Die Suche nach einem neuen Bildungskonzept in Spätantike und Frühem Mittelalter


Seminararbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Verschiedene Ansätze der Kirchenväter
1 Übersicht: 2. bis 4. Jahrhundert
1.1 Clemens von Alexandrien (um 140–215 n.Chr.)
1.2 Tertullian (um 160–220 n.Chr.)
1.3 Origines (um 185-254 n.Chr.)
1.4 Basilius der Große (um 329-379 n.Chr.)
2 Ambrosius von Mailand (um 339-397 n.Chr.)
2.1 Ambrosianischer Gesang
2.2 Instrumentenverdikt
3. Augustinus von Hippo (354-430 n.Chr.)
3.1 De Musica
3.2 De doctrina christiana
3.3 Enarrationes in psalmos
3.4 Integration der Musik in die christliche Bildung
4. (Heiliger) Benedikt von Nursia (um 480-547 n.Chr.)
5. Gregor der Große (um 540-604 n.Chr.)
6. Abt Alkuin (735-804 n.Chr.)
6.1 Gründung einer „schola palatina“
6.2 Wunsch nach weiterer Vereinheitlichung der Liturgie

III Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

I Einleitung

Menschen machen Musik, seit es sie gibt. Zwar unterscheidet sich die „Musik“ der vorgeschichtlichen Völker und Stämme weit von der, die wir heute als solche verstehen. Doch lassen sich selbst Laute oder Schreie, mit denen in den Frühkulturen kommuniziert wurde, als Musik bezeichnen. So entwickelte sich aus rituellen Gesängen und Tänzen, Klageliedern usw. nach und nach unsere heutige Musik, deren Entwicklung noch längst nicht stillsteht.

Fast genauso alt wie die Musik selbst ist die Musikerziehung und die Suche nach einem dafür geeigneten Bildungskonzept. Erste Aussagen darüber lassen sich in der Antike feststellen, die „neben dem Christentum als der bedeutendste Pfeiler europäisch-abendländischer Kultur“ gilt (Ehrenforth 2005, S.41). Die wichtigsten Personen sind Pythagoras, Platon, Aristoteles und Boethius. Das Bildungskonzept orientierte sich an den „Septem Artes Liberales“, die sich aufteilen in „Quadrivium“ (arithmetica, geometrica, astronomia, musica) und „Trivium“ (grammatica, rethorica, dialectica).

Mit dem aufkommenden Christentum wurde dieses traditionelle Konzept der Antike in Frage gestellt und man machte sich auf die Suche nach einem „christlich geprägten“ Bildungskonzept. Dabei drehte stellte man sich vor allem zwei wesentlichen Fragen:

1. Welche Bedeutung hat das Bildungskonzept der Antike weiterhin? 2. Welche Rolle spielt die Musik in der Bildung? (Ehrenforth 2005, S.112)

Den scheinbaren Widerspruch zwischen fides (Glaube, Gottvertrauen) und ratio (Vernunft, Verstand, Wissenschaft) galt es außerdem zu erklären und zu beheben.

Im Zeitraum vom 2. bis 9. Jahrhundert nach Christus suchten vor allem die Kirchenväter und Gelehrte nach Lösungen und fanden verschiedenste Ansätze. Diese werden im Folgenden dargestellt.

II Verschiedene Ansätze der Kirchenväter

Ambrosius von Mailand, Augustinus von Hippo, Benedikt von Nursia, Gregor der Große und Abt Alkuin. Das sind die wichtigsten Gelehrten des 4. bis 8. Jahrhunderts, bei denen man Aussagen über Bildung und Musik der damaligen Zeit finden kann. Diese Fünf sollen in der folgenden Arbeit hauptsächlich betrachtet werden. Aufgrund der schlechten Quellenlage, die aus dieser frühen Zeit vorliegt, ist vieles nur bruchstückhaft oder gar nicht überliefert und lässt damit Raum für Vermutungen. Über Musikerziehung im heutigen Sinne ist tatsächlich so gut wie nichts bekannt. Es wird angenommen, dass - aufgrund von mangelnder Lesefähigkeit, mangelndem Zugang zu Büchern und vor allem dem gänzlichen Fehlen einer Notenschrift - das Prinzip von (auswendig) Vor- und Nachsingen große Verbreitung gefunden hatte, ebenso wie das ungefähre Anzeigen der Tonhöhen durch die Hand. In einem Großteil der hier verwendeten Quellen wird sich aber nicht im Speziellen über Praktiken geäußert. Vielmehr werden hier Theorien über Bildungskonzepte und/oder Musik behandelt, deren Betrachtung aber ebenso wichtig ist, um einen Aufschluss über Musik und Bildung in jener Zeit zu bekommen.

1 Übersicht: 2. bis 4. Jahrhundert

Bevor aber auf die oben genannten Gelehrten eingegangen wird, sollen zuvor noch kurz einige Kirchenväter des 2. bis 4. Jahrhunderts und deren Theorien betrachtet werden.

1.1 Clemens von Alexandrien (um 140–215 n.Chr.)

Clemens von Alexandrien gilt als einer der Ersten, die Anweisungen gaben, den Schwerpunkt auf christliche Erziehung zu setzen, ohne dabei aber das antike Bildungsgut (v.a. Naturwissenschaften, Philosophie, Dialektik) zu vernachlässigen. In Bezug auf die Musik warnte er vor „Missbrauch“ der Instrumentalmusik bei Festmählern und anderen Feiern. Er verglich solche Musik mit einer „Rauschdroge“, nannte ihren Gebrauch „im höchsten Grad zuchtlos und ungeschicklich und ungebildet“.

Sein Bestreben galt dem una-voce-Prinzip, also das Gotteslob mit „einer Stimme“ darzubringen. Der Mensch sei das Instrument Gottes und jeder andere Gebrauch von Musik sei verwerflich.

1.2 Tertullian (um 160–220 n.Chr.)

Ganz anders urteilte Tertullian. Er brach radikal mit der antiken Bildungstradition und empfahl eine Erziehung, die sich auf die rein christliche Ausbildung stützt. Zur Bedeutung von Musik äußerte er sich nicht.

1.3 Origines (um 185-254 n.Chr.)

Wiederum näher an Clemens von Alexandrien war Origines. Er vertrat die sogenannte „Theologie des Logos“: Das Verbinden des Alten mit dem Neuen, das heißt, die Kenntnis der antiken Philosophie hielt er für unentbehrlich für die Abgrenzung der christlichen Philosophie. Aber auch er nannte die Musik in diesem Bezug nicht.

1.4 Basilius der Große (um 329-379 n.Chr.)

Basilius der Große urteilte recht ähnlich. Er sah sowohl die antike Philosophie als auch das Alte Testament als „praeparatio evangelica“ an, also als Vorbereitung auf das Evangelium und damit als Wegweiser auf Christus hin. Wie Clemens von Alexandria lehnte auch er „verderbliche“ Musik ab, solche nämlich, die rein die Genüsse befriedigt. Psalmengesang hingegen beschrieb er als wohlklingende Melodien.

(vgl. Ehrenforth 2005, S.112ff)

2 Ambrosius von Mailand (um 339-397 n.Chr.)

Ambrosius von Mailand gilt als einer der vier großen Kirchenväter der römisch-katholischen Kirche (neben Gregor dem Großen, Hieronymus und Augustinus). Er genoss eine juristische Ausbildung und strebte eine Beamtenlaufbahn in Rom an. 374 wurde er unerwartet und unvorbereitet zum Bischof von Mailand gewählt, nachdem er als Schlichter eines großen Streits gewirkt hatte. Ambrosius wurde getauft und anschließend zum Bischof geweiht. So kam er das erste Mal in echte Berührung mit dem Christentum, studierte von da an die Bibel und griechische Autoren.

(http://de.wikipedia.org/wiki/Ambrosius_von_ Mailand)

2.1 Ambrosianischer Gesang

Der im 4.Jahrhundert aufgekommene „Ambrosianische (auch: Mailändische) Gesang“ ist ein bekanntes Gesangsrepertoire der römisch-katholischen Liturgie, das zwar nicht - wie oft fälschlicherweise angenommen - von Ambrosius erfunden, aber nach ihm (rückwirkend im 8.Jahrhundert) benannt wurde. Der Ambrosianische Gesang war in der Region Mailand und in Teilen der Schweiz (Kanton Tessin) verbreitet, ist bis heute überliefert und wird teilweise auch noch praktiziert. Er weist Verbindungen zum altrömischen Gregorianischen Gesang auf, zeigt aber vor Allem in Psalmodie und Gesängen der Messe und des Offiziums eine eigene Gestaltung.

Hymnen und Antiphone aus der ostkichlichen Liturgie wurden hier von Ambrosius neu eingeführt. Das erste Mal gesungen wurde ein solches Antiphon wahrscheinlich während der Belagerung der mailändischen Basilika durch den Kaiser Valentian, um die in der Kirche (in der sich auch Ambrosius befand) versammelten Gläubigen wachzuhalten.

Typisch für den Ambrosianischen Gesang ist ein kräftiger und straffer Rhythmus, Syllabik, sowie volkstümliche Melodien - kurz: Einfachheit, denn der Gesang sollte unter die Leute gebracht werden. Ambrosius selbst komponierte hierfür Hymnen, von denen bis heute 14 enthalten sind. Darunter befinden sich z.B. die Hymnen „Deus creator omnium“ („Du Schöpfer aller Wesen“), „Veni redemptor gentium“ („Nun komm der Heiden Heiland“). Die (alleinige) Autorschaft des „Te deum laudamus“ („Großer Gott wir loben dich“) ist allerdings umstritten, dazu unten mehr.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Suche nach einem neuen Bildungskonzept in Spätantike und Frühem Mittelalter
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Musikpädagogik)
Veranstaltung
Historische Musikpädagogik
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V168503
ISBN (eBook)
9783640855810
ISBN (Buch)
9783640856107
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
suche, bildungskonzept, spätantike, frühem, mittelalter, Musikpädagogik, Musikerziehung, Musik
Arbeit zitieren
Regina Steinbügl (Autor), 2010, Die Suche nach einem neuen Bildungskonzept in Spätantike und Frühem Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168503

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