Die erste Aufgabe erläutert, wie Lese- Rechtschreibstörungen gemäß der derzeit gültigen Fassung der fachärztlichen Leitlinien diagnostiziert werden sollen. Dabei wird im Unterkapitel 1.1 der allgemeine Prozess einer fachärztlichen Diagnose beschrieben und testdiagnostische Kriterien benannt. Zudem führt das Unterkapitel 1.2 drei Beispiele für geeignete psychometrische Leistungstests auf.
Das Unterkapitel 2.1 definiert den Begriff „Textverstehen“ anhand der Fachliteratur. Anschließend geht das Unterkapitel 2.2 darauf ein, wie die Entwicklung von Lesestrategien zur Förderung des Textverstehens eingesetzt wird. Darüber hinaus verdeutlicht die gesamte zweite Aufgabe die Unterschiede zwischen kompetenten und weniger kompetenten Lesenden.
In der dritten Aufgabe erläutert das Unterkapitel 3.1 die allgemeinen Grundlagen der Stufenmodelle des Lesens und Schreibens. Im Anschluss thematisiert das Unterkapitel 3.2, welche Rolle die Buchstaben-Laut- bzw. Laut-Buchstaben-Beziehungen innerhalb dieser Modelle spielen.
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- Tabellenverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- 1 Aufgabe A1
- 1.1 Allgemeiner Prozess einer fachärztlichen Diagnose und testdiagnostische Kriterien bei Lese- Rechtschreibstörungen
- 1.2 Drei Beispiele für psychometrische Leistungstests gemäß den fachärztlichen Leitlinien
- 2 Aufgabe A2
- 2.1 Definition des Begriffs „Textverstehen“ anhand der Fachliteratur
- 2.2 Entwicklung von Lesestrategien zur Förderung des Textverstehens
- 3 Aufgabe A3
- 3.1 Stufenmodelle des Lesens und Schreibens
- 3.2 Bedeutung der Buchstaben-Laut- bzw. Laut-Buchstaben-Beziehungen innerhalb der Stufenmodelle
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit zentralen Aspekten der Didaktik des Schriftspracherwerbs, wobei ein besonderer Fokus auf Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben liegt. Sie beleuchtet diagnostische Prozesse, die Förderung des Textverstehens durch spezifische Strategien und die Entwicklung von Lesefähigkeiten basierend auf Stufenmodellen.
- Diagnose von Lese- und Rechtschreibstörungen gemäß Leitlinien
- Psychometrische Leistungstests zur Erfassung von Lese- und Rechtschreibleistung
- Definition und Teilprozesse des Textverstehens
- Entwicklung und Anwendung kognitiver und metakognitiver Lesestrategien
- Stufenmodelle des Lesens und Schreibens (voralphabetisch, alphabetisch, orthografisch)
- Die Rolle von Buchstaben-Laut-Beziehungen im Schriftspracherwerb
Auszug aus dem Buch
Allgemeiner Prozess einer fachärztlichen Diagnose und testdiagnostische Kriterien bei Lese- Rechtschreibstörungen
Lese- Rechtschreibstörungen treten mit einer Prävalenz von etwa 3 bis 8 Prozent auf (Dirks, Spyer, van Lieshout & de Sonneville, 2008, S. 460-473; Fischbach et al., 2013, S. 65-76; Landerl & Moll, 2010, S. 287-294; Moll, Kunze, Neuhoff, Bruder & Schulte-Körne, 2014, S. 1-8). Ohne angemessene Behandlung zeigen sie eine hohe Persistenz und können die Betroffenen schulisch, beruflich sowie privat erheblich einschränken (Kohn, Wyschkon, Ballaschk, Ihle & Esser, 2013, S. 77-89; Shaywitz et al., 1999, S. 1351-1359).
Die Diagnosestellung gestaltet sich aufgrund unterschiedlicher Vorgehensweisen, testdiagnostischer Kriterien und Testverfahren uneinheitlich. Allerdings stellt die Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psycho-therapie e.V. (DGKJP) in ihrer veröffentlichten Leitlinie evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung bereit. Derzeit wird an einer Aktualisierung gearbeitet.
Die Zielgruppe der Leitlinie umfasst Kinder- und Jugendliche mit einer isolierten Lese-störung, einer isolierten Rechtschreibstörung oder einer kombinierten Lese- Recht-schreibstörung (DGKJP, 2015, S. 17, 18). Erstere äußert sich in zahlreichen Fehlern beim Lesen von Wörtern. Die Lesegeschwindigkeit und das Leseverständnis sind deut-lich herabgesetzt. Der Leselernprozess wird in der Regel durch Schwierigkeiten bei der Phonemunterscheidung sowie beim Zuordnen und Einprägen der Graphen-Phonem-Beziehungen beeinträchtigt. Die Phonemsynthese kann mit einer Verlangsamung ein-hergehen. Zudem ist das automatisierte Lesen oft fehlerhaft, bedingt durch unzu-reichende Gedächtnisrepräsentationen und einen verzögerten Wortabruf.
Im Fall der isolierten Rechtschreibstörung fällt das Erlernen der Phonem-Graphem-Beziehungen und die Phonemanalyse schwer. So werden Graphemfolgen verwendet, die keine er-lernte Verbindung zum entsprechenden Wort aufweisen. Schwierigkeiten bestehen auch beim Verinnerlichen der richtigen Schreibweise von Wörtern und deren Bestandteilen. Häufig sind Fehler in der Groß- und Kleinschreibung oder beim Schreiben von Konsonantenclustern zu beobachten. Graphemen können weggelassen, fehlerhaft hin-zugefügt oder durch ähnlich klingende Laute ersetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Aufgabe A1: Dieses Kapitel beschreibt den allgemeinen Prozess einer fachärztlichen Diagnose und die testdiagnostischen Kriterien bei Lese- Rechtschreibstörungen. Es werden zudem drei Beispiele für geeignete psychometrische Leistungstests gemäß den fachärztlichen Leitlinien vorgestellt.
Aufgabe A2: Hierin wird der Begriff „Textverstehen“ basierend auf Fachliteratur definiert und die Entwicklung von Lesestrategien zur Förderung des Textverstehens erläutert. Das Kapitel hebt auch die Unterschiede zwischen kompetenten und weniger kompetenten Lesenden hervor.
Aufgabe A3: Das dritte Kapitel legt die allgemeinen Grundlagen der Stufenmodelle des Lesens und Schreibens dar. Es thematisiert zudem die entscheidende Rolle der Buchstaben-Laut- bzw. Laut-Buchstaben-Beziehungen innerhalb dieser Modelle für den Schriftspracherwerb.
Schlüsselwörter
Schriftspracherwerb, Lese-Rechtschreibstörung, Didaktik, Diagnose, Textverstehen, Lesestrategien, Stufenmodelle, psychometrische Tests, Phonem-Graphem-Beziehungen, phonologische Bewusstheit, Leseflüssigkeit, Orthografie, Selbstregulation, Lernschwierigkeiten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Didaktik des Schriftspracherwerbs, mit einem Schwerpunkt auf besondere Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, und beleuchtet dabei Diagnoseverfahren, Förderstrategien und theoretische Modelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die fachärztliche Diagnose von Lese- und Rechtschreibstörungen, die Analyse des Textverstehens und die Entwicklung von Lesestrategien sowie die Stufenmodelle des Lesens und Schreibens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Prozesse der Diagnose und Förderung bei Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten zu beleuchten und dabei die zugrundeliegenden theoretischen Modelle des Schriftspracherwerbs zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Analyse der Fachliteratur und den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) für Diagnostik und Behandlung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der allgemeine diagnostische Prozess, psychometrische Leistungstests, die Definition und Förderung des Textverstehens mittels Lesestrategien sowie die Stufenmodelle des Lesens und Schreibens behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Schriftspracherwerb, Lese-Rechtschreibstörung, Didaktik, Diagnose, Textverstehen, Lesestrategien, Stufenmodelle, psychometrische Tests, Phonem-Graphem-Beziehungen und phonologische Bewusstheit.
Wie wird der Begriff „Textverstehen“ in der psychologischen Literatur definiert?
Textverstehen wird als ein komplexer, individueller Konstruktionsprozess verstanden, bei dem Textinhalte aktiv mit dem Vorwissen und den persönlichen Erfahrungen der Lesenden verknüpft werden, um Textbedeutungen zu generieren.
Was sind die drei mentalen Repräsentationsebenen des Kintsch-Modells zum Textverstehen?
Das Kintsch-Modell unterscheidet drei Ebenen: das Surface Model (wortwörtlicher Text), das Text-Base Model (propositionale Repräsentation und Mikro-/Makrostruktur) und das Situation Model (individuelle Repräsentation des Textinhalts unter Einbezug von Vorwissen und Lesezielen).
Welche Arten von Lesestrategien werden zur Förderung des Textverstehens unterschieden?
Es wird zwischen kognitiven Lesestrategien (Organisieren, Elaborieren) und metakognitiven Lesestrategien (Planen, Überwachen, Regulieren) sowie unterstützenden Stützstrategien unterschieden.
Welche Rolle spielt die phonologische Bewusstheit im Schriftspracherwerb?
Die phonologische Bewusstheit ist eine Voraussetzung für alphabetisches Lesen und Schreiben und umfasst die Fähigkeit, phonologische Strukturen zu reflektieren und gezielt mit phonologischen Elementen wie Reimen, Silben und Phonemen zu arbeiten.
- Arbeit zitieren
- Nadine Zippusch (Autor:in), 2026, Einführung in die Didaktik des Schriftspracherwerbs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1685316