Die wissenschaftliche Arbeit untersucht die nationalsozialistischen Krankenmorde im Rahmen der sogenannten Aktion T4 am Beispiel der Heil- und Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel. Im Zentrum steht die Frage, mit welchen Maßnahmen auf kommunaler und reichsweiter Ebene die massenhafte Tötung von Patientinnen und Patienten vor der Öffentlichkeit geheim gehalten werden sollte. Die Arbeit wurde an der Freien Universität Berlin am Friedrich-Meinecke-Institut eingereicht. Die Arbeit zeichnet sich durch eine fundierte Quellenanalyse und eine stringente Argumentation aus. Sie wurde mit der Note 1,0 bewertet.
In der Einleitung wird der ideologische Hintergrund der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Politik dargestellt. Der Begriff wird als bewusste propagandistische Verschleierung für den systematischen Mord an als „lebensunwert“ definierten Menschen herausgearbeitet. Sozialdarwinistische, eugenische und ökonomische Argumentationsmuster dienten als zentrale Legitimationsgrundlagen. Zugleich wird aufgezeigt, dass bewusst auf eine gesetzliche Grundlage verzichtet wurde, um öffentliche Diskussionen und Widerstand zu vermeiden.
Das zweite Kapitel behandelt die Phase der zentralen Euthanasie in Brandenburg an der Havel. Die dort eingerichtete Tötungsanstalt nahm eine besondere Rolle ein, da hier erstmals Vergasungen mit Kohlenmonoxid auf deutschem Boden durchgeführt wurden. Dargestellt werden die Organisation der Transporte, der Ablauf der Tötungen sowie deren technische Durchführung. Bis zur Schließung der Anstalt im Oktober 1940 wurden über 9.000 Menschen ermordet.
Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den überregionalen und lokalen Verschleierungsmaßnahmen der Aktion T4. Dazu zählen Tarnorganisationen, Decknamen, gefälschte Todesursachen, eigene Standesämter sowie die gezielte Isolation des Personals. Der enorme bürokratische Aufwand verdeutlicht den hohen Stellenwert der Geheimhaltung.
Die Analyse der öffentlichen Wahrnehmung zeigt, dass die Geheimhaltung insbesondere aufgrund der innerstädtischen Lage der Anstalt zunehmend scheiterte. Rauch- und Geruchsbelästigungen sowie auffällige Transporte führten zu wachsendem Misstrauen in der Bevölkerung und beschleunigten die Verlegung der Anstalt nach Bernburg.
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- Dario Heeland (Autor), 2019, Euthanasie in Brandenburg an der Havel, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1684860