Die vorliegende Arbeit Rahmenbedingungen eines Bürgerkrieges nach Paul Collier, am Fallbeispiel Kongo / Zaire untersucht die Konflikte in Kongo / Zaire mit Hilfe einer, von Paul Collier aufgestellten, ökonomischen Theorie. Anhand dieser Theorie wurden vier unterschiedliche Rahmenbedingungen aufgestellt, mit einer Konzentration auf bestimmte ökonomische Sachverhalte. Mittels der aufgestellten Bedingungen wurden anschließend die Konflikte in Kongo / Zaire untersucht. Diese Untersuchung brachte interessante Ergebnisse hervor. Es zeigte sich zwar das diese Konflikte nicht genau nach Collier klassifizieren kann. Doch wurde klargestellt das das Zusammenspiel aus ökonomischen, gesellschaftlichen, historischen Bedingungen sowie Gier- und Leidmotive ein leistungsstarkes Schema darstellt, mit dessen Hilfe Konflikte sehr genau klassifiziert werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bestimmungsfaktoren eines Bürgerkrieges
2.1. Der Bürgerkriegsbegriff nach Collier
2.2. Gier als grundlegende Handlungsmaxime
2.3. Rahmenbedingungen für einen Bürgerkrieg
3. Das Fallbeispiel: Kongo / Zaire
3.1. Kurzer Umriss der neuern Geschichte des Kongos
3.2. Bürger- oder Staatenkrieg?
3.3. Gier- oder Leidmotive?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konflikte in Kongo / Zaire (1997–2003) durch die Anwendung der ökonomischen Theorie von Paul Collier, um zu klären, inwieweit diese in das Klassifizierungsschema eines Bürgerkrieges passen und ob sie als Bürger- oder Staatenkriege zu bewerten sind.
- Analyse der ökonomischen Faktoren von Bürgerkriegen nach Paul Collier.
- Untersuchung der Rolle von Gier- und Leidmotiven bei der Entstehung von Konflikten.
- Historische und geographische Kontextualisierung des Konfliktes im Kongo / Zaire.
- Klassifizierung der kongolesischen Kriege basierend auf theoretischen Rahmenbedingungen.
- Diskussion der Ambivalenz zwischen Staaten- und Bürgerkriegsmerkmalen.
Auszug aus dem Buch
3.2. Bürger- oder Staatenkrieg?
Es ist wichtig zu sagen, dass in dieser Arbeit keine Definition der jeweiligen Kriegsarten vorgenommen wird. Hier wird lediglich der Versuch unternommen, dass Fallbeispiel nach den Rahmenbedingungen Colliers zu klassifizieren.
Zuerst soll auf die relativ leicht zu beschreibenden geographischen Aspekten eingegangen werden. Es wurde bestimmt, dass ein geringer Urbanisierungsgrad und eine geringe Bevölkerungsdichte sowie das Vorhandensein von bergigem und bewaldetem Terrain die Durchführbarkeit eines Bürgerkrieges bestimmen (Collier 2006: 3 -5 u. Collier / Hoeffler 2002: 9). Die Bevölkerungsdichte von Kongo / Zaire ist mit 24 Menschen auf einem km² sehr gering. Die Bevölkerung selber konzentriert sich in der Hauptstadt Kinshasa und dem Unterlauf des Kongo sowie der Provinz Katanga. Im Jahr 1998 lebten ungefähr 30% der Bevölkerung in städtischen Gebieten (Kongo – Kinshasa Online 2009a).
Das Land selber weist sehr interessante geographische Begebenheiten auf. Zum einen ist ein Großteil des Landes von tropischem Regenwald bedeckt, diese Region wird Kongobecken genannt. Der Süden und Osten des Landes ist von Gebirgen geprägt, während das Inland durch eine ebene Landschaft gekennzeichnet ist (Kongo – Kinshasa Online 2009b). Es ist festzuhalten, dass alle von Collier genannten geographischen Aspekte auf Kongo / Zaire passen. Die Bevölkerung lebt sehr verteilt in diesem großen Land und städtische Strukturen sind nur gelegentlich vorhanden. Das weitläufige Regenwaldgebiet des Kongobeckens und die bergigen Landschaften vor allem in der Region um die Großen Seen bieten exzellente Rückzugsmöglichkeiten. Dieses Land bietet perfekte geographische Bedingungen für einen Guerillakrieg.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die krisenhafte Situation im Osten der Demokratischen Republik Kongo ein, thematisiert den Staatszerfall unter Mobutu und leitet die Forschungsfrage bezüglich der Anwendbarkeit des Collier'schen Modells auf den Kongokrieg her.
2. Die Bestimmungsfaktoren eines Bürgerkrieges: Hier werden theoretische Grundlagen wie der Bürgerkriegsbegriff, die Handlungsmaxime der Gier sowie geographische und ökonomische Rahmenbedingungen nach Paul Collier definiert und erläutert.
3. Das Fallbeispiel: Kongo / Zaire: In diesem Kapitel werden die theoretischen Erkenntnisse auf das Fallbeispiel angewendet, wobei insbesondere die historische Entwicklung, die Natur des Krieges sowie die Rolle von Gier- und Leidmotiven analysiert werden.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Collier'sche Theorie allein nicht ausreicht, um den komplexen Kongokonflikt zu klassifizieren, und plädiert für einen interdisziplinären Ansatz bei der Konfliktanalyse.
Schlüsselwörter
Bürgerkrieg, Paul Collier, Kongo, Zaire, Gier, Leidmotive, Kriegsökonomie, Staatszerfall, Ressourcenreichtum, Konfliktanalyse, Rebellion, Mobutu Sese Seko, Geographie, Ethnische Gruppen, Destabilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo / Zaire im Zeitraum von 1997 bis 2003 unter Anwendung der ökonomischen Bürgerkriegstheorie von Paul Collier.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die ökonomischen Bestimmungsfaktoren von Kriegen, die Unterscheidung zwischen Gier- und Leidmotiven sowie die Anwendbarkeit klassischer Bürgerkriegstheorien auf komplexe moderne Konflikte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die Geschehnisse im Kongo nach dem Modell von Collier als Bürger- oder Staatenkrieg klassifiziert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Herangehensweise, indem sie theoretische Rahmenbedingungen aus der Literatur (insbesondere Collier) auf ein konkretes historisches Fallbeispiel überträgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet zunächst die theoretischen Faktoren eines Bürgerkrieges und wendet diese anschließend kritisch auf die Gegebenheiten, die Geschichte und die Motivlage der Akteure im Kongo / Zaire an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Bürgerkrieg, Gier, Leidmotive, Kriegsökonomie und die spezifische Fallstudie des Kongo / Zaire.
Warum lässt sich der Kongokrieg nicht eindeutig nach Collier klassifizieren?
Die Untersuchung zeigt, dass der Konflikt Merkmale sowohl von Bürgerkriegen als auch von zwischenstaatlichen Kriegen aufweist und ökonomische Motive (Gier) oft mit politischen Gründen (Leidmotive) verwoben sind.
Welche Bedeutung hatte der Diamanthandel für den Konflikt?
Der Diamanthandel diente als wichtige Einnahmequelle zur Finanzierung der Kriegsparteien und befeuerte die Entstehung einer sogenannten Kriegswirtschaft, die den Konflikt verlängerte.
Inwiefern spielen geographische Faktoren eine Rolle?
Die Topographie des Kongo (Regenwald, Gebirge) bietet laut Collier ideale Voraussetzungen für einen Guerillakrieg, da die Regierung die Kontrolle über die weitläufigen Gebiete nur schwer aufrechterhalten kann.
- Arbeit zitieren
- Philipp Meyer (Autor:in), 2009, Rahmenbedingungen eines Bürgerkrieges nach Paul Collier, am Fallbeispiel Kongo / Zaire, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168518