Der Begriff der Oppidakultur oder Oppidazivilisation ist in unserer Vorstellung untrennbar mit der Welt der spätkeltischen Latènekultur verbunden. Er beschreibt ein genuin europäisches Phänomen, das sich etwa innerhalb eines Jahrhunderts über ganz Mittel- und Westeuropa ausbreitete. Oft wird in diesem Zusammenhang von den „frühesten Städten nördlich der Alpen“ gesprochen. In neuerer Zeit wird diese Bezeichnung allerdings kontrovers diskutiert. Zwar ist die Bezeichnung der Oppida als Städte inzwischen relativ unstrittig, die Frage, ob sie nun tatsächlich die frühesten sind, bleibt bisher unbeantwortet. Vor allem die Erkenntnisse aus den immer intensiver untersuchten unbefestigten Flachlandsiedlungen wie Berching-Pollanten und böhmische „Produktionszentren“, die ebenfalls stadtähnliche Strukturen aufweisen, sprechen inzwischen dafür, den Oppida diesen Titel abzuerkennen.
Im Folgenden werde ich das Phänomen der Oppidazivilisation im Allgemeinen eingehender darstellen, um dann anhand von Manching ein Oppidum im Besonderen vorzustellen. Manching bietet sich einerseits für diese Aufgabe an, da es mit einer untersuchten Fläche von 20ha das besterforschte keltische Oppidum ist, andererseits ist es schwierig, Manching als Beispiel für ein typisches Oppidum heranzuziehen. Wie gezeigt werden soll, unterscheidet es sich nicht nur in seiner Lage im Gelände, sondern vor allem in seiner Besiedlungsgeschichte und der Entwicklung zur Stadt von anderen Oppida. So liefert Manching auch zu der weiter oben angesprochenen Forschungsdiskussion einen wertvollen Beitrag, der im Folgenden diskutiert werden soll.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Manching und die keltische Oppidakultur
1. Die Oppidakultur
1.1. Definition des Begriffs oppidum
a) Definition von oppidum bei Julius Caesar
b) Heutige, archäologische Definition
1.2. Forschungsgeschichte
1.3. Chronologische und geographische Einordnung
1.4. Das Ende der Oppidakultur
2. Das Oppidum von Manching
2.1. Forschungsgeschichte
2.2. Geographische Lage und Umgebung Manchings
2.3. Die Gründungsphase um 300 v. Chr.
2.4. Der Aufstieg Manchings zur Stadt ab 200 v. Chr.
a) Die Bebauung
b) Handwerk
c) Münzprägung
d) Maße und Gewichte
e) Importe
f) Schriftlichkeit
g) Zusammenfassung
2.5. Manching wird Oppidum
a) Bauweise der Stadtmauer und ihrer Tore
b) Unruhige Zeiten: Das Ende des 2. Jahrhunderts
2.6. Der Niedergang und das Ende Manchings
a) Anzeichen für ein gewaltsames Ende
b) Hinweise auf einen allmählichen Niedergang
c) Zusammenfassung
III. Zusammenfassung und Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der spätkeltischen Oppidazivilisation anhand des Oppidums von Manching. Ziel ist es, die Entwicklung Manchings von einer unbefestigten Siedlung zur blühenden Stadt und dessen schließlich erfolgenden Niedergang zu analysieren, um so einen Beitrag zur Forschungsdiskussion über die Struktur keltischer Stadtgründungen zu leisten.
- Definition und archäologische Einordnung der Oppidakultur
- Die siedlungsgeschichtliche Entwicklung Manchings von 300 v. Chr. bis zum Untergang
- Bedeutung von Infrastruktur, Fernhandel und Handwerk für den städtischen Status
- Ursachenforschung für den Niedergang und das Ende der keltischen Siedlung
Auszug aus dem Buch
2.2 Geographische Lage und Umgebung Manchings
Das Oppidum von Manching wurde nicht, wie die meisten Oppida, auf einem vorher unbesiedelten, leicht zu verteidigenden Höhensporn angelegt, sondern entstand mitten in einer fruchtbaren Ebene im Ingolstädter Becken aus einer bereits in der frühen Latènezeit bestehenden Siedlung. Dennoch mangelt es dem Standort nicht an natürlichem Schutz. Gelegen auf einer hochwassersicheren Niederterrasse an der Mündung der Paar in die Donau, ist das Oppidum umgeben von Wasserläufen und Mooren, die eine Annäherung erschweren und somit von keiner Seite vollkommen ungeschützt.
Auch in anderer Hinsicht ist die Lage vorteilhaft. Die Nähe zur Donau, die über einen ins Oppidum greifenden Altwasserarm leicht für die Schifffahrt zugänglich war, bot Anschluss an den Ost-West-Handel mit der Mittelmeerwelt und dem Einflussbereich Roms, vor allem Gallien. Eine Nord-Süd-Verbindung, z. B. nach Germanien, bestand an der Paar entlang sowie nördlich der Donau im nahegelegenen Altmühltal. Die Kreuzung dieser beiden zentralen Handelsrouten bot sich geradezu an für die Anlage einer Siedlung.
Die Moore, die das Oppidum im Osten und Süden umgeben, bieten nicht nur einen natürlichen Schutz, sondern liefern auch wertvolle Rohstoffe. Das Donau- und Feilenmoos, beide dort zu finden, enthalten sogenannte Raseneisenerze, deren Nutzung zur Eisengewinnung bereits für die Frühphase der Siedlung angenommen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Oppidakultur: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Oppidums, beleuchtet die Forschungsgeschichte und ordnet die Kultur chronologisch sowie geographisch in die europäische Spätlatènezeit ein.
2. Das Oppidum von Manching: Das Hauptkapitel beschreibt die Entstehung, den Aufstieg und das Ende von Manching, wobei Aspekte wie Handwerk, Münzprägung, Handelsbeziehungen und die Bedeutung der Stadtmauer detailliert untersucht werden.
III. Zusammenfassung und Ergebnis: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse über die urbanen Organisationsformen der Oppida zusammen und ordnet Manching als Ausnahmeerscheinung mit langer Siedlungstradition in diesen Kontext ein.
Schlüsselwörter
Oppidum, Manching, Kelten, Latènekultur, Stadtentwicklung, Archäologie, Fernhandel, Metallverarbeitung, Münzprägung, Stadtmauer, Spätlatènezeit, Siedlungsgeschichte, Murus Gallicus, Importgüter, Urbanisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der keltischen Oppidakultur und insbesondere mit der Entwicklung und dem Untergang des Oppidums von Manching als herausragendem Beispiel für eine keltische Stadt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Definition des Begriffs Oppidum, die historische Entwicklung von Manching, seine Rolle als Handelszentrum sowie die wirtschaftlichen und militärischen Faktoren, die zum Ende der Siedlung führten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist die Darstellung Manchings als beispielhaftes Oppidum, um zu klären, warum diese Stadt trotz ihrer erfolgreichen Entwicklung und Tradition letztlich dem Untergang der Oppidazivilisation erlag.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine archäologische und historische Untersuchung, die auf der Analyse von Ausgrabungsbefunden, Fundinventaren und dem Abgleich mit zeitgenössischen antiken Schriftquellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Forschungsgeschichte, die geografischen Vorteile, die Gründungsphase, die Entwicklung zur Stadt durch Handwerk und Handel sowie der Bau der Stadtmauer und die Ursachen für das Siedlungsende detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Manching, Oppidazivilisation, keltische Stadt, Fernhandel, Archäologie und Spätlatènezeit charakterisiert.
Warum gilt Manching als untypisches Oppidum?
Im Gegensatz zu vielen anderen Oppida, die auf unbesiedelten Höhenzügen neu gegründet wurden, entstand Manching aus einer bereits bestehenden, unbefestigten Flachlandsiedlung und blickt auf eine wesentlich längere Siedlungstradition zurück.
Welche Rolle spielten die entdeckten Weinamphoren für die Datierung?
Die Form der Weinamphoren dient als chronologisches Indiz; da die jüngsten Exemplare um 80 v. Chr. datieren, markiert dies den Beginn des wirtschaftlichen Zusammenbruchs und des Fernhandelsnetzes, was letztlich zum Niedergang Manchings führte.
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- Laura Geyer (Author), 2010, Manching und die keltische Oppidakultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168446