen systematisch zu prüfen und den jeweiligen Beitrag der drei Variablen zur Erklärung der Ambiguitätstoleranz zu bestimmen.

  • Analyse der Ambiguitätstoleranz als zentrale persönliche Ressource im Umgang mit Mehrdeutigkeit.
  • Untersuchung von Perfektionismus in seinen adaptiven und maladaptiven Facetten.
  • Erforschung des Stresserlebens als Indikator für psychische Belastung und Gesundheit.
  • Beleuchtung der kognitiven Flexibilität als Schlüsselkompetenz zur Anpassung an wechselnde Anforderungen.
  • Empirische Überprüfung der wechselseitigen Beziehungen zwischen diesen psychologischen Konstrukten.
  • Bestimmung der prädiktiven Bedeutung von Perfektionismus, Stresserleben und kognitiver Flexibilität für die Ambiguitätstoleranz.

Auszug aus dem Buch

Einleitung

Frenkel-Brunswik definierte Ambiguitätstoleranz im Jahr 1949 als die Fähigkeit, mehrdeutige, unklare oder widersprüchliche Situationen zu ertragen, ohne dabei ein signifikantes Unbehagen zu verspüren. Menschen mit erhöhter Ambiguitätstoleranz begegnen Uneindeutigkeiten oft mit Neugier, Offenheit und Flexibilität. Es zeigt sich, dass sie ambivalente Situationen als weniger bedrohlich wahrnehmen und komplexe Kontexte besser aushalten (Bardi, Guerra & Ramdeny, 2009). Gerade im therapeutischen Kontext ist diese Fähigkeit von zentraler Bedeutung, da Patienten lernen, Ambivalenzen als unvermeidlichen Teil einer grundsätzlich unsicheren Realität zu akzeptieren: „Patienten können mehrdeutige Situationen als Teil einer grundsätzlich unsicheren Welt begreifen und sie dadurch besser akzeptieren“ (Beck, Emery & Greenberg, 1985, S. 198). Empirische Befunde zeigen, dass Ambiguitätstoleranz mit geringerem Perfektionismus und reduziertem Stresserleben verbunden ist, während zugleich ein positiver Zusammenhang mit kognitiver Flexibilität besteht (Budner, 1962; Dennis & Vander Wal, 2010; Rice & Ashby, 2007; Zenasni, Besançon & Lubart, 2008). Wer also Ungewissheit einordnen kann, bleibt handlungsfähig, trifft fundiertere Entscheidungen und ist offen für neue Wege. Das Konstrukt der Ambiguitätstoleranz lässt sich also als ein Persönlichkeitsmerkmal interpretieren, das förderlich für den Umgang mit Mehrdeutigkeit und für die Aufrechterhaltung psychischer Gesundheit ist.

Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Master-Thesis empirisch die Zusammenhänge zwischen Ambiguitätstoleranz, Perfektionismus, Stresserleben und kognitiver Flexibilität. Ziel ist es, diese Beziehungen systematisch zu prüfen und die jeweilige Bedeutung der drei Variablen für die Erklärung von Ambiguitätstoleranz zu bestimmen. Im ersten Kapitel erfolgt zunächst eine Darstellung der vier Konstrukte im theoretischen Hintergrund, nachfolgend werden aktuelle Forschungsbefunde und daraus abgeleitete Forschungshypothesen dargelegt. In Kapitel zwei werden die angewandten Methoden beschrieben und im Anschluss daran die erzielten deskriptiven sowie inferenzstatistischen Ergebnisse dargestellt (Kapitel 3). Abschließend findet sich in Kapitel vier eine themenspezifische Diskussion, die alle relevanten Fakten zusammenfasst und einen Ausblick für zukünftige Forschung bietet. Hinsichtlich der sprachlichen und begrifflichen Gestaltung sei angemerkt, dass im Fließtext aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet wird. Die gleichzeitige Nennung verschiedener Geschlechtsformen wird vermieden. Selbstverständlich beziehen sich alle Aussagen auf Personen jeglichen Geschlechts, sofern nicht anders angegeben. Zur Vermeidung redundanter Wiederholungen werden für das zentrale Konzept der Ambiguität sowie für den Toleranzbegriff unterschiedliche Ausdrucksformen verwendet. Dazu zählen Begriffe wie Unsicherheit, Widerspruch, Uneindeutigkeit, Zweideutigkeit, Unklarheit, Mehrdeutigkeit, Ungewissheit oder auch die Abkürzung AT für Ambiguitätstoleranz.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Forschungsfrage zu den Zusammenhängen zwischen Ambiguitätstoleranz, Perfektionismus, Stresserleben und kognitiver Flexibilität ein und beleuchtet die psychologische Relevanz dieser Konstrukte.

2 Methode: Es werden das quantitative, korrelative Querschnittsdesign der Studie, die Merkmale der Stichprobe (N=467), die verwendeten psychometrischen Messinstrumente und der Ablauf der Datenerhebung detailliert beschrieben.

3 Ergebnisse: Hier werden die deskriptiven Statistiken der untersuchten Konstrukte sowie die Resultate der Hypothesenprüfung präsentiert, die signifikante Korrelationen zwischen Ambiguitätstoleranz, Stresserleben und kognitiver Flexibilität aufzeigen, aber keinen eigenständigen Beitrag des Perfektionismus.

4 Diskussion: Das abschließende Kapitel fasst die wichtigsten Forschungsergebnisse zusammen, ordnet sie in den aktuellen Forschungsstand ein, diskutiert die methodischen Einschränkungen der Studie und bietet einen Ausblick auf zukünftige Forschung und praktische Implikationen.

Schlüsselwörter

Ambiguitätstoleranz, Perfektionismus, Stresserleben, kognitive Flexibilität, empirische Studie, Psychologie, Persönlichkeitsmerkmal, Unsicherheit, Mehrdeutigkeit, psychische Gesundheit, Coping, Forschungsfrage, quantitative Analyse, Selbstberichtsverfahren, Ressource.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Diese Master-Thesis untersucht die komplexen Wechselwirkungen zwischen der Fähigkeit, mit Mehrdeutigkeit umzugehen (Ambiguitätstoleranz), dem Streben nach Vollkommenheit (Perfektionismus), dem subjektiven Stresserleben und der mentalen Anpassungsfähigkeit (kognitive Flexibilität) in einer empirischen Studie.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder sind Ambiguitätstoleranz als persönliche Ressource, die verschiedenen Aspekte des Perfektionismus, das Konzept des Stresserlebens und dessen Auswirkungen sowie die Bedeutung der kognitiven Flexibilität für psychische Anpassungsprozesse.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen Ambiguitätstoleranz, Perfektionismus, Stresserleben und kognitiver Flexibilität systematisch zu prüfen und die jeweiligen Beiträge der drei letztgenannten Variablen zur Erklärung von Ambiguitätstoleranz zu bestimmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein quantitatives, korrelatives Querschnittsdesign verwendet, basierend auf einer Online-Befragung mit Selbstberichtsverfahren, um die Beziehungen zwischen den Konstrukten zu einem einzigen Zeitpunkt zu erfassen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil der Arbeit behandelt die theoretischen Hintergründe der vier Schlüsselkonstrukte, den aktuellen Forschungsstand zu deren Zusammenhängen, die methodische Durchführung der empirischen Studie, die deskriptiven und inferenzstatistischen Ergebnisse sowie eine umfassende Diskussion der Befunde.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind Ambiguitätstoleranz, Perfektionismus, Stresserleben, kognitive Flexibilität, empirische Studie, Psychologie, Persönlichkeitsmerkmal, Unsicherheit, Mehrdeutigkeit, psychische Gesundheit, Coping, Forschungsfrage, quantitative Analyse, Selbstberichtsverfahren, Ressource.

Gibt es Geschlechtsunterschiede in der Ambiguitätstoleranz?

Die Analyse ergab einen kleinen, aber signifikanten Geschlechtsunterschied, wobei Männer im Mittel eine höhere Ambiguitätstoleranz aufwiesen als Frauen.

Welche Rolle spielt Auslandserfahrung für die Ambiguitätstoleranz?

Auslandserfahrung erwies sich als signifikanter Prädiktor für Ambiguitätstoleranz, da Personen mit Auslandserfahrung im Mittel höhere Werte aufwiesen und diese Erfahrung als robuste kontextuelle Ressource zur Förderung der Ambiguitätstoleranz interpretiert wird.

Warum trug Perfektionismus im Gesamtmodell nicht signifikant zur Vorhersage der Ambiguitätstoleranz bei?

Obwohl Perfektionismus mit Stresserleben korreliert, leistete er im multiplen Regressionsmodell keinen eigenständigen Beitrag zur Vorhersage von Ambiguitätstoleranz, was darauf hindeutet, dass seine Wirkung primär über das erhöhte Stresserleben vermittelt wird.

Welche praktischen Implikationen ergeben sich aus den Forschungsergebnissen?

Die Studie legt nahe, dass die Ambiguitätstoleranz durch gezielte Mikro-Interventionen wie Perspektivwechsel oder Exposition gegenüber mehrdeutigen Aufgaben trainierbar ist. Sie sollte als schützende und entwickelbare Ressource stärker in psychologischer Diagnostik, Prävention, Psychotherapie und Beratung verankert werden.

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Résumé des informations

Titre
Zur Bedeutung der Ambiguitätstoleranz für zentrale psychologische Konstrukte
Sous-titre
Zusammenhänge zwischen Ambiguitätstoleranz, Perfektionismus, Stresserleben und kognitiver Flexibilität. Eine empirische Studie.
Université
SRH University of Heidelberg  (School of Psychology)
Cours
Master Of Science
Note
1,1
Auteur
Marie Unverzagt (Auteur)
Année de publication
2025
Pages
97
N° de catalogue
V1684460
ISBN (PDF)
9783389171080
ISBN (Livre)
9783389171097
Langue
allemand
mots-clé
Ambiguitätstoleranz Unsicherheit Mehrdeutigkeit Stresserleben Kognitive Flexibilität Perfektionismus Psychische Gesundheit Psychologische Ressourcen Stressbewältigung Anpassungsfähigkeit Ambivalenz Resilienz Else Frenkel-Brunswik Dennis & Vander Wal Budner Unsicherheitstoleranz Ungewissheitstoleranz Intoleranz gegenüber Ungewissheit
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Marie Unverzagt (Auteur), 2025, Zur Bedeutung der Ambiguitätstoleranz für zentrale psychologische Konstrukte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1684460
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Extrait de  97  pages
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