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Euthanasie in Brandenburg an der Havel

Welche Maßnahmen setzte die Aktion T4 ein, um die massenhafte Tötung von Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel vor der Öffentlichkeit geheim zu halten?

Titel: Euthanasie in Brandenburg an der Havel

Hausarbeit , 2019 , 20 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Dario Heeland (Autor:in)

Medizin - Geschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die wissenschaftliche Arbeit untersucht die nationalsozialistischen Krankenmorde im Rahmen der sogenannten Aktion T4 am Beispiel der Heil- und Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel. Im Zentrum steht die Frage, mit welchen Maßnahmen auf kommunaler und reichsweiter Ebene die massenhafte Tötung von Patientinnen und Patienten vor der Öffentlichkeit geheim gehalten werden sollte. Die Arbeit wurde an der Freien Universität Berlin am Friedrich-Meinecke-Institut eingereicht. Die Arbeit zeichnet sich durch eine fundierte Quellenanalyse und eine stringente Argumentation aus. Sie wurde mit der Note 1,0 bewertet.

In der Einleitung wird der ideologische Hintergrund der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Politik dargestellt. Der Begriff wird als bewusste propagandistische Verschleierung für den systematischen Mord an als „lebensunwert“ definierten Menschen herausgearbeitet. Sozialdarwinistische, eugenische und ökonomische Argumentationsmuster dienten als zentrale Legitimationsgrundlagen. Zugleich wird aufgezeigt, dass bewusst auf eine gesetzliche Grundlage verzichtet wurde, um öffentliche Diskussionen und Widerstand zu vermeiden.

Das zweite Kapitel behandelt die Phase der zentralen Euthanasie in Brandenburg an der Havel. Die dort eingerichtete Tötungsanstalt nahm eine besondere Rolle ein, da hier erstmals Vergasungen mit Kohlenmonoxid auf deutschem Boden durchgeführt wurden. Dargestellt werden die Organisation der Transporte, der Ablauf der Tötungen sowie deren technische Durchführung. Bis zur Schließung der Anstalt im Oktober 1940 wurden über 9.000 Menschen ermordet.

Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den überregionalen und lokalen Verschleierungsmaßnahmen der Aktion T4. Dazu zählen Tarnorganisationen, Decknamen, gefälschte Todesursachen, eigene Standesämter sowie die gezielte Isolation des Personals. Der enorme bürokratische Aufwand verdeutlicht den hohen Stellenwert der Geheimhaltung.

Die Analyse der öffentlichen Wahrnehmung zeigt, dass die Geheimhaltung insbesondere aufgrund der innerstädtischen Lage der Anstalt zunehmend scheiterte. Rauch- und Geruchsbelästigungen sowie auffällige Transporte führten zu wachsendem Misstrauen in der Bevölkerung und beschleunigten die Verlegung der Anstalt nach Bernburg.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung:
  • 2. Die Phase der „zentralen Euthanasie“ in Brandenburg an der Havel:
    • 2.1. Überregionale Maßnahmen zur Verschleierung der Aktion-T4 im Deutschen Reich:
    • 2.2. Maßnahmen zur Verschleierung der Aktion T4 in Brandenburg an der Havel:
    • 2.3. Ausgliederung des Krematoriums in Brandenburg an der Havel:
  • 3. Die öffentliche Wahrnehmung im Deutschen Reich:
    • 3.1. Die öffentliche Wahrnehmung in Brandenburg an der Havel:
  • 4. Verlegung der Heil- und Pflegeanstalt nach Bernburg:
  • 5. Das Ende der „zentralen Euthanasie“:
  • 6. Fazit:
  • 7. Quellen- und Literaturverzeichnis:

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert die spezifischen Maßnahmen, die von der Aktion T4 ergriffen wurden, um die massenhafte Tötung von Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel vor der Öffentlichkeit geheim zu halten.

  • Die Ideologie und historischen Grundlagen der nationalsozialistischen „Euthanasie“.
  • Organisation und operative Struktur der Aktion T4 auf Reichs- und Lokalebene.
  • Verschleierungs- und Geheimhaltungsstrategien der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel.
  • Die öffentliche Wahrnehmung und die Gründe für das Scheitern der Geheimhaltung.
  • Die Verlegung der Anstalt und das überregionale Ende der „zentralen Euthanasie“.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Parteiintern kündigte Adolf Hitler bereits 1935 für den Kriegsfall die „Vernichtung lebens-unwerten Lebens“ an. So wurde in Kooperation mit dem Reichsministerium hinter den verschlossenen Türen der Kanzlei des Führers (KdF) die Organisation der Tötung unwer-ten Lebens geplant. Darauf aufbauend begann im Jahr 1939 die flächendeckende Registrie-rung von behinderten Neugeborenen und Kleinkindern und gleichzeitig wurden Maßnah-men zur Vorbereitung der sogenannten „zentralen Euthanasie“ an den „unheilbar“ Kranken in den Heil- und Pflegeanstalten getroffen.6 Im Oktober des gleichen Jahres beauftrag-te Hitler seinen persönlichen Begleitarzt Dr. Karl Brandt und den Leiter der KdF Philipp Bouhler mit einem auf den Kriegsbeginn zurückdatierten Ermächtigungsschreiben, den „unheilbar Kranken den Gnadenstoß zu gewähren“.7 Die Morde an den Kranken sollten ohne das Wissen der Öffentlichkeit stattfinden, um keine zusätzliche Unruhe während des beginnenden Krieges im dritten Reich auszulösen.8

Aus diesem Sachverhalt heraus wurde, anders als 1933 beim Gesetz „zur Verhütung erb-kranken Nachwuchses“, keine offizielle juristische Grundlage für die Euthanasiemorde geschaffen. Um in der Öffentlichkeit nicht in direkte Verbindung mit den Morden ge-bracht zu werden, gliederte die KdF eine Sonderverwaltung aus, genannt Zentraldienststel-le, welche später aus dem Columbushaus am Potsdamer Platz in die Tiergartenstraße 4 umzog. Die neue Adresse wird unter der Bezeichnung „T4“ namensgebend für diese Dienststelle.10

Ferner wurden im Deutschen Reich zur Ausführung des Massenmords sechs zentrale Tö-tungsanstalten in Brandenburg an der Havel, in Grafeneck, in Hartheim bei Linz, in Pirna-Sonnenstein, in Hadamar und später in Bernburg/Saale eingerichtet. Dabei starben bis zum Ende der Phase der „zentralen Euthanasie“ über 70.000 Menschen durch die Vergasung mit Kohlenmonoxid.11 Der Anstalt in Brandenburg kam hierbei in zweierlei Hinsicht eine besondere Rolle zu. Zum einen fand dort mit der „Brandenburger Probevergasung" die erste Massentötung auf dem Boden des Deutschen Reiches durch Vergasung statt.12 Zum anderen wurde die Tötungsanstalt in Brandenburg aus verschiedenen Gründen, auf die im Hauptteil näher eingegangen wird, nach Bernburg verlegt und als erste Vernichtungsanstalt im Oktober 1940 wieder geschlossen.13 Eine weitere Besonderheit war die zentrale Lage der Anstalt, welche mitten im Stadtzentrum der damals rund 83.00014 Einwohner zählen-den Stadt Brandenburg an der Havel errichtet wurde.

Es stellt sich die Frage, welche Maßnahmen auf Kommunal- und Reichsebene von der Ak-tion T4 zur Verschleierung ergriffen wurden, um den Massenmord mitten in der dicht be-siedelten Stadt im Geheimen durchführen zu können. Darüber hinaus ist es von Interesse die Wahrnehmung der Bevölkerung herauszuarbeiten, da sie als Rezipient Auskunft über den Erfolg oder Misserfolg der Maßnahme ermöglicht und somit die Wirksamkeit der Geheimhaltungsaktion für Außenstehende bewertbar macht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in den Terminus „Euthanasie“ im Kontext des Nationalsozialismus ein, beschreibt dessen Ideologie und die Anfänge der Tötungsaktionen sowie die Rolle der Aktion T4 und der Anstalt Brandenburg an der Havel.

2. Die Phase der „zentralen Euthanasie“ in Brandenburg an der Havel: Dieses Kapitel beleuchtet die konkrete Implementierung der Tötungsanstalt in Brandenburg, inklusive der experimentellen Tötungen, der angewandten Methoden und der betrieblichen Abläufe.

2.1. Überregionale Maßnahmen zur Verschleierung der Aktion-T4 im Deutschen Reich: Hier werden die umfangreichen überregionalen Vorkehrungen der Aktion T4 zur Geheimhaltung der Massenmorde im Deutschen Reich dargestellt, einschließlich der Tarnorganisationen und der Isolierung des Personals.

2.2. Maßnahmen zur Verschleierung der Aktion T4 in Brandenburg an der Havel: Das Kapitel konzentriert sich auf die spezifischen Geheimhaltungsmaßnahmen, die direkt in der Anstalt Brandenburg an der Havel getroffen wurden, wie die Fälschung von Sterbedaten und die Überwachung des Geländes.

2.3. Ausgliederung des Krematoriums in Brandenburg an der Havel: Dieser Abschnitt erklärt die Probleme, die durch die zentrale Lage des Krematoriums und die daraus resultierende öffentliche Wahrnehmung entstanden, sowie die Maßnahme der Verlegung des Krematoriums nach Paterdamm.

3. Die öffentliche Wahrnehmung im Deutschen Reich: Das Kapitel analysiert, wie trotz der Verschleierungsversuche die Massenmorde von der Zivilbevölkerung im Deutschen Reich wahrgenommen wurden und welche Pannen zur Gerüchtebildung führten.

3.1. Die öffentliche Wahrnehmung in Brandenburg an der Havel: Hier wird die lokale Wahrnehmung in Brandenburg an der Havel detailliert betrachtet, wobei die besonderen Schwierigkeiten der Geheimhaltung aufgrund der städtischen Lage und der sichtbaren Rauchschwaden hervorgehoben werden.

4. Verlegung der Heil- und Pflegeanstalt nach Bernburg: Dieses Kapitel erläutert die Gründe für die Verlegung der Tötungsanstalt nach Bernburg und die Kriterien, die bei der Auswahl des neuen, diskreteren Standortes eine Rolle spielten.

5. Das Ende der „zentralen Euthanasie“: Der Abschnitt behandelt die offizielle Einstellung der zentralen „Euthanasie“-Aktion, die zugrunde liegenden Ursachen wie öffentlicher Druck und Hitlers Bedenken, sowie die Weiterführung der Tötungen in dezentralisierter Form.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont das Ausmaß und die Raffinesse der Verschleierungsstrategien der Aktion T4 sowie deren letztendliches Scheitern und die daraus resultierende frühzeitige Schließung der Anstalt in Brandenburg.

Schlüsselwörter

Aktion T4, Euthanasie, Nationalsozialismus, Brandenburg an der Havel, Heil- und Pflegeanstalt, Massenmord, Verschleierung, Geheimhaltung, Patienten, Bernburg, Zweiter Weltkrieg, Kohlenmonoxid, Gaskammer, Eugenik, Sozialdarwinismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Maßnahmen, die von der Aktion T4 ergriffen wurden, um die massenhafte Tötung von Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel vor der Öffentlichkeit geheim zu halten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder sind die nationalsozialistische "Euthanasie"-Ideologie, die Organisation der Aktion T4, ihre Verschleierungsstrategien auf lokaler und Reichsebene, die spezifischen Abläufe in Brandenburg an der Havel sowie die öffentliche Wahrnehmung und das letztendliche Scheitern der Geheimhaltung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Maßnahmen der Aktion T4 zur Geheimhaltung der Patiententötungen in Brandenburg an der Havel zu analysieren. Die Forschungsfrage lautet: „Welche Maßnahmen setzte die Aktion T4 ein, um die massenhafte Tötung von Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel vor der Öffentlichkeit geheim zu halten?"

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf der Analyse von Originaldokumenten und umfangreicher Sekundärliteratur, um historische Abläufe und Verschleierungsstrategien zu rekonstruieren und zu bewerten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die operative Phase der "zentralen Euthanasie" in Brandenburg, die überregionalen und lokalen Verschleierungsmaßnahmen, die Ausgliederung des Krematoriums, die öffentliche Wahrnehmung im Deutschen Reich und speziell in Brandenburg, sowie die Gründe für die Verlegung der Anstalt und das Ende der zentralen Aktion.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind Aktion T4, Euthanasie, Nationalsozialismus, Brandenburg an der Havel, Massenmord, Verschleierung, Geheimhaltung, Patienten, Bernburg, Gaskammer.

Warum kam der Anstalt in Brandenburg an der Havel eine besondere Rolle zu?

Die Anstalt in Brandenburg spielte eine besondere Rolle, da dort die "Brandenburger Probevergasung", die erste Massentötung durch Gas auf deutschem Boden, stattfand und sie später als erste Vernichtungsanstalt verlegt und geschlossen wurde.

Wie wurde versucht, die Leichenverbrennung geheim zu halten?

Aufgrund der starken Rauchbildung und Geruchsbelästigung durch den zentral gelegenen Schornstein in Brandenburg an der Havel wurde das Krematorium in die sechs Kilometer entfernte Ortschaft Paterdamm ausgelagert und als "chemische Versuchsstation" getarnt.

Welche Rolle spielten Tarnorganisationen bei der Aktion T4?

Die Aktion T4 setzte vier Tarnorganisationen ein, wie die "Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten" oder die "Gemeinnützige Krankentransport GmbH", um die Tötungen nach außen hin zu verschleiern und bürokratische sowie logistische Abläufe unbemerkt zu organisieren.

Was waren die Hauptgründe für die Verlegung der Anstalt Brandenburg nach Bernburg?

Die Hauptgründe für die Verlegung waren die Schwierigkeiten bei der Geheimhaltung aufgrund der zentralen innerstädtischen Lage in Brandenburg an der Havel, die sichtbaren Rauchschwaden des Krematoriums und der Wunsch nach einem reibungsloseren, diskreteren Standort für die Vernichtungsanstalt.

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Details

Titel
Euthanasie in Brandenburg an der Havel
Untertitel
Welche Maßnahmen setzte die Aktion T4 ein, um die massenhafte Tötung von Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel vor der Öffentlichkeit geheim zu halten?
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Friedrich-Meinecke-Institut)
Veranstaltung
Psychiatrie zwischen ökonomischen Zwang, Erbbiologie und Sozialpsychiatrie
Note
1,0
Autor
Dario Heeland (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V1684860
ISBN (PDF)
9783389174265
ISBN (Buch)
9783389174272
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Euthanasie Nationalsozialismus Brandenburg an der Havel T4 Euthanasie in Brandenburg Aktion-T4 Euthanasie Brandenburg an der Havel Tötungsanstalt Nationalsozialistische „Euthanasie“ NS-Gesundheitspolitik Eugenik Sozialdarwinismus Psychiatrie im Nationalsozialismus Medizingeschichte Heil- und Pflegeanstalten Zwangssterilisation und „Euthanasie“ Heil- und Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel Krankenmorde im Nationalsozialismus Erinnerungskultur
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GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dario Heeland (Autor:in), 2019, Euthanasie in Brandenburg an der Havel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1684860
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Leseprobe aus  20  Seiten
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